Dienstag, 12. Dezember 2017

Interessante Details zu den Europawahlen - teils deutliche Unterschiede

Europawahl: Unsere Gemeinden im Vergleich

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Heidelberg/Mannheim/Rhein-Neckar, 26. MĂ€rz 2014. (red/pro) Aktualisiert. Bei der Europawahl lassen sich klare Aussagen treffen: SPD und AfD sind die Gewinner. Die FDP hat teils dramatische Verluste erlitten. Schaut man sich die Ergebnisse in den Gemeinden des Landtagswahlkreises Weinheim und im Rhein-Neckar-Kreis genauer an, gibt es interessante Details – beispielsweise ist die Wahlbeteiligung dieser Gemeinden besser als im Kreis insgesamt und die SPD gewinnt sogar ĂŒber den kreisweiten Vergleich. Wir haben fĂŒr Sie die Zahlen mit teils ĂŒberraschenden ZusammenhĂ€ngen zusammengestellt.

Anm. d. Red.: Wir hatten zunĂ€chst fĂŒr kurze Zeit eine Fassung veröffentlicht, bei der die Zahlen fĂŒr Heidelberg nicht korrekt waren, wie wir selbst festgestellt haben. Daher mussten auch textliche Anpassungen vorgenommen werden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich gerne mit Zahlen befasst, kann sich viel Zeit fĂŒr das Ergebnis der Europawahl nehmen. Datenbasis sind die behördlichen Zahlen Stand heute, 19:00 Uhr.

 

Wahlergebnisse Gemeinden

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Gewinner SPD

Klarer Sieger der etablierten Parteien ist die SPD. In fast allen Gemeinden, zu denen wir berichten, gewinnt sie, oft ĂŒber dem Bundestrend von plus fĂŒnf Prozentpunkten – nur in Viernheim verlieren die Genossen. Dabei liegt die SPD fast ĂŒberall im Bundesdurchschnitt von fĂŒnf Prozentpunkten Zugewinn oder sogar deutlich darĂŒber – nur Mannheim bleibt deutlich dahinter zurĂŒck. Insbesondere in Hemsbach holt sie mit 8,66 Prozentpunkten mehr den insgesamt höchsten Stand von 30,95 Prozent. Auch in Hirschberg (6,09 Prozentpunkte)  und Schwetzingen (7,10 Prozentpunkte) legt sie am deutlichsten zu. Am schlechtesten schneidet sie in Heidelberg ab: 17,26 Prozent sind „ernĂŒchternd“. Insgesamt liegt sie um 28 Prozent, mehrfach kann sie sogar die 30 Prozent ĂŒberspringen. Die SPD scheint sich bei GrĂŒnen und CDU Stimmen geholt zu haben – in Mannheim aber nur von den GrĂŒnen.

Wahlsieger ist der Verlierer CDU

Die CDU verliert in Heidelberg 1,2 Prozentpunkte – sonst verlieren die Christdemokraten fast durch die Bank mehr. Am meisten in Laudenbach, wo sie 4,63 Prozentpunkte abgeben mĂŒssen, aber trotzdem mit 39,05 das beste Ergebnis holen. Im Wahlkreis Weinheim verlieren sie in Schriesheim mit minus 0,67 Prozentpunkte am glimpflichsten, sonst betrĂ€gt das Minus zwischen rund 2,5 Prozentpunkte, in Mannheim sogar 3 Prozentpunkte. In Heidelberg bleibt sie knapp stĂ€rkste Partei, wenngleich auf niedrigem Niveau – in Mannheim hingegen muss sie den Platz an die SPD abgeben. Die Law-and-Order-Kampagne hat der CDU in Mannheim nichts genutzt, die Partei verliert hier klar ĂŒberdurchschnittlich. Trotz massiver StĂŒtzung durch den Mannheimer Morgen muss die Partei den Verlust hinnehmen.

Gewinner AfD

Die AfD ist ĂŒberall durchgestartet und gewinnt aus dem Stand durchschnittlich rund 9 Prozent  – zwei Prozentpunkte mehr als bundesweit. Nur in Heidelberg schneidet sie schlechter ab: 6,80 Prozent. Am besten steht sie in Ilvesheim mit 10,64 Prozent da. So wie es aussieht, hat die AfD in Nordbaden eine feste Basis. Nach den Zahlen hat sie vor allem bei der FDP gewildert zu haben und in großen Teilen bei der CDU. In Mannheim fĂ€hrt die AfD mit 9,7 Prozent eines der besten Ergebnisse ein. Rechtsextreme Parteien wie die NPD bleiben schwach und WĂ€hlerwanderungen sind definitiv nicht ausschlaggebend fĂŒr das Ergebnis der AfD. Auch von Die Linke und GrĂŒnen kommen keine Stimmen, ebensowenig gelingt es, Neu- oder ProtestwĂ€hler umfangreich zu motivieren – die AfD holt sich in Nordbaden ihre WĂ€hler/innen direkt bei CDU und FDP, also aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft.

Klarer Verlierer FDP

Klarer Verlierer ist die FDP mit im Schnitt 8,5 bis fast 10 Prozentpunkten Verlust. In Schriesheim verliert sie dramatische 10,32 Prozentpunkte. Angesichts der deutlichen Zahlen scheint es klar zu sein, dass die FDP zusammen mit der CDU an die AfD verloren hat. Zwar braucht es keine fĂŒnf Prozent mehr – doch nur in vier Gemeinden kommt die Partei ĂŒberhaupt ĂŒber diese Grenze. Am besten steht sie noch in Hirschberg da: 6,15 Prozent.

