Dienstag, 20. Oktober 2020

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IFOK-Dialog eine Farce?

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Januar 2011. Der teure Einsatz des Beratungsunternehmens war Teil der „Bürgerbeteiligung“ im Ansiedlungsverfahren „Pfenning“ in Heddesheim. Wie sich eineinalb Jahre später herausstellt, definiert die IFOK den „Erfolg“ mit einer „knappen Mehrheit“ für das Projekt. Die IFOK pflegt beste Kontakte zu Pfenning, der KLOK, dem LogBW und dem Wirtschaftsministerium. Es stellt sich die Frage, ob es hier um ein System von „Seilschaften“ geht.

Angeblich sollte es einen „ergebnisoffenen“ Dialog geben, als die IFOk im Juli 2009 für 35.000 Euro engagiert wurde, um die Lage in Heddesheim zu beruhigen.

Tatsächlich stellte die IFOK selbst am 10. November 2010 beim „3. Logistik-Kongress Baden-Württemberg“ eine „knappe Mehrheit“ für das Projekt als Erfolg dar. Ãœber die Variante, was gewesen wäre, wenn die „knappe Mehrheit“ dagegen gewesen wäre, wird kein Wort geäußert.

Beauftragt wurde die IFOK durch einen Gemeinderatsbeschluss vor der Kommunalwahl 2009, bei der die CDU zwei Ratssitze verloren hat und die SPD und FDP je einen. Die Grünen konnten drei Sitze hinzugewinnen, zudem gibt es einen freien Mandatsträger. Darüber hinaus hat vor allem die CDU massive Stimmverluste der einzelnen Kandidaten hinnehmen müssen.

Lange nach diesem Dialog wird deutlich, wie eng gewisse Interessen miteinander verflochten sind. So ist der IFOK-Geschäftsführer Jochen Tscheulin im Kuratorium der Heinrich-Vetter-Stiftung. Pikant: Gegen den Namensgeber gibt es noch nicht bestätigte Vorwürfe, dass dieser sich während des Dritten Reichs am Vermögen von Juden bereichert haben soll.

Netzwerk von Logistik-Freunden. Selbstverständlich dabei: die "Pfenning-Mutter" KMP Holding GmbH. Quelle: LogBW

Auch die Duale Hochschule Mannheim ist mit ihm Boot: Die Geschäftsstelle des Logistiknetzwerks Baden-Württemberg ist in Mannheim an der Dualen Hochschule, vertreten durch den Professor Michael Schröder. Der hatte die „Pfenning“-Gegner als „Taliban“ im „Wirtschaftsmagazin econo“ (an dem der Mannheimer Morgen beteiligt ist) verunglimpft und sich bis heute nicht dafür entschuldigt.

Weiter sind der Regionalverband und die Metropolregion Rhein-Neckar Teil der Logistik-Unterstützer. Und das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, vertreten durch den Minister Ernst Pfister. Hier wurde das „Kooperationszentrum Logistik e.V. (KLOK e.V.)“ ins Leben gerufen und mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 500.000 Euro bezuschusst. Ziel ist ein „Logistik-Netzwerk“ „LogBW„.

Ein Netzwerk-Partner der KLOK ist die KMP Holding GmbH (Karl-Martin Pfenning), die Muttergesellschaft von „pfenning logistics GmbH“. Karl-Martin Pfenning ist Mitinhaber der „Phoenix 2010 GmbH“, die Träger des Bauvorhabens in Heddesheim ist.

Die vielfältigen Verbindungen sind sicher nicht zufällig, sondern könnten auf ein System von Seilschaften hindeuten.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Offener Brief an Jochen Tscheulin von der IFOK

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Januar 2011. Die IFOK feiert den „Dialog“ in Heddesheim als Erfolg. Auf einem Logistik-Kongress. Die angeblich „neutrale“ Firma verdient ihr Geld damit, in scheinbar ergebnisoffenen „Dialogen“ den „Dampf“ aus strittigen Projekte zu bekommen. Hardy Prothmann schreibt in einem offenen Brief an einen der IFOK-Geschäftsführer, Jochen Tscheulin. Denn die beiden haben mal zusammen studiert und wären fast Freunde geworden.

Von Hardy Prothmann

Lieber Jochen,

ich hoffe, es geht Dir gut. Wir haben uns ja schon gut sechszehn Jahre nicht mehr gesehen. Erst 2009 habe ich erfahren, dass Du erfolgreich Karriere gemacht hast und einer der IFOK-Geschäftsführer bist.

Unsere Freundschaft damals war noch nicht gereift und ich dachte mir, dass es besser ist, im Frieden verschiedene Wege zu gehen, weil wir teils doch sehr unterschiedliche Einstellungen hatten.

Das hat sich viele Jahre später bestätigt – ich auf der einen Seite mit einem „lokalen Blog, das kritisch berichtet„, wie Ihr das in Eurem Vortrag beim „Logistik Kongress 2010“ in Stuttgart bezeichnet und auf der anderen Seite Du mit Deinem Spin-Doctor-Unternehmen, das angeblich „neutral“ Konflikte löst.

Ich bin nicht enttäuscht – ärgere mich aber ein bisschen.

Ganz ehrlich? Ich bin nicht enttäuscht, sondern sehe mich in meiner Haltung Dir gegenüber bestätigt. Ein bisschen ärgert mich, dass Deine Firma, die ohne die „kritische Berichterstattung eines lokalen Blogs“ niemals diesen Auftrag in Höhe von 35.000 Euro (oder sogar mehr?) bekommen hätte, nicht einmal in der Lage ist, das Wort „heddesheimblog“ zu schreiben.

Soviel Anstand hätte ich schon erwartet. Auf ein Danke-Schön für das viele Geld bestehe ich da gar nicht. Aber Roß und Reiter zu nennen sollte doch für eine Firma möglich sein, die sich angeblich dem „offenen Dialog“ verschrieben hat. Und auch die Erwähnung der jämmerlichen Berichterstattung im Mannheimer Morgen wäre einen Satz wert gewesen, aber wahrscheinlich ist das nicht im Sinne der Auftraggeber und auch nicht in Deinem.

Ihr schreibt das wirklich hübsch auf und analytisch brillant, wie und warum es zu Konflikten kommt und habt da eine lukrative Geschäftsidee vermarktet: Die bornierte Sturheit von machtbesessenen Bürgermeistern, Politikern und sonstigen Funktionären oder verständnislosen Geschäftsführern oder „Investoren“ bietet jede Menge „Beratungsbedarf“, der sicherlich sehr, sehr, sehr gut bezahlt wird. Immerhin gehts bei solchen Projekten ja auch um sehr viel Geld.

Aber selbst die besten machen Fehler. So auch Du und Deine Dialog-Truppe.

Für wen war was eigentlich schon "klar"? Solche Sätze können auch als Hohn aufgefasst werden. Quelle: IFOK

Erst zu behaupten, es gäbe keine Abhängigkeit vom Auftraggeber (Gemeinde Heddesheim, respektive der Bürgermeister Michael Kessler) ist schon wenig glaubwürdig gewesen. Dann aber auf einem Logistik-Kongress einen Vortrag über den „Erfolg“ in Heddesheim zu halten, das ist ein strategischer Fehler. Denn damit ist allen, selbst den begriffstutzigsten Menschen klar, dass der „Erfolg“ das Erreichen einer „knappen Mehrheit“ von Bürgerstimmen für das Projekt war.

Nicht mehr und nicht weniger.

Viel Geld für Blabla.

Oder wäret Ihr auch zu dem Logistik-Kongress eingeladen worden, hätte eine „knappe Mehrheit“, konkret 40 Bürgerstimmen oder 0,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen das Projekt gestimmt? Wohl kaum. Und im übrigen haben wir beide dasselbe studiert, deswegen weiß ich, dass Du weißt, dass ein solches Votum als nicht erfolgreich gesehen werden muss und keine demokratische Legitimation haben kann, denn das Projekt wird gegen die Hälfte des Ortes durchgeführt.

Da sind weitere Konflikte programmiert und so ist das auch gekommen. Soviel zum Erfolg.

Ihr von der IFOK habt das Geld genommen, ein bisschen Blabla gemacht, Schaubilder gezeichnet und gebetsmühlenhaft den „offenen Ausgang“ beschworen – wie man sieht, sind der Wirtschaftsminister Pfister, der Logistik-Lobbyist der Dualen Hochschule Mannheim Schröder und nicht zuletzt Karl-Martin Pfenning so sehr zufrieden, dass Ihr (sicher nochmals gegen Geld) einen Vortrag halten durftet.

Und irgendwie stellt sich dann heraus, dass die „Pfenning-Gegner“ überhaupt keine Chance hatten, aber ihre Erregung derart bedrohlich war, dass das Netzwerk, in dem Du aktiv bist, alles aufbieten musste. Regionalverband, Metropolregion Rhein-Neckar, Heinrich-Vetter-Stiftung, Duale Hochschule, Wirtschaftsministerium. Schon beeindruckend.

"Erfolg" enttarnt: "Umsetzung sicherstellen" ist das Ziel der IFOK. Nichts anderes. Dafür wird sie bezahlt. Und sie macht ihren Job. Der "Erfolg" führt über einen "Dialog" - für viel Geld macht die IFOk eine "Einigung" möglich. Quelle: IFOK

Ich lade Dich herzlich dazu ein, hier in Heddesheim (ohne Geld) mal vor den Projektgegnern über diesen Erfolg zu referieren. Ãœber die Arbeitsplätze, die nicht kommen, die Gewerbesteuer, die ein Märchen ist, den fehlenden Bahnanschluss und, und, und. Du hättest es auch gar nicht mal weit von Bensheim hierher, ich bin mir aber irgendwie sicher, dass Du Dich das nicht traust.

Ist der „Dialog“ auch „erfolgreich“, wenn ein Projekt stirbt?

Und mal ganz ehrlich, Jochen! Was würde passieren, wenn die nächsten drei, vier Dialogverfahren auch „erfolgreich“ sind, aber dazu führen, dass die Projekte nicht umgesetzt werden? Würde Euch dann noch einer engagieren, für das viele Geld, das Ihr nur bekommt, weils in der Hütte brennt?

Ich kann mich noch genau an Dich erinnern, wie Du immer fein gelächelt hast, wenn wir heiße Diskussionen hatten und Dir die Argumente ausgegangen sind. Und ich kann mich gut erinnern, wie wir damals die „Westpoint-Absolventen“ für ZUMA (Zentrum für Umfragen, Methoden, Analysen) untersucht haben und Du Dich über die kaputten Typen totgelacht hast. Und wie Deine Augen gestrahlt haben, als es ums Geschäftliche ging – die haben echt viel Geld für diese Untersuchung bezahlt und die Uminterpretation der Ergebnisse in eine „freundliche Lesart“ war echt harte Arbeit.

Für mich sind das alte Zeiten – Du bist den Umfragen, Methoden und Analysen treu geblieben. Schließlich kann man damit viel Geld machen und muss keine säckeweise gehorteten „Bundeswehr-Verpflegungsmittel“ futtern. Die Kekse waren echt komplett geschmackfrei – aber wie Du sagtest, mit Kaffee konnte man die „essen“, selbst noch Jahre über das Verfallsdatum hinaus, wie Du mir erklärt hast. Und nahrhaft waren sie auch. Du konntest dadurch im Studium viel Geld sparen.

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

Eins möchte ich Dir noch gerne mitteilen: Für mich war es das erste „Dialog-Verfahren“ in meinem Leben. Und ich habe dabei viel gelernt. Und nachdem ich ein wenig drüber nachgedacht habe, ist mir die Idee gekommen, dass ich auch ganz gut damit Geld verdienen könnte. Sicher nicht soviel wie Du, denn Du und Deine über 100 Berater und den teuren Stundensätzen arbeiten ja schließlich für „Investoren“ und jede Menge Geld.

Aber, wie Ihr treffend in Eurer Werbebroschüre schreibt: Der Widerstand ist längst nicht mehr Sache von Chaoten, sondern in der bürgerlichen Mitte angekommen. Ein einzelner hat viel Geld, aber viele haben auch ne Menge Geld. Crowd-Sourcing nennt man das, glaube ich.

