Donnerstag, 09. April 2020

+++Verschlusssache+++ IV

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Satire

An die Vorstandskollegen
Parteizentralplatz
Pfenningheim

Endspurt mit Schwung
nur f├╝r den internen Gebrauch
+++Verschlusssache+++

Liebe Parteifreunde,

wir waren mal wieder herausragend. So wie all die Jahre zuvor. Was w├Ąre Pfenningheim ohne unseren beharrlichen Einsatz? Wir k├Ânnen stolz auf unsere Leistung sein.

Deswegen hat die KP es ja auch hierzulande nie zu etwas gebracht. Was die nie kapiert haben, ist, dass Gemeinwohl mehr ist als das Wohl f├╝r alle. Gemeinwohl ist das Wohl f├╝r alle, die es gestalten und das sind wir. Aber ich will nicht theoretisch werden.

Ganz praktisch: Den Herrn F. haben wir jetzt ├Âffentlich diskreditert. Wurde auch Zeit, dem T├Ąuscher das Handwerk zu legen.
Der Herr P.├é┬áhat sich selbst der├é┬áL├Ącherlichkeit ausgesetzt. Der hat sich doch erdreistet, Fragen zu stellen. Das ist seit 1657 nicht mehr vorgekommen. Unsere treuen W├Ąhler haben reagiert, wie sie es gewohnt sind. Wer f├╝r uns lacht, f├╝r den wird es gut. Daf├╝r stehen wir.

Aber Achtung: Die sozialen Bindungen sind mittlerweise so desolat, dass wir weiter daran arbeiten m├╝ssen. Drau├čen ist alles asozial, drinnen, also bei uns, gibt es das Gef├╝hl der lachenden Gemeinschaft. Und mal ehrlich? Wer hat Recht? Der, der lacht oder der der anstrengende Fragen stellt?

Glauben Sie mir, die Menschen wollen einfach keine Fragen stellen und schon gar keine Antworten h├Âren. Sie wollen wissen, wo es langgeht und daf├╝r sind wir da, daf├╝r bin ich da.

Was die andern nicht wissen, ist, dass der ├╝berwiegende Teil unserer Mitglieder nichts zu lachen hat, woran wir auch nichts ├Ąndern werden. Sie lachen deswegen ├╝ber alles, wenn ich es ihnen erlaube und sind dankbar.

Lachen ist Lebensfreude und Lebensfreude, haben die meisten keine mehr, au├čer mit uns. Bis zum bitteren Ende.

Herr K. hat sich mit dem Abend sehr zufrieden gezeigt und stand noch lange bei uns.

Was die Deppen bei den anderen nicht kapieren: Nicht in der Jugend liegt die Zukunft, sondern bei den Alten. Die werden bald die Mehrheit ausmachen und die m├╝ssen wir erreichen.

Noch nie war die Gelegenheit so g├╝nstig: Je ├Ąlter, desto vertrauensseliger sind unsere Anh├Ąnger.

Das m├╝ssen wir nutzen.

Deshalb: Vergessen Sie nie, die Angst zu sch├╝ren.

Die Angst w├Ąchst mit dem Alter und mit dem Alter die Angst.

Deswegen muss es richtig sein, sie zu sch├╝ren.

Mit allen Mitteln.

Das ist unser Kapital.

Und das ist die Wahrheit.

Wer das nicht versteht, hat wie Frau L. keinen Platz mehr unter uns.

Ihr

Dr. D.

stellvertretend f├╝r den Vorstand, Kopie an die Sozen und die „Freiheitlichen“

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.