Sonntag, 20. August 2017

Gastbeitrag: Circus Maximus lässt grüßen

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Guten Tag!

Heddesheim, 30. Oktober 2010. In der Gemeinderatssitzung vom Donnerstag, den 28. Oktober 2010, ging es (mal wieder) rund. Grund eines heftigen Streits: Die Gift-Aktion der Gemeinde.

Vorbemerkung:
Es schien wie ein abgekartetes Spiel als Bürgermeister Michael Kessler und die CDU-Gemeinderäte Dr. Josef Doll, Rainer Hege und Volker Schaaff den Gemeinderat Kurt Klemm (Fraktion Bündnis90/Die Grünen) verbal attackierten. Das erste Ziel: Man wollte es so hinstellen, als sei Kurt Klemm mit der Giftspritz-Aktion einverstanden gewesen. Das zweite Ziel: Man wollte den Gift-Einsatz herunterspielen. Bürgermeister Kessler nannte das Gift denn auch ein „Planzenschutzmittel“, was ungefähr so sinnig ist, wie Kriegswaffen als „Friedenswaffen“ zu bezeichnen.
Das Theater im Gemeinderat war so absurd, dass sich Herr Klemm entschlossen hat, uns eine Satire dazu zu schicken.
Viel Spaß damit
Redaktion heddesheimblog

Von Kurt Klemm

gaius

Gaius oder gar Nero? Bild: jojo

Difficile est satiram non scribere. – Es ist schwierig keine Satire (darüber) zu schreiben.

Leider lassen sich die Ereignisse, die sich am Donnerstag beim letzten Punkt in der öffentlichen Gemeinderatsitzung abspielten, nicht anders beschreiben. „Panem et circenses“ (Brot und Spiele (Wagenrennen) frei nach diesem Motto durfte jeder mal die Keule schwingen.

Für mich war es beschämend wie unterschiedlich unser Gaius Cäsar, Bürgermeister Kessler, die (Senatoren), Mitglieder der einzelnen Fraktionen „Ad libitum“ (nach Belieben) bediente. Kollege Prothmann wurde für sein „twittern“ während der Sitzung, sofort zur Ordnung gerufen nach den Motto: „Noli turbare circulos meos“ (Störe meine Kreise nicht), unterdessen der Rest der CDU-Fraktion sein „Cum tacent clamant“ (indem sie schweigen, stimmen sie zu), zum Besten gibt.

Auf mich persönlich hatte es unser Gaius Cäsar zusammen mit Senator Josef (Dr. D.) besonders abgesehen gehabt, mit einer bestens einstudierten Nummer, passend zum Circus „Vita brevis, ars longa“ (Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang), versuchte man mich auf schon fast diskriminierter Art zu demontieren. Nur weil ich von meinem Recht, „Salus publica suprema lex“ (Das öffentliche Wohl ist das höchste Gesetz) und damit Schaden von Mensch und Tier fernzuhalten, Gebrauch gemacht habe.

Der CDU-Gemeinderat Hege, bekennender Christ, war plötzlich nicht wiederzuerkennen. Er demonstrierte „Testimonium paupertatis“ ein wahrlich geistiges Armutszeugnis, indem das Brüllen eines Löwen noch leise ist, oder „Ex ungue leonem“ an der Klaue erkennt man den Löwen, bei dem ihm sein Fraktionskollege Schaaf in nichts nachstand. „Manus manum lavat“ eine Hand wäscht die andere.

„O me mierum“ (Oh ich Unglücklicher), habe nur gewagt, das von unserem Cäsar als absolut harmlos eingestufte Gift, „Quod erat demonstrandum“ (was zu beweisen war), als gefährliches Herbizid darzustellen, bei dessen Einsatz vor allem Kinder und Tiere zu Schaden kommen könnten.

„Principils obsta!“ (Wehret den Anfängen), dass dieses Beispiel der Gemeinde nicht Schule macht, denn „Qualis rex, talis crex“ wie der König so die Herde.

