Donnerstag, 29. Juni 2017

Landtagskandidat Hartmut Schönherr: Was mir sonst wichtig ist…


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 25. Februar 2011. Helmut Schönherrr ist Landtagskandidat der Piraten. In seinem Beitrag für das rheinneckarblog schreibt er über das, „Was mir sonst wichtig ist…“.

Von Hartmut Schönherr

Wissen ist Macht – wenn es allen gehört!

Neulich habe ich in der taz die Ausschreibung zum Medienkongress der Zeitung in Berlin am 8. und 9. März 2011 gefunden. Da ist auf einem Podium zum Thema „Lokaljournalismus“ auch Hardy Prothmann mit dabei, von dem ich gerade die Einladung erhalten habe, einen Text über „Was mir sonst wichtig ist“ zu schreiben.

Selbstverständlich ohne Honorar, denn es ist Wahlkampf, ich trete im Wahlkreis 39 für die Piratenpartei an und damit beginnt eine besondere Geschäftsbeziehung: Hardy Prothmann bekommt einen Beitrag für sein Blog, ich bekomme eine Plattform für Wahlkampfbotschaften. Und wenn es gutgeht, passiert noch mehr.

Auch ohne Wahlkampf sieht es mit Honoraren in Blogs bekanntlich nicht so gut aus. Oder, um es etwas spitz zu formulieren: „Mit dem Bloggen ist der Spitzweg-Poet im Journalismus angekommen“ (aus einem Beitrag von mir in der letzten Ausgabe von „Novo Argumente“ – „http://www.novo-argumente.com'“).

Der Spitzweg-Poet, das ist der arme Dichter ohne festes Dach über dem Kopf, der nur aus Leidenschaft schreibt, „umsonst und draußen“ sozusagen, ein Idealist.

Kandidat der Piraten: Hartmut Schönherr. Bild: privat

Wie es aussieht, steckt inzwischen ein Großteil der Arbeitswelt voll solcher „Idealisten“. Die neue Arbeitswelt aus Generation Praktikum, Ehrenamt, Selbstausbeutung, honorarfreier Selbstbestätigung, unterbezahltem Freelance und 1-Euro-Jobs wächst in schlechter Symbiose an der „alten“, wo es noch solide Festanstellungen und – mit abnehmender Tendenz – ausreichende Rentenzahlungen gibt.

Und keine Partei hat ein Konzept dafür, wie eine Arbeits- und Sozialpolitik im 21. Jahrhundert aussehen soll. Zwischen dem Bismarckschen Staatsdienerjob für alle und der Freiheit eines neuen Ellbogenkapitalismus zeigen sich nur zaghafte Ansätze einer langfristig tragfähigen Arbeits- und Sozialpolitik, die der industriellen Produktivität ebenso gerecht wird wie unterschiedlichen Lebensstilen und dem ganzheitlichen Ãœberleben des Ökosystems Erde.

Wie auch, will doch jede Partei zunächst einmal die eigene Klientel versorgt sehen und Wahlen gewinnen. Und so „sichern“ wir unser Rentensystem nach dem anrüchigen Systemspiel-Prinzip: Unten müssen einfach immer weiter Einzahler nachkommen.

Unsere Kultur und unsere Lebensstile haben sich als frisches Gehirn des weiterschreitenden „homo sapiens“ von unserer dinosaurierhaften Arbeitswelt längst weit entfernt – dieses urpolitische Problem sehe ich „unter“ den „großen Themen“.

„Unter“ im Sinne von tiefer liegend, grundlegend oder eben auch grunderschütternd. Stuttgart 21 etwa ruht auf diesem Grund als ein gigantisches Subventionsprogramm, das dafür sorgen soll, das Gegrummel im Untergrund zuzudecken, nochmal für ein paar Jahre, nochmal Aufschub zu leisten für das alte Politik- und Wirtschaftsmodell im „Musterländle“ dieses Modells.

Einzig die Piratenpartei, die noch keine Klientel versorgen muss und die von ihrer Mitgliederzusammensetzung her am ehesten dem Arbeits- und Lebensstil des 21. Jahrhunderts existentiell nahe ist, bemüht sich um neue Konzepte und wagt es zum Beispiel, den Abschied vom Berufsbeamtentum im Bildungsbereich in ihrem Wahlprogramm Baden-Württemberg zu fordern.