Verlierer BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen

Die GrĂŒnen haben keinen Grund zur Freude. Im Landtagswahlkreis Weinheim holen sie nur in Laudenbach magere 1,2 Prozentpunkte mehr, sonst geht es zwischen zwei und drei Prozentpunkten Verlust bergab. Auch in Heidelberg verlieren die GrĂŒnen 4,7 Prozentpunkte. Obwohl man auch in Dossenheim ganze 3,43 Prozentpunkte verliert, bleibt Dossenheim mit 19,85 Prozent die stĂ€rkste Gemeinde. In Hemsbach mĂŒssen sie die grĂ¶ĂŸte Niederlage hinnehmen – minus 4,63 Prozentpunkte und damit nur noch einstellige 9,76 Prozent. Das ist noch schlechter als Viernheim, wo die GrĂŒnen leicht auf 9,9 Prozent zulegen. In Mannheim verlieren die GrĂŒnen zwei Prozentpunkte – trotz eines engagierten Wahlkampfs. Den GrĂŒnen gelingt es nicht, Europakompetenz zu vermitteln.

Stabile Linke auf niedrigem Niveau

Die Linke hĂ€lt sich zwischen drei und vier Prozent stabil. Beste Gemeinden sind Dossenheim mit 4,15 Prozent und Mannheim mit 5,90 Prozent. Bis auf Laudenbach (-0,50 Prozentpunkte) legt man ĂŒberall leicht zu. In Heidelberg gewinnt man 1,9 Prozent – Rekord bei unserer Betrachtung.

Wahlbeteiligung – Dossenheim mit stolzen 66,08 Prozent – Mannheim mit enttĂ€uschenden 44,1 Prozent

Nur Heddesheim und Hemsbach bleiben unter der Kreis-Wahlbeteiligung von 53,93 Prozent und den im Landtagswahlkreis deutlicheren 57,41 Prozent. Sonst liegen die Gemeinden im Wahlkreis Weinheim deutlich drĂŒber – fĂŒhrend ist Dossenheim mit stolzen 66,08 Prozent, gefolgt von Hirschberg (63,23 Prozent) und Ladenburg (61,38 Prozent). Unsere Orte sind offensichtlich politisch insgesamt doch sehr politisch interessiert und motiviert. Dramatisch sieht es in Mannheim aus: nur 44,1 Prozent. Das ist zwar eine Steigerung von rund drei Prozentpunkten gegenĂŒber 2009, doch kann Mannheim mit einem so schwachen Wert den Versuch, sich zur „EuropĂ€ischen Kulturhauptstadt“ zu machen, fluchs begraben. Bei so wenig Zustimmung der WĂ€hler/innen bei einer Europawahl ist das tatsĂ€chlich mehr als peinlich – insbesondere vor dem Hintergrund einer bundesweit gestiegenen Wahlbeteiligung und mit starken Wahlbteiligungen um Mannheim herum. Auch Viernheim scheint es mit Europa nicht so zu haben (37,8 Prozent).

Wahlkreis Weinheim im Vergleich zum Rhein-Neckar-Kreis

Auch hier ist die SPD klarer Sieger. Sowie die AfD, die im Schnitt auf 9,11 Prozent kommt (Kreis 8,75 Prozent). Die CDU liegt gut zwei Prozentpunkte hinter dem Kreis zurĂŒck und verliert auch fast doppelt so hoch. Die GrĂŒnen verlieren deutlich ĂŒber dem Kreisschnitt, bleiben aber prozentual fast 1,5 Prozentpunkte besser. Obwohl die FDP der grĂ¶ĂŸte Verlierer ist, hĂ€lt sich die Partei ein wenig besser als im Kreis. Die Linke ist leicht schlechter als im Vergleich zum Kreis. Die Wahlbeteiligung ist deutlich besser.

Stadt-Land-Vergleich

In den StĂ€dten haben die Menschen deutlich weniger an der Europawahl teilgenommen, insbesondere in Mannheim, Schwetzingen und Viernheim. Aber auch die große Kreisstadt Weinheim bildet das Schlusslicht unter den Kreisgemeinden und bleibt sowohl hinter dem Kreisschnitt als auch im Vergleich zu den anderen Gemeinden im Wahlkreis Weinheim mit 50,05 Prozent weit zurĂŒck. Und auch hier ist die AfD stark – das Bild ist zwar nicht einheitlich, aber tendenziell ist die AfD in den StĂ€dten scheinbar stĂ€rker bis auf den Ausreißer Heidelberg mit dem schwĂ€chsten Ergebnis. Hier profitieren alle von einer starken Wahlbeteiligung – insbesondere SPD und die Linke, die offenbar nicht nur bei den GrĂŒnen, sondern auch bei der FDP Stimmen holen konnten. Die AfD kann sich nur bei der FDP Stimmen holen. Heidelberg ist damit entweder ganz anders als andere StĂ€dte oder zeigt einen Trend vor, den man bundesweit beobachten kann: Die etablierten Parteien verlieren zunehmend.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.