Und warum sollte ich das nicht einsammeln, ein paar clevere Analytiker davon bezahlen und dann bei künftigen Dialogen für die Projektgegner in den Dialog eintreten? Das wird sicher ein Riesenspaß. Du kennst den Spruch: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

Vor allem aber könnte es durchaus sein, dass der „Erfolg“ dann ganz anders aussieht. Deswegen hoffe ich für Dich, dass Du Dir ein paar Bundeswehrkekse aufbewahrt hast – für schlechte Zeiten.

Es grüßt Dein früherer Kommilitone
Hardy

Anmerkung der Redaktion: Der IFOK-Geschäftsführer Jochen Tscheulin und Hardy Prothmann, freier Journalist und verantwortlich für das heddesheimblog, haben zusammen in Mannheim Politische Wissenschaften studiert und gemeinsam gut zwei Jahre beim Institut ZUMA als studentische Hilfskräfte gearbeitet.

Wenn die IFOK Sie zur Gymnastik aufrufen sollte – bleiben Sie einfach sitzen


Heddesheim, 18. Januar 2009. Heute Abend wird die 4. IFOK-Veranstaltung stattfinden. Dabei wird streng Regie geführt. Die Veranstaltung beginnt mit einer „Aufwärmung“. Doch die greift in Bürgerrechte ein.

Kommentar: Hardy Prothmann

Eigentlich ist es eine Informationsveranstaltung. Im aktuellen Mitteilungsblatt heißt es Bürgerveranstaltung. Vorher sprach der Bürgermeister immer vom 4. „Dialog“-Gespräch.

Die Verwirrung ist also groß. Sagen wir es ist ein Pfenning-Informationsabend. Nochmal wird alles aufgeboten, um für das Unternehmen zu werben – in der Nordbadenhalle. 1200 Sitzplätze stehen bereit.

Die Zuschauer sollen anfangs mit Fragen aufgelockert werden, beispielsweise ob sie sich schon entschieden haben oder nicht. Entschiedene sollen aufstehen oder umgekehrt.

Und hier hört der Spaß auf, auch wenn er vielleicht gerade angefangen hat.

Die Bürgerbefragung mag rechtlich nicht verbindlich sein. Die Aufforderung aber, sich irgendwie, ob verbal oder durch aufstehen oder durch sitzenbleiben zu äußern, wie man abstimmen will, ist schlicht und ergreifend ein Eingriff ist das Recht auf allgemeine, unabhängige und vor allem geheime Wahlen.

Die Bürgerbefragung ist keine Wahl – aber selbst die Gemeinde lehnt sich bei der Befragung ans Kommunalwahlrecht an. Und das ist gut so.

Die Versuche des Bürgermeisters und der von ihm bezahlten IFOK, einem auf Image-Polituren spezialisierten Unternehmen, werden nicht erst langsam geschmacklos, sie sind es bereits schon länger.

Wenn die Heddesheimer jetzt auch noch Gymnastik machen und dabei Farbe bekennen sollen, kann man gleich verlangen, sie sollen sich zum Affen machen.

Protokoll des 3. IFOK-„Dialogs“


Guten Tag!

Heddesheim, 08. September 2009. Die Protokolle der IFOK-„Dialoge“ sind über die Internetseiten der Gemeinde Heddesheim abrufbar.

Das Protokoll der 3. Sitzung finden Sie hier: Protokoll 3. IFOK-Sitzung (klick öffnet PDF-Dokument, 15 Seiten)

Weitere Informationen zum IFOK-„Dialog“ finden Sie hier: Gemeinde Heddesheim.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Diskussion über die Podiumsteilnehmer bei der öffentlichen IFOK-Sitzung

Guten Tag!

Heddesheim, 27. August 2009. Am Ende der 3. „Dialog“sitzung stand die Organisation der 4. Sitzung an, die öffentlich sein soll. Geplant ist diese Sitzung für den 18. September in der Nordbadenhalle.

Am 21. April reichte für die Bürgerinformation noch das Bürgerhaus. Der Andrang war groß, das Haus voll, an die 100 Bürger mussten stehen.

Für die nächste Veranstaltung, auf der sich Bürger zur geplanten „Pfenning“-Ansiedlung informieren können, rechnet die IFOK mit einem noch größeren Andrang und hat die Nordbadenhalle reserviert.

Geplant sind schon vierzehn Tage vorher Infostände, über die sich die Bürger vorab im Rathaus informieren können sollen. Diese Info-Tafeln sollen auch im Foyer der Nordbadenhalle aufgebaut werden.

Wer sitzt auf dem Podium?

Auf dem Podium werden drei Experten sitzen. Die Gutachter für den Verkehr und die Umwelt sowie der Architekt. Das wurde vom „Dialog“kreis ohne Diskussion bestätigt.

Doch dann wurde es lebhaft. Die IFOK hatte auf der Seite der Befürworter den Bürgermeister und die „Firma Pfenning“ vorgeschlagen sowie einen Platz freigelassen. Auf der Gegenseite waren noch alle Plätze frei.

Zunächst ging es darum, ob die IG neinzupfenning nochmals eingeladen werden sollte. Dem wurde zugestimmt. Dann ging es darum, wen man nimmt, wenn die IG nicht kommt.

Wer soll auf der „Kontra“-Seite sitzen?

Als Vorschlag wurde für die ablehnende Seite Andreas Schuster genannt – doch der ist in dann in Urlaub: „Der ist gebucht.“ Dann wurden die „Dialog“-Teilnehmer Klaus Schuhmann und Kurt Klemm genannt. Kurt Klemm, in Vertretung für Klaus Schuhmann das erste Mal dabei, sagt zu. Klaus Schuhmann muss noch gefragt werden.

Dann ging es darum, wer auf der Befürworterseite sitzt. Der „Pfenning“-Geschäftsführer Uwe Nitzinger sagte: „Herr Karl-Martin Pfenning wird sicherlich teilnehmen wollen.“ Damit waren es drei auf der Befürworterseite.

Jetzt ging es um die Diskussion, ob nicht noch jemand dazukommen könnte, denn schließlich sei es verständlich, wenn Herr Pfenning sein Unternehmen vertritt, aber Herr Nitzinger mehr im Thema drin ist.

Das sah auch Bürgermeister Kessler so. Andreas Schuster machte der Runde aber klar, dass die Bürger sehr genau nachzählen würden, wie viele für welche Seite auf dem Podium sitzen und dass ein ungleiches Verhältnis nur schwer zu vermitteln sei.

3:3-Lösung bei gleicher Redezeit.

Dann wurde darüber diskutiert, dass das doch über die Redezeit für beide Seiten aufgefangen werden könnte. Der Zweifel blieb und man entschied sich für die 3:3-Lösung.

Dann wurde der „Dialog“-Teilnehmer und Unternehmer Kristian Mansfeld vorgeschlagen. Der sagte: „Ich sehe mich nicht auf der Seite der Gegner, sondern bin unentschieden.“

Die anschließende Diskussion brachte Herrn Mansfeld doch aufs Podium als einen Vertreter, der Pro und Kontra ist, also unentschieden.

Auch Richard Landenberger vom BUND wurde für die Kontra-Seite vorgeschlagen. Ãœber ihn gab es die meisten Diskussionen. Schließlich war er auch eingeladen und nicht gekommen, wieso sollte er dann bei der 4. Sitzung plötzlich mitreden dürfen, war das Hauptargument.

Diskussion um Funktionen und Teilnahmen

Der Gemeinderat Michael Bowien wurde vorgeschlagen, aber sowohl vom Bürgermeister als auch vom SPD-Fraktionschef Merx abgelehnt. Herr Merx sagte: „Damit bin ich nicht einverstanden, denn wir haben in der SPD eine Bandbreite an Meinungen und wollen nicht nur eine vertreten sehen.“ Bürgermeister Kessler sagte: „Ich bin dagegen, weil Herr Bowien in seiner Funktion als Gemeinderat gesehen wird.“

Auf die Nachfrage, wo der Unterschied zwischen Herrn Bowien und den Herren Klemm und Schuhmann liege, denn beide sind auch Gemeinderäte, sagte Herr Kessler: „Aber die haben am „Dialog“ teilgenommen.“ Die Frage, warum dann Herr Pfenning aufs Podium darf, wurde nicht diskutiert.

Jetzt herrschte Verwirrung. Es blieben keine Kandidaten mehr. Doch. Einer, der einzige Bürger am Tisch: Heinz Franke. Den schlug aber niemand vor. Stattdessen schlug Nicole Kemmet, als Vertreterin des BdS, den Journalisten Hardy Prothmann (Gründer des heddesheimblog, Anm. d. Red.) vor. Schließlich würde der ja umfangreich und kritisch in der Sache berichten und wäre sicherlich ein für die Kritiker unter den Bürgern sehr glaubwürdiger Vertreter gegen die Ansiedlung.

Unbekannte IFOK-Mitarbeiterin soll moderieren

Doch der wollte nicht, weil er sich auf seine neutrale Berichterstatterrolle berief und sagte, er könne sich deshalb genauso gut neben Herrn Nitzinger als Pro-Vertreter setzen, was zu allgemeiner Heiterkeit führte. „Die Argumente Arbeitsplätze und Steuereinnahmen müssen geprüft werden und könnten sich positiv auf eine Entscheidung auswirken“, sagte der Journalist. Dass er überwiegend kritisch über die Ansiedlung berichte, sei der Situation geschuldet, weil ihm positive Informationen vorenthalten würden, sagte Hardy Prothmann.

Am Ende stand fest: Die Pro-Seite bilden Bürgermeister Kessler, Uwe Nitzinger und Karl-Martin Pfenning. Die Kontra-Seite Kurt Klemm sowie Klaus Schuhmann und Richard Landenberger, die beide noch zusagen müssen.

Moderiert wird die Veranstaltung von einer Kollegin des Moderators Andreas Ingerfeld: „Die Dame hat große Erfahrung mit großen Runden.“

Bevor der „Dialog“-Kreis über die nicht vorhandene Frauenquote (bis auf die Moderatorin) diskutieren konnte – beendete IFOK-Moderator Andreas Ingerfeld die 3. Sitzung.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

IFOK legt Protokoll der 2. „Dialog“-sitzung vor


Guten Tag!

Heddesheim, 11. August 2009. Die von der Gemeinde Heddesheim mit der Moderation eines „Dialogs“ beauftragte PR-Firma IFOK hat das Protokoll der 2. Sitzung vom 29. Juli 2008 vorgelegt.

Das heddesheimblog dokumentiert das Protokoll für seine Leserinnen und Leser. Das Protokoll gibt eine Zusammenfassung wieder, die nach den Programmpunkten (die wurden kurzfristig verändert, Anm. d. Red.) gegliedert ist. Am Ende des Textes finden Sie einen Link zum Download.

Im Protokoll werden der Geschäftsführer der KMP Holding GmbH („Pfenning“), Uwe Nitzinger, der von Pfenning beauftragte Architekt Günter Krüger sowie Bürgermeister Michael Kessler mehrfach zitiert. Andere Teilnehmer heißen nur „Teilnehmer“, obwohl diese zugestimmt haben, wörtlich zitiert zu werden.

Präsentation und Behauptungen – kaum Fakten

Unter Top 2, ab Seite 4, des PDF-Dokuments können Sie die Präsentation des geplanten Projekt aus Sicht des Architekten nachlesen. Dabei handelt es sich überwiegend um Behauptungen, nicht um Fakten.

Dazu finden sich Fotos und Projektzeichnungen, deren Legenden aber nicht lesbar sind. Die Fotos vermitteln den Eindruck, als würde Pfenning „in der Landschaft verschwinden“, das gilt aber ebenso für die Kirchtürme und die Hochhäuser in Heddesheim.

Standpunkte – keine Perspektiven

Auf Seite 11 und 12 können Sie die Diskussion zur „Zukunftsperspektive Heddesheims“ nachlesen. Sie ist stark verkürzt und entspricht weder den tatsächlichen Redezeiten noch der Heftigkeit der geführten Diskussionen.

Das Protokoll bezeichnet beispielsweise den „Ausraster“ von Nitzinger als kontrovers.

Ein konstruktiver Austausch über die Zukunftsperspektive Heddesheims fand im Wesentlichen nicht statt. Es ging in dieser Diskussion um Standpunkte und nicht um die Erarbeitung von Fakten und der Entwicklung einer Perspektive.