Aber nicht, um die Lehrenden ins Prekariat zu entlassen, sondern für ein lebendiges, flexibles Bildungssystem und gerechte Entlohnungen in diesem Bereich für alle Beteiligten (und nebenbei die Stärkung der gesetzlichen Krankenkassen und die Entbürokratisierung). Und für Leiharbeiter erwarten wir eine höhere Entlohnung zur Honorierung von Risiko und Flexibilität – wie sie für Leihmanager längst Usus ist.

Ich muss bekennen, ich weiß nicht, was Hardy Prothmann mit den politischen Themen, die „sonst gerne vergessen werden“ im Unterschied zu den „großen Themen“ meint.

Alle „kleinen“ die mir einfallen haben mit den „großen“ zu tun. Zum Beispiel erinnere ich mich an eine alte Dame in der Bahn von Dossenheim nach Heidelberg, die sich über einen ausgedünnten Fahrplan beschwerte: „Die Verkehrspolitik machen Leute, die sowieso nur im Dienstwagen unterwegs sind.“

Mobilität durch ÖPNV betrifft auch Jugendliche ohne Führerschein oder mit der Vernunft, bei der Partytour auf das Auto zu verzichten. Betrifft eine Gesellschaft, die aus Gründen der Krisenstabilität mehrere Verkehrssysteme funktionsfähig erhalten muss.

Als ich das erste Mal auf einer Reise in meinen Wahlkreis am Haltepunkt Hirschberg-Heddesheim ausstieg, fühlte ich mich auf seltsame Weise zuhause. Zuhause in meiner zweiten Heimat, Ländern des ehemaligen Ostblocks, in denen ich über Jahre gearbeitet habe für den Deutschen Akademischen Austauschdienst und verschiedene Hochschulen.

Wie fühlen sich Hirschberger, die dort aussteigen und dann vielleicht über den Feldweg an der Mülldeponie vorbei nach Hause gehen? Wie angesichts der Milliarden, die nun in Stuttgart („großes Thema“) verbuddelt werden?

Was ist das für ein Musterland, in welchem manche Bahnhaltepunkte an die exsowjetische Provinz erinnern und manche mit Villen besetzte Berghänge an die Baupolitik in Ländern, in denen Bebauungspläne von der Mafia gemacht werden?

Abmahnwahn im Internet, ACTA, Leistungsschutzrecht für Snippets, ungebremster Flächenverbrauch in den Kommunen, vergiftete Bussarde im Rheintal, hoch subventionierter Artenschwund in der Landwirtschaft – alles „kleine Themen“ die auf eines angewiesen sind: Publizität, differenzierte Informationen. Wahlkampf ist damit nicht zu machen. Das ist Sache zäher politischer Arbeit. Anträge ausarbeiten, Ausschussarbeit, juristische Abgleichungen. Hier muss noch transparenter und bürgernäher informiert werden. Welche Partei hat welche Anträge gestellt, von wem wurden sie im Vorfeld verwässert, welche juristischen Probleme gab es, welche Lobbyarbeit? Kein auf die Schnelle interessantes Feld für die Berichterstattung. Abgeordnetenwatch und Lobbywatch sind erste Schritte dazu, hier zu informieren, es ist noch viel zu tun – auch von Seiten der Parlamente.

Als der Buchdruck mit beweglichen Lettern florierte, kam die Reformation. Und mit zahlreichen Zensurattacken versuchten Teile der Amtskirche, den neuen Geist in der Flasche zu halten bzw. die Bücher im Kloster und die Gläubigen bei der alleinseligmachenden Kirche. Als das Internet florierte ….

Und damit bin ich wieder bei diesem Blog. Hardy Prothmann und andere sind die Flugschriftendrucker des Internetzeitalters. Aber die Reformatoren sitzen auch woanders. In den neuen Bürgerbewegungen, in manchem Firmenmanagement und in den politischen Parteien. Aber nur in einer Partei haben sie die Mehrheit.

Was mir sonst wichtig ist?

Lebensstilgerechtigkeit als Ergänzung zur Generationengerechtigkeit. Eine arten- und strukturenreiche Kulturlandschaft, die nicht nur der Gemeindekasse, sondern auch der Seele gut tut.

