Montag, 21. August 2017

Public Viewing in Heddesheim – Kostenfrei? Oder nicht?

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Guten Tag!

Heddesheim, 29. April 2010. In Heddesheim wird es zur Fußball-WM ein „Public Viewing“ geben – also eine ÃƓbertragung auf Großleinwand. Angeblich die grĂ¶ĂŸte Veranstaltung dieser Art in der Region und angeblich kostenlos. Eins steht fest. Kostenlos ist die Veranstaltung nur bedingt.

fzhalle

"Public Viewing" in der Freizeithalle ist nur bedingt kostenlos. Quelle: Gemeinde Heddesheim

Von Hardy Prothmann

Dass die drei Vereine ATB, TG und Fortuna gemeinsam mit der Gemeinde ein „Public Viewing“ veranstalten, ist erstmal eine gute Nachricht fĂŒr alle Fußballfans.

Auch gut ist, dass es ein Rahmenprogramm mit Torwandschießen gibt. Auch gut, dass es einen mit dem Ladenburger Gasthaus „Zum Ochsen“ einen Partyservice, also Verpflegung gibt.

All das gehört nĂ€mlich zu einem erfolgreichen „Public Viewing“ dazu.

Was Public Viewing ist.

Mein letztes „Public Viewing“ war im vergangenen Sommer in Amsterdam. Ein Musikfest. Mit vielen BĂŒhnen und vielen LeinwĂ€nden. Die Versorgung war super, die Preise waren ok.

Aber jeder konnte sich auch sein Bier im Supermarkt oder Kiosk holen. Die meisten Leute haben sich eindeutig an den StĂ€nden versorgt. Dort war man viel beschĂ€ftigt, aber freundlich und hatte auch fĂŒr einen Spaß Zeit.

Beim Heddesheimer „Public Viewing“ ist das anders.

Hier wird angekĂŒndigt, das „Public Viewing“ sei zwar frei. Aber GetrĂ€nke dĂŒrften keine mitgebracht werden.

Bedingt „kostenfrei“.

Das bedeutet in der Konsequenz: Wer drei, vier Stunden lang mit anderen in der Gemeinschaft seine Leidenschaft Fußball erleben will, hat entweder Durst oder wird zum Kauf von GetrĂ€nken gezwungen.

Das hat mit „Public Viewing“ nichts zu tun.

Das ist ein GeschÀft, bei dem es den Betreibern an Mut fehlt, auch ein Risiko einzugehen. Vor allem ein finanzielles.

Vielleicht veranstalten auch deshalb drei Vereine zusammen mit der Gemeinde dieses Programm. Gehts schief, ist die Last auf viele Schultern verteilt. Und ĂŒberhaupt: So hat jeder weniger Arbeit.

Die grĂ¶ĂŸten sind zu klein.

Der Mannheimer Morgen (MM) hat geschrieben, dies seien die drei „grĂ¶ĂŸten Vereine“ Heddesheims. Das heißt umgekehrt aber auch: Jeder davon ist zu klein, um die Aufgabe stemmen zu können oder zu wollen.

Vielleicht verstehen die drei Vereine sich aber auch einfach so gut, dass sie das gerne zusammen machen. Auch das ist eine Möglichkeit.

Vielleicht hat man aber auch tatsĂ€chlich ernstzunehmende und nachvollziehbare GrĂŒnde, das Mitbringen von GetrĂ€nken zu verbieten. Verbieten ist ĂŒbrigens im Ergebnis dasselbe wie „nicht erlauben“, was der MM geschrieben hat.

„Das gesamte Gebiet wird abgesperrt“, schreibt der MM und merkt nicht, dass er gleichzeitig ĂŒber ein „Public viewing“ berichtet.

In Amsterdam gab es EinschrĂ€nkungen fĂŒr den Straßenverkehr, aber keine Absperrung gegen Menschen. Und das war viel, viel, viel grĂ¶ĂŸer als das „grĂ¶ĂŸte Public Viewing“ in Heddesheim in der Region. Fragt sich, was „Region“ in diesem Fall heißt.

