Freitag, 22. Juni 2018

Glauben Sie alles, was in der Zeitung steht?

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Guten Tag!

Heddesheim, 25. MĂ€rz 2010. Im Mannheimer Morgen (MM) ist heute ein Text zu lesen, der wieder einmal falsche Informationen verbreitet. Der freie Mitarbeiter Dietmar Thurecht transportiert entweder aus Unkenntnis oder vorsĂ€tzlich falsche Behauptungen – beides ist schlecht.

Wenigstens eine Minimalrecherche sollte man als Abonnent des MM von der Zeitung erwarten können. TatsÀchlich fehlt es daran immer wieder.

So schreibt der freie Mitarbeiter Dietmar Thurecht heute ĂŒber eine FDP-Veranstaltung: „Den hohen Stimmanteil (sic!) bei den Kommunalwahlen fĂŒhrt Hasselbring auf zukunftsorientierte, konsequente und kontinuierliche Politik zurĂŒck, zu der auch ein „Ja“ zur Pfenning-Ansiedlung gehöre.“

Na, das liest sich doch toll: „Hoher Stimmenanteil“, „zukunftsorientiert“, „konsequent“, „kontinuierlich“.

WĂ€re Herr Thurecht ein echter Journalist und nicht nur ein Aufschreiber, hĂ€tte er die Eigenwerbung des örtlichen FDP-Chefs Frank Hasselbring ĂŒberprĂŒft.

Wie man einen Misserfolg zum Erfolg macht?
Man lĂ€sst den MM was schreiben…

Dabei hÀtte Herr Thurecht festgestellt, dass die FDP bei der Kommunalwahl 2004 drei Gemeinderatssitze gewinnen konnte. Thomas Christophel gewann damals die FDP-Liste mit 1.611 Stimmen, gefolgt von Roswitha Pilarczyk mit 1.593 Stimmen und Herrn Hasselbring mit 1.544 Stimmen.

Bei der Kommunalwahl 2009 gewann der parteilose Kandidat Hardy Prothmann die FDP-Liste mit 1.493 Stimmen, gefolgt von Frank Hasselbring und Ingrid Kemmet, die beide 1.242 Stimmen erhielten.

Damit hat Herr Hasselbring „erfolgreich“ 302 Stimmen verloren. Das ist ein Minus von 19,56 Prozent.

Zwar wurden zunĂ€chst wieder drei PlĂ€tze an die FDP-Liste vergeben. Die drei „erfolgreichen“ Kandidaten erreichten 2009 insgesamt 3.986 Stimmen – gegenĂŒber 4.748 Stimmen bei der Kommunalwahl 2004. Das ist ein „erfolgreiches“ Minus von 762 Stimmen oder rund minus 16 Prozent.

Nur bei der Zahl aller Stimmen erreicht die Heddesheimer FDP-Liste ein kleines Plus von etwa drei Prozent. Ist das ein „hoher Stimmenanteil“?

Der „hohe Stimmenanteil“ steht also nur im Text von Herrn Thurecht, der nicht recht tut, sondern seine Arbeit schlecht macht.

Denn tatsĂ€chlich ist die Situation fĂŒr die FDP noch dramatischer: Obwohl drei Kandidaten der FDP-Liste in den Gemeinderat einziehen konnten, besteht die FDP-Fraktion nur aus zwei GemeinderĂ€ten, da Hardy Prothmann nicht bereit war, mit Herrn Hasselbring in einer Koalition zusammen zu arbeiten. Unterm Strich hat die FDP damit ein ganzes Drittel eingebĂŒĂŸt – mehr als die CDU und die SPD.

Erfolgreiche FDP! Minus 20, minus 16, minus 33 Prozent.

Der Grund: Auf konkrete politische Inhalte angesprochen, konnte oder wollte Herr Hasselbring sich „konsequent“ nicht Ă€ußern. „Zukunftsorientiert“ ging es ihm zunĂ€chst darum, sich zum Fraktionsvorsitzenden mit Kemmets Hilfe zu wĂ€hlen, sowie sich wechselseitig mit Frau Kemmet in die AusschĂŒsse zu wĂ€hlen.

Die Fraktion der GrĂŒnen hingegen hatte Erfolg, die verdoppelten mit einem „Nein“ zu „Pfenning“ glatt ihre Sitze von drei auf sechs. Das ist ein Plus von 100 Prozent.

Herr Thurecht schreibt auch: „Die Ökologie liege ihm am Herzen (…)“ ĂŒber Herrn Hasselbring. An dieser Stelle hĂ€tte Herr Thurecht fragen können, wie „Ökologie“ und das Fahrzeug des Herrn Hasselbring, ein Mercedes-Benz CLS 350 zusammenpassen? Diese Dreckschleuder pustet 241 g/km CO2-Emmission raus, bei einem Durchschnittsverbrauch von ĂŒber zwölf Litern.

Zum Vergleich: Ein neuer Golf kommt gerade mal auf rund 150 g/km, bei 6,5 Liter Verbrauch. Deutschland und Frankreich streben ab 2012 einen durchschnittlichen Ausstoß von 120 g/km bei den jeweiligen nationalen Autoherstellern an – weil gerade das CO2 als Klimakiller gilt.

Herr Hasselbring kann das Auto fahren, das er will. Und er kann auch davon reden, dass „ihm die Umwelt am Herzen liegt“, wĂ€hrend er ordentlich Gas gibt.

Journalisten können auch schreiben, was sie wollen – allerdings darf man als LeserIn erwarten, dass es kein dummes Zeug ist.

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.