Freie und bürgernahe Informationen im Umwelt- und Verbraucherschutz und in anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen wie Bauplanung und Subventionen.

Bildung, die Erfahrungen zulässt und Wege eröffnet, nicht trichtert. Kinder wollen lernen, hindern wir sie nicht daran! Denn Wissen ist Macht – wenn es allen gehört.

http://ltw.piraten-bw.de/Person/Hartmut-Schönherr

Anmerkung der Redaktion:
Dieser Text ist in der Reihe „Was mir sonst wichtig ist…“ erschienen. Wir haben die Landtagskandidaten von CDU, Bündnis90/Die Grünen, SPD, FDP, Die Linke und die Piratenpartei ums Mitmachen gebeten. Die vier etablierten Parteien haben wir selbstverständlich eingeladen, die Parteien Die Linke und Piratenpartei wegen ihrer zumindest wahrnehmbaren „Popularität“.
Das ist eine subjektive Auswahl.
Die Kandidaten haben die Möglichkeit sich und ihre Politik abseits der „großen“ Wahlkampfthemen zu präsentieren – kostenfrei und ohne redaktionelle Bearbeitung, also ebenfalls ganz subjektiv.

Der Text war für den 25. Februar 2011 zur Veröffentlichung vorgesehen – aufgrund eines falschen Datumseintrags ist er aber erst am 26. Februar 2011 erschienen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Wir haben den Beitrag rückdatiert, weil er in der Reihe der Freitagsbeiträge der Kandidaten erscheint.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Guten Tag Herr Schönherr,

    Ihren Einstieg habe ich nicht ganz verstanden – wie mir auch sonst Ihre Logiken im Text eher fremd sind.

    Wir stehen in keiner Geschäftsbeziehung – auch nicht am Anfang davon. Und dass Sie sich beschweren, „kein Honorar“ für Ihren Text zu erhalten, ist, mit Verlaub, ebenfalls befremdlich.

    Sie haben, wie auch die anderen Kandidaten, die Möglichkeit erhalten, abseits der „großen Wahlkampfthemen“, einen Beitrag über sich und Ihre politischen Vorstellungen zu schreiben.

    Selbstverständlich ohne Honorar. Wenn schon, könnten wir Geld verlangen, weil wir Ihnen die Möglichkeit einer Aufmerksamkeit bieten und Ihr Text kein journalistischer, sondern ein politisch-werblicher ist.

    Selbstverständlich haben wir das nicht verlangt, sondern den Kandidaten mit unserer Vorgabe eine Aufgabe gestellt, die einen besonderen „Service“ für die Leserinnen und Leser darstellen kann.

    Und selbstverständlich erscheinen die Texte unter dem Namen der Verfasser und einem Hinweis an die Leser, um den Text einordnen zu können.

    Anscheinend verstehen Sie sich als „Journalismus-Experte“ und behaupten, selbst Journalist zu sein.

    Das ist nicht weiter verwerflich – Journalist ist eine ungeschützte Berufsbezeichnung, folglich kann sich jeder so nennen.

    Ob man das auch ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Woher Sie die Arroganz nehmen, bloggende Journalisten als obdachlose „Spitzweg-Poeten“ zu bezeichnen, wissen nur Sie allein.

    Trotzdem haben Sie mit einer Beobachtung recht: Es gibt hier viel Idealismus und das haben Sie vergessen: Leidenschaft.

    Nicht nur bei den vor mir verantworteten Blogs, sondern überall im Land bei sehr vielen ambitionierten Projekten.

    Darunter gibt es Bürgerjournalisten, die ohne Honorar schreiben, weil sie andere Berufe haben, aber mit herkömmlichen Medien nicht zufrieden sind und selbst Öffentlichkeit herstellen wollen.

    Grundlage dafür ist Artikel 5 unseres Grundgesetzes.

    Dieser Artikel garantiert auch die Nebenerwerbstätigkeit oder hauptberufliche Arbeit als Journalist.

    Wenn Sie sich einen Überblick verschaffen wollen, schauen Sie auf http://istlokal.de. Dort entsteht gerade ein Netzwerk von Bürgerjournalisten und Journalisten, die einen neuen Markt definieren, von dem einige als Unternehmer leben möchten.

