Montag, 24. September 2018

Acht Monate heddesheimblog. Das war 2009: Teil I – „Pfenning“

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Guten Tag!

Heddesheim, 28. Dezember 2009. Am 28. April 2009 ging der erste Beitrag fĂŒr das heddesheimblog online: „Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim“, lautete die ÃƓberschrift. Mittlerweile sind fast 1000 Artikel mit Heddesheimer Themen erschienen.
Das
heddesheimblog bietet damit das journalistisch breiteste und interessanteste Angebot vor Ort. Mit Hintergrundberichten, PortrÀts, Meinungsartikeln oder Texten zum Alltagsleben in der Gemeinde.

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Unser Dank gilt unseren Leserinnen und Lesern. Ohne deren Interesse wĂ€re das heddesheimblog nicht enstanden. Zur Vorgeschichte: Der freie Journalist Hardy Prothmann veröffentlicht Recherchen zur geplanten „Pfenning“-Ansiedlung in Heddesheim im Internet, zunĂ€chst bei blogger.de.

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"Pfenning"-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger hatte nicht immer gut lachen. Bild: KMP-Holding

Nach kurzer Zeit bricht die Seite immer wieder zusammen, weil zu viele Menschen auf die Artikel zugreifen. Das Angebot wird zum Provider 1&1 umgezogen, hier kommt als Redaktionssoftware WordPress zum Einsatz.

Es erscheinen auch erste nicht-„Pfenning“-Themen. Auch dafĂŒr interessieren sich die Leserinnen und Leser.

Das Angebot wĂ€chst und die Idee, eine lokal-journalistische Plattform im Internet zu grĂŒnden, entsteht.

Seit Herbst wird das heddesheimblog auch vermarktet. Es finanziert sich ĂŒber Werbung, ganz klassisch, so wie andere Medien auch.

Es erscheinen investigative Berichte, beispielsweise, dass „Pfenning“ seine weder genehmigten noch gebauten Hallen bereits seit FrĂŒhjahr 2009 vermarktet.

Weil der BĂŒrgermeister Michael Kessler und Teile des Gemeinderats um die Gunst der öffentlichen Meinung fĂŒrchten, engagieren sie ein „Strippenzieher“-Unternehmen, das ihnen den RĂŒcken frei halten soll: IFOK. Rund 35.000 Euro kostet das die Gemeinde, sprich den Steuerzahler. Auch diese Nachricht steht exklusiv im heddesheimblog.

Ebenso, dass das geplante Chemielager von „Pfenning“ unter die Seveso II-Störfallverordnung fĂ€llt.

Die Ergebnisse unserer Recherchen bestimmen immer wieder die öffentliche Diskussion. Wir fassen zum Beispiel immer wieder bei den ArbeitsplĂ€tzen nach. Das Ergebnis: Statt von 1000 spricht selbst die „Pfenning“-Gruppe nur noch von anfĂ€nglich 300. Wie viele tatsĂ€chlich? Das hĂ€ngt von der Konjunktur ab.

Eine transparente Informationspolitik von Seiten des BĂŒrgermeisters Kessler? Von CDU, SPD und FDP in der Sache? Fehlanzeige. Die Redaktion des heddesheimblogs recherchiert gegen eine Mauer des Schweigens. Der einzige Ortsverband, der vorbehaltlos mit der Redaktion spricht, sind BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen.

Der Hintergrund: Bis heute sitzt der Schock des Wahlverlustes bei CDU, SPD und auch FDP tief. Einzig die GrĂŒnen haben gewonnen: 100 Prozent und sitzen nun als zweitstĂ€rkste Fraktion mit sechs Sitzen im Heddesheimer Gemeinderat. Die GrĂŒnen fordern eine BĂŒrgerbefragung.

