Montag, 28. Mai 2018

RĂŒstige Rentner untersuchen die Geschichte Heddesheims

„Ohne Ehrenamtliche geht es nicht“

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Ohne Ehrenamtliche Helfer wĂŒrden die ArchĂ€ologen es nicht leisten können. Die Senioren packen ordentlich mit an.

Heddesheim, 25. Februar. (red/jsc) Die Ausgrabungen fĂŒr das entstehende Neubaugebiet „Mitten im Feld“ werden nun auf der anderen Seite der Kreisstraße weitergefĂŒhrt. Neben den zustĂ€ndigen ArchĂ€ologen helfen vor allem ehrenamtliche Helfer mit: Senioren. Ohne sie geht es nicht.

Von Julia Schmitt 

Ein eisiger Wind weht ĂŒber das Feld neben der Kreisstraße. In einigen hundert Metern Entfernung stehen die ersten HĂ€user Heddesheims. Wer könnte, wĂŒrde wohl am liebsten dort in der warmen Stube sitzen. Außer, man hat was anderes zu tun. Auf dem Feld neben einem großen Berg Erde stehen einige MĂ€nner zusammen. Sie sind alle freiwillig hier. Dick vermummt in lehmverkrustete Arbeitsklamotten gepackt, stehen sie zusammen und freuen sich auf ihre Aufgaben. Die ehrenamtlichen Helfer sind hier, um die geschichtlichen Spuren zu sichern, die sich in der Erde verbergen. Dass sie alle ĂŒber 70 sind, sieht man ihnen nicht an.

Da die Ausgrabungen fĂŒr das Baugebiet „Mitten im Feld“ erst mit den Bauarbeiten begonnen haben, stehen die ArchĂ€ologen unter Zeitdruck. Die Wissenschaftler Dr. Klaus Wirth (53) und Benedikt Stadler (47) von den Reiss-Engelhorn-Museen (REM) können bei der Rettungsgrabung jede helfende Hand gebrauchen und freuen sich ĂŒber die UnterstĂŒtzung der Ehrenamtlichen.

Uwe Gerlach, Gerhard Heimsch, Friedrich Ammon, Georg Trapp – das sind nur einige der rĂŒstigen Rentner, die mit anpacken. Und auch Frauen arbeiten hier regelmĂ€ĂŸig mit, erklĂ€rt ArchĂ€ologe Wirth.

ZÀhlt man das Alter unserer ehrenamtlichen Helfer zusammen, sind die Àlter als die Funde, die wir hier haben,

scherzt Benedikt Stadler.

„Wir arbeiten ĂŒberwiegend mit ehrenamtlichen Helfern“, erklĂ€rt ArchĂ€ologe Wirth. In Heddesheim ist er im Auftrag der archĂ€ologischen Denkmalpflege des RegierungsprĂ€sidiums Karlsruhe. „Dort liegt die Leitung, ich bin hier der Beauftragte fĂŒr die Ehrenamtlichen Mitarbeiter.“

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Dr. Klaus Wirth (links) zeigt den Helfern, auf was sie bei der Arbeit achten mĂŒssen.

Die ArchĂ€ologen sind fĂŒr die UnterstĂŒtzung dankbar. „Ich finde fĂŒr jeden eine Aufgabe“, sagt Herr Wirth. Vermessen, Fotografieren, Graben – es gibt fĂŒr jeden etwas zu tun. Die ArchĂ€ologen haben großen Respekt vor den Senioren, die mit anpacken. Schließlich ist das anstrengende Arbeit. „Der Boden ist mittlerweile hart wie Beton, das hier ist schwere körperliche Arbeit“, erklĂ€rt Herr Wirth die VerhĂ€ltnisse:

Es ist kein Zuckerschlecken.

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Gerhard Heimsch bei der Arbeit.

Den Rentern macht es Spaß bei der Ausgrabung mitzuarbeiten. Uwe Gerlach (75) hat jahrelang fĂŒr IBM gearbeitet. Nun steht der Mannheimer auf dem Heddesheimer Feld und hilft beim Vermessen. „Das hĂ€lt jung“, erklĂ€rt er. Sein ehrenamtlicher Kollege Gerhard Heimsch (72) findet die Arbeit spannend:

Es interessiert mich einfach, was in der Vergangenheit passiert ist.

Ein Mitarbeiter ist auf dem Weg zu einer zweiten Grabung, einer hilft beim Vermessen und andere graben fleißig die Gruben aus. Die Rentner sind eifrig hier draußen auf dem kalten Feld – die Arbeit hĂ€lt warm. Herr Wirth motiviert sie immer wieder:

Schon eine einzige Scherbe rechtfertigt den Einsatz.

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Interesse und Spaß an der Arbeit – deshalb unterstĂŒtzen die Ehrenamtlichen die ArchĂ€ologen.