Freitag, 16. November 2018

Zündstoff: CDU-Politiker Wacker erteilt Kessler und Just eine Backpfeife

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Guten Tag!

Heddesheim, 27. November 2009. Der Mannheimer Morgen veröffentlicht heute ein Interview, dass jede Menge lokalpolitische Sprengkraft in sich trägt. Der CDU-Politiker Georg Wacker, Staatssekretär im Kultusministerium, erteilt den Gemeinden Heddesheim und Hirschberg eine deutliche Absage in Sachen gemeinsame Werkrealschule.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die Ohrfeige sitzt und zwar auf den Ohren der CDU, der SPD und der FDP in Heddesheim. Und auf denen der Bürgermeister Kessler und Just. Was Georg Wacker, CDU-Politiker, Mitglied des Landtags und Staatssekretär in einem kurzen Interview dem Mannheimer Morgen gesagt hat, muss den Fraktionen und den Bürgermeistern wie eine enorme Watsche auf den Backen glühen.

Die von den Gemeinden Heddesheim und Hirschberg ausgedachte „Ausnahmeregelung“ hat dem Interview zufolge „wenig Chancen“.

Das kann der CDU-Grande Wacker so einfach sagen, weil er weiß, dass es weder in Hirschberg noch in Heddesheim eine Öffentlichkeit gegen eine solche Aussage gibt. Denn die wurde durch Hinterzimmergespräche verhindert. Kessler und Just dachten, sie könnten das unter sich ausmachen und haben sich und ihren Einfluss wahrscheinlich masslos überschätzt.

Wenn Wacker Recht hat – und davon ist auszugehen – müssen sich Heddesheim und Hirschberg einer Lösung beugen, die sie angeblich nie wollten. Einer gemeinsamen Werkrealschule auf Wanderschaft. Die Klassen 5-7 in der einen, die Klassen 8-10 in der anderen Schule.

Angeblich wollten beide Gemeinden „ihren Schulstandort“ stärken. Und angeblich sei es eine Schwächung, wenn die Schüler auf Reisen geschickt würden.

Doch genau das zeichnet sich aber ab.

Die Verlierer sind aber nicht die Bürgermeister Kessler und Just – die werden nach Stuttgart zeigen und ihr Haupt beugen. Die Verlierer sind die Hauptschüler.

Gymnasiasten wäre das nicht passiert – die haben eine stärkere Lobby.

Heddesheim und Hirschberg haben eine Chance, sich gegen den Willen Stuttgarts zu positionieren – wenn sie die Eltern mobilisieren. Doch dazu benötigt es eine offene Strategie, einen offenen Austausch und den Willen, sich nicht von oben herab etwas diktieren zu lassen.

Auf den Bürgermeister Kessler und seine vollmundigen Versprechungen muss niemand mehr etwas geben.

Wenn es noch eine Wende in diesem Schuldrama geben kann, dann nur aus der Bevölkerung heraus.

Dem stehen aber vollkommen verharzte Fraktionen bei CDU, SPD und FDP gegenüber – Hinterzimmermauschlern, die nichts mehr fürchten, als einen offenen Austausch über Argumente. Ein offensiver Einsatz für die Johannes-Kepler-Schule würde diese Parteien dazu zwingen, sich zu öffnen.

Das wird nicht stattfinden. Es werden beschwichtigende Worte gesucht werden – hart an der Grenze zur Lüge – um ja nicht das aus Sicht dieser örtlichen Parteifunktionäre „bewährte“ eigene System zu gefährden.

Doch jedes Wort in der Sache wird gelogen sein. Am Ende verlieren die Schulen und vor allem die Schüler – die lokalen Politgrößen haben schon längst verloren. Die CDU zwei Sitze, die SPD einen und die FDP auch einen. Profitiert haben die Grünen.

An denen ist es jetzt – die Hoffnung der Wähler auf eine anständige Politik umzusetzen.

Die Grünen in Heddesheim haben sich mit drei neuen Sitzen um 100 Prozent verdoppelt. Die Wähler haben ihnen ihr Vertrauen geschenkt – freilich mehr in Sachen „Pfenning“, als in anderen Fragen.

Tatsächlich gibt es außer „Pfenning“ aber noch andere sehr wichtige Themen in Heddesheim.

Während die CDU, die SPD und die FDP immer noch (wegen „Pfenning“) beleidigt sind und eigentlich nichts zustande bekommen, bleibt als letzte Hoffnung, dass die Grünen die Ärmel hochkrempeln.

Heddesheim darf gespannt sein, ob die Grünen diese Erwartung erfüllen.

Die Schüler der Johannes-Kepler-Schule brauchen Unterstützung – ohne stehen sie sehr alleine da.

Wünschenswert wäre, dass die Parteifunktionäre ihre Parteibindung mal außen vor lassen könnten und sich für ihren Ort und ihre Schüler einsetzen – im Zweifel auch gegen ihre Parteifreunde im Kreis oder im Land.

Das aber ist eine Hoffnung, die weniger Chancen hat, als ein Dreier im Lotto.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.