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BĂŒrger bei einer Veranstaltung der IG neinzupfenning. Bild: hblog

Die BĂŒrgerbefragung, nach der die HĂ€lfte der Befragten die Ansiedlung ablehnen, bestĂ€rkt die Gegner. Die BefĂŒrworter sehen einen Vorteil von 0,7 Prozentpunkten (50,35 Prozent Ja-Stimmen : 49,65 Prozent Nein-Stimmen) als Legitimation, die Ansiedlung weiter voranzutreiben.

Lange Zeit weigern sich viele, die im Ort „was gelten“, mit dem heddesheimblog ĂŒberhaupt nur zu reden. Zu kritisch, zu „frech“, geht die Redaktion mit den Themen und Informationen um. Das ist man in Heddesheim nicht gewohnt und manche, allen voran der BĂŒrgermeister, wollen sich nicht daran gewöhnen.

Der BegrĂŒnder Hardy Prothmann wird mehrfach körperlich angegangen, ein bislang unbekannter TĂ€ter platzierte ein Nagelbrett vor einem Reifen – Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln.

Wir berichten weiter und die Zahlen der Seitenabrufe und Besucher wachsen. „Wenn der Pfenning nicht mehr zieht, gibt es auch kein heddesheimblog mehr, weil sich keiner mehr dafĂŒr interessiert“, ist die Hoffnung vieler.

TatsĂ€chlich steigen die Zahlen stetig und liegen seit vier Monaten bei monatlich ĂŒber 500.000 Seitenzugriffen und rund 60.000 Besuchern. Pfenning ist schon lange nicht mehr das „Tagesthema“, aber immer noch ein Top-Thema unter vielen anderen.

Auch scheinbar harmlose BeitrĂ€ge wie der Meinungsartikel „Braucht Heddesheim ein Oktoberfest“ bestimmen immer wieder die Debatte im Ort.

Die heddesheimblog-Methode ist dabei einfach: Wir stellen Fragen und erarbeiten Thesen. Wir recherchieren und das Ergebnis schreiben wir auf. FĂŒr die, die gestern schon alles so gemacht haben, wie sie es heute machen und morgen machen wollen, ist das natĂŒrlich etwas ganz und gar Ungewohntes.

Vor allem vom Mannheimer Morgen kennt man das nicht: kritische Berichterstattung, Recherche, fundierter Journalismus. Bis heute ist im MM auch nicht ein Artikel zu Pfenning erschienen, der auf eigener Recherche und einer eigenen These basiert.

Der MM bemĂŒht sich nur, jede Veranstaltung im „strahlendsten Lichte“ erscheinen zu lassen. Fakten spielen selten eine Rolle. Hauptaussage: „Voller Erfolg, alle waren glĂŒcklich und zufrieden, fĂŒrs leibliche Wohl war gesorgt, alle Namen sind genannt.“ (Siehe dazu MM von heute.)

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BĂŒrgermeister Kessler stellt sich gegen die HĂ€lfte der BĂŒrger. Bild: hblog

Von Beginn an haben sich die Leserinnen und Leser mit Kommentaren am heddesheimblog beteiligt. DafĂŒr möchte sich die Redaktion ganz herzlich bedanken: Denn dadurch wird klar, was und wie die Leserinnen und Leser denken. Teils haben wir dadurch auch Hinweise fĂŒr neue Themen gefunden. Auch die kritischen Leserkommentare zum heddesheimblog helfen, unsere journalistische Leistung stetig zu verbessern.

Auch 2010 wird das Thema „Pfenning“ ein Top-Thema bleiben. Das heddesheimblog wird alle relevanten Informationen dazu veröffentlichen und HintergrĂŒnde recherchieren.

Die geplante Ansiedlung ist noch lĂ€ngst nicht sicher, sondern immer noch eine Planung. Das nĂ€chste spannende Thema dazu ist die Arbeit des „Umlegungsausschusses“ sowie die Veröffentlichung der PlĂ€ne und Gutachten, gegen die BĂŒrger ihre Einwendungen geltend machen können.

Wir bleiben dran!

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.