Dienstag, 12. Dezember 2017

Kessler-Fraktionen dominieren mit 17 Stimmen

Grüne und FDP verlieren, CDU und SPD gewinnen

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Heddesheim, 26. Mai 2014. (red) Die Grünen sind mit einem blauen Auge davongekommen und verlieren überraschenderweise nur einen Sitz. Dafür gewinnen CDU und SPD je einen dazu. Auch die FDP verliert. Das Ergebnis überrascht nicht wirklich. Bürgermeister Michael Kessler hat eine satte 17 Stimmen-Mehrheit und kann die kommenden fünf Jahre getrost durchregieren. Überraschungen wird es nicht geben, sondern höchstens 17:5 Niederlagen für die Grünen. Und die lokale Zeitung wird immer schön kesslerlike berichten.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die Grünen haben keinen Profit aus der „Pfenning-Pleite“ ziehen können – immerhin, sie mussten nur einen Ratssitz abgeben. Es hätte auch schlimmer kommen können. Nach der verlorenen Bürgermeisterwahl sind sie nun nur noch drittstärktste Fraktion – die SPD hat den Platz getauscht und ist mit einem Sitz an ihnen vorbeigezogen. Auch die CDU konnte einen Sitz gewinnen, während der farblose Martin Schulz seinen FDP-Nachrückerplatz nicht ansatzweise verteidigen konnte.

Die Grünen verlieren Rainer Edinger. Das ist bitter. Ob zwei der älteren Gemeinderäte die Wahlperiode über die nächsten fünf Jahre durchhalten, wird man abwarten müssen. Es könnte sein, dass Kurt Klemm und Klaus Schuhmann ersetzt werden. Dann würden Andrea Wilk und Karin Schöneberg folgen – bis dahin bleiben die Grünen ein Männerverein. Der auf Platz 2 gesetzte Andreas Schuster, Werbefachmann und dem Vernehmen nach „Wahlkampfmanager“, schafft es nach Zahlen nur auf Platz 4. Sympathieträger der Wähler/innen ist Ulrich Kettner, der sich von Listenplatz 5 auf den Wahlplatz 2 vorschiebt, obwohl er gegenüber 2009 über 500 und damit massiv Stimmen verliert. Absoluter Verlierer bei den Grünen ist Kurt Klemm, der gegenüber der Wahl 2009 rund 40 Prozent der Stimmen verliert. Ganz im Gegensatz zu Günther Heinisch, der auf Platz 1 gut 25 Prozent an Stimmen dazu gewinnt.

Frank Hasselbring (FDP) verliert 25 Prozent und damit massiv Stimmen und kommt nur auf Platz 2. An der Stimmzahl gemessen, dürfte er eigentlich kein Gemeinderat sein – es geht aber auch nach Parteiproporz und so rettet er sein Mandat mit Mühe und Not. Obwohl es Tradition ist, dass der Listengewinner den Fraktionssprecher macht, wird sicher Herr Hasselbring den Posten nicht der deutlich überlegen gewählten Ingrid Kemmet überlassen, die auch gar keine „Sprecherin“ sein kann, so wenig, wie sie redet. Beide – Kemmet und Hasselbring kommen auch nicht ansatzweise in die Nähe der Stimmzahlen der „schlechtesten“ Kandidaten der anderen Parteien.

„Stärkster“ Mann der FDP wäre eigentlich Clemens Siegfanz gewesen – ein kraftvoller Hüne, Ausdauersportler, SAP-Manager, Rotarier. Eigentlich ein Top-Kandidat, tatsächlich aber nur ein Listenfüller und weit abgeschlagen ohne nennenswertes Ergebnis auf Platz 11 gelandet.

Bei der CDU ist das ähnlich wie bei der FDP. Stimmkönigin Ursula Brechtel redet eigentlich so gut wie nie etwas, vereint aber die meisten Stimmen auf sich. Dauerredner Dr. Doll dürfte wieder den Fraktionssprecher machen und den Rat mit zunehmend wirren Vorträgen quälen. Gespannt darf man auf Nicole Kemmet sein – die hat als klare „Pfenning“-Frau konsequent daran gearbeitet, in den Rat zu kommen. Ob sie reden wird? Das Zeug dazu hat sie – ob das in der CDU erwünscht ist, wird sich zeigen.

Politisch ist von der SPD nicht viel zu erwarten, dafür aber ein breites Grinsen – Inhalte gibt es zwar wenig, aber immerhin haben sie den Grünen den zweiten Platz streitig gemacht und haben nun sechs Sitze – inklusive zwei Neulingen, Michael Haller und Daniel Gerstner. Der ehemalige „Hoffnungsträger“ Michael Bowien war ein schweigender Rohrkrepierer und ist gar nicht mehr erst angetreten. Ihn wird niemand vermissen.

Die Grünen müssen sich in der Redeabfolge nun auf den dritten Platz begnügen und sollten kleine Brötchen backen – sie haben kaum etwas reißen können in den fünf Jahren, als sie 2009 sich von drei auf sechs Sitze verdoppelt haben. Nur ein Platzverlust ist Grund genug, ein Vater-unser zu beten.

Heddesheim ist damit fest in Kesslerhand. Die Mehrheit steht fest, Überraschungen sind nicht zu erwarten, da auch die örtliche „Presse“ kesslerfest berichtet. Die Wahlbeteiligung lag übrigens knapp 5 Prozentpunkte unter der von 2009.

