Sonntag, 20. August 2017

Gabis Kolumne

Ist Kundenorientierung ein deutsches Fremdwort?

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Guten Tag!

Heddesheim, 25. Oktober 2010. Einkaufen gehen macht oft √ľberhaupt keinen Spa√ü mehr. Unfreundliche und desinteressierte Verk√§ufer sind ein √É‚Äěrgernis, findet Gabi. Aber es geht auch anders.

Ich war vor ein paar Wochen in einem Medienfachhandel – und die Betonung liegt hier auf Fachhandel – und wollte eine neue CD kaufen. Nach erfolglosem Suchen wandte ich mich dort an einen Mitarbeiter: Entschuldigen Sie, wo finde ich √Ę‚ā¨¬¶?“. Ohne, dass mich der Mann √ľberhaupt anschaute, meinte er, „n√§chster Gang ganz vorne“. „Danke“ murmelte ich und dachte mir, etwas freundlicher w√§re auch okay gewesen. Die CD habe ich nicht gefunden, gekauft habe ich gar nichts, aber mich umso mehr ge√§rgert.
Mit einer Freundin war ich vergangenen Monat in einer Parf√ľmerie. Sie wollte ein bestimmtes – und nicht g√ľnstiges – Make-up kaufen. Unwillig suchte die Verk√§uferin – nachdem sie es sich nicht nehmen lie√ü, uns mit abf√§lligen Blicken zu mustern – in einer Schublade, „welche Farbe?“, wollte sie wissen. „Ich wei√ü die Nummer nicht, aber vielleicht kann ich es ja auch mal sehen“, merkte meine Freundin an. Umst√§ndlich und genervt √∂ffnete die Parf√ľmerie-Fachangestellte die Verpackung. „Na, hier wird man ja gut beraten“, rutschte mir raus.

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Eine deutsche Einkaufsstraße - ob alle Kunden wohl gut bedient werden?

Szenenwechsel: Ein Bekleidungsgesch√§ft. Ich hatte eine h√ľbsche Jacke entdeckt, die leider etwas zu gro√ü war. Auf den St√§ndern suchte ich vergeblich nach der richtigen Gr√∂√üe. Hilfesuchend blickte ich mich um. Am Ende des Ganges standen zwei Verk√§uferinnen scheinbar in eine angeregte Unterhaltung vertieft. „Entschuldigung“, unterbrach ich die beiden, „vielleicht k√∂nnen Sie mir ja helfen, gibt es die Jacke noch eine Gr√∂√üe kleiner?“. „Da muss ich ins Lager“, antwortete eine der Verk√§uferinnen, machte aber keine Anstalten, dies auch wirklich zu tun. „Danke, hat sich erledigt“, sagte ich, hing die Jacke zur√ľck auf die Stange und verlie√ü das Gesch√§ft.

In den USA wird man als Kunden richtig gut behandelt

„Ich war im Sommer in den USA“, erz√§hlt mir eine gute Freundin, „da wirst du richtig gut behandelt in den Gesch√§ften, im Supermarkt bekommst du sogar die T√ľten eingepackt, da ist es richtig gehend ein Schock, wenn man wieder in Deutschland ist“.

Woran liegt das, frage ich mich, ich kann mir kaum vorstellen, dass die Jobs im Supermarkt in den USA so viel besser bezahlt sind. Sind die Amerikaner freundlicher? Oder einfach kundenorientierter?

Vor einer Woche war ich in einer Buchhandlung. Ich durchst√∂berte die Regale, bl√§tterte in dem einen oder anderen Buch und hatte eigentlich nicht vor etwas zu kaufen. „Das m√ľssen Sie unbedingt lesen“, h√∂rte ich eine Mitarbeiterin des Buchladens zu mir sagen, die beobachtet hatte, dass ich den Inhalt eines Buches studierte und es gerade wieder in das Regal zur√ľckstellen wollte. „Das ist eines der sch√∂nsten B√ľcher, das ich kenne, ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen“. Die Frau l√§chelte mich herzlich an und ging weiter.

Ich kaufte das Buch und fand es wunderschön, ob es das schönste war, das ich je gelesen hatte, könnte ich jetzt nicht behaupten, aber die Art, wie es mir empfohlen wurde, hatte mit äußerst gut gefallen.

Ein wenig Aufmerksamkeit von beiden Seiten, macht den Alltag angenehmer

Deswegen ging ich vor zwei Tagen nochmals in den Buchladen und suchte nach der Verk√§uferin. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte mich ein Mitarbeiter. „Nein, ich m√∂chte zu Ihrer Kollegin“, sagte ich, nachdem ich „meine“ Verk√§uferin entdeckt hatte. Diese erschrak sichtlich.

