Donnerstag, 23. November 2017

„Wow“ ist ein Fake – wer draufklickt zeigt, dass er was nicht verstanden hat

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Rhein-Neckar, 25. April 2011 (red) Seit ein paar Tagen geht „Wurm“ bei Facebook rum. Angeblich soll man √ľber den Klick auf den anzeigten Link sehen k√∂nnen, welche Facebook-Nutzer das pers√∂nliche Facebook-Profil aufgerufen haben. Ein Klick bringt nicht das versprochene Ergebnis, sondern schickt den Wurm an die eigenen „Freunde“, die wieder an weitere „Freunde“, die wieder….

Von Hardy Prothmann

Die „Wow“-Einladung nervt. Ganz gewaltig. Rund 20 Mal geht bei mir das Chat-Fenster auf und jemand l√§dt mich ein, auf eine Link zu klicken, um angeblich sehen zu k√∂nnen, wer sich mein Facebook-Profil angeschaut hat.

Angeblich sollen schon eine Million deutsche Facebook-Nutzer auf den „Fake“ (F√§lschung) reingefallen sein. Und angeblich sollen hier „Gefahren“ lauern. Viel erschreckender als eine m√∂gliche Gefahr ist die Unkenntnis all derer, die auf solche „Angebote“ hereinfallen.

Dringender Beratungsbedarf

Tatsache ist – jeder, der einfach wild auf jeden Link im Internet klickt, der ihm angeboten wird, hat einen dringenden Beratungsbedarf. Ob als Privatmensch, als Gesch√§ftsmann oder Vereinsmitglied oder Politiker oder, oder, oder. Denn soviel steht fest: Das Bewusstsein √ľber Gefahren und ein verantwortungsvolles Handeln sind nicht besonders ausgepr√§gt.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Es gibt seri√∂se Angebote, denen man √ľberwiegend vertrauen kann und es gibt viele Fallen und unseri√∂se Seiten, denen man grunds√§tzlich misstrauen sollte. Und insgesamt gilt: Erst denken, dann klicken.

Sensationslust und Neugier

Viele Artikel berichten von „m√∂glichen Sch√§den“, beispielsweise bei T-online:

„Das Ziel dieser Nachrichten ist immer das gleiche: Der Empf√§nger soll auf einen Link klicken, der in eine Falle lockt.“

Doch welche Falle? Solche Berichte sind mit „hei√üer Nadel gestrickt“ und heischen mit Behauptungen um Aufmerksamkeit. Kurios: Die redaktionelle Meldung benutzt daselbe Prinzip wie der „Wurm“: Die Neugier oder Sensationslust. Soweit uns bekannt, hat der „Wow-Wurm“ bislang noch keinen Schaden angerichtet: Au√üer, dass er viele Leute, die es besser wissen, unendlich nervt.

Jede Tag gut 20 "Freunde", die auf den Trick hereinfallen und ein gefälschtes Angebot anklicken. Gefährlichkeit unbekannt - Imageverlust "programmiert".

Dieser „Image“-Schaden kann aber betr√§chtlich sein. Denn der kundige Facebook-Nutzer trennt sich vielleicht von „Freunden“, die dauernd auf alles klicken und solche Falschmeldungen reduplizieren. Nicht nur, weil sie „genervt“ sind, sondern weil sie echte Sch√§den von sich halten wollen. Gerade Unternehmer und Gesch√§ftsleute m√ľssen ebenso wie Vereine oder Beh√∂rden auf ihre Glaubw√ľrdigkeit achten. Image-Sch√§den sind nur schwierig zu „reparieren“.

Imageschaden

Es gibt genug Beispiele f√ľr echte Sch√§den, ob das Ausspionieren von Kundendaten (Phishing) oder das Erzeugen von Computersch√§den. Einer der erfolgreichsten Viren war „I love you„. Der „Mal-Code“ hatte im Mai 2000 enorme Sch√§den angerichtet, weil er auf infizierten Rechnern Daten vernichtete. Angeblich gingen die Sch√§den in die Milliarden – belegen lie√ü sich das nicht, weil auch viele Unternehmen aus Angst vor Image-Verlust keine Sch√§den beziffert haben.