Geht es um Angst?

Das nĂ€chste Argument könnte „Fußball“ sein. Ein Sport, in dessen Umfeld es immer wieder viel Gewalt und Zerstörung gibt.

Haben die Heddesheimer Vereine und die Verwaltung davor Angst?

Und wenn ja, wĂ€re es nicht besser, statt die Veranstaltung „abzusperren“, diese offen zu halten und mit Ordnern zu sichern?

Hat man Angst davor, dass sich jemand mit mitgebrachten GetrÀnken besÀuft?

Die Maßnahme wird nicht helfen – so wird ein „VorglĂŒhen“ provoziert.

Oder um Misstrauen?

Mit ziemlicher Sicherheit steht aber ein anderer Gedanke im Vordergrund: Misstrauen.

Die Vereine misstrauen ihrer eigenen Veranstaltung. Und sie machen den Zutritt fĂŒr viele fraglich.

Junge Leute mit wenig Geld, junge Familien, Menschen ohne Arbeit – alles Mitglieder unserer Gemeinschaft werden sich ĂŒberlegen, ob sie sich ein „kostenloses Public Viewing“ leisten wollen.

Die Vereine und die Gemeinde hÀtten das Konzept auch anders entwerfen können.

  • Wir veranstalten zusammen ein „Public Viewing“ – weil wir ein tolles Angebot bieten wollen.
  • Wenn sich das trĂ€gt und allen Spaß macht, wird was draus und viele „Public Viewings“ werden folgen.
  • Wir tragen den Gedanken des „Public Viewing“ in uns – es ist kostenlos.
  • Aber wir haben Kosten und freuen uns, wenn sie unser Angebot wahrnehmen und sich hier versorgen.

Die Zeche zahlen die „Viewer“.

Leider ist die Heddesheimer Variante nichts anderes als ein Kneipen-„Public Viewing“.

Die Freizeithalle wird zur Kneipe, die Veranstalter sehen nicht das Event, sondern den Umsatz. Eintritt frei – jeder Verzehr kostet.

Woran es fehlt ist Vertrauen – in das eigene Angebot und die Menschen.

Der Eintritt ist kostenlos – die Zeche zahlen muss man trotzdem.

Dokumentation:
Presseinformation der Veranstalter
„Public Viewing“ zur WM 2010 in der Heddesheimer Freizeithalle

Heddesheim. Noch sechs Wochen bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in SĂŒdafrika – und die Fußballfans aus Heddesheim und Umgebung können sich auf ein „Public Viewing“ in der Freizeithalle freuen, zu dem die drei Vereine Arbeiter-Turnerbund (ATB), Fußballverein Fortuna und die Turngemeinde (TG) Heddesheim, die Gemeinde Heddesheim und das Gasthaus „Zum Ochsen“ Ladenburg einladen.

Wir zeigen etwa die HĂ€lfte der Spiele der Fußball-WM 2010 in SĂŒdafrika, ganz besonders natĂŒrlich diejenigen mit deutscher Beteiligung. Die Leinwand wird vor Wind und Wetter geschĂŒtzt in der Freizeithalle aufgebaut. Vor der Freizeithalle finden die Besucher Essen und Trinken in einem Biergarten bei der fußballerisch geschmĂŒckten Freizeithalle. Beim Essen gibt es an verschiedenen Spieltagen entsprechend der beteiligten Mannschaften je ein lĂ€nderspezifisches Gericht, so z.B. eine spanische Paella oder „Fish and Chips“, wenn das englische Team spielt.

Der Eintritt zum „Public Viewing“ ist frei. Die Halle wird jeweils etwa eine Stunde vor dem ersten Spiel geöffnet.

