Dienstag, 23. Januar 2018

Der kreiselnde Gutachter

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Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 25. Februar 2010. Heute wird in der √∂ffentlichen Gemeinderatssitzung √ľber den „Bebauungsplan N√∂rdlich der Benzstra√üe“ (Pfenning) entschieden. Dem Entwurf ist ein weiteres Verkehrsgutachten beigelegt, dass die Leistungsf√§higkeit des Hirschberger Kreisels als „noch ausreichend“ bezeichnet.

Von Hardy Prothmann

„Noch ausreichend“ w√§re als Schulnote eine 4-. Damit ist ein Sch√ľler versetzungsgef√§hrdet, kommt aber noch durch.

Die Leistungsf√§higkeit des Hirschberger Kreisels (Knoten L 541/A5/Gewerbepark), die Verkehrsgutachter Burkhard Leutwein als „noch ausreichend“ bezeichnet, erreicht in den morgendlichen Spitzenstunden die „Verkehrsqualit√§tsstufe D“ – √ľber die Herr Leutwein in der IFOK-Gespr√§chsrunde zur geplanten „Pfenning„-Ansiedlung sagte, dass diese eine wirklich schlechte sei. Herr Leutwein sagte dies, um die aus seiner Sicht durchaus gute „Stufe B“ des Heddesheimer Kreisels an der Edeka hervorzuheben.

Im Gutachten steht weiter: „Dabei ist festzustellen, dass die Qualit√§tsstufe D als die Qualit√§tsstufe, die w√§hrend der ma√ügeblichen Spitzenstunde des Tages erreicht wird, als noch durchaus hinreichend angesehen werden muss und eine Verkehrssituation beschreibt, die zwar eine gegenseitige Beeinflussung von Fahrzeugen mit merkbaren Wartezeiten beinhaltet, jedoch ohne Gefahr eines Zusammenbruchs der Verkehrsabwicklung generell bef√ľrchten zu m√ľssen.“

Die Definition der Stufe D lautet:
„Stufe D: Im Kraftfahrzeugverkehr ist st√§ndiger R√ľckstau vorhanden. Die Wartezeiten f√ľr alle Verkehrsteilnehmer sind betr√§chtlich. Der Verkehrszustand ist noch stabil.“

Das Gutachten musste angefertigt werden, weil die Gemeinde Hirschberg als „Tr√§ger √∂ffentlicher Belange“ ihre Bedenken angemeldet hat. Die Hirschberger Verwaltung bezweifelt, dass der Kreisel auf ihrer Gemarkung den „Pfenning“-Verkehr verkraften kann. Das neue Gutachten ist in Hirschberg noch nicht vorgelegt worden.

„Generell“ bef√ľrchtet Leutwein keinen „Zusammenbruch der Verkehrsabwicklung“ – best√§tigt aber mit seiner Einsch√§tzung „betr√§chtliche Wartezeiten“. „Generell“ also und partiell? Gerade zu den Spitzenzeiten?

Die „mittleren Wartezeiten“ liegen am Abend nach dem Gutachten bei 12 Sekunden, am Morgen aber bei 20 Sekunden – also fast doppelt so lange. Dabei handelt es sich um einen „Mittelwert“. Die tats√§chlichen Werte d√ľrften, wenn es „eng“ wird, betr√§chtlich dar√ľber liegen.

Das kritisiert auch G√ľnther Heinisch, Gemeinderat B√ľndnis90/Die Gr√ľnen: „Das Gutachten versucht den Eindruck zu erwecken, dass alles noch in Ordnung ist – das ist es aber nicht. Der Gutachter selbst empfiehlt den Bau eines Bypasses, was zeigt, dass er von seiner eigenen Aussage, der Verkehr w√ľrde nicht zusammenbrechen.“

Heinisch hat sich intensiv mit den Kreisverkehren befasst und kommt zum Ergebnis: „Was das erste, h√§ufig nachgebesserte und nun dieses neue Verkehrsgutachten √ľberhaupt nicht untersucht haben, ist das Zusammenspiel der beiden Kreisverkehre. Die liegen so eng beieinander, dass die schlechte Qualit√§tsstufe beim Hirschberger Kreisel automatisch auch den Heddesheimer Kreisel abwerten wird und der Verkehrskollaps programmiert ist.“

Heinisch erkennt im Gutachten „eine Tendenz zur wohlwollenden Begutachtung von Koehler, Leutwein und Partner“. Tats√§chlich werden die Aussagen des Gutachtens mit vielen Konjunktiven versehen und erscheinen sehr „schwammig“.

W√§hrend der IFOK-Veranstaltung in der Nordbadenhalle kam auch Gutachter Leutwein zu Wort. Wie „kreiselnd“ seine Darstellung war, sehen Sie in unserem Video. Leutwein redet √ľber den Heddesheimer Kreisel:

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√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • M.Feuerstein

    In ihrem Videobeitrag sowie auch in der Gemeinderatsitzung konnte ich sp√ľren dass sich der Gutachter m√∂glicherweise nicht wohl in seiner Haut f√ľhlte. Er hatte richtigerweise betont das sein Gutachten nur den Pr√ľfumfang beinhaltet der ihm von der Gemeinde zur Pr√ľfung erteilt wurde. Inwieweit es aber sinn macht einen Kreisverkehr nur an der theoretischen h√∂chst-m√∂glichen Menge an durchzuschleusenden Fahrzeugen zu bemessen ,aber au√üer acht l√§sst das der Abfluss der Fahrzeuge zb.in Richtung der Benzstra√üe vermutlich nicht in der Lage ist diesen Verkehr aufzunehmen finde ich mehr als bedenklich.

    M.Feuerstein

  • Tj

    Kreisel hin oder her, schon jetzt m√ľsste jedem klar sein, dass die Verkehrslage immer kritischer wird. Der Verkehr innerorts und auf der Ringstrasse nimmt immer mehr zu. Jeden Morgen wenn der Schulbus h√§lt Stau und Stress, teilweise auch wildes Gehupe von LKW’s, weil der Schulbus h√§lt und die Kinder einsteigen… Warum sind die Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder vor Ort (50 kmh) eigentlich nur auf einer Seite der Ringstrasse???? Auf der Seite, wo morgens kein Bus h√§lt… Es sich aber leichter blitzen l√§sst?

  • Heddesheimer

    Und jetzt noch das ganze ohne Gleisanschluss und kein Hirschberger fährt gerne nach Heddesheim, was auch mit Gleisanschluss fraglich wird.
    Ob sich auf Dauer ein Penny oder Lidl oder andere Gesch√§ftbranchen wie Sportst√§tten usw. nur noch f√ľr Heddesheim Lohnen wird, stelle ich mal zur Diskussion?