Zu diesem Zeitpunkt war unserem Cäsar die Leitung der Sitzung vollkommend aus den Händen geglitten, auf meinen Zuruf „Sit venia verbo! (Es sei das Wort gestattet) oder „Audiatur et altera pars! (Es möge auch die andere Seite gehört werden), reagierte er nur noch „Duo cum faciunt idem, non est idem“ (Wenn sich zwei streiten freut sich der Dritte).

Ehrwürdiger Cäsar „Sapere aude! (Wage es deinen Verstand zu gebrauchen!), denn „Si deus pro nobis, quis contra nos?“ wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Ich hoffe das ich durch diese Satire nicht zur „Persona non grata“ (eine ungebetene Person) werde und sollte dieser Circus sich in den nächsten Gemeinderatsitzungen fortsetzen, kann ich nur rufen „Senatus Populus que Hellese quo vatis“ – Senat und Volk von Heddesheim, wohin gehst du?

Anmerkung:
Kurt Klemm ist ehemaliger „Bediensteter“ der Gemeinde Heddesheim, Vogel- und Natürschützer und ist als parteiloser Gemeinderat Mitglieder der Fraktion Bündnis90/die Grünen.
Hardy Prothmann ist partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich für das
heddesheimblog.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • heddy

    Danke für die Satire! Wobei Kessler für mich eher Heddesheims Nero als Cäsar ist!

  • kompakter

    hallo,

    ich befürchte, die satire ist keine, sondern eher sowas wie ein tatsachenbericht. bitte an die redaktion: hier in ladenburg hab ich das mistteilungsblatt nicht. falls es ne antwort gibt – bitte dokumentieren!!!

    gruß

  • Heddesheimer

    Sehr merkwürdig, Herr Klemm kritisierte aus meiner sich nicht die direkt die Landwirtschaft, sondern den Umgang an öffentlichen Wegen und stellte die Frage ob man dieses Mittel überhaupt verwenden sollte, wegen Mensch und Tier.
    Schilder als Information das man seine Hunde an die leine nehmen (Hunde streunen durch das Gras und werden gestreichelt) und sich nicht abseits des Weges aufhalten sollte, wäre aus meiner sicht richtig gewesen da der Weg mitten durch die Grundstücke führt.

    Ich halte ein paar Worte mit der Fachfirma für nötig.

    • heddesheimerin

      Die Gemeinde müsste einfach nur die Klemm-Schilder wieder aufstellen, die sie Hals über Kopf abgerissen hat. Das hats auf den Punkt gebracht.

      • Heddesheimer

        Ich halte eine Beschilderung in den ersten Tagen nach dem Aufbringen für empfehlenswert.

        • heddesheimerin

          dafür ist es leider definitiv zu spät. Ich hoffe, wenn weitere Giftgas-Aktionen geplant sind, warnt die Gemeinde vor!

  • Argus

    „Senator Josef (Dr. D.)“ ?

    Ich meine,dass er sinngemäß,kein Senator,sondern eher ein Hofnarr ist.
    Seine Partei hat es nur noch nicht registriert !

    Mit dem Unterschied :
    Der Scherz des Hofnarren war meistens tiefgründige,berechtigte Kritik.
    Auch er durfte sich einiges erlauben, mit der Gefahr,dass er einen Kopf kürzer gemacht werden konnte.

    Die Gemeinderatssitungen sind wohl so langsam zum „Kasperletheater“ mit zweifelhaftem Unterhaltungswert verkommen.

  • Mhm’er

    Hallo,

    Satire hin, Satire her (war sehr lustig Herr Klemm), aber es wird einem Angst und Bange, wenn man bedenkt, daß wohl mittlerweile persönliche Eitelkeiten über das Wohl oder Leid der Gemeinde entscheiden.
    Nüchterne Entscheidungen, bzw. vorurteilsfreie Entscheidungsfindungen sind nicht mehr möglich. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern um die Personen.
    Ich gehe davon aus, daß wir das (mindestens) bis zur nächsten Wahl aushalten müssen.

    Also ad multos annos (auf viele Jahre).

    Grüße
    Mhm’er (in Heddesheim lebend)

    • sven

      Ja, Stillstand ist programmiert für die nächsten Jahre. Die Gräben in der Gemeinde und im GR sind so tief, dass an versöhnliche Töne oder Kompromisse wohl nicht zu denken ist.