Samstag, 19. August 2017

„Fass! Mich! An!“ – Frauen haben Spaß mit den „American Dream Men“

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Guten Tag!

Heddesheim, 25. Januar 2010. Am Samstagabend ging es heiß her im Bürgerhaus: Die American Dream Men lockten über 200 Besucherinnen an. Die wollten nackte Haut und harte Muskeln sehen.

Kommentar: Sabine Prothmann

Männerstriptease? Das braucht eine emanzipierte Frau nun wirklich nicht.

Entfesselte Weiber, die wild kreischend halbnackten Männern auf der Bühne ihre Slips und BHs zuwerfen? Sich auch noch betatschen lassen?

Soweit das Vorurteil. Ein wenig neugierig war ich schon: Was passiert da wirklich? Ziehen die Männer sich wirklich ganz aus? Hat das eine erotische Wirkung?

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Pralle Muskeln - pralle Freude: Frauen haben Spaß mit den American Dream Men. Foto: hblog

Ich rechnete also erstmal mit dem Schlimmsten. Aber ich rechnete nicht mit dem, was ich dann tatsächlich erlebt habe.

Gut 200 Frauen jeglichen Alters, die zusammen feierten, die ihren Spaß hatten, schon bevor die „Traummänner“ auf die Bühne kamen.

Die Stimmung reichte schon während des Vorprogramms der Grumbe von gelöst bis aufgekratzt. Die Frauen sangen und tanzten mit und amüsierten sich prächtig – und brachten sich für den Auftritt der Muskelmänner in Fahrt.

Der Auftritt der tanzenden Stripper war spektakulär – die Reaktionen auch.

Denn das waren schon Adonis-Körper, die sich hier zur Schau stellten. Mal ganz ehrlich – wer hat sowas schon zuhause?

Zumindest auf den ersten Blick. Bei kritischer Betrachtung – und wir Frauen, sind ja bekanntlich kritisch – ist der eine in der Taille vielleicht dann doch zu breit, beim anderen sind die Beine etwas zu kurz und ein dritter hat ein wenig Speck um des Leibes Mitte. Aber wer ist schon perfekt?

Es waren eindeutig nicht die inneren „edlen“ Werte, die hier die Stimmung aufheizten.

Und wer ist schon ganz normal? Vor allem in der närrischen Zeit?

Die Frauen werfen an diesem Abend ihre Hemmungen ab, so wie die Tänzer ihre Kleidungsstücke.

Es geht nicht darum, sich korrekt zu verhalten, darauf zu achten, „was man macht und was nicht“. Wie man sich benimmt und wie nicht.

Es sind eindeutig nicht die inneren „edlen“ Werte, die hier die Stimmung aufheizen. Bei jedem Show-Akt wird das Körperliche und die fantasievolle Lust gefeiert.

Zum Sex kommt es selbstverständlich nicht – aber der soll ja auch in Gedanken am besten sein.

Da werden Frauen mit Handschellen an den Stuhl gefesselt, mit dem Lasso eingefangen oder bekommen einen Knackarsch hingestreckt, mit der Einladung: „Fass mich an!“

Ist das sexistisch? Ja. Nur ist in diesem Fall das Objekt der Begierde der Mann. Und die Frauen machen begeistert mit.

Die männlichen Rollenbilder werden aufs Beste bedient. Ob Bauarbeiter mit eisernen Muskeln, Cowboy mit Lasso, Polizist mit Handschellen oder der Barbar mit Schwert, die Botschaft war klar: Hier werden verschiedene erotische Fantasien geweckt und befriedigt.

Vergessen Sie Kuschelsex, hier wird gefesselt. Das weibliche Publikum ist begeistert.

Die Zuschauerinnen, die auf die Bühne geholt werden, sehen den „amerikanischen Traum“ ganz nackt. Den übrigen Frauen bleibt die Vorstellung – das reicht für das kribbelige Gefühl.

Zwischen den einzelnen Show-Acts heizt Moderator Mike Hamilton die Stimmung auf. Er singt und tanzt über Bühne und durch den Zuschauerraum und auch schon mal mit Prinzessin Bianca auf dem Tisch – das ist gekonnt, das ist sexy, was er zeigt.

Die Spiele zwischen den Auftritten erinnern an das Animations-Programm des Cluburlaubs, nur zotiger, eindeutig unter der „Gürtellinie“: Kondome werden über Gurken gezogen, mit einem Blasebalg werden phallusgeformte Luftballons aufgeblasen. „Ihr wollt doch spielen“, sagt der Moderator und erhält durch lautes Kreischen die Legitimation vom Publikum.

Nach dem letzten Auftritt darf man noch bleiben. Ralf Siegel spielt weiter. Die Erotik liegt noch in der Luft, doch die meisten Frauen verlassen den Saal.

Sie gehen mit ihren Fantasien nach Hause…

Ist meine Frage nach dem Abend beantwortet? Brauche ich als emanzipierte Frau einen solchen Abend? Nicht wirklich. Aber Spaß brauchen wir alle. Und den hatten wir Frauen ganz sicher.

Unseren Bericht zur Veranstaltung finden Sie hier.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Helmuth Schäfer

    Hallo, guten Tag, Herr Prothmann,

    ich habe (zufällig) von Ihnen in der Berliner Journalisten-Zeitschrift (Heft 4/09) erfahren, aus Ihrem Bericht.Ihren Namen kannte ich aus dem „Medium-Magazin“. Ich war selbst lange Jahre freier Journalist in der Pfalz, ich kann (fast) jedes Wort Ihres Berichtes im Berliner Journalisten-Magazin unterschreiben.(=Die Zeitungen rúhen sich auf Ihren Lorbeeren und auf ihrem Monopol aus …)Ihr Heddesheim-Blog ist eine tolle Sache. Ich freue mich über Ihren Erfolg und wünsche Ihnen weiterhin VIEL ERFOLG. Helmuth P. Schäfer