Erwähnt wird auch eine „kontroverse Diskussion…über einen Artikel….wiederholte Nachfragen…Herr Nitzinger betont, dass Pfenning in letzter Konsequenz alle Verhandlungen gewonnen hat.“

Dazu schrieb der Mannheimer Morgen:

23. Februar 2001
Pfenning-Fahrer gehören zur PF
Arbeitsgericht Darmstadt gibt Gewerkschaft Recht

„Das Darmstädter Arbeitsgericht hat ein Machtwort gesprochen: Die Arbeitnehmer der früheren Pfenning Spedition GmbH haben einen Beschäftigungsanspruch gegen die Firma PF United Logistics Spedition GmbH. Es liegt ein Betriebsübergang von der Pfenning Spedition auf die PF United vor.“

Das heddesheimblog hat mit seinem Vertreter Hardy Prothmann im „Dialog“-Kreis nicht einen Artikel angesprochen, sondern sehr viele, die allesamt im Mannheimer Morgen zu Pfenning erschienen sind. Darin ist von „Wild-West-Manieren“ zu lesen, von undurchsichtigen Firmengeflechten und der „Missachtung der Rechte anderer“.

Herr Uwe Nitzinger war dazu, freundlich gesagt, „not amused“.

Das heddesheimblog prüft zur Zeit die Aussage Herrn Nitzingers, ob tatsächlich „in letzter Konsequenz alle Verhandlungen“ gewonnen wurden.

Im Anschluss an den „Dialog“-Kreis hatte das heddesheimblog Herrn Nitzinger gebeten, doch bei der Klärung mitzuhelfen und die entsprechenden Klagen und Urteile der Redaktion zur Verfügung zu stellen, die diese Aussage belegen.

Das ist bis heute nicht geschehen.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Hier finden Sie die Artikel des Mannheimer Morgen zu Pfenning als Zusammenfassung. Die Artikel sind auch online abzurufen. Als Abonnent haben Sie die Möglichkeit, ihre Zugangsdaten einzugeben, ansonsten können Sie einen Tagesschlüssel aus der Zeitung verwenden:

Archivrecherche MM: „Pfenning ist ein bedeutendes Unternehmen. Was heißt bedeutend?“

Protokoll IFOK: Protokoll „Dialogkreis“ Heddesheim 2. Sitzung

Kurz nach der Archivrecherche bei Mannheimer Morgen zur Frage, „Was heißt bedeutend?“ und der Ãœberlegung, ob sich seit den Jahren 2000-2001 beim Unternehmen „Pfenning“ etwas geändert haben könnten, hat das heddesheimblog ein Interview mit der Gewerkschaft verdi in Hessen geführt:
„Pfenning ist ein Tarifflüchtling“
Der „Pfenning“-Geschäftsführer Uwe Nitzinger sagte dazu im „Dialogkreis“: „Das ist doch absurd. Wir waren niemals Teil der Tarifgemeinschaft, also können wir auch kein Flüchtling sein.“

IFOK-Papier: Argumente für und gegen die geplante „Pfenning-Ansiedlung“

Guten Tag!

Heddesheim, 04. August 2009. Vor einer Woche hat die IFOK im zweiten „Dialogkreis“ ein Papier verteilt mit den im Vorfeld des „Dialogs“ geführten Interviews. Diese wurden anonymisiert, trotzdem steht auf jeder Seite vertraulich.


Das heddesheimblog zitiert trotz dieser „Vertraulichkeit“ aus dem Papier. Denn das heddesheimblog macht damit das, was die IFOK zu tun vorgibt: Den Heddesheimer Bürgern bei ihrer Meinungsbildung zu helfen.

Wir werden ab heute in den nächsten Tagen immer wieder Informationen aus diesem „vertraulichen“ Papier veröffentlichen, außer, die IFOK und die Gemeinde geben das Papier sofort am Stück frei – das würde die Transparenz erhöhen und den Bürger das Gefühl nehmen, dass der „Dialog“-Kreis ein „vertraulicher“ Kreis ist. Es gibt nämlich keinen nachvollziehbaren Grund für diese „Vertraulichkeit“.

Bei der nachfolgenden Ãœbersicht handelt es sich aber nicht um Fakten, sondern um Argumente. Vieles davon dürften die interessierten Bürger schon kennen – trotzdem ist die Ãœbersicht hilfreich.

Wenn Sie weitere Pro und Kontra-Argumente haben, schicken Sie uns Ihre Vorschläge an: redaktion (at) heddesheimblog.

Wir erstellen dann eine erweiterte Pro und Kontra-Liste daraus.

Dokumentation Auszug IFOK-Papier

Argumente für und gegen die geplante Ansiedlung

Pro:

  • 100 Millionen Investment
  • Wasserversorgung und Abwasserverträge
  • Für die Firmen vor Ort: Neubau und Wartung
  • Anpassung der Straßen und Kreuzungsbereiche
  • Grundsteuer
  • Anteil an Mehrwertsteueraufkommen
  • Gewerbesteuer (Pfenning angeblich der größte Gewerbesteuerzahler in Heddesheim)
  • Anteil der Mehrwertsteuer (Doppler steht so in dem Papier, d. Red.)
  • Neue Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Gemeinde – auch einfache Arbeitsplätze (Die Firma wird ca. 500-1000 Beschäftigte haben)
  • Entwicklung und Belebung des Industriegebiets
  • Keine Durchfahrung von Wohnbebauung erforderlich

Contra:

  • Die Auswirkungen auf den verkehr (Lkw, Pkw und höcheres Pendleraufkommen)
  • Das unvorbereitete Straßennetz
  • Bisher noch kein Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr erreicht
  • Man macht sich zu unflexibel, wenn mit einem Schlag eine so große Firma wie Pfenning kommt
  • Eine große Fläche wird innerhalb kürzester Zeit zugebaut. „Ein großes Flugzeug für den kleinen Ort und das ist das Problem=
  • Lärm, nächtliche Unruhe wegen Schichtarbeit
  • Bodennahe Luftzirkulation funktioniert nicht mehr
  • Immobilien verlieren an Wert
  • Angst um Kinder und Senioren (Ãœbergangsbrücke für Fußgänger über die Ringstraße zum Sportzentrum)
  • Pfenning auch Spezialist für Chemie-Transporte. Gefahrengut – nahe gelegener Badesee – weiteres Risikopotenzial
  • Angst, dass das Versprochene nicht umgesetzt wird

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Die IFOK ist ihr Geld – 35.000 Euro – nicht wert


Guten Tag!

Heddesheim, 03. August 2009. Die Gemeinde Heddesheim hat ein PR-Unternehmen engagiert, um einen „Dialog“ zwischen Befürwortern und Gegnern einer geplanten Unternehmensansiedlung herzustellen. Dieser Versuch ist gescheitert und das Geld verloren.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die IFOK ist ein Unternehmen, dass normalerweise erst dann zum Zug kommt, wenn es richtig „brennt“.

Also wenn die Öffentlichkeit auf „den Zinnen“ ist. Oder es im Zuge eines guten Geschäfts einem Unternehmen unter den „Nägeln brennt“, eine gewisse Öffentlichkeit herzustellen, damit das Geschäft auch wirklich gut funktioniert.

Jetzt gibt es die „IFOK“ hier im Ort, einmal im Monat, von der vorher niemand in Heddesheim wusste, wer oder was das ist.

Ihr Auftrag: Einen „Dialog“ herstellen. Ihr Auftraggeber: Die Gemeinde Heddesheim.

Die Dramaturgie: Bürgermeister hat Probleme mit der öffentlichen Meinung, die IFOK schreibt ein Drehbuch und alles wird gut.

Mit dem „Drehbuch“ und einem guten „Image“ und „Erfolg“ wirbt die IFOK für sich.

Gute Drehbücher, also gute Geschichten, sind überall Mangelware und kosten somit viel Geld.

Eine „gute“ Geschichte ist teuer.

Für 35.000 Euro ist ein „Erfolg“ allerdings nicht zu haben. Wer wirklich „Erfolg“ haben will, muss mindestens drei oder vier Mal so viel ausgeben oder noch viel, viel mehr. So geht das in der Wirtschaft.

Alles andere ist eine Mogelpackung.

In der Kommunalpolitik bekommt ein unter Druck geratener Bürgermeister für 35.000 Euro gerade mal einen „Moderator“ und zwei Hilfskräfte.

Die drei von der IFOK waren schon beim ersten „Dialog“-Kreis schwach, beim zweiten „Dialog“-Kreis haben sie nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch vollkommen versagt.

Was haben sich der Bürgermeister und Teile des Gemeinderats dabei gedacht? Mal für ein paar zehntausend Euro ein bisschen guten Stimmungswind als Auffrischung fürs Dorf zu buchen?

So geht das nicht. 35.000 Euro für vier „Dialogtermine“ sind rund 9.000 Euro für einen „Dialog“-Termin. Moderator, Assis, Druckosten, Ausgaben, Anfahrt usw.

Für jeden, der „normales“ Geld verdient, sind das astronomische Summen.

Für einen PR-Angestellten, der vielleicht 7-8000 Euro im Monat verdient, plus zwei Assistentinnen á 4.000 Euro macht das: 16.000 Euro Personalkosten. 100 Prozent Aufschlag sind 32.000 Euro und schon ist man ungefähr im Geschäft.

„Öffentlichkeits-Catering“ bietet nur Häppchen.

Damit hat man aber nur einen „Moderator“ und zwei Assis gebucht. Keine Spitzenleute. Und schon gar kein „Drehbuch“.

Gute Krisen-PR bekommt man auch in Zeiten der Krise nicht für ein „lächerliches“ Honorar von 35.000 Euro.

Das stützt die Thesen des SPD-Gemeinderats Michael Bowien und des Ex-Heddesheimers Rainer Neutard, dass die Gemeinde Heddesheim schon im Ansatz vollkommen überfordert ist, was die Dimension „Pfenning“ angeht.

Heddesheim als Gemeinde kann mit „Pfenning“ nicht mithalten – schon gar nicht beim Aufwand. Bürgermeister Michael Kessler im MM-Interview: „ Und dessen (Pfenning, d. Red.) bisherige Aufwendungen überschreiten unsere mit Sicherheit.“

Und das wird auch in Zukunft so sein.

Und das bringt auch einen Bürgermeister in Zugzwang: „Wissen Sie eigentlich, was Sie uns schon gekostet haben?“, ist eine vorstellbare Frage an den Bürgermeister. „Wir haben richtig investiert und sie wollen uns jetzt hängen lassen?“, „Wir sind Unternehmer und was sind Sie?“, sind Fragen, die nicht im Kino spielen, sondern vorstellbar auch in Heddesheim.

Diese Fragen werden überall gestellt, immer dann, wenn es um viel Geld geht, in diesem Fall um eine Investiton von 100.000.000 Euro.

Diese Frage bekommt auch einer gestellt, der sich offensichtlich mehr für den Erfolg eines Unternehmens einsetzt, als für seine Bürger, die darauf vertrauen, dass er für sie da ist.

Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Vergleich: Die Pressemitteilung der IFOK und der Kommentar in einer Tabelle


Guten Tag!

Das heddesheimblog dokumentiert hier die Pressemitteilung der IFOK zum zweiten „Dialog“-Kreis in einer Tabelle mit dem Kommentar des freien Journalisten Hardy Prothmann.

Der „Dialog“-Teilnehmer hatte die Zustimmung zu dieser Pressemitteilung abgelehnt – wegen umfangreichen inhaltlichen Mängeln.

Die Tabelle als pdf-Dokument: Die kommentierte Pressemitteilung

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

„Dialog“-Fragen der IFOK, Antworten des Journalisten Hardy Prothmann

Guten Tag,

das folgende Interview wurde von der IFOK GmbH mit dem Journalisten Hardy Prothmann am 23. Juni 2009 im Heddesheimer Bürgerhaus geführt.

Das heddesheimblog dokumentiert das Gespräch.

