Donnerstag, 29. Juni 2017

Bürgerhaus: 13.000 Euro, damit Besucher von „auswärts“ das Bürgerhaus „finden“


So soll der neue Eingangsbereich zum Hof des Bürgerhauses aussehen und 13.000 Euro kosten. Quelle: Gemeinde Heddesheim

Heddesheim, 27. September 2011. (red) Soviel Verständnis war nie in Heddesheim für „Außergewärdische“. Für rund 13.000 Euro soll es eine neue „optische Eingangssituation“ am Bürgerhaus geben. Die Verwaltung hat die Firma Götsch aus Dreieich beauftragt, die Situation sowohl tagsüber als auch „nachts“ „sichtbar“ zu machen.

Typischerweise finden Veranstaltungen im Bürgerhaus tagsüber oder auch abends statt – nur selten „nachts“. Trotzdem wünscht sich die „Gemeinde“ eine neue Gestaltung des Eingangsbereichs.

„Die Gemeinde“ ist wie gehabt Bürgermeister Michael Kessler. Denn das eigentliche Gremium, der Gemeinderat, wurde über den Entwurf erst informiert, als er schon in Auftrag gegeben worden war.

Die Gestaltung sieht eine Aluminiumfassade vor sowie einen beleuchteten Schriftzug des Bürgerhauses. Der vorhandene Schaukasten soll „integriert“ werden.

Insbesondere Gemeinderat Reiner Lang (SPD) wünschte sich noch weitere „Led“-Leuchten, was der Bürgermeister prüfen will und die Kosten sicher nochmals in die Höhe treibt.

Drei Gemeinderate der Grünen lehnten wie der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann diese „Verschönerung“ ab. Aus den Reihen der Grünen wurde vor allem ein fehlendes Konzept zur Beschilderung bemängelt, Hardy Prothmann warnte vor unnötigen Ausgaben, da die Gemeinde in den kommenden Jahren an anderer Stelle das Geld dringender benötige.

Bürgermeister Michael Kessler bügelte den Einwand der Grünen wie gewohnt ab. Das Thema „Beschilderung“ sei komplex, man müsse „halt irgendwo anfangen“.

So sieht es jetzt aus. Angeblich übersehen "Auswärtige" ständig das Bürgerhaus und angeblich laufen sie dabei ständig Bürgermeister Kessler und Gemeinderat Jürgen Merx in die Arme, denn beide berichten von vielen Fällen, in denen sie umherirrende Gäste zum Bürgerhaus geleiten mussten. Bild: heddesheimblog.de

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist seit 2009 partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim und als Journalist verantwortlich für das Heddesheimblog.de

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • gordongecko

    Optisch gefällt mir die neue Lösung schon besser. Aber ob es wirklich 13.000 Euro kosten muss…

  • Günther Heinisch

    Guten Tag,

    Kollege Prothmann, ich denke wir können uns dahingehend einig sein, daß die 13.000.- € so für eine buntes Schild alleine doch rausgeschmissenes Geld sind. Ein Schild am Bürgerhaus das leuchtet, mit Aluverkleidung und allem Schnick und Schnack löst doch das grundlegende Problem nicht.

    Wenn es darum ginge, hätte es vielleicht schon geholfen, die über dem vorhandenen Bürgerhausschild befindliche Lampe zu reparieren. Billiger wäre das.

    Das Problem besteht doch aus zwei Teilen.

    Einmal gibt es kein Parkleitsystem, nicht einmal die „P“s auf blauem Grund, die auf die vorhandenen Parkmöglichkeiten hinweisen. Die müssen an den Ortseinfahrten und an der Kreuzung am Rathaus für Autofahrer ausgeschildert werden.

