Sonntag, 20. August 2017

Der kreiselnde Gutachter

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Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 25. Februar 2010. Heute wird in der öffentlichen Gemeinderatssitzung ĂŒber den „Bebauungsplan Nördlich der Benzstraße“ (Pfenning) entschieden. Dem Entwurf ist ein weiteres Verkehrsgutachten beigelegt, dass die LeistungsfĂ€higkeit des Hirschberger Kreisels als „noch ausreichend“ bezeichnet.

Von Hardy Prothmann

„Noch ausreichend“ wĂ€re als Schulnote eine 4-. Damit ist ein SchĂŒler versetzungsgefĂ€hrdet, kommt aber noch durch.

Die LeistungsfĂ€higkeit des Hirschberger Kreisels (Knoten L 541/A5/Gewerbepark), die Verkehrsgutachter Burkhard Leutwein als „noch ausreichend“ bezeichnet, erreicht in den morgendlichen Spitzenstunden die „VerkehrsqualitĂ€tsstufe D“ – ĂŒber die Herr Leutwein in der IFOK-GesprĂ€chsrunde zur geplanten „Pfenning„-Ansiedlung sagte, dass diese eine wirklich schlechte sei. Herr Leutwein sagte dies, um die aus seiner Sicht durchaus gute „Stufe B“ des Heddesheimer Kreisels an der Edeka hervorzuheben.

Im Gutachten steht weiter: „Dabei ist festzustellen, dass die QualitĂ€tsstufe D als die QualitĂ€tsstufe, die wĂ€hrend der maßgeblichen Spitzenstunde des Tages erreicht wird, als noch durchaus hinreichend angesehen werden muss und eine Verkehrssituation beschreibt, die zwar eine gegenseitige Beeinflussung von Fahrzeugen mit merkbaren Wartezeiten beinhaltet, jedoch ohne Gefahr eines Zusammenbruchs der Verkehrsabwicklung generell befĂŒrchten zu mĂŒssen.“

Die Definition der Stufe D lautet:
„Stufe D: Im Kraftfahrzeugverkehr ist stĂ€ndiger RĂŒckstau vorhanden. Die Wartezeiten fĂŒr alle Verkehrsteilnehmer sind betrĂ€chtlich. Der Verkehrszustand ist noch stabil.“

Das Gutachten musste angefertigt werden, weil die Gemeinde Hirschberg als „TrĂ€ger öffentlicher Belange“ ihre Bedenken angemeldet hat. Die Hirschberger Verwaltung bezweifelt, dass der Kreisel auf ihrer Gemarkung den „Pfenning“-Verkehr verkraften kann. Das neue Gutachten ist in Hirschberg noch nicht vorgelegt worden.

„Generell“ befĂŒrchtet Leutwein keinen „Zusammenbruch der Verkehrsabwicklung“ – bestĂ€tigt aber mit seiner EinschĂ€tzung „betrĂ€chtliche Wartezeiten“. „Generell“ also und partiell? Gerade zu den Spitzenzeiten?

Die „mittleren Wartezeiten“ liegen am Abend nach dem Gutachten bei 12 Sekunden, am Morgen aber bei 20 Sekunden – also fast doppelt so lange. Dabei handelt es sich um einen „Mittelwert“. Die tatsĂ€chlichen Werte dĂŒrften, wenn es „eng“ wird, betrĂ€chtlich darĂŒber liegen.

Das kritisiert auch GĂŒnther Heinisch, Gemeinderat BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen: „Das Gutachten versucht den Eindruck zu erwecken, dass alles noch in Ordnung ist – das ist es aber nicht. Der Gutachter selbst empfiehlt den Bau eines Bypasses, was zeigt, dass er von seiner eigenen Aussage, der Verkehr wĂŒrde nicht zusammenbrechen.“

Heinisch hat sich intensiv mit den Kreisverkehren befasst und kommt zum Ergebnis: „Was das erste, hĂ€ufig nachgebesserte und nun dieses neue Verkehrsgutachten ĂŒberhaupt nicht untersucht haben, ist das Zusammenspiel der beiden Kreisverkehre. Die liegen so eng beieinander, dass die schlechte QualitĂ€tsstufe beim Hirschberger Kreisel automatisch auch den Heddesheimer Kreisel abwerten wird und der Verkehrskollaps programmiert ist.“

Heinisch erkennt im Gutachten „eine Tendenz zur wohlwollenden Begutachtung von Koehler, Leutwein und Partner“. TatsĂ€chlich werden die Aussagen des Gutachtens mit vielen Konjunktiven versehen und erscheinen sehr „schwammig“.

WĂ€hrend der IFOK-Veranstaltung in der Nordbadenhalle kam auch Gutachter Leutwein zu Wort. Wie „kreiselnd“ seine Darstellung war, sehen Sie in unserem Video. Leutwein redet ĂŒber den Heddesheimer Kreisel:

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • M.Feuerstein

    In ihrem Videobeitrag sowie auch in der Gemeinderatsitzung konnte ich spĂŒren dass sich der Gutachter möglicherweise nicht wohl in seiner Haut fĂŒhlte. Er hatte richtigerweise betont das sein Gutachten nur den PrĂŒfumfang beinhaltet der ihm von der Gemeinde zur PrĂŒfung erteilt wurde. Inwieweit es aber sinn macht einen Kreisverkehr nur an der theoretischen höchst-möglichen Menge an durchzuschleusenden Fahrzeugen zu bemessen ,aber außer acht lĂ€sst das der Abfluss der Fahrzeuge zb.in Richtung der Benzstraße vermutlich nicht in der Lage ist diesen Verkehr aufzunehmen finde ich mehr als bedenklich.

    M.Feuerstein

  • Tj

    Kreisel hin oder her, schon jetzt mĂŒsste jedem klar sein, dass die Verkehrslage immer kritischer wird. Der Verkehr innerorts und auf der Ringstrasse nimmt immer mehr zu. Jeden Morgen wenn der Schulbus hĂ€lt Stau und Stress, teilweise auch wildes Gehupe von LKW’s, weil der Schulbus hĂ€lt und die Kinder einsteigen… Warum sind die Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder vor Ort (50 kmh) eigentlich nur auf einer Seite der Ringstrasse???? Auf der Seite, wo morgens kein Bus hĂ€lt… Es sich aber leichter blitzen lĂ€sst?

  • Heddesheimer

    Und jetzt noch das ganze ohne Gleisanschluss und kein Hirschberger fÀhrt gerne nach Heddesheim, was auch mit Gleisanschluss fraglich wird.
    Ob sich auf Dauer ein Penny oder Lidl oder andere GeschĂ€ftbranchen wie SportstĂ€tten usw. nur noch fĂŒr Heddesheim Lohnen wird, stelle ich mal zur Diskussion?