Samstag, 22. Juli 2017

Bernhard Theis und Michael Busch im alten Rathaus

Lyrisch-musikalischer Abend im Kunstverein

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Heddesheim, 27. Januar 2014. (red/sw) Knapp vierzig Kunstliebhaber folgten am vergangenen Freitag der Einladung des Heddesheimer Kunstvereins zu “ Gitarre und Poesie … aus der Ferne hĂ€mkumme…“.

Gitarrist Michael Busch und Literat Bernhard Theis versprachen eine literarisch-musikalische Reise aus der Ferne in die Heimat, der Pfalz. Das war eine teils mĂŒhsame Reise fĂŒr die rund 40 GĂ€ste.

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Bernhard Theis und Michael Busch bei „Aus der Ferne hĂ€mkumme“ in den RĂ€umen des Kunstvereins im Alten Rathaus

 

Von Susanne Warmuth

Bernhard Theis ist PĂ€dagoge, Literat, Amateurschauspieler. Er schreibt Gedichte und Prosa. Er ist Autor und Mitautor einiger Anthologien und GedichtsbĂ€nde. „Blumen am Wege“, „Lichte Momente und andere“ sind zwei davon. Außerdem leitet er die Literaturwerkstatt „Musenkuss“ des Kulturlabors Eberbach.

Michael Busch, ebenfalls PĂ€dagoge, ist Gitarrist und Komponist. Er tritt als Solist auf, spielt aber auch in verschiedenen Formationen der internationalen Akustikszene unter anderem mit Jacques Stotzem, Ian Melrose oder Dylan Fowler.

Beiden gemeinsam ist die Liebe zu ihrer pfĂ€lzischen Heimat – beide sind in Kaiserslautern geboren.

Wir sind „Lautrer“ – wichtig ist das „R“ nach dem „T“! Es heißt nicht „Lauterer“!

stellt Herr Theis gleich am Anfang augenzwinkernd die richtige Aussprache fĂŒr das badische Publikum klar.

Das Programm der beiden an diesem Freitagabend war umfangreich. Dreißig BeitrĂ€ge allein von Bernhard Theis, gegliedert in einzelne Blöcke, musikalisch abgesetzt durch zwölf StĂŒcke von Michael Busch. Der erste Teil des Programms war in hochdeutsch, der zweite – man nĂ€hert sich der Heimat – in „pĂ€lzischer“ Mundart.

Das Publikum wurde durch die FĂŒlle der Gedichte gefordert. Herr Theis las in den ersten gut 45 Minuten neunzehn Gedichte und ein lĂ€ngeres ProsastĂŒck aus seinen Werken vor. Es blieb wenig Zeit, das Gehörte zu verarbeiten. Nicht immer sind Poeten gut beraten, wenn sie ihre StĂŒcke selbst vortragen. Das Publikum schien förmlich erschlagen von den vielen wechselnden Stimmungen und Themen der StĂŒcke.

Nach jeweils drei bis vier BeitrĂ€gen konnten die Zuhörer etwas verschnaufen und sich bei zarten bis ausdrucksvollen, langsameren und manchmal etwas schwungvolleren GitarrenstĂŒcken entspannen. Kennt man die Landschaften, die Michel Busch zu den StĂŒcken inspiriert haben, so kann man sie förmlich fĂŒhlen. Das StĂŒck „Sequoia“ ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Man spĂŒrte deutlich die mystische Stimmung, die in Kaliforniens wunderschönem Nationalpark zwischen den riesigen und uralten Sequoia-BĂ€umen herrscht.

 

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Nach der Pause, gestĂ€rkt mit KĂ€se, Brot und Wein, ging die Reise weiter. Nach den schwungvollen GitarrenklĂ€ngen von „Highway 101“ war die Heimat fast erreicht. Bernhard Theis las ein autobiographisches StĂŒck mit dem Titel „Oma“, in dem er Erinnerungen an seine Großmutter verarbeitet und mal lustige, mal traurige, mal etwas derbe und oft hintergrĂŒndige Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend mit dem Publikum teilte. Zur „Eingewöhnung“ war dieses StĂŒck in Mundart und Hochdeutsch. Die Stimmung im Publikum schien gegenĂŒber dem hochdeutschen ersten Teil deutlich gelockert. Die folgende BeitrĂ€ge, jetzt nur noch „uff pĂ€lzisch“, quittierte das Publikum immer wieder mit GelĂ€chter.

Auch Michael Busch, der zu Beginn einen sehr ruhigen und schĂŒchternen Eindruck machte, wurde nun etwas gesprĂ€chiger und erzĂ€hlte ĂŒber die Entstehung von einzelnen Werken. Der Titel „A Blues Art“ resultiert aus dem Wunsch einen Blues zu komponieren. Herausgekommen sei „halt so eine Art Blues“. Sein neuestes Werk hatte er an diesem Abend zum ersten Mal im Programm.

Aus dem Applaus des Publikums am Ende des Programms und der Forderung nach einer Zugabe konnte darauf geschlossen werden, dass der etwas lockere zweite Teil der VortrĂ€ge die Anstrengungen des ersten Teils in den Hintergrund gerĂŒckt hat.

 

 

 

 

 

 

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.