Mittwoch, 23. August 2017

Die Gemeinde Heddesheim präsentiert sich neu im Internet – als Kopie

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Guten Tag!

Heddesheim, 31. Januar 2011. Irgendwann in den frühen Morgenstunden ist der neue Internetauftritt der Gemeinde Heddesheim online gegangen. Was auf den ersten Blick ganz hübsch aussieht, ist leider nur die Kopie einer Vorlage, die von der Firma hitcom new media als Standardlösung verkauft wird. Das funktioniert so ähnlich wie bei Douglas, wo man ein Produkt verschiedenartig und doch immer gleich verpacken lassen kann.

Von Hardy Prothmann

Die erste große Ãœberraschung in Sachen neuer Internetauftritt war der Gemeinderat Reiner Hege (CDU): „Das ist eine gelungene Homepage“, bewertete der Landwirt die Präsentation der neuen Website voller Zuversicht und outete sich damit unerwarteterweise als Internetexperte.

Die zweite Ãœberraschung war, dass die Seite laut Gemeinderatsunterlage bereits am Freitag online gehen sollte, aber ohne Nennung von Gründen erst heute online ging.

Bürgerfreundlich ohne Bürger zu fragen.

Die dritte Ãœberraschung war die Aussage, dass man eine „bürgerfreundliche“ Seite geschaffen hätte. Als ich nachfragte, wieviele Bürgerinnen und Bürger denn in den Planungsprozess mit einbezogen worden waren, entstand erst eine Pause, dann polterte Bürgermeister Michael Kessler: „Die Gemeindeangestellten sind auch Bürger.“ Damit war dieser Punkt auch geklärt.

Gibt es weitere Ãœberraschungen? Einige. Beispielsweise für die Besucher, vor allem, wenn sie nicht sehr gut sehen können oder Probleme haben, Kontraste zu erkennen. Die „Hausschrift“ ist tendenziell zu klein und je nach Rubrik auch farbig. Vor allem die „Hausfarbe“ Ocker ist tendenziell sehr schlecht zu lesen.

Die ockerfarbene Schrift lässt sich nicht gut lesen - die Menüführung ist zumindest "überraschend".

Auch ist eine Farbführung, die man aus der Neubürgerbroschüre übernommen hat, leider kein geeignetes Mittel zur Orientierung, um sich auf der Seite zurechtzufinden. Online funktioniert anders als Print.

Wer über die sechs Rubriken Aktuelles, Unsere Gemeinde, Rathaus, Bildung&Soziales, Freizeit, Wirtschaft&Bauen nicht zurechtkommt, wird das anhand von Ocker, Pink, Grün und Blau erst recht nicht schaffen.

Sieht fast aus wie Heddesheim, das Angebot der Gemeinde Grenzach-Whylau. Kein Wunder, beide Angebote sind Standardlösungen.

Der hitcom new media-Geschäftsführer Steffen Hemberger erklärte in der Gemeinderatssitzung, der Auftritt umfasse rund 5.500 Seiten. Das ist mehr als erstaunlich, weil diese Information garantiert falsch ist. Der Auftritt basiert auf dem Content-Management-System ceasy. Das funktioniert so: Es wird eine Art Folie programmiert und je nachdem, was man anklickt, werden die Inhalte dynamisch aus einer Datenbank abgerufen und füllen diese „Seite“, die so aber gar nicht existiert.

Die Sortierung der Rubriken ist leider auch nicht bürgerfreundlich gelungen. So erscheinen die Öffnungszeiten unter Punkt 5 unter Rathaus. Eine wesentliche Information, wenn „man aufs Rathaus“ muss – leider nicht sofort erreichbar.

Die „Dienstleistungen A-Z“ sind sicherlich sinnvoll, wenn man eine bestimmte sucht. Ganz sicher gibt es einige Dienstleistungen, die viel häufiger als andere in Anspruch genommen werden. Die könnte man auf einen Blick darstellen. Die Liste der Mitarbeiterinnen steht sogar an Punkt 8. Warum so weit hinten? An Punkt vier stehen Satzungen und Ortsrecht. Ob die so oft aufgerufen werden?

