Sonntag, 20. August 2017

Gastbeitrag: Der Märchenonkel

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Guten Tag

Heddesheim, 28. September 2010. Der Naturschützer Kurt Klemm, der parteiloser Gemeinderat in der Fraktion Bündnis90/Die Grünen ist, hat uns einen Gastbeitrag zum aktuellen Mitteilungsblatt geschickt – als Antwort auf einen dort veröffentlichten Artikel von Dr. Josef Doll, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Von Kurt Klemm

In früherer Zeit und ganz besonders im Orient war der Märchenerzähler ein angesehener Beruf. Doch wie alles so im Leben, geriet dieser Beruf in Vergessenheit, weil sich niemand mehr für Märchen interessierte.

Doch seit geraumer Zeit liest man in unserem Mitteilungsblatt der Gemeinde nach jeder Gemeinderatssitzung wieder Märchen über die böse Fraktion der Grünen. Was ist geschehen?

Ein Märchenonkel Namens Dr. D. erzählt von einer Zeit des Reichtums, in der lauter Pfenninge in goldene Euro für die Gemeinde umgewandelt würden. Großer Reichtum werde über uns alle kommen und keiner werde mehr arm bleiben, heißt es in seiner Geschichte, die er ganz neu erzählt.

So wird aus einer traurigen Burg ein schönes Schloss, um das die Rebhühner voller Freude in einem extra für sie geschaffenen Korridor ihr sorglosen Leben genießen und vor Glück jauchzen.

Auch Rotkäppchen wird neu eingekleidet und trägt nun ein schwarz, rot, gelbes Mützchen. Die neuen bösen Wölfe sind nun die Grünkittel.

Die haben ihre Trabanten (so heißen die Kobolde) P-B-K stets in ihrem Schlepptau. Und, hört, hört, die bösen Grünkittel haben es mit ihren Kobolden zusammen tatsächlich gewagt, gegen das verheißungsvolle Schloss und dessen Belieferung auf sagenhaften Schienen zu stimmen, um die uns angeblich das ganze Königreich beneiden wird.

All das ist leider viel zu fantastisch, um wahr zu sein.

Unser Märchenonkel verbreitet voller Fabulierlust weitere fantastische Dinge, beispielsweise, dass die Grünen gegen den Bau einer Biogasanlage bei einer Zusammenkunft der Weisen im Bauausschuss gewesen seien. Das mag im Märchenbuch der CSLPUD (Christlich Sozial Liberale Parteien unter D.) stehen, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Kein Grüner wird je gegen eine Biogasanlage, einen Gleisanschluss oder erneuerbare Energien sein. Aber wenn zu den Baubestimmungen die der Sicherheit einer solchen Anlage dienen, ungenügende Vorarbeit geleistet wird, hat man nicht eine Glaskugel, sondern sein Gewissen und Wissen zu befragen.

Das gilt beispielsweise zum Verkehrsaufkommen zu der Biogas-Anlage, wo keine Seite eine verbindliche Aussage treffen konnte. Aber immerhin hat am Ende ein Grüner für diese Anlage gestimmt, während einer sich enthalten und einer wegen der unzureichenden Informationen mit Nein gestimmt hat.

Und kurz darauf muss für unseren Märchenerzähler ein weiteres Kapitel, die Gemeinderatsitzung, nicht mehr stattgefunden haben, denn sonst hätte er die Frage des Trabanten P. (im Märchen mal Kobold, mal Giftzwerg) an unseren Bgm. sicherlich noch mitbekommen.

Der Trabant fragte den Bgm. was dieser zu unternehmen gedenke, gegen einen Professor, der behauptet, dass es in der Bürgerversammlung in Heddesheim durch die Gegner der geplanten Pfennigansiedlung, zuging „wie bei den Taliban“. Immerhin wurden hierbei fast 50 Prozent aller ehrbarer Bürger dieser Gemeinde, auf eine Stufe mit den Gräueltaten dieser „selbsternannten Gotteskrieger“ gestellt, worauf der Bgm. lapidar antwortete, er habe keine Kenntnis von diesem Artikel.

