Freitag, 18. August 2017

Gef├Ąhrdet ein Zuckerw├╝rfel die ├Âffentliche Ordnung?

„Der macht aus ein paar Bienchen einen Verwaltungselephanten“

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Heddesheim, 26. Juli 2013. (red) B├╝rgermeister Michael Kessler liefert mal wieder Anlass zum Fremdsch├Ąmen. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag f├╝hrte er lang aus, wieso das Objekt des Heddesheimer K├╝nstlers Kurt Fleckenstein ein ├Âffentliches ├ärgernis darstelle und eine unzumutbare Gefahr darstelle. „Unglaublich viele Bienen“ w├╝rden den W├╝rfel anfliegen und damit sei die Sicherheit von Spazierg├Ąngern massiv bedroht. Und ob man aus Lebensmitteln Kunst machen m├╝sse, sei auch eine Frage, meinte B├╝rgermeister Kessler, der offensichtlich kein besonderes Kunstwissen hat.

Von Hardy Prothmann

Gestern stand er noch da, der Zuckerw├╝rfel. Kantenl├Ąnge etwa 80 Zentimeter. 250 Kilogramm schwer. Ein dynamisches Kunstobjekt, das im Rahmen der Kunstausstellung am See aufgestellt worden war. Wei├č leuchtete er und fand viel Aufmerksamkeit – als „zergehende“ Kunst.

F├╝r B├╝rgermeister Michael Kessler, der es mit der Kunst und der Natur bekanntlich nicht so hat und der ein, sagen wir mal, gespanntes Verh├Ąltnis international erfolgreichen Heddesheimer K├╝nstler Kurt Fleckenstein hat, ein ├ärgernis. Das weggemacht werden muss. Ein Gefahr f├╝r die ├ľffentlichkeit.

Beseitigungsverf├╝gung

Er lies eine dreiseitige „Beseitigungsverf├╝gung“ schreiben, Geb├╝hr 50 Euro, beschwor die Gefahr, die Sicherungspflicht der Gemeinde, begr├╝ndete die Verf├╝gung mit der Verantwortung als Polizeibeh├Ârde. Zudem werde der Boden „verunreinigt“.

Kurt Fleckenstein ist die Sache zu dumm:

Ich habe mir ├╝berlegt, ob ich in einen Rechtsstreit gehe. Aber das ist mir zuviel Aufwand, ich zahle lieber die Kosten, als meine Nerven wegen dem da zu opfern. Ich kann nur mit dem Kopf sch├╝tteln. Der macht aus ein paar Bienchen einen Verwaltungselephanten. Die ├ľffentlichkeit wird sich ihre eigene Meinung ├╝ber diesen B├╝rgermeister machen.

Am Donnerstagabend labten sich ein paar hundert Bienen an dem W├╝rfel. Aus Sicht des B├╝rgermeisters eine hochgef├Ąhrliche Ansammlung gef├Ąhrlicher Tiere, die Spazierg├Ąnger, Sportler und Radfahrer darstelle. Deswegen habe man „gro├čfl├Ąchig“ abgesperrt. Und es bestehe Gefahr, dass noch weiteres Ungeziefer angelockt werde, Ratten beispielsweise.

Todesmutige Vor-Ort-Recherche

Naja, gro├čfl├Ąchig geht anders. Bis auf zwei Meter konnte man an den W├╝rfel herantreten. Als todesmutiger Reporter habe ich mich in den Gefahrenbereich begeben und tats├Ąchlich ohne einen einzigen Stich oder auch nur den Hauch einer Aggression seitens der Insekten erlebt. Die waren mit Zuckerschlecken viel zu besch├Ąftigt. Auch kamen Spazierg├Ąnger, Sportler und Radfahrer vorbei, warfen unterschiedlich lange Blicke auf den Kunstw├╝rfel und zogen weiter.

Mal schauen, wann der B├╝rgermeister den Bienenstock auf der beim Vogelpark gelegenen Streuobstwiese abr├Ąumen l├Ąsst. Der ist zwar gesch├Ątzt etwa 15 Meter vom parallel verlaufenden Weg um den Badesee entfernt und damit ganz so nah an „potentiellen Opfern“ wie der Zuckerw├╝rfel. Aber immerhin befinden sich dort tausende von Bienen, die als Fluginsekten die Sichtschutzhecke mal locker ├╝berfliegen k├Ânnen.

Bis das entschieden ist, sollte Herr Kessler vielleicht einen Warnhinweis am Weg anbringen: „Betreten auf eigene Gefahr – mit angreifendem Ungeziefer (Bienen) ist zu rechnen.“

zuckerwuerfel

B├╝rgermeister Michael Kessler bef├╝rchtete einen Angriff der Killerbienen.

 

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • TaLoBi

    Das ist doch mal wieder sooo typisch f├╝r diesen Unb├╝rgermeister – alles was mit Natur und Tieren zu tun hat, wird gnadenlos in den Boden gestampft. Liebe HeddesheimerInnen und Heddesheimer – bitte stellt Euch auf und kandidiert GEGEN diesen B├╝rgermeister – Sie k├Ânnen es nicht schlechter machen – nur besser!!!!