Anm. d. Red.. Das Heddesheimblog bleibt in der Pause, bis sich genug Soli-Abonnenten finden. Seit Anfang April gab es auch da keine Überraschungen. Bislang sind von nötigen 1.000 Euro für eine „journalistische Grundversorgung“ nur 237 Euro zugesagt worden. Wenn die Einwohner mit der politischen Konstellation und der „journalistischen Betreuung“ zufrieden sind, sollte man sie auch nicht weiter stören. (Dann muss man aber auch solchen Blödsinn in Kauf nehmen: „An den Kra?fteverha?ltnissen in- nerhalb des Gemeinderates a?ndert sich praktisch nichts. Wa?hrend die CDU einen Sitz hinzugewinnt, bu?ßt die FDP einen ein. Der zusa?tzliche Sitz der SPD geht zu Lasten der Gru?nen. Damit liegen beide Lager mit jeweils elf Sitzen gleichauf.“ – Aha 6 gegen 5 Sitze ist also „gleichauf“) Deswegen werden wir – obwohl das spannend wäre – auch keine weitergehende Wahlanalyse veröffentlichen. Sie als Leserin/Leser können das ändern, indem Sie freiwillig ohne Vertrag für unsere Dienstleistung zahlen und kritischen Journalismus unterstützen.

Quelle: Gemeinde Heddesheim – Gemeindeergebnis

CDU
01 01 Brechtel, Ursula 3.962 G
04 02 Dr. Doll, Josef 3.561 G
08 03 Hege, Rainer 3.448 G
16 04 Schaaff, Volker 3.026 G
07 05 Gerwien, Walter 2.572 G
13 06 Kielmayer, Dieter 2.359 G
11 07 Kemmet, Martin 1.914 G
12 08 Kemmet, Nicole 1.511 G
20 09 Siegel, Hans 1.476 G
05 Eichler, Pascal 1.302 E
02 Bréhéret, Yan Jürgen 1.247 E
10 Kaminski, Matthias 1.216 E
15 Nunen van, Petrus 1.159 E
21 Sollich, Edith 1.159 E
06 Geiger, Theobald 1.146 E
14 Krieger, Claudia 1.038 E
09 Heidrich, Christiane 963 E
22 Wilhelm, Peter 913 E
03 Demel, Klaus 890 E
17 Scherf, Sascha 803 E
18 Schmid, Florian 733 E
19 Schneider, Heinrich 492 E

B90/GRÜNE
01 01 Heinisch, Günther 2.755 G
05 02 Kettner, Ulrich 2.269 G
04 03 Klemm, Kurt 2.086 G
02 04 Schuster, Andreas 1.536 G
07 05 Schuhmann, Klaus 1.522 G
03 Wilk, Andrea 1.335 E
06 Schöneberg, Karin 1.162 E
13 Dr. Ernst, Jan-Peter 1.081 E
08 Edinger, Reiner 1.074 E
16 Miltenberger, Sabrina 691 E
09 Schäfer, Christoph 675 E
18 Gruhlke-Rucktäschel, Ulla 675 E
11 Moles Nygryn, Christian 656 E
15 Bréhéret, Frederic 651 E
12 Edinger, Gunnar 554 E
21 Gärtner, Daniela 518 E
14 Pörner, Iris 500 E
19 Musculus, Ilka 491 E
10 Leiser, Gerd 448 E
22 Kellner, Andreas 444 E
20 Hotz, Manfred 398 E
17 Kronauer, Günter 342 E

SPD
01 01 Merx, Jürgen 3.009 G
03 02 Lang, Reiner 2.423 G
02 03 Hoffmeister-Bugla, Karin 2.216 G
04 04 Harbarth, Jürgen 1.785 G
06 05 Holler, Michael 1.735 G
13 06 Gerstner, Daniel 1.293 G
14 Schnitzler, Timo 1.268 E
05 Falkner-Labitzke, Tanja 1.215 E
08 El Menschawi, Ahmad 1.173 E
07 Gimber, Harry 940 E
12 Merx, Jan-Philipp 938 E
11 Bauer, Christian 831 E
09 Schubach, Peter 805 E
19 Brenneisen, Dominic 793 E
20 Schuster, Michael 749 E
16 Werkhausen, Thomas 702 E
17 Galm, Norbert 693 E
21 Schall, Gerhard 639 E
10 Nase, Wolfgang 590 E
15 Wenzel, Frank 577 E
18 Rei, Michael 565 E
22 Schneider, Helge 539 E

F.D.P.
02 01 Kemmet, Ingrid 1.182 G
01 02 Hasselbring, Frank 913 G
03 Schulz, Markus 878 E
05 Dr. Günther, Peter 582 E
06 Pilarczyk, Roswitha 475 E
11 Zutavern, Franz 460 E
07 Metzger, Ursula 359 E
12 Joachim, Thomas 353 E
04 Lindenmeier, Michèle 328 E
15 Lindenmeier, Frank 307 E
17 Siegfanz, Clemens 283 E
09 Kohl, Norman 272 E
10 Bauer, Maria 269 E
16 Matz, Dieter 255 E
22 Wenz, Katharina 240 E
14 Defren, Walter 194 E
08 Rudolf, Siegfried 186 E
13 Rudolf, Axel 183 E
21 Messelhäußer, Margot 163 E
19 Schwabe, Otto 161 E
20 Gavoille, Patrick 154 E
18 Matz, Gudrun 135 E

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.