    Keiner davon möchte eine „Spitzweg-Poet“ sein.

    Ihrem Hinweis auf einen Ihrer Texte zu „Journalismus“ sind wir nachgegangen. Leider ist der Beitrag nicht abrufbar.

    Dafür aber ein Text von Matthias Heltmann, Online-Chefredakteur von „novo-argumente.com“. Der Text ist so schwach und außerhalb jeder Kenntnis der Marktbedingungen, dass ich so einen Schrott niemals veröffentlichen würde – außer, es gäbe „Journalismus“-Wahlen und eine Aufforderung an Kandidaten, sich zu „outen“. So gesehen ist jeder für sich selbst verantwortlich.

    Sie schreiben: „Ich muss bekennen, ich weiß nicht, was Hardy Prothmann mit den politischen Themen, die “sonst gerne vergessen werden” im Unterschied zu den “großen Themen” meint.“

    Ein solches Bekenntnis ist anerkennenswert – denken Sie einfach noch ein wenig drüber nach.

    Der „ganzheitliche“ Ansatz Ihres Textes, „irgendwie ist alles in allem“, hat mich persönlich auch nicht im Ansatz überzeugt.

    Das ist meine Meinung, die ich äußere, weil Sie mich mehrfach direkt angesprochen haben.

    Jede Leserin und jeder Leser kann eine andere Meinung haben.

    Auch darüber, ob Sie Ahnung vom Journalismus haben: „Hardy Prothmann und andere sind die Flugschriftendrucker des Internetzeitalters. Aber die Reformatoren sitzen auch woanders. In den neuen Bürgerbewegungen, in manchem Firmenmanagement und in den politischen Parteien. Aber nur in einer Partei haben sie die Mehrheit.“

    Ich „drucke“ gar nichts und „Reformen“ sind nicht Aufgabe von Journalismus, sondern Berichterstattung. Und zwar kritisch, über alte und neue Bürgerbewegungen, Firmenmanagements und politische Parteien.

    Und die einzige Mehrheit, die mich als verantwortlichem Journalisten interessiert, ist die Mehrheit der freien Meinung.

    Deswegen habe ich auch diesen langen Kommentar geschrieben, denn ich habe den Eindruck, dass die „Piraten“ noch sehr weit von „Politik“ entfernt sind – zumindest mit Ihnen als Kandidaten.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  • Ralf Volkmer

    Sehr geehrter Herr Piraten-Kandidat Hartmut Schönherr,

    Schade! Irgendwie hatte ich gedacht oder besser gehofft, dass die Piraten-Partei eine Alternative sein könnte, eine Alternative zu den etablierten Parteien. Eine Partei, die ironisch, lustig und auch sachlich aufzeigt, wo es in der Gesellschaft Veränderungsbedarf gibt. Wo die etablierten „klüngeln“ oder einfach nur ihre Macht nutzen, um „eigene“ Interessen durchzusetzen. Nun, nachdem ich ihren Beitrag auf das heddesheimblog gelesen habe, bin ich irritiert und sicher sogar ziemlich ernüchtert.

    Ihr Beitrag trägt die Überschrift „Wissen ist Macht – wenn es allen gehört“. Leider kann ich keinen Zusammenhang zwischen ihren Ausführungen und der Überschrift erkennen. Vielleicht wissen Sie nicht, dass Wissen alleine keine Macht bedeutet und möglicherweise wissen Sie auch nicht, dass es den einen oder anderen gibt, der gar nichts wissen will. Vielleicht verwechseln Sie aber einfach nur Wissen mit Information. Wenn dies so ist, dann empfinde ich dies alleine in Bezug auf Ihre Überschrift als tragisch, denn um Wissen zu erzeugen bedarf es den „Rohstoff“ Information. Und damit aus Information Wissen wird, muss der Mensch auswählen, vergleichen, bewerten, Konsequenzen ziehen, verknüpfen, aushandeln und sich mit anderen austauschen. Dies alles muss man wollen und/oder überhaupt können.

