Freitag, 24. November 2017

Großeinsatzlage in Dossenheim – Feuerwehren des Unterkreises Ladenburg üben gemeinsam

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Ansprache und Zuwendung sind wichtig im Notfall.

Dossenheim/Rhein-Neckar, 27. September 2011. (red) Am vergangenen Samstag heulten Einsatzsirenen in Dossenheim. Feuerwehren aus sechs Orten und zwei Werkfeuerwehren mussten Brände löschen und Personen retten. Ein großes Spektakel für die Bevölkerung, die die Ãœbungseinsätze interessiert verfolgte, aber auch eine notwendige Ãœbung, um die Zusammenarbeit der Wehren zu verbessern.

Von Hardy Prothmann

Während die Feuerwehren Dossenheim und Schriesheim gerade einen Brand im katholischen Kindergarten in der Wilhelmstraße bekämpfen, kommt die Meldung, dass ein Fahrzeug feststeckt. Geparkte Autos verhindern das Durchkommen. Eine Katastrophe im Ernstfall. Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände schleppen die Feuerwehrleute zu Fuß zum Einsatzort. Kostbare Rettungszeit vergeht. Leider nehmen viele Autofahrer keine Rücksicht auf ein gutes Durchkommen der Rettungskräfte.

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Vorbereitung und Team-Work.

Im verrauchten Kindergarten werden zwei vermisste Personen gesucht – ein Erwachsener und ein Kind. Ãœber das Fenster wird ein Kind gerettet, der Erwachsene wird versorgt und aus dem Gebäude getragen.

Kurz drauf ruft der nächste Einsatz. Ein Blitzschlag ist auch hier der Auslöser. Brannte im Kindergarten der Stromverteilerkasten, ist es in der Schule ein Kabelbrand. Ein Lehrer steckt mit 25 Kindern im dritten Stock fest, sie flüchten sich auf zwei Dachterrassen der Neuberg-Schule. Das Treppenhaus ist ohne Atemschutz nicht passierbar.

Die Drehleitern aus Schriesheim und Ilvesheim bringen sich in Position und holen die Personen in den Körben vom Dach. Eine Person ist so schwer verletzt, dass sie mit der Trage gerettet werden muss. Außerhalb des Gefahrenbereichs übernehmen die Rettungsdienste die Verletzten. Löschfahrzeuge aus Altenbach, Ursenbach und Ilvesheim und der Firma Metzeler (Edingen-Neckarhausen) werden in Stellung gebracht und der Brand bekämpft, während parallel die Rettung läuft.

Als wären die Wehren nicht schon genug gefordert, kommt der dritte Notruf. Im Neuberg-Schwimmbad hat es einen Chemikalienunfall gegeben. Es hat sich Chlorgas gebildet, ein Hausmeister muss gerettet werden. Mit einem ABC-Erkundungsfahrzeug wird die Lage gecheckt, aus Edingen, Neckarhausen und von den Chemischen Betrieben Ladenburg kommen Löschfahrzeuge zum Einsatzort. Die Dekontaminierungseinheit aus Neckarhausen ist vor Ort. Die Feuerwehr Ladenburg misst die Schadstoffbelastung. Unter Atemschutz wird der Verletzte gerettet.

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Chemieunfall - die Zeit läuft, jede Sekunde zählt.

Der vierte Einsatz findet in der Schulstraße, Ecke Bachstraße statt. Ein Pkw ist wegen überhöhter Geschwindigkeit in eine Mauer geknallt. Der Fahrer ist verletzt und eingeklemmt. Betriebsstoffe laufen aus. Die Heddesheimer Feuerwehr muss das Fahrzeug aufschneiden, bevor sie die Person retten kann. Mit hydraulischem Werkzeug spreizen und zerschneiden sie die Karosserie (des Schrottautos). Als das Dach weg ist, wird der Verletzte für den Rettung aus dem Auto vorbereitet. Ein Rettungskorsett wird angelegt.

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Rettung - möglichst schonend.

Weit über 100 Kräfte sind im Einsatz – die Szenarien vielfältig, aber „alltagstauglich“ – so könnte es auch in wirklich sein. Die Ãœbung ermöglicht es, Schwachstellen zu finden und zu verbessern.

Eine offensichtliche war, dass bei keinem Einsatz alle oder die meisten Wehren des Unterkreises Ladenburg gleichzeitig beteiligt waren – doch nur dann muss man sich auch koordinieren. Sicherlich sind den Fachleuten von den Feuerwehren alle Dinge aufgefallen, die nur Fachleute erkennen können. Immerhin war der stellvertretende Kreisbrandmeister Axel Schuh vor Ort und beobachtete die Einsätze. Was ihm nicht auffallen konnte – die verletzte Person auf dem Dach der Schule blieb über lange Minuten hinweg unversorgt und ohne Ansprache, obwohl bereits Feuerwehrkräfte auf dem Dach waren. Auch beim Einsatz am Pkw fiel auf, dass ein Feuerwehrmann minutenlang mit einem Nothämmerchen die Frontscheibe bearbeitete, um ein Loch für die Säbelsäge zu schaffen, was aber nicht gelang. Ein Schnitt mit der hydraulischen Schere in die A-Säule erzeugte dann ein Loch. Mit der Säbelsäge (einer Art Stichsäge) wurde die verklebte Scheibe dann herausgetrennt.

