Montag, 23. Oktober 2017

B├╝rgermeister Michael Kessler zum Hirschberger B├╝rgerentscheid

„Bildungsinvestition oder Kanalausbau“

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Heddesheim/Hirschberg, 29. August 2013. (red/ld) Die Pl├Ąne die bestehende Werkrealschule zu einer Gemeinschaftsschule im Schulzweckverband mit Hirschberg weiterzuentwickeln, steht durch den Beschluss des Hirschberger Gemeinderats f├╝r einen B├╝rgerentscheid am 22. September auf dem Spiel. Der Heddesheimer Gemeinderat hatte daf├╝r gestimmt, den vor drei Jahren gegr├╝ndeten Schulzweckverband weiterzuentwickeln. Heddesheims B├╝rgermeister Michael Kessler ist von der Entscheidung des Hirschberger Gemeinderats entt├Ąuscht, blickt aber zuversichtlich der Abstimmung entgegen.

 

Heddesheims B├╝rgermeister Michael Kessler Foto: Gemeinde Heddesheim

Heddesheims B├╝rgermeister Michael Kessler ist zuversichtlich, dass die Hirschberger B├╝rger/innen f├╝r den Schulstandort Heddesheim/Hirschberg stimmen. Foto: Gemeinde Heddesheim

 

Interview: Lydia Dartsch

Herr Kessler, haben Sie mittlerweile ein Exemplar der Informationsbrosch├╝re zum B├╝rgerentscheid der Gemeinde Hirschberg erhalten?

Michael Kessler: Ja, die habe ich mir ├╝bers Internet besorgt und schon angesehen.

Was sagen Sie dazu?

Kessler: Sie ist sehr umfangreich. Man hat versucht, die verschiedenen Aspekte darzustellen. Allerdings vermisse ich die Aussage, dass es noch Heddesheim als Partner des Schulzweckverbands gibt, der sich vor drei Jahren zur Aufgabe gestellt hat, die neue Schule gemeinsam weiterzuentwickeln.

Was halten Sie von den aufgef├╝hrten Argumentationen, Kostensch├Ątzungen und Beurteilungen?

Kessler: F├╝r den Normalb├╝rger ist das alles schwer verst├Ąndlich. Ich denke, dass er auch nicht klar erkennen kann, dass es ohnehin einen Sanierungsstau bei den Schulen gibt. Welche Aufwendungen es braucht, um diesen Sanierungsstau zu beheben, wird durch die Brosch├╝re nicht klar.

Bauliche Ma├čnahmen auch bei anderer Klassenstufenverteilung n├Âtig

Auch die M├Âglichkeit einer Klassenstufenverteiligung wurde im Hirschberger Gemeinderat diskutiert und bei Ihrer Gemeinde angefragt. Wie haben Sie darauf reagiert?

Kessler: Die Frage der Klassenverteilung stellt sich erstmal gar nicht. Da warten wir jetzt den B├╝rgerentscheid ab.

W├╝rde eine Abweichung von der von der Schulbeh├Ârde empfohlenen Klassenstufenverteilung – auf lediglich Klasse 5 und 6 in Hirschberg und folgend 7 bis 10 in Heddesheim – von der Gemeinde Heddesheim mitgetragen werden?

Kessler: Wir haben signalisiert, dass wir f├╝r so eine L├Âsung offen sind. Selbst wenn man aber eine weitere Klassenstufe in Heddesheim einrichten w├╝rde, w├Ąren trotzdem bauliche Ma├čnahmen in Hirschberg n├Âtig. Wenn an der Schule sowieso gebaut werden muss, sind die Einsparungen durch zwei oder drei Zimmer weniger nicht mehr entscheidend. P├Ądagogisch spricht au├čerdem viel daf├╝r, die Klassenstufen 5-7 an einem Ort zu unterrichten.

Angenommen, die Hirschberger B├╝rgerinnen und B├╝rger entscheiden sich gegen die Gemeinschaftsschule – k├Ânnte Heddesheim alleiniger Tr├Ąger einer Gemeinschaftsschule mit Standort Heddesheim werden?

Kessler: Das m├Âchte ich jetzt noch nicht absch├Ątzen. Es istz auch falsch, solche Szenarien zu entwickeln. Wichtig ist, die B├╝rgerinnen und B├╝rger davon zu ├╝berzeugen, dass die gemeinsame L├Âsung die bessere ist.

„Ich sehe dem B├╝rgerentscheid zuversichtlich entgegen“

K├Ânnte man sich auch eine Kooperation mit Ladenburg vorstellen?

Kessler: Wie gesagt, solche Szenarien halte ich vor dem B├╝rgerentscheid f├╝r falsch. Ich sehe dem Entscheid positiv entgegen. In der Infobrosch├╝re sind viele gute und stichhaltige Gr├╝nde f├╝r die gemeinsame Weiterentwicklung. Die B├╝rgerinnen und B├╝rger sind da weitsichtig genug, die langfristigen Vorteile zu erkennen.

