Freitag, 19. Oktober 2018

Gabi´s Kolumne: Urlaubserfahrungen

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Egal wohin, egal wie lang: Wer in Urlaub fährt, kann hinterher immer etwas erzählen – nicht nur über den eigenen Urlaub, sondern auch über andere Urlauber. Und dann wird es manchmal abenteuerlich, sagt Gabi.

Die wie so oft zu kurzen Sommerferien, weil es hier zu wenig Sommer gab, neigen sich dem Ende zu. Immer mehr Urlaubsheimkehrer trudeln wieder ein und erzählen natürlich jede Menge. So unterhielt ich mich vor einen paar Tagen über die Urlaubsgewohnheiten der verschiedenen Nationen.

„Also, was ich schon gar nicht leiden kann, sind die russischen Urlauber in der Türkei. Die stürmen als erstes ans Buffet, häufen sich die Teller voll und lassen danach alles stehen“, erzählt eine Freundin, die gerade aus einem Cluburlaub in Side zurückgekommen ist.

„Also ganz schlimm habe ich die Engländer erlebt. Auf den Canaren kann man in bestimmte Orte gar nicht mehr gehen: Sobald da Engländer sind, ist es mit dem schönen Urlaub vorbei. Die trinken, ach was, die saufen jeden Abend und hinterlassen alles komplett verdreckt“, weiß eine Bekannte von ihren Urlaubserfahrungen zu berichten.

„Und mich nerven am meisten die Italiener. Wir waren in einer wunderschönen Hotelanlage in Tunesien – aber die Italiener haben richtig gestört, die sind laut, ihre Kinder sind verzogen, ständig klingeln die Handys und die rotten sich richtig gehend zusammen“, da mache der Urlaub ja gar kein Spaß mehr, erzählt eine weitere Bekannte.

Gesten saßen mein Mann und ich mit befreundeten Paaren zusammen, darunter zwei Franzosen aus dem Elsass, die vor einer Woche aus Griechenland heimgekehrt sind. Die französische Freundin erzählte ganz begeistert von einem Dorffest.
Die Besonderheit: Der Bürgermeister hat dabei die Spendierhosen an und alle Festbesucher (Griechen und Nichtgriechen) können sich kostenlos ihre Karaffen mit Wein befüllen und den dann genüsslich auf dem Fest picheln: Weißen, Roten und Retzina gab es. Klar hatten da alle viel Spaß. Peinlich fand sie nur die deutschen Urlauber, die sich es erst auf dem Fest gemütlich machten und dann so viele 1,5 Liter-Flaschen abfüllten, wie sie nur hatten und den Wein mit nach Hause nahmen: „Isch fand das schon ein bischen ordinaire“, rümpfte sie die Nase.

Ich erinnerte mich im selben Moment an ein eigenes Erlebnis vor Jahren: An die Besichtigung einer Käsehöhle in Roquefort, bei der die deutschen Touristen die Käse- und Rotwein“verkostung“ bis auf den letzten Krümel und letzten Tropfen leergeräumt hatten, während eine französische Reisegruppe wirklich nur kostete.

„Abär vielleischt ge´ört das ja zu eure mentalité?“, sagte meine französische Freundin.

Plötzlich schwiegen alle: „Wir sind nicht so“, dachte ich und bestimmt alle anderen am Tisch auch. Aber das waren Deutsche, also welche von „uns“. Wahrscheinlich tut es allen Nationen gut, sich ab und zu den Spiegel von anderen vorhalten zu lassen.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.