Gott hab sie selig - die alte Website der Gemeinde Heddesheim.

Und die exklusivste Information, amtliche Mitteilungen der Gemeinde, findet man nur schwer zwischen Gemeindenachrichten, die zu allem möglichen verfasst werden. Dazu gibt es kleine Fotos, die die Orientierung nicht wirklich erleichtern.

Das ist auch kein Wunder. Denn anders, als Steffen Hemberger behauptet hat, handelt es sich keineswegs um eine individuelle Programmierung für die Gemeinde Heddesheim, sondern nur um eine optische Anpassung die auf einer Standardlösung basiert. Sicher, hier und da weichen Menüpunkte ab, aber insgesamt entspricht der Auftritt beispielsweise dem der Gemeinde „Grenzach-Wyhlen“.

Maßgeschneidert? Von wegen.

Da hitcom new media Lösungen von der Stange verkauft, kann man nicht erwarten, nach den individuellen Bedürfnissen der Gemeinde eine „maßgeschneiderte“ Lösung zu erhalten.

Der Aufbau der Startseite ist auch wenig überzeugend. Wo ist der Unterschied zwischen „Neuigkeiten aus unserer Gemeinde“ und „Aktuelle Nachrichten“? Müsste nicht die Meldung „Neue Internetseite online“ bei Nachrichten statt Neuigkeiten stehen? Wie neu ist eine „Neuigkeit“, die vom 13. Januar ist und am 31. Januar 2011 immer noch angezeigt wird? Und was ist an der „Energieberatung“ eine „Aktuelle Veranstaltung“? Ist das nicht eher ein Termin?

Ein guter Service sind die Lagepläne – sofern sie angeboten werden. Bei vielen Vereinen fehlt das. Was in der Vorstellung als „eine Schnittstelle zur elektronischen Fahrplanauskunft Baden-Württemberg“ angepriesen wurde, ist nichts anderes als ein einfacher Link, den können Sie auch hier klicken: Elektronische Fahrplanauskunft Baden-Württemberg. (Diese „Schnittstellenprogrammierung“ hat uns 5 Sekunden gekostet.)

Es gibt einige Formulare, die man ausdrucken kann, um sie dann „per Post“ oder sogar persönlich auf die Gemeinde zu bringen. Ganz ehrlich? Was soll das? Da kann man sich das Geld sparen, gerade, wenn man einen teuren Tintenstrahldrucker hat und gleich „aufs Rathaus“ gehen.

Ganz hübsch. Und weiter?

Der neue Internetauftritt ist um einiges besser als der alte – der übrigens auch schon vor zehn Jahren fürchtlich häßlich war. Ein echter „Wurf“ ist nicht gelungen. Man kann davon ausgehen, dass der Auftrag einiges gekostet hat – ob man mit dem Ergebnis zufrieden sein kann, ist eine andere Frage.

Sehr gespannt darf man sein, was die Präsenz als „Facebook„-Seite sein soll. Bislang ist hier eher wenig an Informationen zu finden und man darf vermuten, dass sich hier auch nicht viel tun wird. Vermutlich werden Inhalte von der Homepage hierherkopiert und das wars.

Alles andere würde eigenverantwortliches Handeln durch Gemeindeangestellte voraussetzen. Und das wäre dann doch sehr überraschend.

Auch wenig überraschend ist, dass die Seite auf die Internetangebot des Mannheimer Morgen, der Rhein-Neckarzeitung und der Weinheimer Nachrichten verweist, weiterhin haber nicht auf das heddesheimblog mit ständig aktuellen Nachrichten verlinkt. Das hat das heddesheimblog mit der Polizei gemein. Auf die wird auch nicht verlinkt.

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist für das heddesheimblog verantwortlich sowie partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Mhm’er

    Naja Herr Prothmann,

    zumindest mal ist der Internetauftritt nun besser als davor (nicht schwer, da er vorher ja grauenhaft war).