    Zum anderen muß dann mit kleineren Schildern in Augenhöhe von diesen Parkplätzen der Weg zu Fuß zu den öffentlichen Gebäuden gewiesen werden. Etwa mit Hinweisschildern wie man sie in Fußgängerzonen findet. Niemand oder doch nur wenige können mit dem Auto direkt vors Bürgerhaus fahren, die Parkplätze ums Rathaus sind ruckzuck voll und dann geht es nur zu Fuß von den Parkmöglichkeiten weiter, die suchende autofahrer dann finden – oder nicht.
    Hier muß eine Netz von Hinweisen geschaffen werden, an denen gegenseitig auf die öffentlichen Gebäude hingewiesen wird. Und es muß dann auch wieder an den Gebäuden auf die Parkplätze hingewiesen werden, damit die Auswärtigen ihre Autos wiederfinden. Als Ortsfremder manchmal nicht leicht.

    Stellt doch mal einen Ortsfremden auf den Dorfplatz und sagt ihm er solle nun zu Fuß das Bürgerhaus finden. Da nützt ihm das Schild für 13.000.- € erstmal gar nichts.

    Oder jemand kommt mit der Linie 4 am OEG-Bahnhof an und will zum Bürgerhaus, Rathaus oder zu den Kirchen. Bei letzteren kann er sich vielleicht noch an den Türmen orientieren. Im Großen und Ganzen heißt es aber immer sich durchfragen.

    Da hatten wir gerade von Bescheidenheit im Gemeinderat geredet, weil die Gelder in den folgenden Jahren mit Sicherheit knapper werden und als nächstes wird ein leuchtendes Prestigeobjekt beschlossen unter dem Motto: Bringt nix, sieht aber gut aus.

    Einen schönen Tag noch

    Günther Heinisch

    Gemeinderat Bündnis90/Die Grünen

    • Neugeplackter

      Das Bürgerhaus zu finde ist doch ganz einfach. Einfach den verbeulten Laternen an den Parkplätzen folgen…

  • Heddesheimer

    Guten Tag

    Ich nahm an die Beschilderung wie an der Eisbahn ist das zukünftig Konzept für öffentliche Gebäude und Plätze in Heddesheim. War nicht so mal die Aussage?
    Man hätte eine Säule die das Dach über den Zugang zum Bürgerhaus auf der einen Seite trägt eventuell umsetzten können. Die jetzt gewählte Farbe finde ich Asbach und gefällt mir nicht, erinnert mich an Kantine.

    Herr Heinisch sein Gedankenansatz ist durchdacht und ausführlicher als ganzes, finde ich gut.

  • Ben Hur

    Die Veranstaltungen im Bürgerhaus sind ja auch überregional sehr beliebt. Ich finde man sollte auch eine Beschilderung auf Französisch, Englisch und weiteren Sprachen anbringen, sodass auch
    unsere Europäischen Nachbarn in den Genuss der Heddesheimer Kultur kommen. Das Parkhaus am Dorfplatz wird um mehrere Tausend Stellplätze erweitert, dann kann unser Herr Bürgermeister die Heddesheimer Festspiele eröffnen. Im ernst, wüsste gerne wie viele „Auswertige“ sich ins Heddesheimer Bürgerhaus verirren. Wie wärs mit einer überteuerten Studie um dies Herauszufinden, Herr Bürgermeister?

  • Marcus Michel

    Schö, das teure Dinge so wichtig in unserer Gemeinde sind. Dafür wird die Sicherheit um so weniger bedacht. Auf dem Foto mit dem IST-Zustand ist sehr schön zu sehen, wie toll darauf geachtet wird, die Befahrbarkeit von Feuerwehrzufahrten (die auch für andere Rettungsfahrzeuge ganz praktisch sind) zu gewährleisten. Sei es durch an Ketten befestigten massiven Schildern wie hier oder durch eingeschraubte Pfosten, wie an der Hans-Thoma-Grundschule. Hauptsache es wird was gemacht, so teuer wie möglich und unter Einbeziehung von Firmen, die möglichst weit weg sind; gibt es nicht auch eine Heddesheimer Firma, die mit „visueller Kommunikation“ wirbt?