Wie ist Ihre Wahrnehmung der Firma Pfenning?
„Für mich ist es ein Unternehmen wie jedes andere – ein mittelgroßer Mittelständler. Mit größeren Problemen in der jüngeren Vergangenheit, die in der Presse, beispielsweise im Mannheimer Morgen 2000-2002 berichtet wurden. Da wurde zum einen von einem zusammengeschlagenen Betriebsratschef berichtet und es gab erhebliche arbeitsrechtliche Vorfälle, bei denen Pfenning vor dem Arbeitsgericht Darmstadt verurteilt wurde.

Die Gewerkschaft verdi hat enorme Probleme mit Pfenning. Die Informationspolitik der Pfenning-Gruppe nach außen ist aus meiner Sicht sehr dürftig. Aufgrund der Größe des Unternehmens und des Vorhabens, also der geplanten Pfenning-Ansiedlung in Heddesheim, würde ich mir eine bessere Informationspolitik wünschen.“

Wie ist Ihre Wahrnehmung der Gemeinde Heddesheim?
„Die Gemeinde Heddesheim, also der Bürgermeister, kommt nicht seiner Verpflichtung nach, die Bürger umfänglich in der Sache der geplanten Ansiedlung des Logistikzentrums der Unternehmensgruppe Pfenning zu informieren. Ansonsten lebe ich gerne hier.“

Welche Meinung vertreten Sie zur geplanten Ansiedlung des Logistikzentrums?
„Die Ansiedlung eines Unternehmens in dieser Größenordnung wirft viele Fragen auf, die geprüft werden müssen. Und zwar auf die Chancen, die sich bieten und noch genauer auf die Nachteile, die damit verbunden sein werden.

Die Argumente für die Chancen habe ich gehört, aber dazu keine gesicherten Informationen.

Die Fragen zu den Nachteilen kenne ich auch und die haben vor dem Hintergrund der unsicheren Vorteile mehr Gewicht.

Weil keine Transparenz besteht und keine soliden Informationen vorhanden sind, ist meine Meinung ablehnend.

Dass könnte sich ändern, wenn wirklich solide Informationen vorlägen, die deutliche Vorteile für die Gemeinde und nicht nur klare Vorteile für einige Interessierte bieten würden.

Der Bürgermeister behauptet zum Beispiel, Pfenning wird der größte Gewerbesteuerzahler.

Aber warum veröffentlicht das Unternehmen dann nicht, wie viel Gewerbesteuer es in den letzten Jahren an Viernheim gezahlt hat? Kein Konkurrent kann daraus Vorteile ziehen, weil aus den tatsächlichen Gewerbesteuerzahlen nicht der Geschäftsverlauf rekonstruierbar ist und somit kein Nachteil für Pfenning entsteht.

Es wäre aber eine Aussage, die Pfenning für Heddesheim attraktiv machen könnte, dass Pfenning tatsächlich für die Gemeinde eine wichtige Einnahmequelle wäre.

Die bisherigen Mitarbeiter ziehen mit um. Behauptet wird, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Ist das aber so? Die umgezogenen Mitarbeiter schaffen keine neuen Arbeitsplätze.

Im Gegenteil werden Leiharbeiter und Subunternehmer in den aufgeführten Zahlen mit eingerechnet – dadurch wird die Zahl verdoppelt und es werden neu geschaffene Arbeitsplätze aufgeführt, die es nicht gibt.

Auch wird gesagt, dass im Falle einer Ansiedlung nur 5% des Logistikverkehrs durch den Ort fahren würde – ich bezweifle das.

Dabei wird außerdem nur über die erste Baustufe gesprochen und nicht über die zweite, die noch mehr Verkehr bringen wird. Außerdem sind dies nur die niedrig gerechneten Zahlen von Pfenning. Andere, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigen, kommen zu anderen Zahlen.

Auch gibt es bis heute noch keinen Entwurf einer Erklärung, mit der sich die Pfenning-Gruppe selbst verpflichtet, so wenig wie möglich Verkehr durch den Ort zu leiten, obwohl sie das am 21. April 2009 angekündigt hatte

Auf der Informationsveranstaltung hat das Unternehmen auch gesagt, man wolle ein Bürgertelefon einrichten. Das hat sich als Geschwätz herausgestellt.“

Wie schätzen Sie die Grundstimmung in der Gemeinde ein?
„Die Stimmung spiegelt sich in der Wahl wider. Man kann fast von einem Systemwechsel sprechen.

Die einzelnen Stimmergebnisse der CDU zeigen, dass wieder gewählte Gemeinderäte bis zu 37 Prozent Verluste hinnehmen mussten, dabei ist die CDU die Partei, die die treuesten Stammwähler hat.

Für die CDU war das eine Horrorwahl. Die Bürger lehnen die Art und Weise ab, wie das Verfahren durch das Unternehmen und die Gemeinde angegangen wird.“

Was spricht aus Ihrer Sicht für und was gegen die geplante Ansiedlung des Logistikzentrums?
„Dagegen spricht die Intransparenz, das erhöhte Verkehrsaufkommen, die wenig qualifizierten Arbeitsplätze, die auch nicht neu geschaffen werden und wahrscheinlich weniger Finanzmittel durch Gewerbesteuer für Heddesheim als angenommen.

Für alle Punkte gilt umgekehrt eine positive Einschätzung: sollten wirklich langfristige Arbeitsplätze entstehen, der Verkehr die Gemeinde nicht zu sehr belasten und die Ansiedlung der Gemeinde finanzielle Vorteile bringen, wären das positive Aspekte.

Ohne eine transparente Informationspolitik sind aber selbst möglicherweise positive Auswirkungen von vorne herein abzulehnen, weil nichts davon überprüfbar und feststellbar ist.“

Seit wann sind Sie über die geplante Ansiedlung informiert?
„Seit April 2009.“

Wie wurden Sie informiert?
„Durch private Gespräche.“

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten zur Information und Diskussion haben Sie bisher genutzt?
„Am 21. April 2009 gab es eine Bürgerveranstaltung. Außerdem gab es einen sechsseitigen Artikel von Bürgermeister Kessler im Amtsblatt, der jedoch lediglich die Positionen des Bürgermeisters und die der Pfenning-Gruppe darstellte.

Das Unternehmen Pfenning hat bisher nur auf der Informationsveranstaltung direkt informiert, seitdem gab es keine wahrnehmbaren Veröffentlichungen, außer einigen Zitaten im Mannheimer Morgen.

Und es gibt in Konkurrenz zu den vorhandenen Medien in der Region das heddesheimblog, auf dem ich als Journalist mit anderen Mitwirkenden Informationen veröffentliche. Hier gibt es getaillierte Informationen und viele hintergründige Berichte, unter anderem das umfangreichste Interview zur Sache mit dem Geschäftsführer der Pfenning-Gruppe, Uwe Nitzinger.

Darüber hinaus gab es ein paar Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung und vereinzelt Berichte beim SWR, aber das waren lediglich Nebenartikel und deswegen nicht so relevant.“

Wie bewerten Sie das Informationsniveau der Bürger?
„Das Informationsniveau der Bürger ist sehr hoch. Es gibt ein enorm hohes Interesse – man diskutiert überall, auf Festen, auf der Straße, in Geschäften, im privaten Rahmen etc

Auch viele ältere Bürger in Heddesheim, denen man eher eine hohe Zuneigung zur Gemeinde nachsagt und die normalerweise viel Vertrauen in die Gemeinde haben, stehen der Sache zunehmend ablehnend gegenüber, weil sie feststellen, das sie von den Verantwortlichen schlecht informiert werden.“

Wie schätzen Sie die Tonalitätsentwicklung der Diskussion ein?
„Das Thema ist erst kaum wahrgenommen worden, sondern nur von einem kleinen Kreis von Bürgern, vor allem von denjenigen, die im Gewerbegebiet wohnen und arbeiten.

Mit den Flyern der IG neinzupfenning Anfang April ist die Sache dann mit einem Knall bekannt geworden.

Aufgrund der Reaktion auf die Flyer ist dann auch die Bürgerveranstaltung organisiert worden.

Fast 600 Personen haben an dieser Abendveranstaltung teilgenommen – so viele wie noch nie zuvor bei einer solchen Veranstaltung. Seitdem ist das Interesse der Bürger sehr hoch.

Auch durch die Berichterstattung auf dem heddesheimblog und dadurch bedingt auch durch eine erhöhte Berichterstattung im Mannheimer Morgen, also dem bisherigen Leitmedium.

Seit dem 28. April gibt es auf dem heddesheimblog eine tägliche Berichterstattung, die dazu beiträgt, dass das Interesse weiter nach oben geht. Der Mannheimer Morgen sieht die Konkurrenz und zieht nach.“

Wie schätzen Sie die Kultur des Dialogs ein?
„Auf der Bürgerseite ist die Dialogkultur sehr vernünftig und sachorientiert. Die politische Diskussion hingegen aus den örtlichen Parteien bezeichne ich als „unterirdisch“ und zwar anfangs auf alle Parteien bezogen.

Weiterhin kommen die Parteien bis heute nicht der Pflicht nach, die Interessen der Bürger aufzunehmen, mit Ausnahme der Grünen, die sich mit der Zeit den Sorgen der Bürger zugewandt haben.

Die Dialogkultur von Seiten der Gemeinde ist eindeutig dem Bürgermeister zuzusprechen.

Der Bürgermeister verweigert Teilen der Presse Informationen.

Aktuell hat er das Problem, dass er nicht mehr Herr des Verfahrens zu sein scheint, sondern nur noch die Möglichkeit hat zu reagieren, statt zu agieren.“

Gab es bereits früher Konfliktpunkte in der Gemeinde?
„Ja, zum Beispiel mit der Ringstraße und der Umgehungsstraße – das ist schon seit 30 Jahren ein Thema.

Weiterhin gibt es ebenfalls ein Verkehrsthema: Die unzureichende Nahverkehrsanbindung durch öffentliche Verkehrsmittel (Ladenburg, Viernheim). Man kommt aus Heddesheim raus aber nicht wieder rein.

Ansonsten ist der innerörtliche Verkehr immer wieder ein Thema.

Weitere Punkte sind Schulthemen, man will hier ja eine Wohngemeinde haben und versucht junge Familien hierher zu bekommen oder zu halten. Da geht es um Fragen wie sind die Schulen ausgestattet? Wie werden die Gebäude und Spielplätze gepflegt, welche Angebote gibt es, die Heddesheim attraktiv für Familien machen?

Im direkten Zusammenhang zur geplanten Pfenning-Ansiedlung ist die geplante Fleischfabrik der Firma Edeka zu sehen, die 2008 abgesagt wurde.

Da gab es im Vorfeld relativ wenig Diskussionsbedarf, wahrscheinlich, weil Edeka schon hier in Heddesheim bekannt ist und das Ausmaß dieser Ansiedlung nicht erfasst wurde.

Am ausgewählten Standort Rheinstetten bei Karlsruhe gibt es hingegen massive Proteste und es hat sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau der Fleischfabrik gegründet.“

Wie wird sich die Diskussion aus Ihrer Sicht entwickeln?
„Ich glaube, dass die Fronten verhärtet sind. Vor allem bei der CDU. Weniger bei der SPD, die hat in letzter Zeit eine Bereitschaft entwickelt auf die Bürger zuzugehen. Für die FDP kann ich diese Bereitschaft nur bedingt einschätzen. Die Grünen wenden sich den Sorgen der Bürger zu.

Ich denke, dass der Anteil der Bürger, die kritisch gegenüber der Ansiedlung sind, weiterhin zunimmt. Ich kann mir vorstellen, dass, wenn sich die Informationspolitik nicht verändert, es zu personellen Bürgerprotesten kommt.

Spannend wird die Arbeit für den neuen Gemeinderat. Ich sehe, dass es dort massive Blockaden zwischen den Parteien geben wird und auch im Verhältnis zum Bürgermeister.

Ich habe mit sehr vielen Bürgern aus den „unterschiedlichen Lagern“ und zwar nicht nur „Ja“ oder „Nein“ gesprochen und bemerkt, dass das Ansehen des Bürgermeisters durch die Informationspolitik hinsichtlich der Pfenning-Ansiedlung enorm gelitten hat und weiter leiden wird, wenn sich nichts ändert.

