Dienstag, 25. September 2018

Datenschutz – Vertrauliche Gespräche

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Guten Tag!

Heddesheim, 26. November 2009. Fast jeder hat heute ein Handy, vom Grundschüler bis zum Rentner. Wer öffentlich damit telefoniert, sollte sich aber überlegen, welche persönlichen Daten er dadurch über sich preisgibt. Viele Unternehmen haben schon längst die Gefahren einer solchen „Datenübermittlung“ erkannt und Verhaltensregeln fürs Handy-Telefonieren aufgestellt. Unser Autor Peter Kröffges schildert an konkreten Beispielen, was Sie tun und was Sie vermeiden sollten.

Von Peter Kröffges

Wenn Sie aufmerksam und neugierig Plätze aufsuchen, an denen Menschen verweilen und warten müssen, können Sie interessante Beobachtungen machen und erfahren sehr viel über ihre Mitmenschen. Wenn Sie sich beispielsweise einen Ãœberblick verschaffen wollen, was Jugendliche oder Kinder heute tatsächlich beschäftigt, fahren Sie einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie erhalten einen Einblick in die „IN“ und „OUT“ Rangliste in Bezug auf das aktuelle Musikangebot oder die im Trend liegende Freizeitbeschäftigung. Eine Fahrzeit von 30 Minuten mit einer Gruppe von Schülern reicht, um sich auf den neuesten Stand zu bringen.

Sie werden jetzt vielleicht denken, „mir ist dies bewusst“ oder belächeln gar das Verhalten unserer Kinder und pubertierenden Jugendlichen, denn so etwas kann uns auf keinen Fall passieren. Ist das so?

Versetzen Sie sich in folgende Situation: Sie haben beim Hausarzt ihres Vertrauens eine Blutprobe abgegeben, können aus Termingründen nicht wieder in die Praxis und erwarten dringend den Rückruf, ob bestimmte Werte noch im „Sollbereich“ sind. Dieser Anruf kommt ausgerechnet an der Kasse im Einkaufsmarkt oder in der Straßenbahn. Jetzt sind Sie ein vorsichtiger Mensch und melden sich nur mit „Hallo“ oder „Ja“ – schließlich braucht nicht jeder Ihren Namen zu erfahren. Es ist garantiert jetzt der Fall, dass genau in diesem Moment die Mobilfunkverbindung nicht gut genug ist und Sie nachfragen müssen: „Wie hoch war noch mal der Cholesterinwert?“

Eine umsichtige Arzthelferin, auf die ordnungsgemäße Identifikation ihrer Person und guten Service bedacht, wird aber zuerst nachfragen: Um zu prüfen, dass auch der richtige Patient am Apparat ist, will sie ihr Geburtsdatum und vielleicht die Versichertennummer wissen – Sie entscheiden, ob Sie diese jetzt öffentlich nennen. Ich würde es nicht tun, sondern nach dem Verlassen der Bahn einen Ort aufsuchen, an dem niemand mithört und zurückrufen.

Für „Profilauscher“ sind dies nämlich willkommene Informationen, die, wenn die Zeit dafür gekommen ist, auch sinnvoll und meist „gewinnbringend“ genutzt werden. Das können auch Arbeitskollegen sein, die gar nicht vorsätzlich lauschen – sondern nur zuhören. Wer weiß, wann die dadurch erhaltenen Informationen mal wichtig sein könnten?

In der Wirtschaft haben dies Unternehmen schon seit einigen Jahren erkannt und spezielle Verhaltensregeln für die Mitarbeiter erlassen. Auch haben sich viele deutsche Unternehmen auf die technischen Möglichkeiten von Tätern eingestellt und entsprechende technische Vorsichts- und Schutzmaßnahmen getroffen.

Um sicher zu sein, dass Sie selbst Ihre Privatsphäre nicht unnötig „veröffentlichen“, analysieren Sie Ihr Verhalten. Denken Sie darüber nach, wann und wo Sie mit wem über was schon am Handy in der Öffentlichkeit geplaudert haben. Wenn Sie sich diese Fragen schon gestellt haben, sind Sie eher auf der sicheren Seite. Wenn nicht, gehe ich fast sicher davon aus, dass Sie mehr oder weniger häufig unüberlegt sensible Daten über sich preisgegeben haben.

Deshalb: Führen Sie Telefongespräche, egal ob vom Festnetz oder Handy, immer vertraulich. Bieten Sie, auch wenn es zusätzliche Kosten verursacht, bei sensiblen Themen lieber den eigenen Rückruf an. Nehmen Sie sich die „neue“ Freiheit, nicht immer und überall für jeden erreichbar sein zu müssen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.