    Sie schreiben „Hardy Prothmann bekommt einen Beitrag für seinen Blog, ich bekomme eine Plattform für Wahlkampfbotschaften. Und wenn es gut geht, passiert noch mehr.“ Was meinen Sie mit „gut geht“? Dass Sie durch die Plattform von Herrn Prothmann mehr oder gar so viele Stimmen bekommen, um in den Landtag einziehen zu können? Und was meinen Sie mit „… passiert noch mehr“? Was soll dann noch mehr passieren (können)?

    „Auch ohne Wahlkampf sieht es mit Honoraren in Blogs bekanntlich nicht so gut aus“ Tut mir leid Herr Schönherr, ich verstehe Sie nicht. Ich weiß nicht was Sie meinen!
    Wissen Sie, dass es mit Honoraren nicht gut aussieht und was meinen Sie mit „gut“ im eigentlichen Sinne? Meinen Sie viel oder wenig? Und wenn ja, was ist ihrer Ansicht nach viel oder wenig? Ich gebe ihnen durchaus Recht, dass es in der Arbeits- und Sozialpolitik im 21. Jahrhundert sicherlich einiges gäbe, was man ändern könnte. Wo aber sind ihre Ansätze? Wo würden Sie ansetzen? Die bloße Aussage von „…zeigen sich nur zaghafte Ansätze einer langfristig tragfähigen Arbeits- und Sozialpolitik, die der industriellen Produktivität ebenso gerecht wird wie unterschiedlichen Lebensstilen und dem ganzheitlichen Überleben des Ökosystems Erde.“ überzeugt mich nicht! Hat die Piraten-Partei diese zaghaften Ansätze mitgestaltet? Sicher nicht, da sie selbst diesen Absatz mit „Und keine Partei hat ein Konzept dafür…“ einleiten.

    „Einzig die Piratenpartei, die noch keine Klientel versorgen muss…“ Ach so! Entschuldigen Sie, das wusste ich nicht! Ich dachte nicht, dass 2,0% Wähler in Deutschland oder 7,1% Wähler in Europa – soviel hat die Piratenpartei nach eigenen Angaben bei den Wahlen im Jahr 2009 erreicht – keine Klientel ist. Oder sind diejenigen, die das Berufsbeamtentum im Bildungsbereich abschaffen wollen, keine Klientel, die Sie „gewinnen“ wollen?
    Woher wissen Sie, dass diese Wähler am ehesten „dem Arbeits- und Lebensstil des 21. Jahrhunderts existentiell nahe ist…“, also diesem entsprechen. Haben Sie das analysiert?

    Kleine und große Themen
    Aus meiner Sicht ist ein kleines Thema z.B. ob ein Wochenmarkt in einer bestimmten Gemeinde an einem Freitag in der Zeit von 08:00 Uhr bis 14:00 Uhr geöffnet hat, denn dies betrifft nur „wenige“ Menschen in unserer globalisierten Welt. Ein großes Thema ist sicherlich Stuttgart 21 für das „Musterländle“ und vielleicht auch für die Nation. Den Chinesen in der Provinz Qinghai aber wird es soviel interessieren, als ob der sprichwörtliche „Sack Reis umfällt“. Sie sehen, Themen sind je nach Blickwinkel des Betrachters groß oder klein. Ihre Ausführungen zu großen und kleinen Themen überzeugen mich nicht, auch nicht, wenn Sie Ihr Wahlkreis an Ihre zweite Heimat erinnert, denn ich habe nach vielen Jahren im Ausland gelernt, dass Themen je nach Kultur und deren Wertmaßstäben groß oder klein sind. Das aber wäre dann wieder ein völlig anderes Thema!

    Buchdruck und sonstige Sprünge
    Herr Schönherr, bitte entschuldigen Sie, auch hier kann ich Ihnen nicht folgen. Wie bitte kommen Sie jetzt auf den Buchdruck und dem folgenden? Welcher Zusammenhang besteht zu dem zuvor von Ihnen Geschriebenen? Ich gehe davon aus, dass Sie sich nicht lediglich Phrasen anführen wollten und bin gespannt, was denn den Worten „Als das Internet florierte…“ folgen sollte.