Es wird zu viel geheim gehalten und die Fakten unzureichend dargestellt – die Bürger misstrauen dem Bürgermeister immer mehr, selbst die, die ihm ein Grundvertrauen entgegen bringen.“

Wie sind Ihre Erwartungen und Punkte, über die weiter diskutiert werden sollte?
„Von der Politik erwarte ich mir künftig mehr Transparenz, eine höhere Informationsdichte und eine öffentliche Diskussion – nicht über die Medien, sondern im direkten Austausch mit dem Gemeinderat, der Firma Pfenning und den Bürgern. Die Medien können das dann berichten.

Wichtig ist, dass interessierte Bürger selbst an der Diskussion teilhaben können, wenn sie es wollen.

Ich erwarte eine offene Diskussion und direkte Bürgerbeteiligung. Meine Empfehlung an den Gemeinderat wäre, den Auftrag an die Firma IFOK zurückzuziehen oder neu zu definieren.

Im ersten Fall würde ich mir eine Moderation durch eine neutrale Person wünschen, das könnten Universitätsmitglieder sein, Mitglieder der Kirche, auch Bürger aus Heddesheim, die eine hohe soziale Akzeptanz genießen und unverdächtig sind, einer Seite zuzuneigen.

Ich bin mir sicher, dass es so jemanden gibt.

Wenn IFOK aus meiner Sicht den Auftrag gut zu einem Ende führen möchte, dann sollte IFOK den Gemeinderat dringend überzeugen, dass der Dialog nicht in Gesprächen hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Außerdem sollte die Höhe des Honorars von IFOK sowie der gesamte Vertragsinhalt veröffentlich werden – das würde für mehr Transparenz sorgen.“

Wer sollte aus Ihrer Sicht unbedingt am Dialog teilnehmen?
„Der Bürgermeister, alle Gemeinderatsmitglieder, die IG neinzupfenning, das Unternehmen Pfenning, alle Bürger, die den Wunsch verspüren, sich verantwortlich zu beteiligen.

Wenn es zu viele einzelne Bürgerstimmen wären, dann müssten Vertreter aus ihrer Mitte gewählt werden.

Außerdem externe Experten, die gegen ein Honorar bereit wären, sachorientierte Informationen zu geben.“

Welche Erwartungen haben Sie für den Dialog?
„Der Dialog sollte auch über die Zukunft der Gemeinde Heddesheim geführt werden.

Interessant in diesem Kontext ist, dass auch Wählerstimmen aus einzelnen Wahlbezirken Grün gewählt haben, obwohl die betreffenden Wahlbezirke nicht direkt von der Ansiedlung betroffen wären.

Die Art der politischen Diskussion sollte anders werden und die Kommunikation auf eine andere Art ablaufen, nämlich sich am Interesse der Bürger orientieren.“

Könnten Sie sich vorstellen am Dialog teilzunehmen?
„Ja, auf jeden Fall.“

IFOK befragt den Journalisten Hardy Prothmann

Guten Tag,

heute hat die IFOK den für das heddesheimblog verantwortlichen Journalisten Hardy Prothmann befragt. Das Gespräch dauerte 45 Minuten.

Die IFOK GmbH aus Bensheim hat von der Gemeinde Heddesheim den Auftrag, einen „Dialog“ zu führen. Dafür befragt die IFOK zunächst „Akteure“, die im Zusammenhang mit der geplanten Pfenning-Ansiedlung in der Öffentlichkeit aufgetreten sind. Daneben werden aber auch Privatpersonen befragt.

Nach Angaben der IFOK wurde bis heute etwa eine Drittel von 25 Personen befragt.

Das Interview dazu ist gegliedert und fragt verschiedene Parameter im Zusammenhang mit der geplanten Pfenning-Ansiedlung ab. Darunter, wie das Unternehmen Pfenning-Gruppe wahr genommen wird, die Gemeinde, die öffentliche Diskussion, welche Haltung der Interviewte gegenüber dem Unternehmen Pfenning hat und der geplanten Ansiedlung.

Wann das Thema wahr genommen wurde, wie sich das Thema in der eigenen Wahrnehmung „entwickelt“ hat, welche Bedeutung es nach der Wahl hat, wer darüber wie disktuiert. Weitere Fragenkomplexe widmen sich der Politik, den Bürgern und der Interessengemeinschaft neinzupfenning. Die IFOK möchte auch gerne wissen, wie die Diskussion weiterlaufen sollte, welche Fragen offen sind, wie diese beantwortet werden können. Ob man für oder gegen eine Pfenning-Ansiedlung ist und welche Faktoren ausschlaggebend wären, die eigene Haltung zu verändern.

Weiter möchten die IFOk wissen, welche Themen noch in Heddesheim diskutiert werden und welche in der Vergangenheit diskutiert wurden.

Aus den Fragen werden Wortprotokolle erstellt, auf Wunsch auch anonym. Anfang Juli soll es dann eine erste Gesprächsrunde mit den ausgesuchten „Akteuren“ geben. Wann genau steht noch nicht fest.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Der gute Rat – schickt die IFOK nach Hause

Kommentar: Hardy Prothmann

Die Bürger haben bei der Wahl klar gemacht, was sie wollen: Informationen. Ãœbersichtlich, verständlich, nachvollziehbar – und nicht verordnet.

Die IFOK ist deshalb das falsche Unternehmen zur falschen Zeit.

Warum? Es hat was mit der Krise zu tun, der Wirtschaftskrise. Die Kunden der IFOK sind mittlere und große Unternehmen. Die wollen für viel Geld „gut dastehen“. Dafür „sorgt“ dann die IFOK.

Weil im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld auch für die IFOK immer weniger Aufträge abzufischen sind, nimmt man halt, was kommt – und landet in Heddesheim.

Die Bürger könnten sich ein Unternehmen wie die IFOK nie leisten – viel zu teuer.

Die Bürger können es sich aber leisten, eine Meinung, eine Haltung zu haben – das ist ihr Recht und billig. Das haben sie bei der Wahl bewiesen. Und dafür brauchen sie keine IFOK.

Die Bürger sind mündig und können für sich selbst reden – nur das ist nicht gewollt.

Gewollt ist eine „Kanalisation“ der öffentlichen Meinung – per „Drehbuch“. Damit wirbt die IFOK für sich: „Sie sagen, wie Sie wahrgenommen werden wollen und wir machen das für Sie.“

Die IFOK soll „Fakten auf oder an den Tisch bringen“. Dann sollte sie ausgiebig den Bürgermeister und den noch amtierenden Gemeinderat befragen und nicht die Bürger – die haben ihre Fakten auf den Tisch gelegt: Ärger über die Politik des Gemeinderats und des Bürgermeister, Sorgen über ihre Zukunft und die des Ortes und die Aufforderung, informiert zu werden.

Diese „Fakten“ der Bürgerseite sind also bekannt. Diese von einem teuer bezahlten Unternehmen noch mal zu „protokollieren“, ist reine Geldverschwendung.

Deswegen sollte man die IFOK nach Hause schicken – das Geld wäre, wie es oft so schön heißt, besser in Kindergärten oder andere sinnvolle Projekte angelegt.

Ein sinnvolles Projekt, mit dem alle Bürger etwas anfangen könnten, wäre genau das, was die IFOK zu tun vorgibt: eine Bürgerbefragung.

IG neinzupfenning lehnt „Einzelgespräche“ mit der IFOK ab

Die IG neinzupfenning lehnt mit einem Schreiben an den Bürgermeister Michael Kessler das geplante Moderationsverfahren des PR-Unternehmens IFOK ab. Der Vorwurf: Die IG erkennt in dem geplanten „Dialog“ ein „durchsichtiges Spiel“, um die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Das Schreiben der IG neinzupfenning hat es in sich: Dem angekündigten „Dialog“ über die PR-Unternehmung IFOK wird eine klare Absage erteilt.

Die IG neinzupfenning begründet ihre Ablehnung damit, dass das Unternehmen IFOK „zielorientiert“ die Interessen der Auftraggeber, also in diesem Fall der Gemeinde verfolgt und verweist auf die Selbstdarstellung des PR-Unternehmens:
„Wir konzipieren ihre Veranstaltung und richten sie punktgenau aus auf ihr Ziel und ihre Botschaft. (…) Wir platzieren ihre Botschaft so, dass sie nachhaltig wirkt.“

Dieser „Auftrag“ ist nach Meinung der IG neinzupfenning „durchsichtig“. Die IG befürchtet eine versuchte „Aufspaltung“.

Weiterhin wirft die IG neinzupfenning dem Bürgermeister vor, er verwende Steuergelder, um seine Ziele zu erreichen.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Dokumentation: Der Brief der IG neinzupfenning in Sachen IFOK

Der Brief der IG neinzupfenning in Sachen IFOK

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Kessler,

mit Brief vom 9. 6. 2009 laden Sie die Mitglieder der IG „neinzupfenning“ zu Einzelgesprächen mit der Moderationsfirma IFOK ein. Wie Sie in den vergangenen Wochen feststellen konnten, ist die IG „neinzupfenning“ eine Interessengemeinschaft, die Ihr Anliegen gemeinsam diskutiert und gemeinsam nach außen vertritt. Eine Aufspaltung durch einen bezahlten Moderator können wir deshalb nicht akzeptieren.

Wir waren und sind noch immer zu einem Gespräch mit Ihnen, der Firma Pfenning und den Mitgliedern des Gemeinderates, die das Pfenning Projekt befürworten, bereit.
Diese Möglichkeit wurde aber bisher nicht genutzt oder gewünscht. Stattdessen sollen wir mit einer Moderationsfirma, deren Auftrag durchsichtig ist und die aus Steuermitteln bezahlt wird, in einen Dialog eintreten.

Für uns ist die Zweckdienlichkeit der Einschaltung eines bezahlten Moderators nicht gegeben.

Besonders nachdem wir uns mit der IFOK GmbH beschäftigt und deren interne Empfehlungen zur Kenntnis genommen haben, kann nur jedem Bürger geraten werden, sich den Gesprächen mit dieser Firma zu enthalten. Es kann nicht sein, dass Bürger zur – bezahlten Manipulationsmasse- im Interesse des Auftraggebers werden.

Wir empfehlen den Bürgerinnen und Bürgern von Heddesheim die nachstehenden Zeilen selbst zu beurteilen.

(Auszug aus der IFOK Firmen-Homepage):

„Sie planen eine Veranstaltung und möchten Emotionen, Scheinwerferlicht und oft auch Prominenz bieten? Sie möchten positive Resonanz – bei den Teilnehmern wie in den Medien? Dafür brauchen Sie die richtigen Formate. // Wir konzipieren Ihre Veranstaltung und richten sie punktgenau aus auf Ihr Ziel und Ihre Botschaft. // Wenn Sie es wünschen, liegt die Organisation und Durchführung vollständig in unserer Hand. Wir finden passende Räume und Referenten, erledigen das Teilnehmer- und Einladungsmanagement, produzieren Werbemittel und schaffen eine Atmosphäre, in der sich Ihre Teilnehmer rundum wohl fühlen. Wir moderieren im Plenum und in Kleingruppen, dokumentieren die Ergebnisse und werten sie aus. Auf unser Drehbuch können Sie sich verlassen: Wir platzieren Ihre Botschaft so, dass Sie nachhaltig wirkt. Ihre Veranstaltungen, ob groß oder klein, werden zu einem Erlebnis für die Teilnehmer und jeder verlässt sie mit einem handfesten Ergebnis.“

Müssen Sie, Herr Bürgermeister Kessler, zusammen mit den im Rat zustimmenden Parteien sich derartig durchsichtiger Mittel bedienen und dafür Steuergelder freigeben, um Ihre Ziele zu erreichen?

Wir, die IG „neinzupfenning“ wird sich jeglichem Gespräch mit der IFOK GmbH enthalten.

Mit freundlichen Grüssen
IG „neinzupfenning“

Der „IFOK-Brief“ aus dem Rathaus

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Das politische Verhältnis der Gemeinden Hirschberg und Heddesheim ist zutiefst gestört

Enttäuschte Verlässlichkeiten

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Heddesheim/Hirschberg, 27. September 2013. (red) Die unterschiedliche Entscheidung zum Thema Gemeinschaftsschule zementiert das zutiefst gestörte politische Verhältnis zwischen den Bürgermeistern und Gemeinderäten der Nachbargemeinden. Die Gründe sind vielfältig und nicht erst durch diese Entscheidung bedingt. Und ganz sicher ist die Schule mittlerweile ein Wahlkampfthema. [Weiterlesen…]

Pfenning: Der Klotz belastet die Gemeinde

Der Fluch des Gröbaz-Wahns

Lastet wie ein böser Geist auf der Gemeinde: Der Klotz.