In der Infobrosch├╝re werden die Kosten f├╝r Gemeinschaftsschull├Âsung und die Schulsanierung auf 2,2 Millionen Euro beziffert. Gleichzeitig werden die Ma├čnahmen dagegen gehalten, die die Gemeinde in der kommenden Zeit mit dem Geld realisieren k├Ânnte. Wie empfinden Sie eine solche Argumentation?

Kessler: Es ist legitim, dass man als Gemeinde Priorit├Ąten setzt und klar macht, welche Ma├čnahmen in Zukunft anstehen. Ich kann nur diese Rangfolge nicht nachvollziehen, die da kommuniziert wird: Kanalsanierung oder Bildungsinvestition. Ich halte auch ein gewisses Ma├č an Verschuldung f├╝r Investitionen in den Schulausbau f├╝r vertretbar.

Haben Sie zu einer Kooperation mit Ladenburg schon Gespr├Ąche mit dem Schulamt und Regierungspr├Ąsidium gef├╝hrt?

Kessler: Nein. Wir haben vor drei Jahren den Schulzweckverband mit Hirschberg beschlossen und aufgestellt. Daf├╝r gilt es jetzt, zu k├Ąmpfen. Ich bin davon ├╝├čberzeugt, dass die Gemeinschaftsschule mit dem Team und dem Rektor, die wir jetzt haben, eine zukunftsf├Ąhige L├Âsung ist.

Die KJarl-Drais-Schule in Hirschberg. Heddesheim hat der Gemeinschaftsschule bereits zugestimmt. Hirschberg einen B├╝rgerentscheid beschlossen ÔÇô parallel zur Bundestagswahl am 22. Septemeber.

Die Karl-Drais-Schule in Hirschberg. Heddesheim hat der Gemeinschaftsschule bereits zugestimmt. Hirschberg einen B├╝rgerentscheid beschlossen ÔÇô parallel zur Bundestagswahl am 22. Septemeber.

 

Wie haben Sie auf die Nachricht reagiert, dass der Gemeinderat Hirschberg einen B├╝rgerentscheid zu dieser Frage beschlossen hat?

Kessler: Wir sind entt├Ąuscht, dass man von Hirschberger Seite aus die Zukunftsf├Ąhigkeit des Schulzweckverbands nicht genauso sieht und diesen B├╝rgerentscheid herbeigef├╝hrt hat. Das h├Ątte man vor drei Jahren machen m├╝ssen, als die Gemeinder├Ąte ├╝ber den Schulzweckverband abgestimmt haben. Das war damals auch eine schwierige Entscheidung. Faktisch wird mit dem B├╝rgerentscheid dar├╝ber noch einmal abgestimmt. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Schule weiterentwickelt und das Geb├Ąude saniert.

Wenn die Hirschberger B├╝rgerinnen und B├╝rger sich nun gegen eine Gemeinschaftsschule entscheiden, w├╝rde das dann bedeuten, dass der Schulzweckverband aufgel├Âst werden m├╝sste?

Kessler: Dieses Szenario will ich gar nicht aufstellen. Ich sehe dem Entscheid positiv entgegen und bin zuversichtlich, dass die Hirschberger B├╝rgerinnen und B├╝rger sich daf├╝r aussprechen.

Klage ist nicht das richtige Mittel

Was w├Ąren Voraussetzungen daf├╝r? Welche Herausforderungen w├╝rde das f├╝r die Gemeinde Heddesheim bedeuten? K├Ânnte sich die Gemeinde Hirschberg dem widersetzen?

Kessler: Wie gesagt, dar├╝ber denke ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht nach.

Ist eine Klage der Gemeinde Heddesheim gegen├╝ber der Gemeinde Hirschberg gepr├╝ft worden? Wird diese eventuell stattfinden, wenn aus dem B├╝rgerentscheid eine Ablehnung der Gemeinschaftsschule hervorgeht?

Kessler: Auch diese Frage stellt sich f├╝r mich nicht. Eine Klage gegen├╝ber einem Partner, mit dem man auf vielen Feldern zusammenarbeitet, ist nicht das richtige Mittel. Im ├ťbrigen bliebe der Schulzweckverband mit der Werkrealschule ja zun├Ąchst bestehen.

Sollte es nicht zur Entwicklung der Gemeinschaftsschule kommen: Wann sehen Sie das Aus f├╝r die Werkrealschule?

Kessler: Das kann ich nicht absehen. Ich will die Werkrealschule auch nicht schlecht reden. Aber seit dem Wegfall der verpflichtenden Grundschulempfehlung entscheiden sich viele Eltern f├╝r h├Âhere Schulabschl├╝sse.

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.

  • heddesheimerin

    Herr Kessler gibt dem heddesheimblog ein Interview, dass wir das noch erleben d├╝rfen ­čÖé

    • P. Richter

      Wen wunderts es ist bald Wahlkampf und der Mann weiss, wo er seine potenziellen W├Ąhler abholen muss