Samstag, 17. November 2018

Mehr Arbeitsplätze durch Pfenning?

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Guten Tag,

das heddesheimblog ist der Frage nachgegangen, ob durch die Pfenning-Ansiedlung in Heddesheim tatsächlich mehr Arbeitsplätze vor Ort entstehen. Dafür haben wir einen der „Top“-Logistikexperten in Deutschland befragt.
Der bezeichnet das geplante Pfenning-Projekt als „Riesending“ – Arbeitsplätze könnten entstehen – bundesweit, aber nicht unbedingt in Heddesheim.

Für Bürgermeister Kessler, die FDP und Josef Doll (CDU) und auch die SPD sind die Arbeitsplätze ein gewichtiges Argument: „Es werden durch die Pfenning-Ansiedlung 0,6 bis 0,8 Arbeitsplätze zusätzlich entstehen, laut einer Studie des Regionalverbands“, sagte Josef Doll auf einer CDU-Veranstaltung am 22. Mai 2009 in Heddesheim.

Diese konkrete Aussage ist falsch. Herr Doll hat zwar einen Doktor, was aber nicht heißt, dass er Statistiken richtig lesen und interpretieren kann.

Ebenfalls falsch: Es gibt keine „Studie des Regionalverbands (Rhein-Neckar-Kreis, d. Red.)“ zu diesem Thema. Korrekt ist: Es gibt eine Studie des Fraunhofer-Instituts in Nürnberg: „Die Top 100 der Logistik“ (Klick öffnet pdf-Dokument)

Falsch interpretiert hat Josef Doll auch die Ergebnisse der Studie: „Bis 0,9 Arbeitsplätze“ zusätzlich entstehen dabei für jeden „neu geschaffenen“ Arbeitsplatz, nicht aber für bereits bestehende Arbeitsplätze. Da die Firma Pfenning rund 500 bestehende Arbeitsplätze „umzieht“, entstehen dadurch keine neuen Arbeitsplätze.

Das heddesheimbloghat mit einem der Autoren der Studie, Christian Kille, gesprochen. Er ist Leiter der „Fraunhofer Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft ATL“:
Was bedeutet die Zahl 0,9?
„Der Faktor 0,9 ist bezogen auf die Summe aller „echten Arbeitsplätze“, die neu entstehen“, sagt Christian Kille.
Entstehen die Arbeitsplätze vor Ort?
„Ja und Nein. Es entstehen Arbeitsplätze vor Ort, aber viele auch woanders. Das können Arbeitsplätze im Lkw-Bau sein, Beratertätigkeiten, sonstige Dienstleistungen. Dieser Wert ist auf Gesamtdeutschland bezogen.“
Ist die Zahl 0,9 ein verlässlicher Faktor?
„Das ist ein Durchschnittswert. Er kann sehr viel besser sein, aber auch sehr viel schlechter.“

Das heddesheimbloginteressiert auch das Argument, dass Pfenning viele Transporte „über die Schiene“ abwickeln wird:
Ist der Anteil der Transporte über die Schiene bedeutend?
„Nein. Der Anteil ist gering.“
Wird sich der Anteil in Zukunft vergrößern?
„Ja, definitiv. Relativ gesehen wird der Anteil sich gegenüber dem Transport auf der Straße vermutlich deutlich steigern. Absolut gesehen, bleibt der Anteil aber in naher Zukunft gering.“
Trifft diese Aussage für alle Logistik-Unternehmen zu?
„Nein. Das einzelne Logistik-Unternehmen richtet sich auf seine Kunden ein. Hat ein Kunde einen großen Schienenverkehr, wird das Logistik-Unternehmen dementsprechend sich darauf einstellen.“

Das heddesheimbloginteressiert auch, wie der Logistik-Experte Christian Kille die Größe des Pfenning-Projekts im Vergleich zu anderen Logistik-Zentren einordnet:
Wo würden Sie das Pfenning-Projekt mit zunächst 200.000 und später fast 400.000 Quadratmetern bebauter Fläche einordnen?
Das kann man schon als „Riesending“ bezeichnen. Wir ordnen kleinere Standorte unter 10.000 Quadratmetern ein, dann 20-50.0000 und über 100.000 Quadratmetern. 2008 gab es zum Beispiel keinen Neubau in Deutschland über 100.000 Quadratmetern.“

Einen schönen Tag wünscht

Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.