 

Heddesheim, 13. September 2012. (red) „Pfenning“ hat vieles falsch gemacht und wird doch gewinnen. Die Firma und ihr Mentor Michael Kessler haben den Ort gespalten und es gibt kein Entrinnen. Der Bürgermeister Michael Kessler wollte gerne der 100-Millionen-Euro-Kessler werden. Er wollte der „größte Bürgermeister aller Zeiten“ werden. Jetzt ist er es und statt Freude lastet eine Art Fluch auf ihm.

Kommentar: Hardy Prothmann

Wer wirklich nachfragt, statt nur schön redet, weiß eigentlich schon seit über drei Jahren, dass „Pfenning“ ein Fehler war. Jeder, der sich wirklich interessiert, weiß, dass all das Gerede von Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer nur dummes Zeugs ist.

Jeder, der die Entwicklung des Heilsbringers „Pfenning“ verfolgt hat, weiß, dass Heddesheim eine gut situierte Gemeinde ist und der aktuelle Bürgermeister Michael Kessler im Verbund mit willfährigen Gemeinderäten höher fliegen wollte, als Ikarus es je vor seinem Absturz konnte.

Nichts stimmt mehr. All die Versprechungen sind überwiegend Makulatur.

Michael Kessler klammerte sich gestern an den Stuhl im Gerichtssaal. Stocksteif der Rücken. Ernst die Miene. Er weiß, worum es geht. Seine Reputation. Seinen Traum vom GröBaZ. Der Bebauungsplan, Grundlage für eine 100-Millionen-Euro-Investition wird verhandelt. Und ob er alles richtig gemacht hat. Und alles vor Gericht standhält. Doch es gibt Zweifel.

Egal, wie das Gericht in Sachen Baurecht entscheidet. Der Bürgermeister Michael Kessler hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Sein Kalkül war einfach: Ich hole eine „bedeutende“ Investition in den Ort und alle werden das anerkennen, wenn nicht sogar lieben.

Was sollte er auch sonst tun? Sein Vater, der Fritz, ist eine Legende. Der Fritz hat Heddesheim wie kein anderer gestaltet. Ein nicht einfacher Mensch. Ähnlich der Sohn. Dem fehlten allerdings bis heute Referenzobjekte wie Hallenband, Badesee oder andere markante Gebäude. All das, was der Vater vorgelegt hat, verwaltet er heute nur vom Fritz-Kessler-Platz aus. Da kam „Pfenning“ recht für den „Mischel“.

Schon während der Planung merkte man aber, dass der „Mischel“ Probleme hat. Seine Ausfälligkeiten im Gemeinderat, seine Unbeherrschtheit, seinen Rückzug, mit den Bürgern und Bürger-Initiativen im Gespräch zu sein. Größe, oder der Versuch, diese zu erreichen, machten ihn auf seinem Weg zum GröBaZ zunehmend einsam.

Gott sein Dank gibt es aus Sicht des Bürgermeisters den Mannheimer Morgen. Hier ist man willfährig entschlossen, über all die Wohltaten des GröBaZ zu berichten. Und das wird schamlos erledigt. Beim MM ist der Bürgermeister das, was er sein will. Der Macher, der Chef, der Gestalter. Kritische Anmerkungen muss er hier nie fürchten. Ganz im Gegenteil transportiert das Medium sein „Verständnis“ für „Pfenning“ – kein Gleisanschluß? Verständnis. Verkauf an einen Immobilienfonds. Verständnis.

Während die Zeitung – und teils andere Medien –  das Märchen-Helden-Epos weiterstrickt, werden Bande zerschnitten. Die Gemeinde Hirschberg ist stinksauer auf Heddesheim. Die Stadt Ladenburg wird es sein, wenn sie erfährt, dass „Pfenning“ auch Ladenburg vereinnahmt.

Überall um Heddesheim herum reden die Menschen darüber, wie sich die Gemeinde hat über den Tisch ziehen lassen. Nur die Hardliner-Ja-Sager-Fraktion hört das nicht, will das nicht hören. Will nicht verstehen, dass der Klotz nicht akzeptiert wird. Schon gar nicht, wenn mit der Zeit klar wird, dass insgesamt alle Versprechungen nicht eintreffen, dafür aber die Befürchtungen. Und auch dieser Satz von „Pfenning“-Geschäftsführer Uwe Nitzinger vor Gericht wird sie nicht nachdenklich machen: „Nur auf einen Kunden zu setzen, wäre ein zu großes Risiko.“

Wenn der VGH am Dienstag seine Entscheidung zur Klage bekannt gibt – besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die Klage abgewiesen wird. Die Abnicker-Fraktion und der GröBaZ würden das bejubeln – aber was hätten sie wirklich gewonnen?

Nur die Bestätigung, dass der Bebauungsplan in dieser Art nicht angefochten werden konnte. Paradoxerweise weil gerade die Gegner durch ihre umfangreiche Kritik alle Schwachstellen im Vorfeld aufgedeckt hatten – und davon gab es jede Menge – und diese Lücken dann durch die Verwaltung geschlossen werden konnten. Der Arbeit der Gegner ist es also überwiegend „zu verdanken“, dass der Bebauungsplan überwiegend „wasserdicht“ ist, nicht etwa der eines unabhängigen und aktiven Gemeinderats.

Es wurden alle Register gezogen – das Spin-Doctor-Unternehmen Ifok sollte die öffentliche Meinung beeinflussen, eine Bürgerumfrage suggestiv missbraucht, die etablierten Medien haben sich vor den Karren spannen lassen, denn es gibt gemeinsame wirtschaftliche Interessen. (Sehr hübsch übrigens, dass der Artikel zur gestrigen Verhandlung vor dem VGH über einer halbseitigen Lidl-Anzeige steht. Lidl ist sowohl Kunde von Pfenning als auch vom Mannheimer Morgen.)

Jetzt steht noch die Edeka-Erweiterung an. Der Größenwahn in Heddesheim kennt keine Grenzen. Zur Erinnerung: Pfenning hat sich weitere 15 Hektar gesichert, um das Logistikzentrum erweitern zu können. Der Klotz, so wie er jetzt da steht, könnte also durchaus noch wachsen. Und sollte Michael Kessler in Heddesheim 2014 wiedergewählt werden, kann man getrost davon ausgehen, dass er auch noch diese Fläche zubetonieren lassen wird.

Ifok-Moderator spricht überraschend offen über seinen klaren Auftrag

Herr Ingerfeld und die Hanseln

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 11. September 2012. (red) Der Ifok-Moderator Andreas Ingerfeld hat auf einer Veranstaltung der Deutschen Logistik-Zeitung einen Vortrag gehalten. Darin erklärt er, wie man als Unternehmer seine Investition schützt und „die Hanseln“ dazu bekommt, zu erkennen, dass der Investor ein Wohltäter ist. Unterm Strich geht es um ein Ziel, wenn die Ifok antritt – die Durchsetzung der Investitionspläne gegen einen möglichen bürgerlichen Widerstand. Als Paradebeispiel bezieht sich der Spin-Doctor auf den Planungsprozess zu „Pfenning“.

Von Hardy Prothmann

Wer tatsächlich jemals geglaubt hat, die Ifok moderiere neutral, ist nach dem Vortrag von Andreas Ingerfeld schlauer. Vor Logistik-Fachleuten erläutert der „Kommunikationsspezialist“ umfassend, worum es geht.

Ein Unternehmer, ein Wohltäter der Menschheit, möchte etwas bauen und wird zu unrecht angefeindet und es werden „unwahre Behauptungen“ aufgestellt. Von Wutbürgern, die allerdings keinen roten Bart mehr haben und auch nicht einer marxistisch-leninistischen Gruppe angehören, sondern Porsche Cayenne fahren, Geschäftsführer sind und ein freistehendes Einfamilienhaus auf 1.000 Quadratmeter Grundstück haben. Und die sind zudem noch sehr gut vernetzt.

Während früher eine Vereinsgründung für eine Bürgerinitiative sehr lange dauerte und teuer war, funktioniert das heute Ruck-zuck. Und gerade Branchen mit einem „nicht so guten Leumund“, wie die Logistikbranche, hätte damit ein großes Problem. Selbstverständlich vergisst Herr Ingerfeld nicht darauf hinzuweisen, wer bei solchen Problemen helfen kann: professionelle „Dialog“-Moderatoren wie er von der Ifok oder vergleichbare Unternehmen. Aber niemals der eigene Pressesprecher, dem glauben die Hanseln nämlich nicht, ist er doch Angestellter des Wohltäters, der zum Schlechttäter diffamiert wird. Die entscheidende Frage lautet:

Trauen Sie Ihrem Kommunikator zu, dass am Ende das Logistikzentrum auch gebaut werden kann?

Kaum jemand in der Zuhörerrunde glaubt das. So war auch die Situation in Heddesheim. Alles passte. Der Bürgermeister Michael Kessler strahlte, der Wohltäter Karl-Martin Pfenning strahlte, der Mannheimer Morgen jubelte, die „Zukunft Heddesheims ist gesichert“. Zwar war bis dato nicht bekannt, dass diese Zukunft gefährdet war. Aber es hörte sich alles so gut an. Doch dann kamen die Hanseln ins Spiel, die sogar den Namen des Wohltäters missbrauchen: Die „IG Nein zu Pfenning“.

Und jetzt hat der Wohltäter ein Problem. Erstens versteht er nicht, warum er angefeindet wird und zweitens versteht er nicht, wie er mit diesen Störenfrieden umgehen soll. Dabei hat der Unternehmer doch das beste vor, „belastet seine GmbH bis an die Schmerzgrenze“ und „dann kommt mit einem Mal eine Verzögerung und die kostet Sie jeden Tag Geld“:

Und dann kommt auf einmal so eine Bürgerinitiative und handelt nicht rechtens, sondern gibt sehr subjektive Meinungen wieder.

Subjektive Meinungen sind also aus Sicht des Spin-Doctors „nicht rechtens“. Aber „brandgefährlich“. Wer sich dagegen rechtfertige, hat verloren:

Die Bürger sind der David und Sie sind der Goliath. Sie werden nicht recht bekommen. Das ist ein Phänomen, mit dem Sie pragmatisch umgehen müssen. Es geht nicht um die Frage, ist das rechtens. Es ist so.

Andreas Ingerfeld weiß die Lösung:

Sie müssen den Bürgern das Gefühl geben, dass Sie sie ernst nehmen. Ich würde einen Schritt weitergehen: Sie müssen sie ernst nehmen.

Andreas Ingerfeld lacht wie sein Publikum über diesen köstlichen Witz und wird dann wieder ernst:

Wer betroffen ist, hat recht.

Das Problem, alle wollen alles, aber nicht da, „wo es mir den Blick verbaut“. Und dann gibt es die neuen Medien – die sind schnell und haben einen „Mobilisierungsgrad, von dem Sie nur träumen“:

Und bis Sie reagieren können, ist der größte Bullshit über Facebook schon verbreitet worden.

Immerhin stellt er das Baurechtsverfahren in Zweifel, das stamme noch aus Preußens Zeiten und funktioniere heute nicht mehr so.

Die nächste entscheidende Frage ist:

Was können Sie tun? Einen vernünftigen Dialog führen.

Ingerfeld erklärt weiter, dass man klar machen muss, über was man redet. Nicht über alles, sondern über „Ihr Thema“. Die Aspekte werden sortiert. Die Konsensfläche ausgearbeitet und dann Stück für Stück von der Agenda runtergenommen. Und dann schafft man „Einigkeit“. Übrig bleiben „Grundsatzfragen“.

Wieder lobt Ingerfeld „Pfenning“:

Die haben was gemacht, was sensationell war. Die haben eine Zusage gegeben, dass die Lkw nicht durch den Ort fahren. Die Bauarbeiten haben mittlerweile begonnen.