 

Das sind Details, doch kommt es oft genau darauf an. Im Großen und Ganzen waren die Zuschauer sicherlich beeindruckt vom Einsatzwillen und wie innerhalb kürzester Zeit eine Rettung geplant, aufgebaut und durchgeführt wird. Und man musste nicht zwei Mal hinschauen, um zu sehen, wie anstrengend das ist. Die verschwitzen Gesichter der Feuerwehrleute zeigten die Strapazen eindeutig.

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Rettung aus schwindeleregenden Höhen.

Unsere Bildergalerie zur Ãœbung finden Sie auf dem Rheinneckarblog.de

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Henrik Fütterer

    Hallo Herr Prothmann,

    eine kleine Anmerkung zum vierten Einsatzszenario, da wir
    Heddesheimer den abgearbeitet haben:

    Der Feuerwehrmann wollte mit dem Nothammer die Frontscheibe des PKW’s nicht zerstören, denn dieses Unterfangen scheitert allein an der Tatsache, dass Frontscheiben aus Verbundglas bestehen.

    Vielmehr sollte ein Loch geschaffen werden um mit der Säbelsäge (die Art Stichsäge) einzudringen um die Scheibe entfernen zu können, da diese geklebt* war.

    In der Regel entsteht dieses Loch dann, wenn mit der
    hydraulischen Schere in die A-Säule geschnitten (und damit
    auch durch die Frontscheibe) wird um das Dach zu entfernen.
    Da die Schere aber am Heck des Fahrzeugs bereits im Einsatz
    war, entschied sich der Truppführer eben für Plan B um Zeit
    für die schnellstmögliche, patientenschonende Rettung zu
    gewinnen.

    *Gummigelegte Frontscheibe können mit unserem Fachwissen in
    Sekundenschnelle entfernt werden ohne diese zerstören zu
    müssen, was aber leider nicht der Fall war und geschieht dann
    auch logischerweise vor dem Schnitt in die A-Säule.

    Ich hoffe hier nicht mit Fachwissen zu langweilen, aber ein klein wenig Aufklärung kann ja nie schaden.

    Weiterhin viel Spass bei den Feuerwehren im Unterkreis
    Ladenburg!

    Viele Grüße
    Henrik Fütterer

    • Guten Tag!

      Den Passus zur Scheibe haben wir überarbeitet – denn genau wie Sie ist unser Motto „Aufklärung kann nie schaden.“ Und selbstverständlich verbessern wir mit Fachwissen gerne unseren Kenntnisstand und unsere Artikel. Besten Dank!

      Einen schönen Tag wünscht
      Das heddesheimblog

    • Ralf Huber

      Hallo Herr Fütterer,

      die Verwendung des Nothammer um eine Öffnung in der Frontscheibe für die Säbelsäge zu schaffen, betrachte ich als gute Alternative zur hydraulischen Schere, da diese im Heckbereich bereits im Einsatz war.
      Mich wundert da schon eher:
      a.) Warum eine Verbundglascheibe mit Packetband abgeklebt wird? Diese Vorgehensweise ist eigentlich nur bei Einscheibensicherheitsglas (ESG) notwendig und nützlich.
      b.) Warum weder vom Patient noch vom Einsatzpersonal eine Staubmaske zum Schutz vor Glasstaub, der beim Sägevorgang entsteht, getragen wird?

      Ich hoffe, dass auch ich mit meinem Fachwissen für ein wenig Aufklärung sorgen konnte.

      Viele Grüße
      Ralf Huber

      • jawiejetzt?

        Hallo,

        Experten unter sich. 😎

      • Henrik Fütterer

        Hallo Ralf,

        so tief ins Detail hier auf dem Blog zu gehen macht nicht wirklich Sinn.

        Mit meinen Kommentar sollte auf eine fehlerhafte Tatsache im Artikel hingewiesen werden, der durch H. Prothmann auch schnell geändert wurde. Hierfür herzlichen Dank.

        Ich bin kein KFZ-ler – siehst Du sofort um was für eine Scheibe es sich handelt? Ich nicht. Deshalb wurde die Scheibe abgeklebt BEVOR man sich an selbiger zu schaffen gemacht hat. Die Zeit und Personal war vorhanden um das Risiko gering wie möglich zu halten. Gehst Du da mit?

        Damit will ich es auch belassen….

        Können ja bei nächster Gelegenheit fachsimpeln – ist ja wieder Hauptübungszeit 🙂

        Gruß Henrik

        • Ralf Huber

          Hallo Henrik,

          hast ja recht. Es macht eigentlich keinen Sinn auf dieser Plattform zu fachsimpeln. Dafür gibt es ja die einschlägigen Fachforen.

          Ich wollte lediglich auf zwei Dinge hinweisen, die ich als „Basics“ ansehe.

          Gerne können wir uns bei einer der kommenden Hauptübungen über die Sinnhaftigkeit mancher
          Taktiken & Techniken unterhalten.

          Bis dann,

          Gruß Ralf

          • Guten Tag!

            Wir finden es schon interessant, wenn jetzt nicht zu detailliert diskutiert wird, aber in der Sache – für Details sind Fachforen sicher besser geeignet.

            Aber beispielsweise ist die Frage noch offen, wieso meist nur wenige Wehren zusammengearbeitet haben – eigentlch besteht doch der Sinn der Übung im Üben der Zusammenarbeit? Und Heddesheim hat den Einsatz ganz alleine gemacht…

            Einen schönen Tag wünscht
            Das heddesheimblog