Samstag, 19. August 2017

Der Kleinkrieg des Herrn K. und sein „heddesheimblog-Erlass“

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Guten Tag!

Heddesheim, 30. Januar 2010. Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler ist fest entschlossen, sich selbst und den Ruf seiner Gemeindeverwaltung zu besch├Ądigen. Anders l├Ąsst sich die peinliche Absurdit├Ąt seines Kleinkriegs gegen das heddesheimblog und jeden, der mutma├člich damit zu tun hat, nicht erkl├Ąren.

Kommentar: Hardy Prothmann

W├Ąhrend landauf, landab Journalisten mit kritischem Blick auf das heddesheimblog schauen und ├╝berlegen, ob unsere Arbeit die „Zukunft des Lokaljournalismus“ sein k├Ânnte, w├╝nscht sich der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler die glorreiche Vergangenheit zur├╝ck.

Glorreich war diese, weil er darin so glorreich war. Kein Wort der Kritik wurde ├╝ber ihn geschrieben. Im Mitteilungsblatt bestimmt er bis heute selbst, wie glorreich er ist, das Verlautbarungsorgan Mannheimer Morgen transportiert bis heute unkritisch und gefolgsam seine Heilsbotschaften f├╝rs Heddesheimer Volk.

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Verengter Blick: Jedes b├╝rokratische Register wird gezogen. Bild: hblog

Seit Mai 2009 ist Herr Kessler in Not. Seitdem berichtet das heddesheimblog kritisch auch ├╝ber ihn und die Arbeit der Verwaltung. Kritisch hei├čt: Wir schreiben das Positive genauso auf wie das Negative.

Dem B├╝rgermeister schmeckt das nicht, weil er keine Kontrolle dar├╝ber hat. F├╝r einen Kontrollfreak wie ihn muss das eine Qual sein.

B├╝rokratische H├╝rden

Also versucht er in einem absurden Stellungskrieg das heddesheimblog einzukesslern und sich so Erleichterung zu verschaffen, indem er es uns schwer macht. Dabei zieht er alle b├╝rokratischen Register, die ihm einfallen.

streugutlager

Artikel vom 28. Januar 2009. Wolfgang Unverricht wird ausgiebig zitiert. Quelle: MM

Die Mitarbeiter l├Ąsst er eine Verwaltungsanordnung unterschreiben, mit der diese in Kenntnis gesetzt werden, dass Presseanfragen k├╝nftig nicht beantwortet werden d├╝rfen, sondern ans Rathaus, also ihn, weitergeleitet werden m├╝ssen.

Der Anlass: Unsere Berichterstattung ├╝ber die ├ľffnung der Eisbahn.

Konsequenterweise m├╝sste er deshalb den Leiter des Bauhofs, Wolfgang Unverricht, abmeiern. Denn der hat mit dem Mannheimer Morgen geredet, wie dieser Artikel vom 28. Januar 2010 beweist (siehe Bild rechts).

Herr Unverricht wird nicht abgemeiert werden – denn der Ukas in Sachen Presse gilt nicht f├╝r das Haus- und Hofblatt Mannheimer Morgen oder andere. Es gilt ausschlie├člich f├╝r das heddesheimblog. Es handelt sich um den „heddesheimblog-Erlass“.

Vasallen werden vorgeschickt

zitat

Artikel-Ausschnitt. Zum Vergr├Â├čern bitte klicken. Quelle: MM

Auch das heddesheimblog wollte gerne zum selben Thema mit dem Bauhofleiter sprechen und wandte sich an die Gemeinde. Dort verlangte man die schriftliche Einreichung unserer Fragen.

Journalistische Anfragen darf das heddesheimblog nur noch an diese Adresse richten: gemeinde@heddesheim.de.

Meist antwortet dann mit gro├čer Verz├Âgerung, die eine aktuelle Berichterstattung praktisch unm├Âglich macht, das Sekretariat des B├╝rgermeisters. Diese Antworten sind meist so unzureichend, das sie f├╝r eine Berichterstattung nicht verwendet werden k├Ânnen. Manchmal wird auch gar nicht erst geantwortet. Und w├Ârtliche Zitate? Fehlanzeige. (siehe hierzu unsere Dokumentation)

Der Sinn des Verfahrens: Ausk├╝nfte sollen so m├╝hsam werden. Sollten wir eine Nachfrage haben, geht das Verfahren wieder von vorne los.