Ab dem Achtelfinale (26. bis 29.06.) werden alle Spiele gezeigt. Folgende Vorrundenspiele sind zu sehen:

13.06. 20:30 Uhr Deutschland – Australien.
18.06. 13:30 Uhr Deutschland – Serbien, 16:00 Uhr Slowenien – USA, 20:30 Uhr England – Algerien.
19.06. 13:30 Uhr Niederlande – Japan, 16:00 Uhr Ghana – Australien, 20:30 Uhr Kamerun – DĂ€nemark.
20.06. 13:30 Uhr Slowakei – Paraguay, 16:00 Uhr Italien – Neuseeland, 20:30 Uhr Brasilien – ElfenbeinkĂŒste.
23.06. 16:00 Uhr Slowenien – England, 20:30 Uhr Ghana – Deutschland.
24.06. 16:00 Uhr Slowakei – Italien, 20:30 Uhr Kamerun – Niederlande.
25.06. 16:00 Uhr Portugal – Brasilien, 20:30 Uhr Chile – Spanien.

Die Freizeithalle in der Großsachsener Straße 35 ist mit dem Fahrrad gut zu erreichen, auch ParkplĂ€tze fĂŒr Autos stehen zur VerfĂŒgung. Aktuelle Infos zu den Veranstaltungen gibt es jeweils auch unter www.heddesheim.de.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • Michael MĂŒller

    Prothmann beherrscht die Kunst, an scheinbar kleinen Dingen MißstĂ€nde in der Gesellschaft aufzuzeigen. Sehr treffend, diese Kommentar ĂŒber die Angst vor dem Misserfolg. Leute, bringt doch einfach massenweise euer eigenes Bier mit und schaut dann, ob die Veranstalter sich trauen, euch anzufassen und rauszuschmeissen. Nicht so schĂŒchtern!

  • heddesheimerin

    Ich kann durchaus verstehen, dass die Veranstalter die unternehmerischen Risiken eines solchen Events minimieren wollen. Sollte es ein Flop werden, stehen die Beteiligten schnell mit einem hohen Defizit da. Daher habe ich auch VerstĂ€ndnis fĂŒr die Entscheidung zu den GetrĂ€nken (solange die dann auch zu vernĂŒnftigen Preisen angeboten werden).

    Wirtschaftliche Vernunft geht hier ĂŒber „Vertrauen in die Menschen“.

  • Christian

    Dass das wirtschaftliche Risiko auf mehrere Schultern verteilt wird ist fĂŒr mich verstĂ€ndlich.
    Aber warum muss man das gesamte Gebiet denn gleich absperren? Ich hÀtt mir das so vorgestellt:

    – Mann stellt in die Freizeithalle (oder davor – je nach Wetterlage)eine große Leinwand und einen Projektor. Die Kosten hierfĂŒr ĂŒbernimmt die Gemeinde

    – Die Vereine ĂŒbernehmen die Bewirtung und der Gewinn der dabei rauskommt kommt zu gleichen Teilen den Beteiligten Vereinen zu Gute.

    Wenn die Leute dann ihre Verpflegung mitbringen isses gut, wenn nicht isses noch besser.
    Aber wahrscheinlich stell ich mir das zu einfach vor – bin halt kein ParteifunktionĂ€r, oder Vereinsvorstand ..

  • kher

    Die Absperrungen erfolgen sicher ua aus SicherheitsgrĂŒnden, da nicht unendlich viele Leute Zutritt zu der Veranstaltung haben dĂŒrfen/können.
    DafĂŒr gibt es Richtlinien die auch umgesetzt werden mĂŒssen um die Arbeit fĂŒr Polizei/Feuerwehr/Norarzt nicht zu behindern.
    MW gilt das fĂŒr jede öffentliche Veranstaltung/Festival in Deutschland (!) wo ein VerhĂ€ltnis Platzangebot/Personenzahl begrent ist.

    Genauso kann ein Veranstalter durch ein Verbot von mitgebrachten GetrĂ€nken erwirken daß zB keine Glasflaschen (die ein Verletzungsrisiko bergen) in Umlauf sind, sondern die GetrĂ€nke in Plastik- oder Pappbechern ausschenken. Somit sind evtl auch nur diese zu entsorgen und nicht noch zusĂ€tzlicher MĂŒll der mitgebracht, aber nicht wieder mitgenommen wurde.

