Samstag, 22. Juli 2017

Im September startet die Erdölsuche vor Ort

Ölrausch im Delta?

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Die blaue Fläche markiert das Messgebiet. Hier suchen von September bis November rund 100 Mitarbeiter der Rhein Petroleum GmbH mit Hilfe von 20.000 Geophonen den Untergrund nach Erdöl ab. (Grafik: Rhein Petroleum)

 

Heddesheim, 30. Juli 2012. (red/la) Ab September werden bis Ende November rund 100 Kilometer Kabel und 20.000 „Geophone“ ausgelegt um den Untergrund in Heddesheim, Hirschberg, Hemsbach, Laudenbach, Viernheim und Weinheim „auszuhorchen“. Das Heidelberger Unternehmen „Rhein Petroleum“ vermutet hier größere Erdölvorkommen. Geschäftsführer Michael Suana informierte in der vergangenen Woche die Bürger in den einzelnen Gemeinden. Das Publikumsinteresse war gering.

Von Reinhard Lask

„Deutschland ist ein Erdölland“, erklärte Michael Suana. Der Geschäftsführer von der Rhein Petroleum weiß, wovon er spricht. Seit September 2011 haben er und 100 weitere Mitarbeiter 675 Quadratkilometer in verschiedenen Gebieten nach dem schwarzen Gold gesucht. Nun sucht das Unternehmen auch in unserer Region nach möglichen Vorkommen. Das Interesse an den einzelnen Informationsveranstaltungen vor Ort war gering. Wir waren im Bürgerhaus Heddesheim. Dort hatten sich nur knapp zehn Interessierte eingefunden. In den anderen Gemeinden schwankte die Besucherzahl zwischen 10 und 25 Personen.

Vibroseismik

Dabei ist das Thema Erdölsuche auf deutschem Boden ebenso unbekannt wie spannend. Zwar sind deutsche Ölfelder im Größenverhältnis zu denen in arabischen Ländern vergleichsweise winzig, aber mittlerweile lohnt es sich Suana zufolge, bereits kleine Felder zu finden und auszubeuten. Der stetig steigende Ölpreis und immer feinere Such- und Fördertechnik machen das möglich.

Rund 100 Kilometer Specialkabel werden verlegt werden.

Für die Suche setzt das Unternehmen die sogenannte Vibroseismik ein. Dafür werden ab dem 15. August die ersten Vermesser eintreffen und ab dem 03. September die ersten notwendigen Kabel verlegen. Insgesamt werden 20.000 sogenannte „Geophone“ über rund 100 Kilometer Kabel miteinander verbunden werden, um ein Gebiet von 75 Quadratkilometer bis Mitte November zu untersuchen – oder besser „abzuhören“.

Zur Vermessung fahren Spezialfahrzeuge Punkte entlang der Messstrecken an. Dort leiten sie über eine Bodenplatte für zwölf Sekunden leichte Schallwellen in den Untergrund. Die Gesteinsschichten reflektieren die Wellen, die von den 20.000 ausgelegten Erdmikrofonen aufgezeichnet werden.

Mit dieser Methode kann man in Gesteinsstrukturen schauen, die bis zu 3.000 Meter tief liegen,

sagt Suana. „Nach zwei Stunden Messung haben wir umfassendes Bild des Untergrunds.“

Ungefährliche Vibrationen

Suana verspricht, dass die Vibrationsmessungen – die zum Teil auch innerorts stattfinden – keine Gebäude beschädigen. Zur Sicherheit würden die Schwingungen ständig darauf kontrolliert, ob sie die vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten.

Im vergangenen Winter haben wir in Worms vor der Kathedrale und anderen engen Straßen gemessen -ohne Schäden.

Zu abstrakt? Nur wenige Personen interessieren sich fürs Thema.

Die einzigen Schäden seien bisher kleinere Flurschäden durch die Spezialfahrzeuge gewesen. „Innerhalb der Ortschaften kann es sein, dass wir auf privaten Straßen oder in Gärten messen müssen. Allerdings wird immer vorher eine Genehmigung von den Eigentümern eingeholt. In den kommenden Wochen werden Mitarbeiter der von uns beauftragten Firma Geo-Service K. Bittner mit allen Grundstückseigentümern und Behörden persönlich sprechen“, sagt Suana.

Drei Wochen lang liegen die Vorrichtungen an einer Messlinie aus. Dann sollen die Messlinien weiter nach Norden wandern, bis die Messungen im ganzen Gebiet nach sechs bis acht Wochen voraussichtlich Mitte/Ende November beendet sind.

Wenn die Messungen ergeben, dass Erdöl vorhanden sein könnte, machen wir Probebohrungen. Auch vor diesen Bohrungen wird es ein Genehmigungsverfahren geben.