Und wenn dann der Vorwurf kommt, der Mediator sei vom Unternehmen oder der Gemeinde bezahlt, ist es gut gelaufen:

Das ist das beste was Ihnen passieren kann. Jetzt wird der Mediator beschimpft und nicht mehr Sie. Sie können sich zurücklehnen, der ist dafür da beschimpft zu werden. Der ist dafür da, sich da rauszukämpfen.

Der Mediator müsse sich auch mal gegen den Auftraggeber stellen, sonst glaubt ihm niemand. Wie das geht, sagt Herr Ingerfeld nicht. Eine denkbare Lösung ist ein verabredeter Konflikt. Der Unternehmer knickt nach außen hin bei einem Punkt ein, macht Zugeständnisse, die der Mediator nutzt, um seine Glaubwürdigkeit zu untermauern. Das kann ein Verkehrslenkungsvertrag sein oder ein anderer „Nebenkriegsschauplatz“. Motto: Verliere einen Kampf und gewinne die Schlacht.

Das Ziel eines Dialogverfahrens der Ifok ist nicht, wie behauptet, eine moderierte, neutrale Hilfe zur Entscheidungsfindung, die völlig offen ist. Die Gemeinde Heddesheim hat 35.000 Euro Steuergelder an Ifok bezahlt, um die Stimmungslage so zu verändern, dass das Ziel, der Bau von „Pfenning“ erreicht wird. „Pfenning“ hat ordentlich Anzeigen im Medienverbund des Mannheimer Morgen gebucht. Die Berichterstattung war unkritisch und „Pfenning“-freundlich.

Die Ifok hat ihren Zweck nur bedingt erfüllt. Bei einer Bürgerbefragung stimmten 50,35 Prozent für das Projekt, 49,65 Prozent dagegen. Diese „Mehrheit“ von 0,7 Prozentpunkten waren real 40 Stimmen. Setzt man das Honorar an, also knapp 1.000 Euro für jede Stimme.

Den Rest hat die Mehrheit aus Bürgermeister, CDU, SPD und FDP erledigt: Das größte Bauvorhaben in der Geschichte der Gemeinde und ein sehr großes in der Region wurde entgegen der „guten Sitte, bedeutende Projekt mit großer Mehrheit zu beschließen“ mit der äußerst knappen Mehrheit von 12:9 Stimmen beschlossen.

Das Bensheimer Spin-Doctor-Unternehmen Ifok ist in der Region gut vernetzt und war in Mannheim beispielsweise in Sachen Stadtbahn Nord aktiv.

Ein Bürgermeister im Dauerausnahmezustand

Der Sitzungsleider

  • Heddesheim, 26. Juli 2012. (red/pro) Es vergeht so gut wie keine Gemeinderatssitzung, in der Bürgermeister Michael Kessler nicht einen der grünen Gemeinderäte abmeiert. Schon auf kleinste kritische Anmerkungen reagiert er aggressiv und beschädigt damit sein Amt und den Rat. Besserung ist nicht in Sicht.

    Kommentar: Hardy Prothmann

    Ich gebe zu – ab und an würde ich mich gerne noch einschalten und zum Diskussionsverlauf etwas beitragen. Aber ich sitze seit einem halben Jahr wieder am Pressetisch und kann wie andere Gäste teils nur ungläubig staunen, wie sich Bürgermeister Michael Kessler aufführt.

    Immer aggressiv und herrisch, wenns nicht nach seinem Willen läuft: Bürgermeister Michael Kessler

    Insgesondere dann, wenn sich der Gemeinderat Günther Heinisch äußert, gibt es so gut wie immer einen Kommentar von Kessler: „Das kann ich so nicht stehenlassen“, „Dem widerspreche ich“, „Sie sehen das falsch“, „Das ist unerhört, wie Sie sich äußern und die Gemeinde schlecht reden, gerade als Gemeinderat“.

    Auffällig und unübersehbar schaut Kessler auf den Boden oder in die Luft, wenn ein Grüner spricht – oder er zieht Grimassen und sehr häufig fällt er den Gemeinderäten ins Wort. Nicht aber denen von CDU, SPD und FDP – die sind ja auch überwiegend immer auf Linie. Kessler zeigt, wie sehr er als Sitzungsleiter darunter „leidet“, wenn es nicht nach seinem Willen geht. Monat für Monat ist Kessler im Dauerausnahmezustand – denn monatlich finden die Gemeinderatssitzungen statt.

    Aktuell hatte Gemeinderat Heinisch bezüglich des neuen „einheitlichen Regionalplans“ davor gewarnt, dass Heddesheim seinen Charme als liebenswerte Wohngemeinde verlieren könnte. Was Bürgermeister Kessler als „schlecht reden“ bezeichnet, ist eine politische Stellungnahme seitens Heinisch, die man durchaus als „Sorge“ betrachten kann und das Mandat eines Gemeinderats voll umfänglich erfüllt. Gemeinderäte haben unter anderem die Aufgabe, „Schaden von der Gemeinde abzuwehren“. Und wenn man einen möglichen Schaden erkennt, ist es geradezu die Pflicht eines Gemeinderats, diesen möglichen Schaden anzumahnen und abzuwehren. Dazu zwei Zitate aus der Rede von Gemeinderat Heinisch:

    Bisher steht nur die Behauptung im Raum, Heddesheim sei eine attraktive Wohngemeinde. Jedoch lassen die Entscheidungen und Handlungen von Verwaltung und und der Mehrheit des Gemeinderates allein in den letzten zwei Jahren sicher daran zweifeln. Bei gegebener Verkehrsbelastung die Ansiedelung von Großlogistik gleich zweimal zu betreiben und die Tatsache, daß eine im Scheitern begriffene Werkrealschule den Schulstandort jenseits der Grundschule in Frage stellt, dürfte die Attraktivität zumindest in Frage stellen.

    Hier sind wie an einer Stelle, wo der Regionalplan geradezu irrsinnig ist. Die Reserveflächen für Heddesheim und Hirschberg werden mit weiteren 49 ha angegeben. Gedacht sind sie – und hier werden zwei neue Worte eingeführt – „flächenintensive Industrie, Gewerbe, Dienstleistung und Logistik“. Flächenintensiv und Industrie – was um Himmels Willen will man denn den Menschen in Heddesheim und Hirschberg noch zumuten? Ist es denn nicht genug? Will oder kann man nicht zur Kenntnis nehmen, daß die sogenannte „Lagegunst“ eine Chimäre ist, die längst nicht meher der Realität entspricht? Das Straßensystem Orts-, Landes-, Bundesstraßen und Autobahnen sind völlig überlastet an der Bertgstraße, die Bahnlinie ebenfalls. Hier hat die Gemeinde Handlungsbedarf, um weiteren Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Diese 49 ha müssen weg und die Einstufung in „kleinteilige Gewerbe“ maximal geändert werden.

    Fraktionssprecher Heinisch sorgt sich kritisch und wird dafür abgemeiert.

    Statt diese Anregung vernünftig anzunehmen, blafft Kessler den Gemeinderat an und zeigt jeden erdenklichen Unwillen, nichts, aber genau gar nichts zu überdenken. Kein Wunder bei einem , der sich für die Gemeinde hält und damit den Souverän, das oberste Organ unwidersprochen durch andere Gemeinderäte zu Statisten degradiert.

    Mein Team und ich berichten seit langer Zeit über Gemeinderatssitzungen in Weinheim, Hirschberg, Schriesheim, Dossenheim, Edingen-Neckarhausen, Ladenburg und eben Heddesheim. Klar gibt es auch in anderen Gemeinderäten Debatten, manchmal geht es auch hoch her, aber kein anderer Bürgermeister erlaubt sich diese unangenehm-abschätzige Geringschätzung von Gemeinderäten wie Herr Kessler, der sich damit fast einzigartig negativ hervortut. Aggressiv und kritikresistent sowie mit einem mehr als merkwürdigen Demokratieverständnis ausgestattet, bringen ihn solche Sätze dann „verständlicherweise“ auf die Palme:

    Es ist die kommunale Selbstherrlichkeit, die den Flächenfraß von hundert Hektar täglich antreibt. Je mehr Flächen der Begehrlichkeit der unersättlichen Gemeinden anheim fallen – Heddesheim ist hier DAS Negativbeispiel in der Region – desto länger wird der unmäßige Flächenverbrauch weitergehen. Je weniger die Kommunen auf Flächen zurückgreifen können, desto mehr Land ist vor ihrem Zugriff sicher, um so höher werden die Hürden, sich an geschützten Flächen zu vergreifen.

    Die vorliegenden Unterlagen zum Entwurf des Einheitlichen Regionalplans wurden durch die Verwaltung intensiv gesichtet und bewertet. Im Nachfolgenden werden die für die Gemeinde Heddesheim wesentlichen regionalplanerischen Vorgaben systematisch dargestellt und hinsichtlich ihrer Auswirkungen für die örtliche Entwicklung und die abzugebende Stellungnahme bewertet: Durch die Verwaltung? Es wird also im folgenden die durch Verwaltungsannahmen und Absichten gefilterte Sichtweise dargelegt und dieser soll der Gemeinderat dann zustimmen?

    Wie zuvor auch der grüne Gemeinderat Reiner Edinger kritsiert Heinisch einen fehlenden Abstimmungsprozess, eine fehlende Debatte. Und muss sich deswegen anhören, er rede die Gemeinde schlecht. Gehts noch? Wenn man sich auf diese Haltung einlässt, dann sind die Schweiger, die Weggucker, die Nix-Wisser aus Sicht des Bürgermeisters Michael Kessler die „positiven Gemeinderäte“ – so gesehen, ist der überwiegende Teil des Gemeinderats auch gut im Bild getroffen.

    Gemeinderat Heinisch prangert an, dass die Verwaltung bestimmt, welche Position „die Gemeinde“ hat und nicht der Gemeinderat die Verwaltung anweist, „Positionen“ umzusetzen. Keinem der anderen Gemeinderäte, schon gar nicht den Fraktionsvorsitzenden Dr. Josef Doll (CDU), Jürgern Merx (SPD) oder Frank Hasselbring (FDP) kommt irgendein Gedanke, dass hier „was schief läuft“. Wer so wenig souverän ist wie diese Herren, der beschädigt das Amt des Gemeinderats und das Ansehen Heddesheims aktiv.

    Was gut und was schlecht ist – liegt immer im Auge des Betrachters. Heddesheim ist in der aktuellen Wahlperiode seit 2009 sehr beschädigt worden – aber nicht durch kritische Mahner, die ein demokratisches Recht wahr und ihr Amt ernst nehmen, sondern durch einen selbstherrlichen Bürgermeister und eine parteiübergreifende Abnickerfraktion.

    „Pfenning“ hat den Ort gespalten – von einem Bürgermeister Kessler gibt es bis heute kein Zeichen, wieder eine versöhnliche Atmosphäre herstellen zu wollen. Man ist für oder gegen ihn – dazwischen gibt es nichts.

    Anm. d. Red.: Hardy Prothmann war als partei- und fraktionsloser Gemeinderat von Juli 2009 bis März 2012 Mitglied des Hauptorgans der Gemeinde. In dieser Zeit gab es fast keine Sitzung ohne handfeste Auseinandersetzungen mit dem Bürgermeister. Er wurde vom Bürgermeister juristisch abgemahnt (was wieder zurückgezogen wurde) und mit Ordnungsgeld bedroht. Ihm wurde mehrfach das Wort entzogen und musste einige Rügen entgegennehmen. Einmal wurde er von einer Sitzung ausgeschlossen. Durch seinen Umzug nach Mannheim musste er das Mandat abgeben.

  • Entscheidung in naher Zukunft

    Wird „Pfenning“ an einen Immobilienfonds verkauft?

    Ist das "Pfenning"-Projekt bald Teil eines offenen Immobilienfonds?

     

    Heddesheim/Rhein-Neckar, 24. Juli 2012. (red/pro) Im Markt gibt es das Gerücht schon – jetzt gibt es die Bestätigung: Die Hamburger Union Investment Real Estate GmbH verhandelt mit dem Bauherrn des „Pfenning“-Logistiklagers „Multicube“ in Heddesheim über einen Ankauf des noch in Bau befindlichen Objekts. Der Pressesprecher des Fonds bestätigte die Verhandlungen auf Anfrage von Heddesheimblog.de.