    Ich kanns verstehn.

  • Robin Maier

    Ich bin Teil der Organisation und versuche mal einen „Mißstand“ klarzustellen. Hier geht es nicht um das Public Viewing an sich, sondern heddesheimblog vs. Mannheimer Morgen/Gemeinde/TG.

    Einerseits finde ich es gut, dass ein Medium wie das heddesheimblog Strukturen durchleuchtet und auch mal unangenehme „Fragen“ stellt.
    Andererseits sollte es in Heddesheim noch möglich bleiben Veranstaltungen durchzufĂŒhren, die ehrenamtlich geplant werden und den Vereinskassen zugute kommen sollen, ohne das hinter jedem „Zaun“ eine böse Absicht lauert.
    viele GrĂŒĂŸe
    Robin Maier

    • lutz

      „Andererseits sollte es in Heddesheim noch möglich bleiben Veranstaltungen durchzufĂŒhren, die ehrenamtlich geplant werden und den Vereinskassen zugute kommen sollen, ohne das hinter jedem ñ€ƓZaunñ€ eine böse Absicht lauert.“

      Hallo Herr Maier,

      ich kann nicht erkennen, wo dieses Blog gegen ehrenamtlich durchgefĂŒhrte Veranstaltungen sein sollte. Im Gegenteil lese ich hier immer wieder Geschichten ĂŒber diverse Vereinsveranstaltungen in Heddesheim. Also locker bleiben 🙂

      Finde Ihr Engagement und das Event ĂŒbrigens klasse und werde selbstverstĂ€ndlich da sein! (Und auch gern fĂŒr mein Bier und meine Bratwurst zahlen)

    • Argus

      Es ist doch klar,dass die Vereine solch eine Veranstaltung nicht alleine stemmen können!
      Deshalb sei ihnen eine Einnahme aus dem GetrÀnkeverkauf gegönnt.
      Die Preise sind in der Freizeithalle durch die Gemeineverwaltung vorgegeben,wenn ich mich nicht irre.
      Eintritt wird doch nicht verlangt,deshalb ist eine ĂŒppige Verdienstspanne wohl kaum „drin“ sein.
      Das Mitbringverbot fĂŒr GetrĂ€nke ist so in Ordnung und wird sicher nicht intensiv kontrolliert werden können.
      Auch „VorgeglĂŒhte“ dĂŒrften in Erscheinung treten.

      Ich finde es i.O. wie Herr Prothmann darĂŒber berichtet.
      Es ist doch keine bösartige Kritik,auch wenn ein Doll einer der VorstÀnde ist.

  • Heddy

    „Der Mannheimer Morgen (MM) hat geschrieben, dies seien die drei ñ€ƓgrĂ¶ĂŸten Vereineñ€ Heddesheims. Das heißt umgekehrt aber auch: Jeder davon ist zu klein, um die Aufgabe stemmen zu können oder zu wollen“

    Das eigentlich ErschĂŒtternde an dem MM Bericht zur Hauptversammlung war die Meldung, dass mit Ewald Doll die „erwiesene Erfolglosigkeit“ bei der TG wiedergewĂ€hlt wurde. Sportlich mag die Bilanz noch akzeptabel sein, aber bei den weiteren Veranstaltungen bleibt einem nur die Note „mangelhaft“. Die Chance zu einem Neuanfang bei der TG wurde erneut verschlafen.

  • Iris Braun

    Bin zufÀllig auf diesen Artikel gestossen.Wollte eigentlich nur Anfangszeiten wissen..werden wohl jetzt auf einen Besuch verzichten..dachten,das Ganze ist eine freundschaftliche Veranstaltung mit Spass und ohne Zwang..schade

    • GrundschĂŒler

      Ihnen ist aber schon klar (ohne die Aktuelle Planung zu kenen), dass der Artikel bereits zwei Jahre alt ist!