Was aber tun? Die allersicherste Lösung ist, gar nichts mehr anzuklicken. Dann kann man aber auch gleich den Stecker ziehen und sich vom Internet verabschieden.

Die beste L√∂sung ist, zu wissen, was man tut. Grunds√§tzlich gilt: Traue keiner Meldung, die „sensationelle Inhalte“, irgendwas mit Freundschaft und Liebe, mit Neugier oder einfach irgendetwas verspricht, auf das man „impulsiv“ reagiert. Denn der Trick ist, das Denken zu umgehen und den Impuls, also den Klick auszul√∂sen.

Der kleine Spion in uns allen

Die Meldung „“WOW Jetzt kannst du sehen wer sich dein Profil ansieht!“ appelliert an die Neugier, den kleinen Spion, den jeder in sich hat. Wer nachdenkt, fragt sich: „Moment, will ich, dass andere sehen k√∂nnen, worauf ich geklickt habe? Ist das nicht datenschutzrechtlich relevant? Wieso habe ich nirgendwo eine Meldung dazu gelesen, dass es so ein Feature gibt?“

Ende März 2011 verbreitete sich diese gefälschte Meldung rasant:

„SCHRECKLICH! – Unfall im Europa Park in Deutschland!“
„Hey hast du das gesehen? Unglaublich. Konnte es mir gar nicht ganz ansehen. NIE wieder Achterbahn.“

Angeblich sollte es einen Achterbahnunfall im Europapark gegeben haben und Freunde „empfahlen“ diesen Link. Wer draufklickte, gab vermutlich seine Kontaktdaten preis – an irgendjemanden. Der „T√§ter“ ist nicht festgestellt worden. Der Trick hier: Die Ansprache der „Sensationslust“.

Was aber, wenn solch eine Anwendung auch die Daten von Freunden, Gesch√§ftspartnern und Kollegen „abgreift“? Und was passiert damit? Ziemlich sicher wird damit Handel getrieben. Es folgt Werbung, Spam und im schlimmsten Fall ein tats√§chlich krimineller Angriff auf Bankkonten.

Facebook sicherer machen

Wer „versehentlich“ auf einen solchen Link geklickt hat, kann bei Facebook unter „Konto“ -> „Privatsph√§ren-Einstellung“ -> „Website und Anwendungen“ -> „Anwendungen, die Du verwendest“, die Einstellungen bearbeiten. Grunds√§tzlich gilt – alles l√∂schen, was man nicht kennt ist besser, als nicht zu wissen, was die einzelnen Funktionen bewirken.

Gerade Gesch√§ftsleute, Unternehmen, aber auch Arbeitnehmer, Vereine oder Beh√∂rden sind in der Verantwortung, zu wissen, was sie im Internet tun und welche Folgen das f√ľr andere haben kann.

Leider passieren viele Fehler, weil es an Wissen mangelt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und so selbstverst√§ndlich, wie man sonst Vertr√§ge pr√ľft und die Qualit√§t sichernde Massnahmen im Betrieb durchf√ľhrt, sollte ein wissensbasiertes Verhalten vorhanden sein.

Wenn Sie sich daf√ľr interessieren, stehen wir Ihnen mit unserer Erfahrung gerne zur Seite oder vermitteln geeignete Experten. Wir beraten Sie gerne und effektiv. Die Kosten h√§ngen vom Umfang ab, sind aber √ľberschaubar.

Einfach auf den Link klicken. Keine Sorge ;-), der ist seriös.

redaktion (at) rheinneckarblog.de

Sollten Sie auf den Link in Facebook hereingefallen sein Рinformieren Sie Ihre Kontakte. Transparenz und Ehrlichkeit werden geschätzt.

 

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.