Dienstag, 22. August 2017

Ernste Texte bekommen eine Stimme – Lesung von Texten „Verfolgter Schriftsteller“

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Guten Tag!

Ladenburg/Heddesheim, 29. November 2010. Das dritte „Event“ der Veranstaltungsreihe „Kunst gegen Krieg“ fand am 26. November 2010 um 20:00 Uhr in der Ladenburger Stadtbibliothek statt. Organisiert wurde es von der amnesty international Gruppe Ladenburg-Schriesheim, wie auch die anderen Veranstaltungen dieser Reihe. „Verfolgte Schriftsteller“, unter diesem Namen stand die Lesung mit Gabriele Violet und Michael Timmermann, die mit Musik begleitet wurde.

Von Anna Ewald

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V.l.n.r. Uli Wagner, Michael Timmermann, Gabriele Violet und Jens Bunge. Foto: Anna Ewald

In dem gemĂŒtlichen Dachgeschoss mit Holzbalken an der Decke in der Stadtbibliothek Ladenburg sitzen rund 30 GĂ€ste erwartungsvoll auf ihren PlĂ€tzen. SĂ€tze wie „mal schauen was das heute wird“, sind aus den Besucherreihen zu hören. Beim heutigen „Autorengedenken“ werden sie auf ihre Kosten kommen.

„Die Waffe der Schriftsteller ist das Wort.“

„Die Waffe der Schriftsteller ist das Wort und die beste Waffe gegen Menschenrechtsverletzungen die Öffentlichkeit“, so begrĂŒĂŸt Wolfgang Luppe die Zuhörer. Und diese Waffe, die Worte, sollen an diesem Abend gelesen und an ihre Autoren gedacht werden.

Die Texte verfolgter Schriftsteller wurden von Marie-Luise Pohrt und Ursel Siebert-Glatzer gemeinsam mit den „Stimmen“ Gabriele Violet und Michael Timmermann ausgesucht. Und sie haben eine tolle Wahl getroffen.

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Musikalische Umrahmung von Uli Wagber und Jens Bunge. Foto: Anna Ewald

Mundharmonika und Gitarre sind zu mehr als nur fĂŒr Wanderlieder geeignet und das wird heute jedem bewiesen, denn die Lesung wird mit Musik bereichert.

Langeweile gibt es also nicht. Uli Wagner mit der Gitarre und Jens Bunge, der Mann mit der Mundharmonika, spielen ernste Lieder, passend zum Thema der Lesung und beweisen ihr Können.

Ernste Texte bekommen Stimmen

Abwechselnd lesen Michael Timmermann und Gabriele Violet die Gedichte und Geschichten, die frĂŒher oder auch heute noch dem Regime ein Dorn im Auge waren. EinfĂŒhlsam und mit charakterstarken Stimmen.

Michael Timmermann sagt selbst, dass diese Zeiten ihn geprĂ€gt haben. Diese Zeiten voll Krieg und Angst, die er als kleines Kind miterlebt hat. Und so ist es fĂŒr ihn bewegend fĂŒr die Organisation amnesty international, fĂŒr die er sich schon seit ungefĂ€hr 30 Jahren engagiert, solche Texte zu lesen.

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Michael Timmermann und Gabriele Violet lesen abwechselnd. Foto: Anna Ewald

Angst, Trauer und trotzdem noch Hoffnung

Was hast du damals getan, was du nicht hÀttest tun sollen?
„Nichts“.
Was hast du nicht getan, was du hÀttest tun sollen?
„Das und das – dieses und jenes: einiges.“
Warum hast du es nicht getan?
„Weil ich Angst hatte.“
Warum hattest du Angst?
„Weil ich nicht sterben wollte.“
Sind andere gestorben, weil du nicht sterben wolltest?
„Ich glaube … ja.“
Hast du noch etwas zu sagen zu dem, was du nicht getan hast?
„Ja, dich zu fragen: Was hĂ€ttest du an meiner Stelle getan?“
Das weiß ich nicht und ich kann ĂŒber dich nicht richten. Nur eines weiß ich:
Morgen wird keiner von uns leben bleiben, wenn wir heute wieder nichts tun.

Erich Fried

So wie dieser Text zeigen auch die meisten der anderen, wie verĂ€ngstigt und bedrĂ€ngt ihre Autoren waren und trotzdem spĂŒrt man bei vielen einen Funken Hoffnung. Das ist beeindruckend. Auch die Zuhörer merkten diese Emotionen. Viele sitzen mit geschlossenen Augen da. Aufmerksam und gespannt. Schweigend.

Unter anderem wurde das „VersöhnungsplĂ€doyer“ des chinesischen Friedensnobelpreisgewinner Liu-Xiaobo gelesen. Auch er ist ĂŒberwacht und gefangen genommen worden, weil er seine Meinung sagt und fĂŒr Freiheit kĂ€mpft. „Schriftsteller können fĂŒr Machthaber unbequem sein“, sagt Herr Luppe schon zu Beginn der Lesung. Liu-Xiaobo ist wohl eines der besten Beispiele aus der heutigen Zeit.

An all diese Schriftsteller, die ihr Leben und ihre „Freiheit“ opfern, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, soll an diesem Abend gedacht werden.

Hinweis:
Weitere Texte zur Ausstellungreiche „Verletzte Seelen„.

Anmerkung der Redaktion: Anna Ewald (16) ist Gymnasiastin in Schriesheim, interessiert sich sehr fĂŒr Politik und Medien und absolviert ein schulbegleitendes Praktikum bei uns. Dabei lernen junge Menschen bei uns, was Journalismus ist: Handwerk, Öffentlichkeit und verantwortliche Meinung.
Wir legen dabei einen besonderen Wert auf den eigenen Blick dieser jungen Menschen. Sie berichten aus ihrer subjektiven Perspektive, was sie mit wem zu was wie erleben. Wir unterstĂŒtzen sie dabei journalistisch und redaktionell.
Hier finden Sie eine ÃƓbersicht aller Texte von Anna Ewald auf dem ladenburgblog.
Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich gerne formlos bewerben – allerdings sind erst ab April 2011 wieder PlĂ€tze frei.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.