    Die Angabe von 5.500 Seiten ist natürlich quatsch, da der Eindruck erweckt wird, daß die Anbieter 5.500 Websiten erstellt hat und darauf verlinkt. Es handelt sich um dynamische Inhalte.

    Gegen eine Standardlösung habe ich generell nichts einzuwenden. Die Frage lautet allerdings: Was kostet das Ganze (habe nirgendwo einen Preis ersehen können)?

    Gruß

  • Peter Kröffges

    Guten Tag,

    über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, dies gilt auch und gerade für die Gestaltung von Internetseiten. Der neue Auftritt der Gemeinde Heddesheim ist eine deutliche Verbesserung zum vorherigen „Zustand“, das ist nun wirklich nicht strittig und war kein wirklicher Anspruch .

    Ich hatte an anderer Stelle einmal den Begriff „benchmarking“ (einfach frei übersetzt: Vergleich mit den Besten) der Gemeindeverwaltung als Zielorientierung empfohlen, hier wie auch zu anderen „aktuellen“ Themenbereichen ist es wohl sehr schwer eine nachhaltige Durchdringung beim Adressaten zu erzielen.

    Welche aktuelle Internetseite für Gemeinden, wäre für Heddesheim wohl ein möglicher Maßstab oder erstrebenswertes Ziel gewesen, auch unter den von fachkundigen Gemeinderäten erkannten demographischen Entwicklungen im Ort?

    Vielleicht die in 2010 ausgezeichnete WebSite der Gemeinde Püderich (Mosel):

    http://www.puenderich.de/gemeinde_aktuell/puendericher-website-ausgezeichnet/

    Anmerkung an die Leser dieses Blogs aus den Reihen der Gemeindeverwaltung:
    Bitte übernehmen Sie unbedingt die Rubrik „Klatsch und Tratsch“ / „Marktplatz“, die für HEDDESHEIM wie „maßgeschneidert“ scheint!!!

    Aus Sicht eines Qualitätsmanagements (hat Heddesheim so etwas?) stellen sich bei diesem Auftritt noch einige „Verbesserungspotentiale“ dar, ist doch schön das es bei einer so dynamischen Gemeinde noch Optimierungsansätze gibt. Viel Erfolg.

    Gruß
    Peter Kröffges

    PS: Der Herr Bürgermeister auf Platz 7 der Rubrik „Rathaus“, noch hinter dem Gemeinderat, wie konnte das denn passieren? Damit rückt eine Verlängerung des Wartungsvertrages für die Firma hitcom, wohl in unerreichbare Ferne. Pech gehabt!

  • heddy

    Ich habe mir die neue Seite in Ruhe angesehen und muss sagen, bei aller berechtigten Kritik im Detail ist das doch in Darstellung und Inhalt ein deutlicher „Sprung nach vorn“.

  • MS

    Hallo,

    ich würde es einmal begrüßen, wenn anstatt ständiger negativer Kritik auch mal ein Lob auf heddesheimblog zu lesen wäre. Der neue Internetauftritt ist meines Erachtens gelungen und, auch wenn es eine „Standardlösung“ zu sein scheint, wesentlich schöner anzusehen als zuvor. Anstatt das anzuerkennen, ist hier WIEDER einmal nur das Negative aufgeführt. Es wird langsam mühselig und anstrengend, immer wieder die gleichen Monierungen lesen zu müssen.

    Sehr schade. Eigentlich möchte man sich über die Neuerungen freuen, aber hier scheint die Aufgabe „schnell schlecht machen“ eher oberste Prioriät zu haben.

    Alles Gute!
    MS

    • heddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke für Ihren Beitrag.

      Sie verstehen leider den Begriff Kritik nur negativ – versuchen Sie einfach mal positiv zu denken.

      Dann werden Sie auch verstehen, dass ein „bürgernahes“ Portal sicher bürgernäher wäre, wenn man Bürger gefragt hätte. Die hätten sicher ganz „umsonst“ mitgemacht und wichtige Anregungen geliefert. Nur muss man an deren Meinung auch interessiert sein. Sonst helfen alle Aussagen von „Bürgernähe“ nichts.