    Was Ihnen sonst noch wichtig ist!
    Toll! Können Sie mir das näher erläutern? Können Sie mir sagen, wie Sie vorhaben, das eine oder andere umzusetzen? Wie Sie es politisch angehen würden, wenn Sie gewählt werden würden? In Ihrem Beitrag auf das heddesheimblog habe ich dazu nichts gefunden und übrigens auch nichts dazu auf ihrer Internetseite, das es mich wirklich interessieren würde. Als ’Otto-Normalbürger’ vermag ich wohl manchmal nicht so genau verstehen, was es mit diversen Statements, welche voll gepackt sind mit bedeutungsschwerer Wichtigkeit und staatstragender Logik, so auf sich hat.

    Ich freue mich auf ihre Antwort, denn dann habe ich vielleicht ein wenig mehr an Informationen, aus denen es mir gelingt, Wissen zu erzeugen. Und habe dann ja auch ein wenig mehr Macht, um dazu beizutragen, dass Wissen Macht ist, wenn es allen gehört.

    Mit den Besten Grüßen
    Ralf Volkmer

    • Ralf Volkmer

      Sehr geehrter Herr Schönherr,

      Mein Sohn hat mir die Frage gestellt, ob Sie Ihren Beitrag hier auf das heddesheimblog ernst meinen. Da ich Yannik – so ist der Vorname meines Sohnes – diese Frage nur mit Achselzucken beantworten konnte, möchte ich diese Frage an Sie weiterleiten. Vielleicht können Sie meinem Sohn hier – über mich – antworten.

      Übrigens hat Yannik auch gesagt: „Wenn ich einen solchen Aufsatz in der Schule abgeben würde, bekäme ich eine 5 (mangelhaft), eine 6 (ungenügend) wäre nicht möglich, da ich ja etwas abgegeben habe, egal ob es Müll ist oder nicht!“ Ein kleiner Hinweis an Sie sei mir an dieser Stelle noch in eigener Sache gestattet. Yannik geht auf eine Privatschule und die meisten Lehrerinnen und Lehrer sind dort nicht verbeamtet!

      Mit den besten Grüßen
      Ralf Volkmer

      • Hartmut Schönherr

        Sehr geehrter Herr Volkmer,

        Hardy Prothmann hat mich um eine „subjektive“ Äußerung zu den „Kleinigkeiten“ gebeten, die mir sonst wichtig sind. Nicht um eine Darstellung des Wahlprogramms der Piratenpartei – und auch nicht um einen Schulaufsatz.

        Ich bedaure inzwischen sehr, diese Aufforderung wörtlich genommen zu haben.

        Eine Ergänzung zu „Als das Internet florierte …“ füge ich hier gerne noch an: Als das Internet florierte, wurde vieles, was vorher als Wissen, Hintergrundinformationen etc. zurückgehalten wurde (hier die Analogie zum „esoterischen“ Wissen der Amtskirchen, die sich gerne z.B. hinter Latein versteckten gegenüber der volkssprachlichen Reformation) plötzlich allgemein zugänglich. Auch für Leute, die nicht schon immer wussten, wie man Archive nutzt oder Anträge auf die Herausgabe von Informationen stellt. Und da entstand auch die Gegenreaktion (keine koordinierte, ich vertrete hier keine Verschwörungstheorie), die das Internet beispielsweise über Netzsperren und das Leistungsschutzrecht für Presseverleger oder auf europäischer Ebene ACTA erheblich in seiner Funktion als „Ermächtiger“ durch Information (ja, Sie haben ganz Recht, Information ist noch nicht Wissen, aber eine wichtige Voraussetzung) einschränken.

        Was das zu Ihrer Ermächtigung, eine fundierte Wahlentscheidung zu treffen, notwendige Wissen anbelangt, darf ich Sie auf das unter zugängliche Wahlprogramm der Piratenpartei verweisen.

        Wenn Sie konkrete Einzelfragen haben, werde ich Ihnen dazu gerne auf der Seite von Abgeordnetenwatch antworten.

        Ich bitte um Nachsicht für die sicherlich nicht auf Anhieb nachvollziehbaren Ausführungen zu Buchdruck, Bloggen und Reformation. Es war sicherlich mein Fehler, das „subjektiv“ in der Einladung von Hardy Prothmann zu wörtlich zu nehmen. Aber die von mir angesprochenen sind nun einmal Themen, die mich derzeit, neben der Politik (zur Erinnerung: ich bin ehrenamtlich Stadtrat und ehrenamtlich Kandidat) auch umtreiben. Was den Buchdruck betrifft, bringt hoffentlich meine Antwort auf die ähnliche Frage von Herrn Prothmann etwas Licht ins Dunkel.

