Mittwoch, 26. September 2018

Atmosphäre der Bedrohung in Heddesheim

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Guten Tag!

Heddesheim, 30. September 2009. Am Anfang war es ein „Riss, der durchs Dorf geht„. Dann wurden die Anfeindungen konkreter, verbal und handgreiflich. Dann wurden sie juristisch. Seit heute sind sie gemeingefährlich geworden.

Kommentar: Hardy Prothmann

Als ich vor vier Jahren nach Heddesheim gezogen bin, geschah dies der Liebe wegen. Denn hier wohnte meine „Liebe“ mit ihren zwei Kindern.

Meine Liebe wohnt immer noch hier und mittlerweile haben wir geheiratet. Ihre Kinder sind meine Kinder und wir beide sind sehr stolz auf sie.

Vor vier Jahren habe ich mich also entschlossen in Heddesheim zu leben und es bis heute nicht bereut, weil ich hier viele gute Freunde gefunden habe und gute Nachbarn und viele freundliche und interessante und nette Menschen kennengelernt habe.

Heute hat ein unbekannter Täter einen Anschlag auf eines meiner Fahrzeuge verübt, einen Skoda Octavia Kombi, der überwiegend von meiner Frau genutzt wird.

Vor einem Reifen wurde ein Stück Dachlatte platziert, in dem drei Nägel stecken. Die Nägel stecken nun samt dem Stück Dachlatte im Reifen meines Fahrzeugs.

Dieser Anschlag war feige, hinterhältig und gemeingefährlich.

Was, wenn meine Frau nicht sofort angehalten hätte, sondern weitergefahren wäre?

Die Folgen hätten lebensbedrohlich sein können. Deswegen definiert der Gesetzgeber eine solche Straftat auch als „gemeingefährlich“.

Irgendwo befindet sich nun dieser „Mensch“, der dafür verantwortlich ist.

Freut er sich? Ist er zufrieden mit sich? Fühlt er sich im Recht?

Dieser „Mensch“, hat, wie es im Strafgesetzbuch steht, Leib und Leben eines anderen Menschen gefährdet.

In diesem Fall das meiner Frau. Aber auch potenziell das Leben meiner Kinder und das Leben aller anderen Personen, die sich in dem Fahrzeug befunden haben könnten.

Bislang bin nur ich als Person mit „Auseinandersetzungen“ konfrontiert gewesen. Diese waren aber überwiegend tumb und nicht „gemeingefährlich“.

Da diese aber meiner Meinung nach zu diesem „gemeingefährlichen“ Angriff führten, liste ich diese nochmals auf.

Die ersten „Attacken“ verliefen nicht unbedingt zielgerichtet auf mich, sondern waren eher Geschwätz und richteten sich auf meine damals noch potenziellen Schwiegereltern.

Auf dem Fest der Sängervereinigung wurde es konkreter. Da hat mich Herr Ewald Doll, Vereinsvorsitzender der TG Heddesheim, körperlich angegangen. Herr Doll ist der Bruder des Vorsitzenden der CDU-Gemeinderatsfraktion, Dr. Josef Doll. Dieser Vorgang ist fotografisch dokumentiert und kann zudem von Zeugen bestätigt werden.

Auf diesen Vorfall habe ich kurz darauf Herrn Bürgermeister Michael Kessler angesprochen und ihn gebeten in der Sache vermittelnd einzugreifen: „Herr Kessler, ich bitte Sie, in dieser Sache zu vermitteln. Das geht so nicht.“

Seine Antwort vor Zeugen: „Was soll ich da tun? Damit habe ich nichts zu schaffen.“

Dann wurde ich vom SPD-Gemeinderat Rainer Lang persönlich bedroht. Dieser Fall ist hier im heddesheimblog dokumentiert und kann von Zeugen bestätigt werden.

Dann drohte mir der katholische Kirchengemeinderat Peter Kleinert „Konsequenzen“ an. Dieser Name ist bislang nicht dokumentiert worden, was ich aber hiermit nachhole. Denn ich finde, dass, wer „Konsequenzen“ androht, sicherlich auch konsequent mit seinem Namen dafür einstehen wird.
Die Dokumentation finden Sie hier.

Ein paar Tage später packt mich Willi Brechtel vehement am Arm, was ich als eine körperliche Bedrohung wahrgenommen habe. Auch dieser Vorfall kann von sehr vielen Zeugen bestätigt werden.

Willi Brechtel ist der Mann der 1. stellvertretenden Bürgermeisterin von Heddesheim, Ursula Brechtel. Die Frau ist seit Urzeiten Gemeinderätin der Gemeinde Heddesheim und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.

