Sonntag, 20. August 2017

Antrag auf Weiterentwicklung der KDS zur Gemeinschaftsschule gescheitert

Betroffene bis aggressive Atmosphäre

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Heddesheim/Hirschberg, 27. September 2013. (red) Der Schulzweckverband entwickelt die Karl-Drais-Haupt und Werkrealschule nicht zu einer Gemeinschaftsschule weiter. Ein entsprechender Antrag ist gestern durch ein Nein aus Hirschberg gescheitert. Die Ablehnung basiert auf dem Bürgerentscheid zum Thema, der mit knapper Mehrheit die Weiterentwicklung abgelehnt hat. Dieses Votum der Bürger wirkt wie ein Gemeinderatsbeschluss. Im Hirschberger Ratssaal herrschten abwechselnd betroffene Ruhe bis aggressive Töne.

Von Hardy Prothmann

Der Graben zwischen Bürgermeister Michael Kessler und seinem Kollegen Manuel Just ist deutlich sichtbar – sie saßen so weit auseinander, wie es eben nur möglich war. Herr Just guckte ernst, Herr Kessler säuerlich:

Wir sind sehr enttäuscht. Wir hätten Verläßlichkeit erwartet. Wir sind sehr gespannt, welche konstruktiven Vorschläge wir aus Hirschberg hören werden, wie es mit der Schule weitergeht. Das sind wir den Bürgern schuldig.

Gemeinderätin Eva-Marie Pfefferle (SPD) betonte, dass der Bürgerentscheid nur knapp ausgegangen sei und überhaupt nur über das Schuljahr 2014/2015 abgestimmt worden sei. Oberstes Ziel sei nun, die Karl-Drais-Schule zu sanieren. Gemeinderat Peter Johe (FW) sagte, man müsse nun damit leben – hätte der Gemeinderat entschieden, wäre die Ablehnung mit einer Stimme zum Nachteil der Schule ausgegangen. Bürgermeister Just sagte, man sei zunächst positiv eingestellt gewesen, damals seien aber die Kosten im „siebenstelligen Bereich“ nicht klar gewesen:

Wir hatten andere und schwierigere Dinge zu erledigen als in Heddesheim.

Gemeinderat Ulrich Kettner (Bündnis90/Die Grünen) verwies die Verantwortung an Bürgermeister und Gemeinderat in Hirschberg zurück. „Es gab keine Bürgerinitiative, Sie waren die treibenden Kräfte. Man darf gespannt sein, wie eine gemeinsame Zusammenarbeit jetzt laufen soll.“

Gemeinderätin Monika Maul-Vogt (GLH) kritisierte die Zeit zwischen Beschluss des Bürgerentscheids im Juli und Durchführung im September als zu kurz. Außerdem wisse sie von unfairem Umgang. Inbesondere, dass gelacht und applaudiert wurde, nachdem die Nein-Mehrheit des Bürgerentscheids klar war, fand sie „beschämend“. Gemeinderätin Karin Hoffmeister-Bugla (SPD) lobte Schulrektor Jens Drescher und sein Team und bezeichnete den Bürgerentscheid als „Schnellschuss“. Ihr Kollege Martin Kemmet (CDU) sagte:

Einstimmige Beschlüsse sind in Heddesheim selten – hier schon. Wir können die harsche und freche Kritik zu den Stellungnahmen unseres Bürgermeisters insbesondere von der Hirschberger CDU nicht nachvollziehen. Wir sind über den niedrigen Stellenwert, den die Schule hier hat, enttäuscht und können das nicht verstehen.

Nach einer guten halben Stunde war es vorbei: Die Versammlung des Schulzweckverbands stimmte uneinheitlich ab, Heddesheim mit Ja für die Weiterentwicklung, Hirschberg mit Nein, damit war der Antrag gescheitert. Bürgermeister Michael Kessler fragte noch, ob es Beratungsbedarf in einer nicht-öffentlichen Sitzung gebe, was nicht der Fall war und schloss die Versammlung.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.