Montag, 09. Dezember 2019

„Der Dialog soll die Kritiker ermüden“ – meint Richard Landenberger vom BUND

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Guten Tag!

Heute steht das zweite Gespräch des so genannten „Dialogs“ zur Ansiedlung der „Pfenning-Gruppe“ in Heddesheim an. Um 18:30 Uhr treffen sich „ausgewählte“ Vertreter zum nicht-öffentlichen Gespräch.

Ausgewählt wurden die Gesprächsteilnehmer durch die IFOK, einem Unternehmen, dass seinen Auftraggebern ein gutes Image und Erfolg mit ihrer Kommunikation verspricht. Auftraggeber ist die Gemeinde Heddesheim.

Die „IG neinzupfenning“ verweigert sich dem Dialog. Aber auch der BUND Ortsgruppe Heddesheim. Das heddesheimblog hat den BUND gefragt, warum das so ist.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Landenberger: Der BUND Heddesheim will trotz Nachfrage durch die IFOK nicht an dem sogenannten „Dialog“ teilnehmen. Warum?
Richard Landenberger: „Der BUND Ortsgruppe Heddesheim wird an diesem speziellen „Dialog“ nicht teilnehmen, weil der Dialog nicht öffentlich ist.“

Ganz so ist das nicht. Die Ergebnisse des „Dialogs“ werden doch aber im Anschluss öffentlich gemacht. Wo also ist das Problem?
„Ganz einfach: die Geheimniskrämerei der Verantwortlichen hat in der Vergangenheit zu einem wirklich großen Unmut in der Bevölkerung geführt. Viele Bürger fühlen sich hintergangen. Das hat große Emotionen freigesetzt.

Daher kann ein wie auch immer gearteter „Dialog“ nur öffentlich geführt werden. Unser Mißtrauen ist ebenfalls groß und wir lassen uns hier nicht instrumentalisieren.“

Wieso sehen Sie eine Instrumentalisierung?
„Wir sehen eine Instrumentalisierung durch diese spezielle Art des „Dialogs“ gegenüber einem echten, offen Dialog, an dem Bürger teilhaben können, mit ihrer Stimme, zumindest aber als Zeugen des Geschehens.

Wenn wir uns aber auf diese abgeschottete Art des „Dialogs“ mit ausgewählten Teilnehmern einlassen, dann lassen wir uns automatisch auf die Zerstörung der Natur ein. Denn die wird zur Verhandlungssache gemacht.“

„Die Geheimniskrämerei der Verantwortlichen hat zu großem Unmut in der Bevölkerung geführt.“ Richard Landenberger


Wieso das denn? Es soll doch darüber geredet werden, wie man die Belastung vermindert?
„Genau so ist das. Es wird nicht gefragt, ob man die Belastung überhaupt haben will, sondern welche Belastung „konsensfähig“ ist.“

Sie meinen, es findet kein Dialog über das ob, sondern nur über das wie statt?
„Ganz genau. In dieser Diskussion muss es erstmal um die genaue Definition der Begriffe gehen. Der BUND versteht Nachhaltigkeit in dieser Reihenfolge: Vor allem steht die Ökologie. Danach kommen Ökonomie und Soziales, die sehr wichtig sind, sich aber der Ökologie unterzuordnen haben.

Die IFOK und ihre Auftraggeber sehen das anders. Für deren Position sind alle drei Faktoren vielleicht gleich wichtig, vermutlich steht aber die Ökonomie an vorderster Stelle und Ökologie und Soziales müssen sich irgendwie damit arrangieren. Aus unserer Position heraus ist das nicht akzeptabel: Die Natur ist für uns keine Verhandlungssache.“

Aber wäre es nicht einen Versuch wert, mit den anderen Teilnehmern über den von der IFOK moderierten „Dialog“ ins Gespräch zu kommen?
„Die Frage kann ich definitiv mit Nein beantworten. Die IFOK versteht ihrem Selbstverständnis nach – als Dienstleister für zahlungskräftige Kunden – etwas anderes als wir unter Nachhaltigkeit. Ich möchte gar nicht unterstellen, dass die IFOK nicht auch ethische Richtlinien hat.

Aber die drei Faktoren Ökologie, Ökonomie und Soziales haben für die IFOK keine Rangfolge, sondern sind Verhandlungsmasse, also gleichwertig. Dem widersprechen wir.