        Mit freundlichen Grüßen
        Hartmut Schönherr

  • mannheimer

    Sehr merkwürdiger Beitrag von Herrn Schönherr! Ich werde jedenfalls nicht schlau aus diesen Floskeln. Allein die Idee, für diesen Beitrag Honorar zu verlangen, scheint mir abwegig. Da haben manche Leser Postings ja mehr Substanz.

    Naja der kurze Boom der Piratenpartei scheint ja ohnehin längst vorbei.

  • Hartmut Schönherr

    Hallo Herr Prothmann,

    Sie haben um einen „subjektiven“ Text gebeten und nicht um eine Darstellung des Wahlprogramms der Piratenpartei. Diesen „subjektiven“ Text habe ich geschrieben und dabei auch von meinem subjektiven Recht auf Ironie Gebrauch gemacht und Dinge angesprochen, mit denen ich mich derzeit unter anderem beschäftige. Natürlich habe ich kein Honorar von Ihnen erwartet, es irritiert mich sehr, dass Sie davon ernsthaft ausgehen.

    Nur kurz zur Klärung der Bezeichnung „Flugschriftendrucker des Internetzeitalters“. Legendäre Flugschriftendrucker wie etwa der Basler Pamphilus Gengenbach haben sich durch etwas ausgezeichnet, was Blogger heute auch auszeichnet: Sie haben nicht nur Texte produziert, sondern waren zugleich als Drucker in der Lage, diese Texte auch zu vervielfältigen und haben sie oft auch selbst verteilt. Und sie sympathisierten in der Regel mit der Reformation. Daher der Vergleich. Denn Sie sind eben, dank Internet, nicht nur Schreiber, sondern in gewissem Sinne zugleich auch Drucker. Sie verfügen über Produktionsmittel des journalistischen Gewerbes, das gerade macht Sie auch gefährlich für den Printbereich.

    Ich wollte Sie mit dem Bild des „Spitzweg-Poeten“ keineswegs beleidigen und bedaure, wenn dies so angekommen ist. Es ist genau die Situation, die ich kritisieren möchte, dass Blogger und Online-Journalisten wie Sie als nette Idealisten angesehen werden, um deren Integration in das gesellschaftliche Entlohnungssystem sich kaum jemand ernstlich Gedanken macht. Dass sie eben so angesehen werden, wie das im Biedermeier von Spitzweg gemalt wurde – zu einer Zeit, nebenbei, als die Berufsbilder von Journalismus und Schriftsteller sich ausbildeten.

    Mit freundlichen Grüße
    Hartmut Schönherr

    • heddesheimblog

      Guten Tag Herr Schönherr,

      jeder geschriebene Text ist „subjektiv“ und die Aufgabenstellung war klar und eindeutig:

      „Die Überschrift lautet: Was mir sonst wichtig ist.

      Das heißt, wir wünschen uns abseits von Stuttgart21, Bürgerbeteiligung, Energiepolitik, Integration und Bildung, also den großen Themen einen Beitrag über politische Inhalte, die unterhalb der Top-Themen stehen und sonst gerne vergessen werden.

      Wir bitten alle Kandidaten von CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP und die Linke um einen solchen Beitrag.

      Abgabetermin ist der 03. Feburar 2011. Wir veröffentlichen die Beiträge in der Reihenfolge des Eingangs.

      Senden Sie bitte den Text an: redaktion@rheinneckarblog.de

      Eine Textlängenbeschränkung gibt es nicht. Sie können gerne auch Bilder beifügen. Hierzu beachten Sie bitte, dass die Veröffentlichungsrechte bei Ihnen liegen und auf eine Beschreibung, was auf den Fotos zu sehen ist.

      Auch die Form des Textes, ob Essay, politisches Statement, Thesenpapier usw. ist Ihnen freigestellt.“

      Es ging nicht darum, eine Reflexion über den Buchdruck, Flugblätter und Blogs zu schreiben und was Sie meinen, wie unsere Arbeit „angesehen“ wird.

      Beste Grüße
      Hardy Prothmann