Donnerstag, 24. August 2017

Bauausschuss lehnt Bauantrag für Stallanlage ab

Kein Platz für brünstige Hengste in Heddesheim

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Heddesheim, 26. Februar 2013. (red/zef) Das Gestüt “Kreiswald” in Rimbach will im Außenbereich “Becherbruch/Schäffert” der Gemeinde Heddesheim ein neues Stallgebäude für seine Zuchthengste errichten. Das Gestüt ist die größte Zuchtstation Europas der brasilianischen Pferderasse Mangalarga Marchadores. Allein in Brasilien gibt es 387.000 Pferde dieser Rasse, die damit nach der Zahl der Exemplare die drittgrößte der Welt ist. In Europa ist sie bisher nicht sehr verbreitet. Beim CHIO in Aachen, dem größten Reitfest Deutschlands, war Brasilien mit 100 Pferden dieser Rasse Gastland. Der Bauausschuss Heddesheim hatte Sorge, der Züchter wolle den beantragten Bau nur zur „Freizeithaltung“ oder Pensionstierhaltung nutzen und lehnte den Antrag ab. 

Von Ziad-Emanuel Farag

Vom brasilianischen Zuchtverband  erhält das Gestüt umfassende Unterstützung:

Wir möchten dieses Lebensgefühl mit unseren brasilianischen Partnern nach Deutschland bringen. Die Pferde gehen im Vierertakt, man sitzt dort wie auf einem Sofa. Unsere Partner haben uns letztes Jahr einen Hengst geschenkt. Sein Vater war 2007 der Hengst des Jahres in Brasilien,

so Robert Schmitt, der Inhaber des Gestüts.

Eine Stute der Rasse Mangalargo Marchador des Gestüts Kreiswald mit ihrem Fohlen / Foto: Sabine Stuewer

Die bisherige Halle, in der die Hengste aktuell untergebracht sind, soll zu einer Bewegungshalle umfunktioniert werden. Der neue Stall soll eine Höhe von 5 Metern und eine Fläche von 35,5 Metern mal 14 Metern haben.

In einem Außenbereich einer Gemeinde wie dem Gebiet Becherbruch/Schäffert darf aber eigentlich nicht gebaut werden. Es sei denn, es handelt sich laut Baugesetzbuch um “priviligierte Vorhaben”. Ein Stall für Zuchthengste muss daher landwirtschaftlich genutzt werden, Gewinn und nicht Freizeittierhaltung soll hier im Vordergrund stehen. Zudem muss es sich um ein zweites Standbein für das eigentliche Gestüt handeln. Als zweites Standbein darf der Stall nicht größer als das Gestüt selbst sein. 160 Tieren des Gestüts (davon 80 Mangalarga Marchadores) stehen zehn Hengste in diesem Stall gegenüber. Eine eigene Futtergrundlage muss ebenfalls gegeben sein. Aktuell bewirtschaftet das Gestüt 65 Hektar zur Futtergewinnung. Die Anlage muss dazu dienen, Gewinn zu erzielen.  Da es sich um eine Zuchtanlage handelt, sind die Vorraussetzungen eigentlich erfüllt.

Das eigentliche Gestüt liegt 25 Kilometer entfernt:

Die Hengste sollen in einer Herde aufwachsen. Dafür müssen sie räumlich von den Stuten getrennt werden, da Stuten und Hengste zusammen viel Unruhe in die Herde bringt,

sagt Robert Schmitt über den Grund der Trennung.

Für diese Junghengste ist in Heddesheim kein Plat. / Foto: Sabine Stuewer

Aufgrund dieser Entfernung zweifelte der Bauausschuss der Gemeinde Heddesheim jedoch an der Rechtmäßigkeit des Vorhabens: Äußerlich sei nicht zu erkennen, dass der Stall zum Gestüt gehört.

Es geht hierbei nicht nur um einen funktionalen Zusammenhang, sondern auch um die räumliche Nähe. Wir bezweifeln, dass bei einer Entfernung von 25 Kilometern ein Zuchtbetrieb aufrecht erhalten werden kann. Es gibt Fälle, in  denen Gerichte bereits bei einer Entfernung von 1.000 Metern gegen den Landwirten entschieden haben. Wir befürchten, dass hier eine Möglichkeit zur Freizeitpferdehaltung geschaffen werden soll. Freizeitpferde sind in der Metropolregion sehr beliebt. Ein solches Vorhaben ist jedoch kein privilegiertes.

so Christian Pörsch, Mitarbeiter des Bauamtes in Heddesheim. Hinzu komme die Laufzeit, das Vorhaben sei mit einer Pachtdauer von zehn Jahren mit einer Option auf weitere zehn Jahre nicht langfristig.

Robert Schmitt, der seit über 20 Jahren professionell diese Rasse züchtet, hält dem entgegen:

Die Frage ist doch, was man unter langfristig versteht. Ich beabsichtige immerhin, dort 20 Jahre lang zu bleiben.

Der Bauausschuss konnte hiervon nicht überzeugt werden, er folgte Pröschs Argumentation und lehnte den Antrag einstimmig ab. Robert Schmitt gibt sich aber auf unsere Nachfrage hin nicht geschlagen:

Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich habe einen Vertrag abgeschlossen, der mir sogar den Kauf des Grundstücks ermöglicht. Ich werde dagegen vorgehen, so schnell werfe ich die Flinte nichts ins Korn.

Der Pferdezuchtverband Baden-Württemberg bestätigte uns gegenüber, dass ein Züchter selbstverständlich die Hengste von den Stuten drängt:

Alles andere wäre ja unsinnig, weil dann nicht zu kontrollieren wäre, welcher Hengst welche Stute bespringt. Und genau das steuert ja ein Züchter.