Wir verstehen aber auch die IFOK, die muss schließlich die Interessen ihrer Kunden vertreten und Geld verdienen. Die Interessen denken, dass die drei Faktoren gegeneinander verhandelt werden können. Das können sie unserer Auffassung nach aber nicht. Es kann in der Reihenfolge Ökologie und dann Ökonomie und Soziales oder umgekehrt keine Tauschhandel für uns geben.“

„Der BUND, die IG neinzupfenning und andere Kritiker haben ganz unterschiedliche Gründe gegen die geplante Pfenning-Ansiedlung.
Jedes Argument zählt – die IFOK hat die Aufgabe, dass gegeneinander auszuspielen. Das machen wir nicht mit.“


Gibt es weitere Gründe, warum der BUND sich dem „Dialog“ verweigert?
„Ja. Es geht dabei um die Strategie, die dahinter steckt. Wir wollen uns nicht auf eine Spaltung der Kritiker einlassen. Der BUND hat über allem ökologische Gründe, gegen eine Pfenning-Ansiedlung zu sein. Die IG neinzupfenning hat einen anderen Ansatz als wir, aber beide haben handfeste Gründe gegen diese Ansiedlung.

Wir gehen von der Flächenzerstörung und dem damit verbundenen ökologischen Schaden aus. Die IG-Mitglieder, ob Gewerbetreibende vor Ort oder Bewohner der Ringstraße oder Bürger, die gegen mehr Verkehr im Ort sind, gehen eher von einer ganz persönlichen, aber nachvollziehbaren Behinderung ihrer persönlichen Perspektiven aus.

Wir verweigern also aus unterschiedlichen Gründen die Teilnahme an diesem „Dialog“. Auch, damit die zwar sehr unterschiedliche, aber in allen Fällen zulässige Kritik nicht durch den „Dialog“ gespalten wird.“

Sie haben sich geäußert, dass es drei gute Gründe gegen die Pfenning-Ansiedlung gibt. Welche sind das?
„Erstens: Vielen Selbstständigen wird durch die massive, einseitige Ansiedlung jede Perspektive verbaut.

Zweitens: Durch die Zerstörung dieser großen Fläche wird der Natur großer Schaden zugefügt.

Drittens: Flächenverbrauch zieht immer Verkehr nach sich und die Anwohner etlicher Straßen werden noch größere Belastungen zu ertragen haben.“

Allen, die nicht am Dialog teilnehmen, wird eine Art bockige Gesprächsverweigerung vorgeworfen. Wie gehen Sie mit diesem Vorwurf um?
„Wir haben überhaupt nichts gegen einen moderierten Dialog, das muss sogar so sein, wenn so viele verschiedene Interessen an einem Tisch sitzen. Aus unserer Sicht könnte das auch die IFOK oder ein anderes Unternehmen moderieren.

Entscheidend ist: Der Dialog muss öffentlich sein. Selbst wenn nur Experten diskutieren, müssen die Bürger die Chance haben, dem beizuwohnen. Und am Ende des Dialogs muss es ohne wenn und aber eine Abstimmung der Bürger geben. Alles andere ist nach unserer Auffasssung nicht akzeptabel.

„Der „so genannte Dialog“ soll Zeit verzögern und ermüden.“ Richard Landenberger


Sie scheinen die Ziele des „Dialogs“, also einen offenen Austausch anzuzweifeln. Was ist der Grund?
„Unserer Auffassung nach dient der „Dialog“ nur einer Verzögerung mit dem Ziel der emotionalen Ermüdung der Kritiker, an dessen Ende deren schon vorher kalkulierte Aufgabe steht. Das kann es nicht sein.“

Glauben sie das wirklich?
„Ja. Angeblich ist ja alles ergebnisoffen. Was das heißen sollen? Das hat noch niemand definiert. Wir vermuten, dass alle etwas anderes darunter verstehen. Uns ist nur aufgefallen, dass trotz des „Dialogs“, der angeblich „ergebnisoffen“ ist,  die Planungen munter voranschreiten.

Dieses Vorgehen hat nichts mit einem offenen Ergebnis zu tun, sondern ist ausschließlich zielorientiert. Es geht darum, die geplante Ansiedlung in eine tatsächliche Ansiedlung umzusetzen. Der Dialog ist nur Schminke.“


Zur Person:
Richard Landenberger ist gebürtiger Heddesheimer, Diplom-Mathematiker und Vorsitzender des Regionalverbands des BUND Rhein-Neckar-Odenwald und Mitglied der BUND Ortsgruppe Heddesheim.

Info:
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) ist eine Umweltschutzorganisation mit Sitz in Deutschland. Der Verein wird auch zu den Naturschutzorganisationen und den Nichtstaatlichen Organisationen gerechnet.

Am 20. Juli 1975 gründen Horst Stern, Prof. Bernhard Grzimek, Dr. Herbert Gruhl und 19 weitere Natur- und Umweltschützer in Marktheidenfeld den Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland. Zum Vorsitzenden wird Bodo Manstein gewählt. 1977 erfolgt die Umbenennung des Verbandes in Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Der BUND ist mit rund 480.000 Mitgliedern, Spendern und Förderern einer der großen Umweltverbände Deutschlands. Der Verein ist vom Staat als Umwelt-/Naturschutzverband (Träger öffentlicher Belange) anerkannt und daher bei Eingriffen in den Naturhaushalt anzuhören.

Links:
BUND
BUND auf wikipedia

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.