Sonntag, 20. August 2017

Der Künstler Kurt Fleckenstein zeigt zivilen Ungehorsam

„Ich protestiere gegen diese dekadente Bürokratie“

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Zum zivilen Ungehorsam entschlossen: Der Heddesheimber Künstler Kurt Fleckenstein hat eines seiner Kunstwerke, das Heddesheimer Tor, mit einem Leichentuch verhüllt, um gegen „unsinnige und dekadente Bürokratie“ zu protestieren.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 24. November 2012. (red) Der Heddesheimer Künstler Kurt Fleckenstein hat am Morgen sein Kunstwerk „Heddesheimer Tor“ mit einem Sargtuch verhüllt. Seine Protestaktion richtet sich gegen die in seinen Augen „völlig unsinnige“ Umsetzung einer EU-Verordnung, nach der Kreisverkehrkunst zurückgebaut werden muss, wenn diese „verkehrsgefährdend“ sein könnte.

Von Hardy Prothmann

Kurt Fleckenstein ist empört. Stinksauer. Und verzweifelt. Sieben Kreisverkehrkunstwerke hat er in Brühl, Schwetzingen, Ladenburg und Heddesheim in den vergangenen Jahren aufgestellt. Zwei davon, in Heddesheim und Ladenburg, sollen zurückgebaut werden, weil sie im Falle eines Unfalls angeblich „tödlich“ sein könnten. Zumindest sind die Verkehrsbehörden dieser Ansicht.

„Das ist so vollständig absurd“, sagt Fleckenstein, „das ist dekadent. Haben wir sonst keine Probleme?“ Der Künstler will sich nicht auf den juristischen Weg verlassen – die Bürgermeister von Heddesheim und Ladenburg haben angekündigt, gegen die Entscheidung der Verkehrsbehörden zu klagen, um die Kreiselkunst zu retten: „Das reicht mir nicht. Wir brauchen Öffentlichkeit. Es muss bekannt werden, was in der Politik für ein Schwachsinn verzapft wird.“ Kurt Fleckenstein kritisiert explizit die Grünen: „Ich war Mitglied in dieser Partei und stehe ihr immer noch nahe – aber dieses absolutistische Durchregieren macht mich fassungslos. Das kann nicht sein.“

„Die Kunst leidet unter der Willkür der Bürokraten.“

Insgesamt rund 50 Kreisverkehrkunstwerke sind landesweit betroffen und sollen zurückgebaut werden. Fleckenstein sieht seinen Protest stellvertretend: „Ich trete hier vor Ort für die von mir geschaffenen Kunstwerke ein, aber natürlich auch für alle Künstler im Land, die unter der Willkür dieser Bürokraten leiden.“

Aus Sicht des Künstlers stiften die Kunstwerke Identität: „Die den Gemeinden vorgelagerten Kreisverkehrkunstwerke sind das erste, was man vom Ort sieht oder das letzte, wenn man ihn verlässt. Mit der Zeit gehört diese Kunst – egal, ob sie gefällt oder nicht – zum Ort dazu. Das räumt man nicht einfach ab ohne jede demokratische Debatte, ohne jede notwendige Auseinandersetzung.“

Die Debatte hat Kurt Fleckenstein jetzt angestoßen. Der ansonsten sehr friedfertige und lebenslustige Mann fühlt sich genötigt, zivilen Ungehorsam zu leisten. Ob er mit seinem Protest Erfolg hat, wird man sehen. Soviel steht fest: „Ich leiste Widerstand und hoffe, dass sich viele Kollegen anschließen“, sagt Fleckenstein.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Der Heinz

    Oh. Mein. Gott.
    Dass ein betroffener Künstler sicher nicht begeistert ist – keine Frage. Das die regelung selbst zumindest als zweifelhaft zu bezeichnen ist, mag auch angehen. Aber seine verletzte, sensible Künsterlseele derartig dramatisch darzustellen gleitet ein wenig ins Lachhafte ab. Was kommt als nächstes? Die rituelle Selbstverbrennung vor dem Stuttgarter Landtag?

    Herr Fleckenstein fragt völlig zurecht „Haben wir denn keine anderen Probleme?“. Gestatten Sie, dass ich diese Frage an ihn zurückgebe …?

  • Na sowas

    „Das räumt man nicht einfach ab ohne jede demokratische Debatte, ohne jede notwendige Auseinandersetzung“
    Der Herr entdeckt plötzlich die demokratischen Diskurs. Bei der Aufstellung seines Gebildes war er nicht so pingelig.

    • Redaktion

      Guten Tag!

      Der Aufstellung ging ein Genehmigungsprozess voran, wobei Landratsamt, Verkehrsbehörde, Polizei und Regierungspräsidium gehört wurden. Danach erfolgte die Entscheidung im Gemeinderat. Es ging als demokratisch „pingelig“ zu.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das Heddesheimblog.de

      • Na Sowas

        Es geht nicht darum, ob es bei der Aufstellung demokratisch zuging. Was der Herr jetzt will, ist eine (öffentliche) „demokratische Debatte“, auf die er seinerzeit gern verzichtete.
        In der RNZ wird er zitiert: „“Es gab auch keine demokratischen Diskussionen und keine Beteiligung der Öffentlichkeit.“

        • Redaktion

          Guten Tag!

          Halten Sie den Gang durch die Institutionen und einen Gemeinderatsbeschluss für einen „Verzeicht seinerzeit“?

          Weitere unverständige Kommentare schalten wir nicht mehr frei.

          Einen schönen Tag wünscht
          Das Heddesheimblog.de