Montag, 23. Juli 2018

Kunstverein: „Ganz andere Ausstellung als gewohnt.“

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Guten Tag

Heddesheim, 26. September 2010. (Redaktionstipp!) Wer bei der neuen Ausstellung des Kunstvereins das ÃƓbliche erwartet… Bilder, die an der Wand hĂ€ngen, Skulpturen, die im Raum stehen… von KĂŒnstlern, die in der Region bekannt sind, wird irritiert sein, denn die Ausstellung, die der Heddesheim Kunstverein seit dem vergangen Sonntag und noch bis zum 17. Oktober zeigt, ist diesmal etwas ganz anderes. Und das ist gut so, findet Roland Schmitt, 2. Vorsitzender des Kunstvereins.

Von Sabine Prothmann

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Ungewohnte Installation - fĂŒr junge Leute gedacht.

Es ist ein erklĂ€rtes Ziel des Kunstvereins, „nicht nur etablierte KĂŒnstler zu zeigen, sondern auch diejenigen, die noch ganz am Anfang stehen“, und diese wolle man auch finanziell unterstĂŒtzen, so Schmitt. „Wir wollen junge Leute dafĂŒr interessieren, dass es das auch gibt“.

Die Ausstellung „Farben und Formen – Arbeiten vor Ort“ zeigt Objekte und Zeichnungen der beiden jungen Kunststudentinnen Carolina Brack und Nicole Klimaschka.

Installationen vor Ort.

Papierbahnen scheinen das Dachgeschoss der Rathausgalerie nachzubilden, nachzuformen. Innerhalb von sechs Wochen sind direkt vor Ort die Installationen von Nicole Klimaschka entstanden. Die freiberufliche Architektin wurde 1972 geboren und studiert seit 2008 an der Freien Kunstakademie Mannheim.

Ihre Objekte formt sie aus Skizzenpapier, das sie mit Kleister stabilisiert und mit FĂ€den zusammennĂ€ht. Sie hat das GebĂ€lk des Alten Rathauses abgeformt und als Dublette neben die Holzbalken gehĂ€ngt. Lange weiße Leitern aus Transparentpapier liegen, stehen und hĂ€ngen im Raum, es sind die Abformungen der Leiter die zum Rathausturm fĂŒhrt und die der Besucher durch eine geöffnete TĂŒr sehen kann. Das Material hat in seiner Weißheit und Transparenz etwas Leichtes. Fasst man es an, und das darf und soll man, ist man erstaunt wie stabil es sich durch den Kleister und die NĂ€hte zeigt.

„Einzelne im Ausstellungsraum befindlichen Holzstreben des GebĂ€lks möchte ich abformen und die geformten Objekte neu platzieren. Durch das Abdecken von Dialogstreben und das Abformen einer Sprossentreppe möchte ich einen anderen, neuen Raum bilden und auf die angrenzenden RĂ€ume verweisen“, so beschreibt die KĂŒnstlerin ihre Vorgehensweise im alten Heddesheimer Rathaus.

„Abformungen.“

Alte Koffer aus den 50er Jahren und seit Anfang der 90er Jahre Aufbewahrungsort fĂŒr Architekturskizzen waren der Anstoß zu den „Abformungen“ der KĂŒnstlerin Nicole Klimaschka: „Ich entdeckte das Transparentpapier mit meinen alten Architekturzeichnungen als plastisches Material“. Es entstanden Matroschka-Figuren und Kofferobjekte.

Diese abgeformten Koffer hat sie auch nach Heddesheim mitgebracht.

„Abformen“ bedeutet fĂŒr die KĂŒnstlerin das BeschĂ€ftigen mit dem Thema Familie, das Weitergeben von Konflikten und Ängsten an die nĂ€chste Generation und die Suche nach Behausung und eigenem Raum.

ÃƓber die Wendeltreppe steigt man in die Welt der KĂŒnstlerin Carolina Brack. Brack studiert ebenfalls an der Freien Kunstakademie Mannheim.

„Seit 2007 arbeitet sie an einem Konzept das auf zeichnerischen sowie malerischen Kompositionselementen basiert und sich bis heute konsequent von der BildflĂ€che in den Raum entwickelt.“ (Dr. Rolf Lauter, ehemaliger Direktor der Mannheimer Kunsthalle)

Die Bilder im Vorraum des obersten Stockwerks zeigen abstrakte Bildwelten, die landschaftliche Motive, Bergformationen, BĂ€ume, FlĂŒsse und WĂ€lder in weichen Farben erahnen lassen.

Der Raum ist ein Kunstwerk aus vielen.

Gleich dahinter, verwandelt sich der Raum unter dem Dach des Rathauses in einen Mikrokosmos aus Formen und Farben. Wie Amöben schweben filigran geschnittene Elemente von der Decke. Musik und Lichtprojektionen geben den Objekten der KĂŒnstlerin eine fast unwirkliche AtmosphĂ€re. Mal meint man Fische, Korallen oder Blumen zu erkennen. Alles ist in Bewegung in einer Welt aus Licht und Schatten, Farben und Formen. Auf den ausgeschnittenen Kartonelementen befinden sich gezeichnete und gemalte abstrakte Farbkompositionen.

In einer Nische wirft ein Projektor eine Videoarbeit der Kunststudentin an die WĂ€nde, wo man fast assoziativ Motive zu erkennen glaubt. Der ganze Raum scheint ein einziges Kunstwerk bestehend aus vielen zu sein.

Mit dieser Ausstellung beschreitet der Heddesheimer Kunstverein sicherlich neue Wege und der Betrachter muss sich darauf einlassen: Es lohnt sich.

Info: Die Ausstellung ist bis 17. Oktober immer sonntags von 14 bis 17 Uhr in der Galerie im Alten Rathaus geöffnet.

Viel Freude mit den Fotos:

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.