Sonntag, 22. Juli 2018

Der Kleinkrieg des Herrn K. und sein „heddesheimblog-Erlass“

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Guten Tag!

Heddesheim, 30. Januar 2010. Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler ist fest entschlossen, sich selbst und den Ruf seiner Gemeindeverwaltung zu besch├Ądigen. Anders l├Ąsst sich die peinliche Absurdit├Ąt seines Kleinkriegs gegen das heddesheimblog und jeden, der mutma├člich damit zu tun hat, nicht erkl├Ąren.

Kommentar: Hardy Prothmann

W├Ąhrend landauf, landab Journalisten mit kritischem Blick auf das heddesheimblog schauen und ├╝berlegen, ob unsere Arbeit die „Zukunft des Lokaljournalismus“ sein k├Ânnte, w├╝nscht sich der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler die glorreiche Vergangenheit zur├╝ck.

Glorreich war diese, weil er darin so glorreich war. Kein Wort der Kritik wurde ├╝ber ihn geschrieben. Im Mitteilungsblatt bestimmt er bis heute selbst, wie glorreich er ist, das Verlautbarungsorgan Mannheimer Morgen transportiert bis heute unkritisch und gefolgsam seine Heilsbotschaften f├╝rs Heddesheimer Volk.

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Verengter Blick: Jedes b├╝rokratische Register wird gezogen. Bild: hblog

Seit Mai 2009 ist Herr Kessler in Not. Seitdem berichtet das heddesheimblog kritisch auch ├╝ber ihn und die Arbeit der Verwaltung. Kritisch hei├čt: Wir schreiben das Positive genauso auf wie das Negative.

Dem B├╝rgermeister schmeckt das nicht, weil er keine Kontrolle dar├╝ber hat. F├╝r einen Kontrollfreak wie ihn muss das eine Qual sein.

B├╝rokratische H├╝rden

Also versucht er in einem absurden Stellungskrieg das heddesheimblog einzukesslern und sich so Erleichterung zu verschaffen, indem er es uns schwer macht. Dabei zieht er alle b├╝rokratischen Register, die ihm einfallen.

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Artikel vom 28. Januar 2009. Wolfgang Unverricht wird ausgiebig zitiert. Quelle: MM

Die Mitarbeiter l├Ąsst er eine Verwaltungsanordnung unterschreiben, mit der diese in Kenntnis gesetzt werden, dass Presseanfragen k├╝nftig nicht beantwortet werden d├╝rfen, sondern ans Rathaus, also ihn, weitergeleitet werden m├╝ssen.

Der Anlass: Unsere Berichterstattung ├╝ber die ├ľffnung der Eisbahn.

Konsequenterweise m├╝sste er deshalb den Leiter des Bauhofs, Wolfgang Unverricht, abmeiern. Denn der hat mit dem Mannheimer Morgen geredet, wie dieser Artikel vom 28. Januar 2010 beweist (siehe Bild rechts).

Herr Unverricht wird nicht abgemeiert werden – denn der Ukas in Sachen Presse gilt nicht f├╝r das Haus- und Hofblatt Mannheimer Morgen oder andere. Es gilt ausschlie├člich f├╝r das heddesheimblog. Es handelt sich um den „heddesheimblog-Erlass“.

Vasallen werden vorgeschickt

zitat

Artikel-Ausschnitt. Zum Vergr├Â├čern bitte klicken. Quelle: MM

Auch das heddesheimblog wollte gerne zum selben Thema mit dem Bauhofleiter sprechen und wandte sich an die Gemeinde. Dort verlangte man die schriftliche Einreichung unserer Fragen.

Journalistische Anfragen darf das heddesheimblog nur noch an diese Adresse richten: gemeinde@heddesheim.de.

Meist antwortet dann mit gro├čer Verz├Âgerung, die eine aktuelle Berichterstattung praktisch unm├Âglich macht, das Sekretariat des B├╝rgermeisters. Diese Antworten sind meist so unzureichend, das sie f├╝r eine Berichterstattung nicht verwendet werden k├Ânnen. Manchmal wird auch gar nicht erst geantwortet. Und w├Ârtliche Zitate? Fehlanzeige. (siehe hierzu unsere Dokumentation)

Der Sinn des Verfahrens: Ausk├╝nfte sollen so m├╝hsam werden. Sollten wir eine Nachfrage haben, geht das Verfahren wieder von vorne los.

Vollst├Ąndig absurd wird es, wenn Herr Kessler seine Vasallen vorschickt.

So wies vor kurzem der Leiter des B├╝rgerservices, Franz Winkler, eine Rathaus-Mitarbeiterin an, ihn zu informieren, wenn unsere Mitarbeiterin donnerstags das Mitteilungsblatt im Rathaus holt.

Als unsere Mitarbeiterin eintraf, wurde sie von der Angestellten gebeten, kurz zu warten. Die Angestellte informierte ihren Chef. Herr Winkler kam und fragte: „In welcher Funktion holen Sie das Blatt? Privat oder f├╝r die Redaktion des heddesheimblogs?“ „Selbstverst├Ąndlich f├╝r die redaktionelle Arbeit“, antwortete die Mitarbeiterin. Sie durfte das Bl├Ąttchen mitnehmen.

Vielleicht hat Herr Kessler mit diesem Vorgang auch nichts zu tun. Vielleicht praktizierte Herr Winkler auch nur vorauseilenden Gehorsam.

Kleingeistiges Verhalten

Unserem freien Mitarbeiter Horst P├Âlitz, der als freier Journalist auf eigene Rechnung arbeitet, wurde das Mitteilungsblatt aktuell verweigert. Das Kesslersche Sekretariat „informierte“:

„Sehr geehrter Herr P├Âlitz,
in den Verteiler f├╝r Pressemitteilungen des Rathauses werden Sie aufgenommen.
Entgegen der gestrigen Auskunft erhalten nur Redaktionen unser Mitteilungsblatt kostenlos. Sie k├Ânnen sich dieses zuk├╝nftig von der Redaktion des Heddesheimblogs geben lassen. Alternativ erhalten Sie anbei ein Bestellformular.“

L├Ącherlicher kann man sich eigentlich kaum machen.

Immer dann, wenn Herr K. will, das seine Botschaft unters Volk kommt, l├Ąsst er das Mitteilungsblatt an alle Haushalte verteilen – auch an Nicht-Abonnenten. Es kann sich also nicht um „Kostengr├╝nde“ handeln.

Einem Journalisten, der ├╝ber die Gemeinde berichtet, dieses zu verweigern, ist nicht nur kleinlich, sondern kleingeistig. Es ist pedantisch.

Der Sinn dieses Verhaltens liegt erkennbar einzig und allein darin, die Arbeit und alle Zuarbeiten des heddesheimblogs wie auch immer zu behindern. Den Mitarbeitern der Gemeinde ist vordergr├╝ndig kein Vorwurf zu machen. Sie m├╝ssen den Dienstanweisungen ihres Chefs folgen. Manche m├╝ssens, andere folgen gerne von sich aus.

Was Herr K. seinen Mitarbeitern aber nicht anordnen kann, ist, was sie ├╝ber sein Verhalten und ihn denken.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.