Gestern droht mir der Bürgermeister Michael Kessler über Heidelberger Anwälte wegen der Berichterstattung auf dem heddesheimblog ein Verfahren an. Streitwert: 15.000 Euro.

Vor ein paar Wochen geht gegen Mitglieder der IG neinzupfenning eine Morddrohung per Kommentar auf deren Internetseite ein. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt.

Gegen den verantwortlichen Betreiber der Internetseite „neinzupfenning.de“ versuchen Anwälte der Unternehmensgruppe „Pfenning“ per Eilantrag eine „Eidesstattliche Versicherung“ durchzusetzen.

Das Gericht gab dem nicht statt und will die Argumentation prüfen. Verhandlungstermin in der Causa ist der 06. Oktober 2009. Streitwert: 50.000 Euro.

Gewerbetreibende aus Heddesheim, die ich um Anzeigen (die geschäftliche Grundlage) für das heddesheimblog angefragt habe, sagen mir, dass sie sehr gerne werben würden, aber geschäftliche Nachteile befürchten, wenn sie beim heddesheimblog werben. Es geht um Aufträge oder Genehmigungen der Gemeinde – und die Sorge, diese nicht zu erhalten, wenn man mit dem heddesheimblog in Verbindung gebracht werden könnte.

Mit der „gemeingefährlichen Straftat“ von heute ist eine neue Dimension erreicht: Eine Atmosphäre der Bedrohung, die nichts anderes als „gemeingefährlich“ ist.

Seit heute muss jeder, der sich kritisch in die Diskussion um die Ansiedlung der Firma „Pfenning“ einbringt, damit rechnen, dass er entweder persönlich verbal, handgreiflich, juristisch oder auch „gemeingefährlich“ bedroht wird.

Meine Meinung ist: Das kann und darf nicht sein.

Ich lebe gerne da, wo ich zuhause bin. Und das ist in Heddesheim. Und ich bin nicht bereit, mich einer feigen, hinterhältigen und gemeingefährlichen Attacke zu beugen.

Bis heute warte ich auf eine Entschuldigung – öffentlich oder privat – der Herren Doll, Lang, Kleinert und Brechtel – für ihr unangebrachtes Verhalten.

Warum?

Weil nur so ein „Zeichen“ der Entspannung in Richtung der „Menschen“ eine mögliche Wirkung entfalten kann, die sich zum „Vollstrecker“ berufen fühlen.

Sage ich damit, dass diese Menschen für den Anschlag von heute „verantwortlich“ sind?

Definitiv nicht. Verantwortlich ist nur derjenige, der den Anschlag verübt hat.

Aber es gibt auch so etwas wie eine moralische Verantwortung, eine demokratische, eine, die bewusst Stellung bezieht, egal, welche Nachteile das mit sich bringt.

Ich bin gespannt, ob sich der Bürgermeister oder die politischen Parteien zu dieser „gemeingefährlichen Straftat“ äußern werden.

Warum ich gespannt bin? Weil weder der Bürgermeister, noch die CDU, noch die SPD, noch die FDP mit dem heddesheimblog seit Monaten reden.

Sie schweigen. Oder verweigern jede Äußerung auf Anfrage.

Und ich bin mir fast sicher, dass die Unternehmensgruppe „Pfenning“ dazu Stellung nehmen wird.

Warum? Ganz einfach. Die Auseinandersetzung in der Selbstdarstellung des Unternehmens und der Berichterstattung auf dem heddesheimblog waren hart, aber insgesamt einigermaßen fair.

Warum? Ganz einfach. Die Unternehmensgruppe „Pfenning“ hat ein Ziel. Sie will Geschäft machen. Das ist nachvollziehbar.

Die sture Verweigerung seitens des Bürgermeisters und der Fraktionen der CDU, SPD und FPD hingegen ist nicht nachvollziehbar.

Dabei geht es mir überhaupt nicht um meine Person. Ich bin nur einer von vielen.

Zufällig bin ich Journalist.

Und die fragen manchmal nach. Das tue ich.

In diesem Fall geht es ausschließlich nur um den öffentlichen Frieden, der von wem auch immer, heute per feigem und hinterhältigem Anschlag bedroht wurde.

Und meine Meinung ist: Wenn niemand widerspricht, wird selbst eine „gemeingefährliche Straftat“ irgendwie doch erlaubt.

Ich bin der Meinung: Das darf nicht sein. Nicht in meiner Welt.

Und ich hoffe, dass ich nicht alleine bin.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag

Hardy Prothmann

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.