Vollst├Ąndig absurd wird es, wenn Herr Kessler seine Vasallen vorschickt.

So wies vor kurzem der Leiter des B├╝rgerservices, Franz Winkler, eine Rathaus-Mitarbeiterin an, ihn zu informieren, wenn unsere Mitarbeiterin donnerstags das Mitteilungsblatt im Rathaus holt.

Als unsere Mitarbeiterin eintraf, wurde sie von der Angestellten gebeten, kurz zu warten. Die Angestellte informierte ihren Chef. Herr Winkler kam und fragte: „In welcher Funktion holen Sie das Blatt? Privat oder f├╝r die Redaktion des heddesheimblogs?“ „Selbstverst├Ąndlich f├╝r die redaktionelle Arbeit“, antwortete die Mitarbeiterin. Sie durfte das Bl├Ąttchen mitnehmen.

Vielleicht hat Herr Kessler mit diesem Vorgang auch nichts zu tun. Vielleicht praktizierte Herr Winkler auch nur vorauseilenden Gehorsam.

Kleingeistiges Verhalten

Unserem freien Mitarbeiter Horst P├Âlitz, der als freier Journalist auf eigene Rechnung arbeitet, wurde das Mitteilungsblatt aktuell verweigert. Das Kesslersche Sekretariat „informierte“:

„Sehr geehrter Herr P├Âlitz,
in den Verteiler f├╝r Pressemitteilungen des Rathauses werden Sie aufgenommen.
Entgegen der gestrigen Auskunft erhalten nur Redaktionen unser Mitteilungsblatt kostenlos. Sie k├Ânnen sich dieses zuk├╝nftig von der Redaktion des Heddesheimblogs geben lassen. Alternativ erhalten Sie anbei ein Bestellformular.“

L├Ącherlicher kann man sich eigentlich kaum machen.

Immer dann, wenn Herr K. will, das seine Botschaft unters Volk kommt, l├Ąsst er das Mitteilungsblatt an alle Haushalte verteilen – auch an Nicht-Abonnenten. Es kann sich also nicht um „Kostengr├╝nde“ handeln.

Einem Journalisten, der ├╝ber die Gemeinde berichtet, dieses zu verweigern, ist nicht nur kleinlich, sondern kleingeistig. Es ist pedantisch.

Der Sinn dieses Verhaltens liegt erkennbar einzig und allein darin, die Arbeit und alle Zuarbeiten des heddesheimblogs wie auch immer zu behindern. Den Mitarbeitern der Gemeinde ist vordergr├╝ndig kein Vorwurf zu machen. Sie m├╝ssen den Dienstanweisungen ihres Chefs folgen. Manche m├╝ssens, andere folgen gerne von sich aus.

Was Herr K. seinen Mitarbeitern aber nicht anordnen kann, ist, was sie ├╝ber sein Verhalten und ihn denken.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Erwin K.

    Kann mir gut vorstellen, dass sich das alles so zugetragen hat.

    ├âÔÇ×hnliche Vorgehensweisen sind mir aus dem Redaktionsalltag auch bekannt. Besonders B├╝rgermeister aus kleineren St├Ądten halten sich auch heute noch f├╝r unangreifbare F├╝rsten. Die lokalen Verleger kuschen u.a. aus Angst, durch politischen Druck Anzeigenkunden zu verlieren.

    Der Abbau weiterer Redakteursstellen landauf, landab f├╝hrt zu einer noch unkritischeren Berichterstattung.

    Vielleicht sollten ein paar hunderten Journalisten mit t├Ąglichen Anfragen das Heddesheimer Rathaus mal lahmlegen, denn wie wir wissen, sind Beh├Ârden auskunftspflichtig! Hat es alles schon gegeben. Die Frage ist nur: Muss das denn sein? Wer nichts zu verbergen hat, kann auch mit offenen Karten spielen.