„Ich m√∂chte Ihnen danken f√ľr die Buchempfehlung, es hat mir sehr viel Spa√ü gemacht, die Geschichte zu lesen“, sagte ich, l√§chelte und ging weiter. Konnte aber gerade noch sehen, wie sehr sie sich dar√ľber freute.

Mein Besuch der Buchhandlung hat mich keineswegs gänzlich mit der Dienstleistungsbereitschaft im deutschen Einzelhandel ausgesöhnt, aber es hat mir gezeigt, dass es so auch gehen kann. Und ein wenig Aufmerksamkeit von beiden Seiten macht den Alltag um ein Vielfaches angenehmer.

gabi

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • JA! ist es! Hier ein unglaublicher Bericht. Hier wird spekuliert, dass bei manchen Online-H√§ndlern sogar System hintersteckt.

    http://www.krass-verpeilt.de/krasse-probleme-bei-warenrucksendung-bei-comtech-%E2%80%93-nie-wieder/767

  • Ewelina

    Mir ging es heute auch so. Meine Tochter ist 12 Jahre alt. wie jeder Teeneger hat sie ein Handy. Nat√ľrlich mit einer Prepaid-Karte, weil sie sonst zu viel telefoniert. In unseren Zeiten ist es mir lieber, dass sie immer erreichbar ist, und falfs etwas passiert, sie mich anrufen kann.

    Bis vor kurzem musste ich immer Guthaben aufladen. Seit 2 Monaten gibt es aber eine Flatrate. Ich bezahle 20 Euro und sie kann unbegrentzt einen Monat lang so viel wie sie möchte telefonieren.

    Einfacher gesagt als getan, bis jetzt hat sie es gemacht, und gestern abend hat sie mich darum gebeten.

    Heute vormittag bin ich zum Saturn in Ludwigshafen gegangen, vor dem O2 Stand war keiner da. Nachdem ich mich umgeschaut habe, kam eine j√ľngere Frau: „Kann ich ihnen helfen?“ „Ich brauche eine Flatrate“, „Brauchen sie neue Nummer?“ „Nein, meine Tochter hat eine Prepaid-Karte, ich brauche eine Flatrate f√ľr 20 Euro.“ „Sie haben eine Karte, dann wollen Sie neues Guthaben?“ „Nein, ich will kein Guthaben, sondern eine Flatrate.“ Da war ich schon genervt. „Dann sind sie hier falsch, sie m√ľssen an der Kasse aufladen, haben sie schon mal die Flatrate gehabt?“ „Ja“. Ich bin zur Kasse und meinte: „Ich m√∂chte ein Flatrate f√ľr 20 Euro und 15 Euro Guthaben“. Die Kassiererin hat nicht gefragt, welche Flatrate (SMS oder Telefon?). Sie hat zwei Bons ausgedruckt und ich brav bezahlt….

    Zuhause: „Mama das war nur Guthaben! Jetzt habe ich 35 Euro Guthaben und keine Flatrate!“ Ich war jetzt sehr sauer, die meinen doch, sie k√∂nnen mich …. ohhh

    Wir sind wieder in den Saturn, ich habe die Frau gesucht und gefragt, was das soll. Ich habe mich genau ausgedr√ľckt, was ich wollte. Worauf sie wieder was von neuer Neuer geredet hat und mich zum Wahnsinn getrieben hat. Dann hat sie mich an den O2-Stand geschickt zum netten j√ľngen Mann, der meinte es kommt sp√§ter eine SMS und dann wird das Guthaben auf Flatrate umgebucht.

    Meine Tochter meinte, dass es eben nicht so ist, dass es nie anzeigt, dass sie erst Guthaben h√§tte, sondern sofort als Flatrate drauf gebucht wird. Er sagte, er ist nicht f√ľr o2 zust√§ndig, sondern der andere Mann!!!! Dann fragte ich, was er am O2-Stand macht? Und ich bin richtig geladen aus dem Laden raus.

    Die Rettung war der O2-Shop. Wir sind da sehr h√∂fflich bedient worden, der Mann nahm das Handy meiner Tochter, hat paar zahlen reingetippt und meinte die im Saturn k√∂nnen keine Monatsflatrate verkaufen: Kurz darauf kam die SMS „bis 12.12.2010 flatrate“.