Sonntag, 20. August 2017

Union Investment Real Estate Gmbh ĂŒbernimmt "multi cube"

Pfenning ist verkauft

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Heddesheim, 27. November 2012. (red) Die Union Investment Real Estate GmbH hat nach eigenen Angaben den „multi cube“ im Heddesheimer Gewerbegebiet ĂŒbernommen.

Über den Kaufpreis haben die Union Investment und die „Phoenix 2010 GbR“ von Karl-Martin Pfenning Stillschweigen vereinbart.

UrsprĂŒnglich war der Verkauf fĂŒr September 2012 vorgesehen. Weshalb sich die Übernahme verzögert hat, wurde nicht mitgeteilt.

Die Investitionssumme fĂŒr das in der Bevölkerung als „Pfenning“ bezeichnete Logistiklager soll bei 100 Millionen Euro liegen. Auf 20 Hektar sind rund 128.000 Quadratmeter LagerflĂ€che entstanden.

Nach unseren Informationen soll Karl-Martin Pfenning zwischen 13 und 15 Millionen Euro an dem GeschĂ€ft verdient haben. Die Phoenix 2010 GbR hatte das Ackerland fĂŒr 47 Euro den Quadratmeter erworben. Übliche Preise fĂŒr entwickelte IndustriegelĂ€nde liegen zwischen 110-140 Euro pro Quadratmeter.

Von den „Versprechungen“ im Zuge der Bebauungsplanentwicklung ist nicht viel ĂŒbrig geblieben. Als Hauptargumente wurden eine Anbindung an die Schiene, bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze und Gewerbesteuerzahlungen in „erheblicher Höhe“ genannt. Außerdem sollte der neue Standort die in der Region verteilten Lager von „Pfenning“ konzentrieren. FĂŒr den mittelstĂ€ndischen Betrieb sei dies eine „Generationeninvestition“, betonte der Unternehmer Karl-Martin Pfenning.

Die Investition ist nun an einen Immobilienfond verkauft. Eine Schienenanbindung gibt es nicht, aktuell wird nur noch von bis zu 600 ArbeitsplĂ€tzen gesprochen und ob „erhebliche Gewerbesteuerzahlungen“ zu erwarten sind, ist angesichts rĂŒcklĂ€ufiger GeschĂ€ftszahlen der KMP Holding (Karl-Martin Pfenning) zweifelhaft.

BĂŒrgermeister Michael Kessler war bereits im Sommer 2008 ĂŒber die PlĂ€ne informiert worden. Im Februar 2009 wurde der Aufstellungsbeschluss nach vorheriger nicht-öffentlicher Beratung gefasst. Ein BĂŒrgerentscheid war damit nicht mehr möglich. Bei einer BĂŒrgerbefragung, die statt einer eindeutigen Fragestellung, zwei manipulatorische Zusatzfragen enthielt, stimmten absolut 40 Personen mehr fĂŒr die Ansiedlung – diese „Mehrheit“ wurde durch den BĂŒrgermeister sowie den meisten GemeinderĂ€ten von CDU, SPD und FDP als „klare Zustimmung“ der Bevölkerung interpretiert.

Die BefĂŒrchtung, dass die Gemeinde Heddesheim und ihre 11.500 Einwohner durch zusĂ€tzlichen Verkehr belastet werden, ist in der Bevölkerung groß. Deshalb wurde ein bundesweit einmaliger „Verkehrslenkungsvertrag“ entwickelt, nach dem sich „Pfenning“ verpflichtet, keine Lkw ĂŒber 18 Tonnen durch den Ort fahren zu lassen. Ein Großkunde ist das Unternehmen „Mondelez“ (ehemals Kraft Foods Europe). Eine Anfrage an den Lebensmittelhersteller, ob die in Heddesheim gelagerten Waren fĂŒr entfernte MĂ€rkte oder den regionalen Markt bestimmt sind, ließ das Unternehmen unbeantwortet. Sollten regionale MĂ€rkte bedient werden, geschieht dies in aller Regel mit kleineren Lkw zwischen 7,5-12 Tonnen, fĂŒr die der Verkehrslenkungsvertrag nicht gilt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • Hanne

    …grĂ€mt Euch nicht – es bleibt noch EDEKA…..

    ;o)

  • Peter Wittek

    Mich bestĂ€tigen nur wieder einmal, genauso wie in der „ach so tollen Bundespolitik“, die DOLLAR-ZEICHEN – wennÂŽs auch bei uns eigentlich Euro sind – in den Augen vom werten Herrn Kessler und seiner (blinden !?) Gefolgschaft.
    HĂ€tte er sich eben einmal besser (!) ĂŒber diverse GeschĂ€ftsgebaren – auch der damit zusammenhĂ€ngenden Firmen – schlau gemacht; aber na ja, auch ein Millionstel von *Mr. Spock* bleibt in der FĂŒhrungsebene Heddesheim wohl immer nur ein Traum (zumindest bei dieser Clique) … !?
    Schöne „VETTERLESWIRTSCHAFT“ des Herrn Kessler !!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • Mhm’er

    Stellt sich die Frage, ob die damalige Umfrage in der Bevölkerung, pro/contra Pfennig, mit dem Wissen der Initiatoren durchgefĂŒhrt wurde, dass die geplante Immobilie (multi cube) an Union Investment Real Estate Gmbh weiterverkauft werden soll.

    Das nennt man schlicht „Vorspiegelung falscher Tatsachen“.

    Mhm’er

  • TJ

    Da aus dem Bericht nicht hervorgeht, dass eine anderweitige Nutzung geplant ist, wird es sich vermutlich um sogenanntes „Sale & Lease Back“ handeln. Dies ist eine ĂŒbliche Praxis fĂŒr „nicht produktionsnahe“ GebĂ€ude fast aller großen firmen/Konzerne. Interessant wĂ€re zu erfahren, wie lange die Nutzungsdauer durch Pfenning vorgesehen ist.