Montag, 23. Oktober 2017

Reaktionen der Heddesheimer Fraktionen

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Nun haben die Heddesheimer Fraktionen doch reagiert – und zwar so, wie man es erwarten durfte, schlie├člich habe ja alle f├╝r das Pfenning-Projekt gestimmt.

Der Mannheimer Morgen hat angefragt:
„1. Warum sind Sie f├╝r/gegen die Ansiedlung des Unternehmens?“
„2. Wie stehen Sie zu den Bef├╝rchtungen der B├╝rger hinsichtlich der zus├Ątzlichen Verkehrsbelastung?“

Der Mannheimer Morgen schreibt in einem Begleitartikel, dass sich der Widerstand „in einer so genannten Interessengemeinschaft“ formiert habe.
Warum man zu einer Interessengemeinschaft, also einer Gruppe die gemeinsame Interessen verfolgt, „so genannt“ schreiben muss, wei├č nur die Redaktion. Der „so genannten“ Zeitung war sicherlich nicht bewusst, dass sie hier einen abwertenden Ausdruck benutzt.
Wie auch immer…

Die Antworten lesen Sie auf der website der Zeitung hier.

Kurz zusammengefasst:
Interpretationen und Anmerkungen sind von mir und kursiv.

In der Reihenfolge, in die Zeitung die Stellungnahmen gebracht hat:

Die CDU
Chance auf mehr Arbeitspl├Ątze

„In Heddesheim haben die Arbeitspl├Ątze von 2003 bis 2007 um 9,4 Prozent abgenommen, ein Trend der anh├Ąlt.“
Wie soll man das nun verstehen? Vielleicht ist die Zahl der Arbeitspl├Ątze gemeint. Sollte das so sein, ist es recht lustig, wie die CDU f├╝nf Jahre zusammenrechnet, um auf eine einigerma├čen beeindruckende Zahl zu kommen. Beeindruckender w├Ąre, dass Heddesheim seit 2000 ├╝ber 40 Prozent weniger Arbeitslose hat, aber mit dieser Erkenntnis k├Ânnte man ja das „mehr Arbeitspl├Ątze“-Argument glatt vergessen.

„…der Regionalverband rechnet mit zus├Ątzlichen 0,6 bis 0,8 Arbeitspl├Ątze je Arbeitsplatz beim Logistikunternehmen.“
Welcher Regionalverband? Der der Landfrauen, der Kaninchenz├╝chter, der CDU, der….?

„Das zweifellos hohe Verkehrsaufkommen der Anwohner der Ringstra├če ist urs├Ąchlich unabh├Ąngig von der Ansiedlung der Firma Pfenning.“
Der Satz hat es in sich! Die Anwohner sind schuld. Sie sind zweifellos schuld am Verkehrsaufkommen, zumindest steht das da. Und zweitens steht da, dass das Verkehrsaufkommen hoch ist, das aber nichts mit Pfenning zu tun hat. Wer h├Ątte das gedacht. Die Anwohner haben ja genau deswegen Angst, dass es noch mehr wird.

Die SPD
Bedenken werden so nicht eintreten

Na dann.

„Es werden neue Arbeitspl├Ątze und Ausbildungspl├Ątze geschaffen.“
Die SPD hatte schon immer das Problem, es besser wissen zu wollen, als andere. Ein anderer ist Karl-Martin Pfenning. Der wurde im Zuge des Zuschlags f├╝r das Pfenning-Projekt in der Presse so zitiert, dass ca. 450 Arbeitspl├Ątze von Viernheim nach Heddesheim verlagert w├╝rden. Au├čerdem sollen 200 Arbeitspl├Ątze aus der weiteren Region hier zusammengezogen werden. Wie das mit dem Zusammenziehen gemeint war, konnten sich Besucher der B├╝rgerinformation vergangene Woche selbst ausrechnen. Dort pr├Ąsentierte Pfenning die Zahlen (wof├╝r man ja schon fast dankbar sein durfte, weil es endlich mal konkrete Zahlen waren). Danach plant Pfenning 500 Arbeitspl├Ątze in Heddesheim. Macht also ein dickes Minus von 150 Arbeitspl├Ątzen oder gute 20 Prozent Arbeitsplatzabbau. Hinzu k├Ąmen 250 Leiharbeiter. Bei denen ist das halt so, dass sie mal hier mal da besch├Ąftigt sind, sie werden geliehen und nicht eingestellt. Und: 250 Subunternehmer. Dieses Wort l├Ą├čt sich mehr oder weniger auch als Scheinselbst├Ąndiger lesen. Das d├╝rften konkret LKW-Fahrer sein, die, wenn schon denn schon, ihren Arbeitsplatz selbst schaffen – sie sind ja, ├Ąhm, Unternehmer. Sch├Ân, dass die Heddesheimer Genossen sich daf├╝r aussprechen.