      Zudem hat niemand den Herrn von hitcom gezwungen, falsche Tatsachen zu behaupten. Es hat ihn auch niemand gezwungen, bei der Präsentation fehlerhafte Seiten zu zeigen.

      Sie haben vollkommen recht, wenn Ihnen der neue Auftritt besser gefällt als der alte. Diese Einschätzung steht auch so in unserem Text. „Schöner anzusehen“ ist aber nur ein Kriterium und dazu ein sehr äußerliches auf den ersten Blick. Wir schauen immer auch ein zweites Mal hin.

      Die angeblich „gleichen Monierungen“, die Sie im Text erkennen, haben Sie noch niemals zuvor hier lesen können, weil noch niemals zuvor die „neue Website“ besprochen. Wenn Sie gemeint haben sollten, dass hier „immer moniert“ wird, haben Sie einerseits recht, denn wir berichten kritisch, dass heißt, wir prüfen, setzen uns auseinander, machen uns Gedanken und schreiben diese begründet auf. Andererseits gibt es kritische Artikel, die Entwicklungen oder Zustände für gut befinden. Auch hier gilt: Beobachtung, Analyse, Argumente.

      Vielleicht hilft Ihnen dieser Vergleich: Sie kaufen ein Auto, auch das ein Standardprodukt. Einen Toyota. Der Verkäufer präsentiert Ihnen den aber als Golf. Und Sie selbst sehen darin einen Passat. Und dann kommt jemand wie wir und sagt: Dein Passat ist leider nur ein Toyota. Und das beleidigt sie. Obwohl auch der Toyota fährt, schön anzusehen ist und ihrer und neu. Trifft das ungefähr Ihre Gemütslage?

      Danke für die guten Wünsche!

      Wir geben uns Mühe.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das heddesheimblog

    • Heddesheimer

      Hallo, die neue Homepage ist eine Verbesserung zur alten das streitet sicher keiner ab, man kann aber ein Preis-Leistungsverhältnis erwarten, auch wen keine preise offiziell bekannt werden, das ist unser gutes recht als Steuerzahler.

      Wen ich mir die Homepage ansehe, sind sämtliche Daten von Gemeindemitarbeiten geliefert worden, das einpflegen dürfte ein Praktikanten (strg+c/strg+v) machen, das grafische material und Design ist von Heddesheimern, siehe Impressum.
      Versuchen sie mal von einer weiter führenden Seite zurück auf Home zu kommen, sie werden sich wundern, ich sag es ihnen, unter anderen bei aktuellen geht es, nur dort gehört es sicher nicht hin, hier verlasse ich als ortsfremder die Homepage, solche Fehler dürfen einer Firma nicht passieren, ich sag schlecht beraten und es wurde nur verkauft.

      Wozu Kritik gut sein kann wen sie gewünscht ist, werden sie vielleicht bald an Veränderungen auf der Homepage sehen, ansonsten Leben wir bis zum nächsten Relaunch ewig damit.

      Ps: Die Grundfarbe braun/ocker finde ich nicht einladend, als Ortsbanner hätte ich mir unser Wappen gewünscht oder ein Tabakblatt, wen etwas mit Tabak gewünscht ist.

      • Heddesheimer

        Guten Tag,

        was mir noch aufgefallen ist und ich als erwähnenswert halte. Das wir als gemeinde Heddesheim uns auch in Verbindung zum Golfplatz Gut Neuzenhof bringen könnten, diese Verbindung wird meines Erachtens viel zu wenig Kommuniziert und beschränkt sich leider auf ein gelegentliches Feuerwerk.

        Bevor die Kritik beklagt wird, möchte ich darauf hinweisen, dass die Gemeinde Heddesheim in den Ausgaben von BAZ/EXTRA um Anregungen und Kritik bittet.

  • Powerbiene

    Also ich finde die Seite recht gelungen. Was ist denn gegen ein Baukastensystem einzuwenden? Information geht bei einer Gemeinde doch eindeutig vor Innovation.

    Powerbiene