    Von Hardy Prothmann

    Der Presseprecher von Union Investment Real Estate Hamburg, Fabian Hellbusch, bestätigte heute auf Anfrage, dass die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken mit dem Bauherrn der „Pfenning-Logistik-Immobilie“ in Heddesheim in Verhandlungen steht.

    Verkaufsverhandlungen laufen

    Ob und wann es zu einer Übernahme komme, hänge noch von den Verhandlungen ab. Zu Kaufpreis und Datum einer möglichen Übernahme wollte sich der Pressesprecher mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen nicht äußern.

    Die Union Investment Real Estate GmbH ist der zweitgrößte Fondsanbieter in Deutschland mit einem geschätzten Immobilienvermögen von 20 Milliarden Euro. Das Unternehmen investiert weltweit in Immobilien und hält zur Zeit rund 300 Objekte. Typischerweise erwirbt das Unternehmen die Immobilien immer vollständig und mischt diese unterschiedlichen Fonds bei: „Wir sind ein langfristig orientierter Investor“, sagte Sprecher Fabian Hellbusch.

    Pro Jahr investiere das 1965 gegründete Unternehmen in den vergangenen Jahren rund 1,5-2 Milliarden Euro zusätzlich. Logisitik ist aus Sicht der Fondgesellschaft eine „Beimischung“ zur Risikostreuung: „Logistik ist für uns ein Nischenprodukt mit rund fünf bis sieben Prozent Anteil am Gesamtvolumen“, sagte Hellbusch.

    Gerichtsverhandlung steht aus

    Man manage die Immobilien alleine, manchmal auch über Dienstleister. Typischerweise sei man an sehr gut bis gut vermieteten Immobilien interessiert und übernehmen mit dem Kauf auch die Mieter. In der Region ist die Union Investment beispielsweise Besitzer der Ludwigshafener Rhein-Galerie. Ob das Unternehmen den Ausgang einer Gerichtsverhandung abwarten will, wollte der Sprecher nicht bestätigen – dies kann man aber mit großer Sicherheit vermuten. Ein Anwohner hat Klage gegen den Bebauungsplan eingereicht. Dies soll im August vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim verhandelt werden. Nach unseren Informationen könnte das Geschäft bei „positivem“ Ausgang aus Sicht des Investors dann zum 01. September 2012 erfolgen.

    Das Projekt scheint enorm unter Druck zu sein – klar ist, dass es Interesse seitens Union Investment gibt. Sollte der Bebauungsplan erfolgreich angefochten werden, dürfte ein Invest unwahrscheinlich werden oder zumindest bis zur Klärung aller offenen Rechtsfragen offen bleiben. Nach unseren Informationen will aber der Großkunde „Kraft Foods“ bereits ab September 2012 im Logistikzentrum einlagern. Auch hier besteht Druck, da die Baustelle noch längst nicht fertig ist.

    Zwischenfinanzierte Spekulationsimmobilie

    Die Zwischenfinanzierung soll nach unseren Informationen die DZ Bank erfolgt sein – ebenfalls ein Unternehmen der Volks- und Raiffeisenbanken. „Pfenning“ hat demzufolge das Objekt über Schulden finanziert und will es nun verkaufen. Damit bestätigt sich die Vermutung, dass es sich hier um einen gigantischen Immobiliendeal handelt. Die „Phoenix 2010 GbR“, bestehend aus Karl-Martin Pfenning und dem Immobilienmogul Johann Georg Adler III. (beide Viernheim), hatte das 200.000 Quadratmeter große Gelände, das zuvor Ackerland war und mit die besten Böden in Heddesheim hatte, für 47 Euro den Quadratmeter erworben. Der Verkaufspreis für „entwickelte“ Gewerbegebiete liegt zwischen 100 und 140 Euro je Quadratmeter. Bei einem Verkauf für 100 Euro den Quadratmeter bliebe also allein ein Gewinn von 10,6 Millionen Euro vor Steuern für die Grundstückserwerber.

    Aus Sicht der Union Investment handelt es sich um ein normales Anlagegeschäft. Politisch sind die Verhandlungen vor Ort eine „Bombe“. Der angebliche Investor und Inhaber von „Pfenning“, Karl-Martin Pfenning, hatte im Zuge der politischen Verhandlungen immer wieder betont, wie „verbunden“ er der Region sei und dass er mit dem Logistikzentrum langfristig in den Standort Heddesheim und in die Region investiere. Dabei stand ein Verkauf an fremde Investoren angeblich nie zur Debatte.

    Politische Bombe

    Auch Bürgermeister Michael Kessler sowie die knappe Mehrheit der Befürworter im Gemeinderat, die Fraktionen der CDU, SPD und FDP betonten immer die schon fast „familiäre“ Verbundenheit und stellten die „herausragende“ Investitionsbereitschaft des angeblich 100 Millionen Euro teuren Objekts in den Vordergrund. Nachfragen, ob es sich hier um eine Immobilien-Spekulation handeln könnte, wurde immer wieder empört zurückgewiesen. Kritiker wurden als „Schlechtmacher“ verunglimpft.

    Im Februar 2009 wurde der Aufstellungsbeschluss in öffentlicher Sitzung gefasst – damit blieb keine Chance, ein Bürgerbegehren in Gang zu setzen. Es waren Fakten geschaffen worden. Gegen die Ansiedlung machte die Bürgerinitiative „IG Nein zu Pfenning“ mobil. Im Sommer 2009 wurde über das in der Region gut vernetzte Bensheimer Spin-Doctor-Unternehmen „Ifok“ ein „Dialogverfahren“ in Gang gesetzt, dass eindeutig die Stimmung für eine Ansiedlung beeinflussen sollte. Kostenpunkt: Mindestens 35.000 Euro. Weiter wurde ein deutschlandweit einmaliger „Verkehrslenkungsvertrag“ erfunden und unterzeichnet – eine Selbstverpflichtung, nach der „Pfenning“ keine Lkw über 18 Tonnen durch den Ort fahren läßt. Bei einer Bürgerbefragung im Herbst 2009 stimmten 50,35 Prozent der Einwohner, die an der Abstimmung teilgenommen haben, für die Ansiedlung, 49,65 Prozent dagegen. Real gab es 40 Stimmen mehr für „Pfenning“. Diese minimale „Mehrheit“ wurde im Gemeinderat durch Bürgermeister und Befürworter als „politischer Willen“ der Bevölkerung gedeutet.

    Leere Versprechungen

    Nach und nach erweisen sich alle "Versprechungen" als leere Worthülsen. Karl-Martin Pfenning steht vor dem Abchluss eines satten Immobiliengeschäfts.

    Grundlage dieser Abstimmung war die Aussage, dass die Unternehmensgruppe „Pfenning“ nach Fertigstellung des Logistikzentrums seinen Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlagert und seine bestehenden Standorte in der Region in Heddesheim konzentriert. Ebenso war eine Schienenanbindung eines der Hauptargumente für die Ansiedlung, weshalb auch die Fraktion Bündnis90/Die Grünen in nicht-öffentlicher Sitzung zunächst dem Projekt zustimmten, sich aber später gegen das Projekt wandten. Weiter sollten bis zu 1.000 Arbeitsplätze geschaffen werden und erhebliche Gewerbesteuerzahlungen fließen.

    Nachdem der Bebauungsplan gültig war, entfielen nach und nach die Versprechungen. „Pfenning“ warb damit, dass der Kunde Henkel über die Schiene anliefern wollte. Später wurde bekannt, dass „Pfenning“ Henkel als Kunde verloren hat. Damit entfällt die Schiene auf unbekannte Zeit. Die angeblich bis zu 1.000 Arbeitsplätze, die von „Pfenning“ hier geschaffen werden sollten, sind nach aktuellen Angaben auf 200 geschrumpft. Und ob erhebliche Gewerbesteuerzahlungen zu erwarten sind, bleibt zweifelhaft. Nach unseren Informationen hatte „Pfenning“ 2008 vermutlich nur rund 200.000 Euro Gewerbesteuer in Viernheim bezahlt, was angesichts des enormen Flächenbedarfs für zukunftsorientierte Gewerbeansiedlungen nicht akzeptabel ist. Zum Vergleich: Die bisherigen Heddesheimer Gewerbeansiedlungen zahlen im Mittel rund 2,5 Millionen Euro Gewerbesteuer jährlich. Das „Pfenning“-Gebiet nimmt ungefähr ein Drittel der Fläche des jetzt größeren Gewerbegebiets ein. Damit müssten rund 800.000 Euro zu erwarten sein.

    Enorme Umsatzverluste

    Die Viernheimer Unternehmensgruppe KMP Holding GmbH (KMP=Karl-Martin Pfenning) hatte laut eigenen Angaben 2008 insgesamt einen Umsatz von nahezu 210 Millionen Euro. Laut Bilanz waren es 2007 gerundet tatsächlich nur 176 Millionen Euro, 2008 waren es 170 Millionen Euro, 2009 waren es 157 Millionen Euro, 2010 waren es 155 Millionen Euro. Eine erfreuliche Unternehmensentwicklung sieht anders aus.  In der Branche ist der Ruf von „Pfenning“ als Arbeitgeber zudem nicht besonders gut. Die Gewerkschaft verdi nennt „Pfenning“ einen „Tarifflüchtling“. Vor rund zehn Jahren machte „Pfenning“ jede Menge negative Schlagzeilen, unter anderem, weil der Betriebsratschef zusammengeschlagen worden sein soll, wie der Mannheimer Morgen damals berichtete. Auch die Kündigung von rund 150 Mitarbeitern, die dann zu Dumping-Löhnen über eine andere Gesellschaft weiter für „Pfenning“ arbeiten sollten, musste rückgängig gemacht werden.

    Politische Intransparenz

    2009 sorgte sich Bürgermeister Kessler, ob "Pfenning" scheitern könnte. Aktuell muss man fragen, ob er gescheitert ist.

    Für das politische Heddesheim ist die Entwicklung des „Pfenning“-Areals bindend. Die Unterstützer haben sich sinnbildlich wie die „Drei-Affen“ verhalten: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Fast willfährig wurde alles unternommen, um die Ansiedlung möglich zu machen. Kritische Fragen zum Investor und zur Abwicklung der Ansiedlung blieben aus. Kritische Fragen zur Personalpolitik bei „Pfenning“ – Fehlanzeige. Eine kritische Prüfung, ob die beschauliche Gemeinde mit einem Projekt dieser Größenordnung umgehen kann, wurde erst gar nicht angedacht.

    In naher Zukunft, 2014, stehen Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen an. Bis dahin wird der „Pfenning“-Verkehr rollen und es wird sich zeigen, ob der Verkehrslenkungsvertrag sich ebenfalls als leere Versprechung entpuppt. Dann wird es sehr spannend sein, wie sich die Befürworter des gigantischen Projekts ihrer Verantwortung stellen.

    Ein frischer, transparent auftretender Kandidat hätte auch als „Auswärtiger“ allerbeste Chancen, Bürgermeister Michael Kessler („Ich bin die Gemeinde“) abzulösen. Sollte sich eine unabhängige Liste gründen, auch mit Mitgliedern der „IG Nein zu Pfenning“, dürfte diese ebenfalls beste Chance haben, Sitze zu erhalten.

    Bei der vergangenen Gemeinderatswahl 2009 verlor die CDU (8) zwei Sitze, die SPD (5) einen Sitz und die FDP (3) zunächst einen, den sie aber mittlerweile wieder „zurück“ hat. Bündnis90/Die Grünen (6) gewannen drei Sitze und sind vor der SPD zweitstärkste Fraktion im Heddesheimer Gemeinderat.

    Anm. d. Red.: Hardy Prothmann ist verantwortlicher Journalist für das Heddesheimblog.de. Er war von 2009 bis Anfang 2012 partei- und fraktionsfreier Gemeinderat über die Liste der FDP, die er bei seiner ersten Gemeinderatskandidatur mit 20 Prozent Vorsprung auf den Fraktionsvorsitzenden Frank Hasselbring gewonnen hatte. Durch seinen Umzug nach Mannheim musste er das Ehrenamt aufgeben. Der Nachrücker ist nun wieder Mitglied der FDP-Fraktion.