„Dies (siehe oben, d.V.) steigert die Attraktivit├Ąt Heddesheims als Arbeits- und Wohnort.“
Um die rhetorische Volte zu genie├čen: 200.000-400.000 Quadratmeter Ackerland werden versiegelt, 1000-2000 LKW werden in Spitzenzeiten auf dieser Fl├Ąche abgefertigt – das ist das Szenario f├╝r die „Mehr-Arbeitspl├Ątze“. Daraus zu folgern, dass die Attraktivit├Ąt als Wohnort gesteigert wird, kann man nur verstehen, wenn man der Arbeiterpartei angeh├Ârt, die gucken n├Ąmlich gerne auf Hallen und f├╝hlen sich nur wohl, wenn die Luft nach Diesel riecht.

„Die Bedenken der B├╝rger (bzgl. Verkehrsbelastung, d.Verf.) sind nachvollziehbar, werden aber so nicht eintreten, da der LKW-Verkehr nicht durch den Ortskern geleitet wird.“
Warum sind diese Texte so schwer verst├Ąndlich. Ich lese, dass jemand den LKW-Verkehr durch den Ortskern leiten wollte und das jetzt nicht so sein wird. Wenn also niemand die LKWs durch den Ortskern leitet, dann wohl drum herum, also beispielsweise auch ├╝ber die Ringstra├če. Da scheinen keine SPD-W├Ąhler zu wohnen.

„Wir werden die FA.Pfenning an ihren Aussagen messen.“
Damit wei├č jeder Heddesheimer, wo die Autorit├Ąt sitzt.

Die FDP
Einnahmen f├╝r die Gemeinde

„Mit Pfenning erwartet die FDP Zug um Zug neue Arbeitspl├Ątze unterschiedlicher Ausbildung und Qualifikation auch f├╝r Heddesheimer ortsnah.“
Da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Pfenning gibt seinen Standort Viernheim auf und die Arbeiter werden sicherlich den Weg von Viernheim nach Heddesheim schaffen, um dann dort ihren vermutlich ├╝berwiegend gering bezahlten Job zu machen.

„Wir fordern seit langem eine Verkehrsentlastung in der Ortsmitte und diese Forderung gilt nat├╝rlich auch f├╝r Pfenning.“
Auch nicht schlecht. Man holt sich einen Logistiker ins Haus, der viel Verkehr mit sich bringt und will gerade von dem dann eine Verkehrsentlastung.

Die Gr├╝nen
Brauchen Vertrag zu LKW-Verkehr

„Wichtig f├╝r uns waren die Sicherung von ca. 1000 Arbeitspl├Ątzen in unserer Region…“
Die Heddesheimer Gr├╝nen sehen sich also eher als Regionalverband. Auch gut. Aber viel besser ist, dass sie ca. 1000 Arbeitspl├Ątze sichern, obwohl es (siehe oben) bislang nur 650 oder vielleicht auch nur 500 sind.

„Vor allem das ├Ârtliche Verkehrsaufkommen und hier der Anteil der LKW muss begrenzt werden.“
Die Gr├╝nen wissen was, was andere nicht wissen. Sie fordern weniger LKW und sind f├╝r die Ansiedlung eines Unternehmens, dass selbst zugibt, in Spitzenzeiten bis zu 1000 LKW-Fahrten pro Tag zu erzeugen. Das verstehe, wer will.

„Ein generelles Durchfahrtverbot f├╝r alle schweren LKw (├╝ber 7,5 Tonnen) ist ein denkbarer Weg.“
Starke Forderung. Da Gemeinden aber nicht ├╝ber Landes- und Kreisstra├čen befinden k├Ânnen, wissen die Gr├╝nen, dass ihre starke Forderung von vorneherein zwar denk- aber nicht durchf├╝hrbar ist.

„Dar├╝ber hinaus muss mit Pfenning eine vertragliche Festlegung getroffen werden, dass alle LKW-Fahrten auf die A5 erfolgen m├╝ssen.“
Goldig. Da strahlt die Sonnenblume. Erstens wird es einen solchen Vertrag nie geben, weil er grob wettbewerbsverzerrend w├Ąre und zweitens fragt man sich, ob die gr├╝ne Utopie tats├Ąchlich denkt: Alle LKW auf die Autobahn und alles ist gut.

pro

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.