Meine Frage an den Märchenonkel lautet: „Wer bedient hier welche Klientel?“

Lieber Märchenonkel, merkst du nicht, dass man deine Märchen nicht mehr hören will?

Die „Untertanen“ wollen die Wahrheit hören, keine Märchen.

Die Zeit der Märchenerzähler ist doch wirklich längst vorbei. Dazu gehört auch deine Aussage im Mitteilungsblatt, das „erstmals nach 25 Jahren eine wichtige ökologische Entscheidung möglich war“. Lag das Reich im Dunkeln und haben sich edle Ritter aufgeschwungen, um es wieder ans Licht zu führen. Ist es nicht so, dass du uns hinters Licht führen willst?

Denn wer hat denn in dieser Zeit die Mehrheit gehabt und sie nicht für eine solche Entscheidung genutzt? Das spricht doch eher für die negative Arbeit der CSLPUD in dieser dunklen Zeit.

Im Märchen kann man die Wahrheiten verdrehen, wie man will, in der Wirklichkeit nicht.

Anmerkung der Redaktion:
Gastbeiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Autoren sind für die Inhalte selbst verantwortlich.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • D. Weber

    Lieber Herr Klemm,

    danke für den trefflichen Artikel! Er zielt freilich ein wenig ins Leere, denn Herrn Dr. Doll nimmt man – weder als Person noch in seinen Blatt-Artikeln – in der Gemeinde ohnehin nicht mehr ernst…

  • Argus

    Für mich stellt mich D. so dar:
    ….ach, wie gut dass niemand weiß,
    dass ich Rumpelstilzchen heiß!“

    • sven

      … nur weiss das leider jeder in der Gemeinde, wer das „Rumpelstielzchen“ ist!

      Aber ich finde auch, der Mann ist den ganzen Klimbim gar nicht wert. Herr Klemm, Sie sind ein engagierter und kundiger Vertreter für die zahlreichen Anliegen der Gemeinde, halten Sie sich da nicht mit den wirren Äußerungen dieses Herrn auf..

  • Tagesbetrachter

    Satire

    Rumpel dafür steht doch der Bruder.
    Stilzchen Verniedlichung von eigenatigen Persönchen,auch Zwerge

    Schreiber total eigener Stil. Versteht niemand. Vermutlich nicht

  • Horst Berger

    „Salopp gesprochen, macht Vater Staat mit Schlafstörungen seiner Bürger und Gesundheitsbeeinträchtigungen aus der Luftverschmutzung ein gutes Geschäft, wird aber nicht dazu verpflichtet, den Betroffenen zu helfen.“

    Diese interessanten Satzzitate vom 15.10.2010 stammen vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

    Laut Kessler / Doll / Merx / Hasselbring gibt es aber keine Zunahme dieser Belastungen bei der Pfenning-Ansiedlung. In der Fantasiewelt dieser Märchenerzähler ist es auch eine bedeutene Branche.

    Dazu der BGL e.V weiter:

    „Eine Mauterhöhung ist aus Sicht des Branchenverbandes völlig inakzeptabel, zumal das europäische Transportgewerbe die Folgen der Krise noch nicht überwunden hat und mit Insolvenzen auf hohem Niveau kämpft.“

    In Heddesheim sind die Gaukler / Lobbyisten unterwegs und verbuchten schon einmal 2.000.000 Euro „Buchgeld“ als Einnahmen.

    Nachlesen kann man das hier:

    http://www.bgl-ev.de/web/presse/index_detail.htm&news=2010DA15102010152401.NEW

    Anmerkung: Die Methoden in der CDU, die erinnern mich manchmal an die Cosa Nostra und können nicht länger hingenommen werden.

    Keep cool…was bleibt ist große Zuversicht.