Donnerstag, 23. November 2017

Gabis Kolumne

Auch Klatsch braucht bestimmte Regeln

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Guten Tag!

31. Januar 2011. Warum lieben Frauen Klatsch? Und lieben ihn MĂ€nner nicht auch? Auf alle FĂ€lle muss man bestimmte Regeln beachten, denn sonst macht das alles keinen Spaß.

Wenn ich mit meinen Freundinnen zusammensitze, gibt es nichts Schöneres als sich die neuesten Tratschgeschichten zu erzĂ€hlen: „Hast du schön gehörtñ€©“, wird da bedeutungsschwanger angekĂŒndigt. „Nein, das glaube ich nicht“, lustvoll geantwortet.

Uns blanke Böswilligkeit zu unterstellen, an dieser Stelle, wĂ€re grundlegend falsch. Es ist eher, dass wir mitfĂŒhlen, mitleiden und uns fĂŒr einen kurzen Augenblick von den kleinen und großen Katastrophen unseres eigenen Lebens ablenken wollen.

Klatschgeschichten lesen wir nur im Wartezimmer

Warum lesen Frauen so gerne Bunte und Gala – natĂŒrlich nur im Wartezimmer des Arztes – oder durchblĂ€ttern die Yellow Press klammheimlich am Zeitschriftenstand im Supermarkt.

Interessiert es uns wirklich, ob Angelina Jolie und Brad Pitt ein weiteres Kind zeugen oder der schöne George Clooney jetzt doch seine Elisabetta heiratet?

Klatsch und Tratsch - hier in der Bunten. Quelle: Bunte.de

Oder ist es einfach die Erleichterung, dass auch in der Welt der Schönen und Reichen immer mal wieder, wenn nicht sogar hÀufiger, der Haussegen schief hÀngt?

Das wird sich verliebt, geheiratet, Kinder gekriegt, man lÀsst sich scheiden, sie werden krank und irgendwann stirbt jemand. Also ganz so wie im normalen Leben, aber bitte in Haute Couture.

Ich gestehe freiwillig, dass ich bei der ÃƓbertragung der Trauerfeier nach dem Tod von Lady Diana, als Elton Johns Lied „Like a candle in the wind“ in der Westminster Abbey erklang, heulend vorm Fernsehen saß.

Und ehrlich, ich verpasse ungern Royal Weddings, freue mich ĂŒber die schönen Kleider und liebe die Geschichten, die von den Adelsspezialisten dazu erzĂ€hlt werden.

Aber dabei bin ich wĂ€hlerisch, weder interessiert mich der Kummer von Uschi Glas oder Hansi Hinterseher, noch die Hochzeit von Prinz zu Schaumburg-Lippe. Wenn schon Glamour, dann richtig, also die A-Liga. Die großen Namen in Hollywood und der Hochadel.

Menschen bei denen alles „Bestens lĂ€uft“

Doch kommen wir wieder zurĂŒck zu dem Tratsch des Alltags, also zu den Dramen, die sich in nĂ€chster NĂ€he also im Freundes- und Bekanntenkreis abspielen. Besonders beliebt sind dabei Geschichten von Menschen bei denen eigentlich immer alles „Bestens lĂ€uft“.

In der Ehe gibt es keine Probleme, das Konto ist immer gut gefĂŒllt, das Haus gestylt, die Urlaube aufregend und die Kinder sind 1A. Sie sind super in der Schule, dabei sozial, haben viele Freunde, sind höflich, fleißig, also genau das, was man zum Vorzeigen braucht.

Der Ehemann ist aufmerksam und liebvoll. Bringt Blumen und kleine ÃƓberraschungen, vergisst keinen Hochzeitstag, kĂŒmmert sich um den Haushalt und sein einziges Interesse besteht darin, dass es dem angetrauten Weib und dem Nachwuchs gut geht.

Sie sagen, das alles kann es nicht geben.

Stimmt. Und deswegen freuen wir uns, wenn eine solche Hochglanzfassade Risse bekommt. Vielleicht ein kleiner Seitensprung, ein Kind bleibt sitzen oder fliegt von der Schule, die GeschÀfte laufen mal etwas schlechter.

Das sind dann die Momente, in denen man etwas schadenfroh, zugegebener Maßen, seiner Freundin zuraunt: „Hast du schon gehört, da ist auch nicht alles so perfekt, wie es nach außen ausschaut.“

FĂŒr kurze Zeit vergessen wir, dass wir selbst zum Hochzeitstag keine Blumen bekommen haben. Dass unsere Kinder schon kurz vorm Schulverweis standen und das Konto leider vollkommen ĂŒberzogen ist.

Es ist wichtig, bestimmte Regeln zu beachten!

Damit Tratsch und Klatsch Spaß macht, muss man aber bestimmte Regeln beachten: Erstens tratsche niemals ĂŒber die beste Freundin, nur weil ihr gerade Streit hattet. Das kann ĂŒble Folgen haben. Zweitens Geschichten, die man im Vertrauen erzĂ€hlt bekommen hat und drittens ernsthafte Krankheiten – das alles gehört eindeutig nicht an den Kaffeetisch.

Und wie schaut es bei den Herren aus? Mein Mann wĂŒrde jetzt sicherlich behaupten, er habe Wichtigeres zu tun als mit seinen Freunden zu tratschen. Da informiert man sich eher und wenn es ihn dann doch mal nach diesen Niederungen des menschlichen Seins gelĂŒstet, naja, dafĂŒr hat er ja mich und dann fragt er schon mal, wenn ich von einem Frauenabend nach Hause komme: „Na, erzĂ€hl’ doch, was gibt’s Neues bei deinen MĂ€dels?“

Und ich sehe die EnttĂ€uschung in seinem Gesicht, wenn ich antworte: „Du alles Bestens, es gibt keine Neuigkeiten.“

Und das ist die vierte Regel: ErzÀhle deinem Mann niemals Geschichten, die unter Frauen bleiben sollten. Denn zum einen will er die Probleme dann lösen und zum anderen versteht er die Regeln nicht.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.