Mittwoch, 23. August 2017

Schützengesellschaft: „Wir sind ein offener Verein.“

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Guten Tag!

Heddesheim, 28. Februar 2010. Unsere Berichterstattung über die Generalversammlung der Schützengesellschaft 1984 e. V. Heddesheim wurde kritisiert. Oberschützenmeister Roland Embach bestätigt im Interview, dass die Informationen unseres Berichts korrekt sind, kritisierte aber, dass der Bericht den Zusammenhang zu verkürzt darstellt. Diese Kritik können wir nachvollziehen. Im Interview mit dem heddesheimblog stellt Oberschützenmeister Embach nun die Leistungen und die Situation des Vereins dar und was die „Schützen“ für die Zukunft vorhaben.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Embach, aus den Reihen des Vereins gab es Kritik an unserem Bericht, beispielsweise zur Entwicklung der Mitgliederzahlen. Allerdings behauptet nicht der Bericht etwas, sondern es wird ein Vereinsmitglied zitiert.
Roland Embach: „Das stimmt. Wie genau jetzt welche Bemerkung gefallen ist, kann und will ich nicht bewerten. Tatsache ist, wir haben Mitglieder verloren, vor allem während der Bauphase für ein neues Schützenhaus und neue Bahnen, weil das nicht jeder mittragen wollte: Fast alles ist in Eigenleistung entstanden.“

Das waren die Jahre 2000-2002. Wie beurteilen Sie die Lage jetzt?
Embach: „Die Entwicklung war vor einigen Jahren nicht positiv. Seit drei Jahren haben wir zwischen 120 und 130 Mitgliedern. Ich hoffe, das ist ein stabiler Sockel und die Zahlen ziehen wieder an. Darum bemühen wir uns.“

Im Bericht wurde auch ein Baukredit über 53.000 Euro genannt. Wie ist der einzuordnen?
Embach: „Die Zahl ist zutreffend. Wir haben für den Umbau einen Kredit aufgenommen und tragen den ordentlich ab. Vor zwei Jahren konnten wir sogar eine Sondertilgung von 5.000 Euro leisten. Das läuft nach Plan. Darüber hinaus war das eine sinnvolle Investition, denn wir haben nun moderne und sehr gute Schießbahnen.“

Im vergangenen Jahr konnte aber kein Geld zurückgelegt werden?
Embach: „2009 war die Kasse nicht ganz ausgeglichen, weil wir beispielsweise in eine neue Bestuhlung und eine Industriespülmaschine investiert haben – jetzt werden wir wieder sparsamer sein. Die Anschaffung war notwendig, weil wir das Vereinshaus auch vermieten und damit zusätzliche Einnahmen erzielen. Ein gute Einrichtung ist wichtig.“

Woraus finanzieren Sie sonst die Vereinsarbeit?
Embach: „Natürlich aus den Mitgliedsbeiträgen, der Gastronomie und unseren Veranstaltungen, also Ostereierschießen, Schlachtfest und der Ortsmeisterschaft der Vereine.“

Die Vermietung des Vereinshaus bringt zwar Sondereinnahmen, aber manchmal auch Ärger?
Embach: „Wir haben leider nicht nur positive Erfahrungen gemacht und schauen besser hin, an wen wir vermieten. Außerdem werden wir eine höhere Kaution verlangen müssen.“

Das Schlachtfest kann nicht wie geplant stattfinden?
Embach: „Leider nicht – aus Krankheitsgründen. Wir planen nun, das Schlachtfest im Oktober zu veranstalten.“

Ihre nächste Veranstaltung wird das Ostereierschießen sein. Wie wichtig ist die Veranstaltung?
Embach: „Aus unserer Sicht sehr wichtig. Wir erzielen hier hoffentlich wieder einen Ãœberschuss. Darüber hinaus kann sich jeder ohne Verpflichtung am Luftgewehr ausprobieren und schauen, ob das Spaß macht. Das ist Teil unserer Mitgliederwerbung.“

Insgesamt haben Schützengesellschaften an Status und Mitgliedern verloren. Woran liegt das?
Embach: „Es gibt viele neue Sportangebote und die Schützen gelten vielleicht zu sehr als Traditionsverein, statt als moderner Verein. Auch der Umgang mit Waffen ist nicht mehr so gefragt. Familiendramen wie aktuell in Sinsheim sind auch nicht gerade förderlich für den Ruf. Aber wie gesagt – wir bieten moderne Schießbahnen und einen besonderen Sport.“

Was ist das Besondere am Schießsport?
Embach: „Die Konzentration. Sie lernen, ihren Kopf frei zu bekommen und sich enorm zu konzentrieren. Sie müssen die Waffe und seine Technik beherrschen, ihre Körperhaltung und Spannung. Das ist eine große Herausforderung an die Persönlichkeit und die Körperbeherrschung. Gerade im Wettkampf, wo Sie diese Konzentration je nach Wettkampfzeit bis zu 75 Minuten halten müssen. Außerdem lernt man hier Verantwortlichkeit und natürlich wie in allen Vereinen Gemeinschaft.“

Mit welchen Waffen wird bei Ihnen geschossen?
Embach: „Luftgewehr, Luftpistole, Sportpistole, großkalibrige Handfeuerwaffen sowie Ordonanzgewehre, das sind historische Waffen.“

Der Schießsport ist aber nicht billig?
Embach: „Das stimmt. Das ist auch eine weitere Hürde. Waffen und Munition kosten Geld – mehr als in vielen anderen Sportarten.“

Wie kann man den Ruf verbessern?
Embach: „Wir wollen vor den Sommerferien noch einen Tag der offenen Tür veranstalten. Da kann dann nach einer Einführung und unter Aufsicht an allen Waffen geschossen werden – ganz unverbindlich. Wer das selbst mal ausprobiert, wird merken, welche Herausforderung das ist. Wir sind ein offener Verein und freuen uns über neue Mitglieder.“

Link: Schützengesellschaft

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.