    Erwin K.

  • TJ

    Man kann sich bei diesen Thema nur wiederholen. Pressefreiheit ist ein fester Bestandteil der Demokratie. Was Herr Kessler hier betreibt ist, wie beschrieben, kleingeistig und hat schon was von Manipulation an sich. Am liebsten sieht er sich l├Ąchelnd abgebildet bei irgendwelchen Jubil├Ąen in immer gleicher Pose. Daf├╝r ist der MM und sein Hausblatt immer pr├Ąsent.
    Also was soll der Kleinkrieg Herr Kessler? Kritik und Demokratie unerw├╝nscht???

  • Michael M├╝ller

    Gr├Âhl! Ich bin Journalist in Berlin und lese immer wieder gerne das Heddesheimblog – eine Art Reality-Provinz-Soap. Wann wird euer B├╝rgermeister von Stefan Raab vertont?

  • Menschen wir Ihr B├╝rgermeister haben noch nicht verstanden, dass die Kontrolle von Internetmedien nicht so funktioniert wie die von klassischen Medien.

    Das liegt aber nicht nur an vermeintlich b├Âsartigen Journalisten, sondern an der Geschwindigkeit und der naturgegebenen Unkontrollierbarkeit des Netzes. Eine einmal eingestellte Nachricht kann man nicht aufhalten, wer das glaubt, schneidet sich ins eigene Fleisch.

    Als ein Beispiel sei der Versuch von Jack Wolfskin genannt, die einen kleinen Handarbeitsshop abmahnen wollten, weil die angeblich ihr Logo geklaut h├Ątten. Der Schuss ging megam├Ą├čig nach hinten los und schadet dem Image des Unternehmens auf l├Ąngere Zeit.

    Meine Ausf├╝hrungen treffen nicht ganz den Kern des Problems, weil es Herrn Kessler weniger um das Internet als um die Kritik an seiner Person geht, aber das Internet macht es f├╝r ihn schwieriger, deshalb sollte er sich mit dem Grundcharakter dieses Mediums vertraut machen.

    Vielleicht sollte Herr Kessler sich auch mal erinnern, wie geschickt Barack Obama das Internet f├╝r sich eingesetzt hat – schlie├člich ein Politikerkollege. Und er sollte das Buch „next practice – Erfolgreiches Management von Instabilit├Ąt“ von Prof. Dr. Peter Kruse lesen. Kruse, Psychologe und Neurophysiologe, ist erfolgreicher Unternehmensberater, der h├Âchst interessante Gedanken darstellt, wie das Internet Machtstrukturen in Unternehmen (und auch in Rath├Ąusern) ver├Ąndern wird.

    Hier schon mal ein Link zu Kruses Firma: http://www.nextpractice.de

  • k.

    Heddesheim ist ├╝berall!

  • Na wenigstens da haben wir Bruchsaler ja mal Gl├╝ck gehabt…
    Unsere neue Oberb├╝rgermeisterin Petzold-Shick gibt uns sogar Interviews und l├Ą├čt uns alle Pressemitteilungen unaufgefordert zukommen, die auch die „Gro├čen“ erhalten. Sogar zu Presselunches mit Showgesch├Ąftsgr├Â├čen wie Tony Marshall werden wir eingeladen. ­čÖé

    Nun ja, daf├╝r m├╝ssen wir in Bruchsal mit wom├Âglich vor unserer OB Wahl im Juli gef├Ąlschten Kommunalwahlen und ├Ąhnlichen Dingen fertig werden – und ja, es verbindet Bruchsal einiges mit Heddesheim, nicht nur ein neues kritisches Pressemedium.

    Gr├╝├če aus Bruchsal

    Dr. Jochen Wolf
    http://www.bruchsal.org – Heute schon reingeklickt?

  • Jochen Schust

    Das ist mittlerweile besser als jede Soap! Ich lese sehr interessiert mit – auch wenn ich aus einer ganz anderen Ecke Deutschlands komme. Aber ich bin sicher, wenn das so weitergeht, wird Herrn Kessler schon bald ├╝berregionale „Prominenz“ zuteil. Wir sind gespannt!