Falls die Bohrungen tatsächlich Erdöl zu Tage förden, folgt wieder ein Genehmigungsverfahren. Rhein Petroleum hat zwischen September 2011 und Mai 2012 bereits im bayerischen Unterallgäu, in der Nähe von Karlsruhe und im hessischen Ried rund 675 Quadratkilometer seismisch vermessen.

Deutschland ist Erdölförderland – seit 1858

Alle Rohstoffe, seien es Mineralien, Wasser, Gold oder auch Erdöl im Untergrund, gehören erstmal der „öffentlichen Hand“. Die kann ein Vorkommen entweder selbst ausbeuten oder die Förderkonzession an ein Privatunternehmen vergeben. Damit einher geht auch das Recht der Förderfirma, die gefundenen Rohstoffe selbst zu vermarkten. Dafür muss sie einen bestimmten Anteil des Erlöses an den Staat abzugeben. Subventionen gibt es keine.

Erdöl ist die einzige Energieform, die vom Staat nicht unterstützt wird,

sagt Suana. Trotzdem lohne sich die Förderung für private Unternehmen. Viele kleine Ölfelder in der Rheinebene werden derzeit ausgebeutet und erschlossen.

Wird Deutschland also nun ein Erdölförderland? „Nein“, sagt Suana:

Deutschland ist seit vielen Jahrzehnten ein Erdölland!

Seit 1858 gehört Deutschland zu den erdölfördernden Nationen. Damals wurde das vermutlich weltweit erste Ölfeld bei Wietzel in der Lüneburger Heide erschlossen. Bis 1963 wurde dort Erdöl gefördert. In der Nähe von Speyer wurde kürzlich ein Feld entdeckt, dass bis zu 50 Millionen Barrel (ein Barrel umfasst rund 117 Liter) umfassen soll. Aktuell stammen 3 Prozent des deutschen Erdölverbrauchs und 17 Prozent des Gasverbrauchs aus deutschen Quellen. Die weltweit führende Fördertechnologie komme aus Deutschland.

Während man noch darüber spekuliert, ob das weltweite Erdölfördermaximum bereits erreicht wurde, steht fest, dass Deutschland seins im Jahr 1968 erreicht hat. Damals wurden auf deutschem Boden rund acht Millionen Barrel Erdöl pro Jahr gefördert. Heute sind es noch knapp drei Millionen Barrel. Was sich nach viel anhört, ist nur ein Bruchteil des deutschen Verbrauchs. Der betrug 2011 etwa 2,36 Millionen Barrel – nicht pro Jahr, sondern pro Tag!

Die anwesenden Gäste interessierten sich vor allem für Fracking – was die Rhein Petroleum aber gar nicht macht. Dabei handelt es sich um eine „problematische“ Gasfördertechnik. Auch die Geothermie stand zur Debatte – am falschen Ort. Man wünschte sich möglichst umweltschonende Fördertechniken – was Geschäftsführer Suana zusagte.

Anfang September plant die Rhein Petroleum noch eine weitere Informationsveranstaltung. Dabei sollen die Messfahrzeuge und die Vibroseismik vorgeführt werden. Wir werden rechtzeitig auf diesen Termin hinweisen.

 

Informationsvideo der Firma Rhein Petroleum zur Vibroseismik:

  • Isabell Knopf

    ..und was würde im Fall passieren,wenn auf einem Privatgrundstück Erdöl nachgewiesen wird…???

  • jawiejetzt?

    Hallo,

    dann gilt das Bergrecht. Was unter der Erde liegt, ist nicht Eigentum des Grundstücksbesitzers.

    Siehe Ruhrgebiet.

    So wie das Bergrecht momentan noch geregelt ist, kann sich ein Grundstückseigentümer auch nicht gegen die Ausbeutung von Bodenschätzen unter seinen Füßen wehren, wenn die Firma die Schürfrechte hat.

    Am Besten ist, die erst gar nicht suchen zu lassen. Wer etwas findet will auch dran verdienen.
    Und schön und ungefährlich sind die Fördermethoden im Falle eines Falles auch nicht.

    Einen schönen Tag noch

  • Jürgen H.

    „Aktuell stammen 17 Prozent des deutschen Erdölverbrauchs und 3 Prozent des Gasverbrauchs aus deutschen Quellen.“

    Das ist falsch! Umgekehrt wäre richtig. Während fast ein Fünftel unseres Gasas durch heimische Quellen gedeckt wird, ist die Erdöl-Eigenförderung – gemessen am Bedarf – recht gering.

    • Redaktion

      Guten Tag!

      Tatsächlich sind hier versehentlich die Prozentangaben vertauscht worden. Sie haben völlig Recht: Umgekehrt ist richtig. Wir haben das korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

      Einen schönen Abend wünscht
      Das Heddesheimblog.de