Sonntag, 20. August 2017

Unklare Zukunft der Schlecker-Märkte

For you. Vor Ort. Vorbei?

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Wie lange gibt es den Schleckermarkt vor Ort noch? Wie viele verlieren Ihre Arbeitsplätze? Was, wenn es nur noch einen Versorgen im Ort gibt? Viele Fragen - keine Antworten.

 

Rhein-Neckar, 24. Januar 2012 (red/jt) Nach Bekanntwerden der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker herrscht große Unsicherheit Рbei Mitarbeitern und bei Kunden. Welche Filialen bleiben bestehen, wo gibt es Schließungen, wer verliert seinen Job? Auch die Metropolregion Rhein-Neckar ist betroffen.

Die Schlecker-Pleite kostet deutschlandweit vermutlich 30.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Viele davon auch in der Region Rhein-Neckar. Im benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis hat das Filialsterben bereits angefangen. Die Filiale in Seckach hat laut Rhein-Neckar-Zeitung bereits zum 24. Dezember 2011 ihre T√ľren geschlossen. Auch die Filialen Buchen, Osterburken und H√∂pfingen wurden bereits 2011 dicht gemacht.

In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es ebenfalls erste Opfer unter den Filialen. In Ilvesheim schlie√üt man zum 08. Februar die T√ľren. Die Regale sind schon gro√üenteils leer ger√§umt.

Ungewiss ist die Zukunft der dortigen Mitarbeiter. „Vermutlich werden wir zun√§chst Krankheitsvertretung in den Nachbarfilialen machen“, sagt uns eine Mitarbeiterin. Erfahren habe man von der Schlie√üung √ľbrigens erst vor einer Woche.

Um uns ein genaueres Bild von der Lage vor Ort machen zu können, haben wir auch die Filialen in Edingen-Neckarhausen, Heddesheim und Ladenburg persönlich besucht.

Presse nicht erw√ľnscht

In Ladenburg verweist man mich direkt an die Filialleiterin. Die Dame ist um die 50 Jahre alt. Sie r√§umt gerade Regale ein. Fragen m√∂chte sie keine beantworten. Die anderen Mitarbeiter sehen verstohlen zu uns her√ľber. Antworten gibt es hier keine, bis auch diese: „Die Presse ist hier nicht erw√ľnscht.“

Klare Auskunft in Ladenburg:

 

√Ąhnlich die Reaktion in Heddesheim. Auch dort verweist man an die Filialleitung. Antworten? Fehlanzeige. Die Nummer der Pressesprecherin k√∂nne man uns geben. Diese Auskunft gibt es zwischen T√ľr und Angel. Von einem Fax oder Brief schreibt die Filialleiterin die Nummer ab. Dazu kommt sie nicht mal aus ihrem B√ľro hervor. Sie reicht einen kleinen Zettel mit einer Handynummer darauf. Selbst der Name der Ansprechperson fehlt.

Auf die Nachfrage, ob man denn schon etwas zum Schicksal der Filiale wei√ü, verweist man mich mit einem L√§cheln und Augenzwinkern an die Pressestelle. „Netter Versuch!“, soll das wohl hei√üen.

Verunsicherte Kunden

In Edingen-Neckarhausen antwortet mir ein Mitarbeiter. Die Filialleitung l√§sst sich nicht blicken. Der Mitarbeiter scheint besorgt. Von der Insolvenz habe man durch die Firmenleitung erfahren, ungef√§hr zur gleichen Zeit als es auch in den Medien bekannt wurde. Viele Kunden seien verunsichert, w√ľrden nachfragen, ob die Filiale erhalten bleibt.

Der Ilvesheimer Markt wird schließen - wann ist noch unklar.

 

Von der Schließung in Ilvesheim weiß man hier bereits. Wenn die Presse positiv berichtet, könnte das vielleicht helfen. Eine diffuse Hoffnung. Tatsache ist, neben dem Edeka-Markt ist die Schleckerfiliale die einzige Einkaufsmöglichkeit am Ort. Im Ortsteil Neckarhausen wurde der dortige Drogeriemarkt schon vor einiger Zeit geschlossen.

Ein Passant erzählt uns, die Filiale sei so etwas wie ein Tante Emma Laden.

Das ist das einzige Geschäft direkt hier im Ortskern!

Viele √§ltere Menschen wohnen in Edingen, der Weg zum Industriegebiet ist f√ľr sie zu weit und zu beschwerlich. Als wir ein Bild der Filiale machen, witzelt ein weiterer Passant:

„Sie machen wohl das letzte Bild, was?“

Keine Informationen durch die Pressestelle

Zur√ľck in der Redaktion versuchen wir die Pressestelle zu erreichen. Der Anruf unter der uns mitgeteilten Telefonnummer bleibt erfolglos. Wie zu erwarten. Per email fragen wir erneut nach.

Bitte haben Sie Verst√§ndnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen √ľber einzelne M√§rkte, St√§dte oder Regionen treffen k√∂nnen.

Das ist der Informationsgehalt der erhaltenen Antwort. Einen Namen des Pressesprechers sucht man hier √ľbrigens vergebens. Die Mail ist lediglich mit „Pressestelle Schlecker“ unterzeichnet.

 

Deutschlandweite Kritik

Das Thema „Schlecker“ ist zur Zeit fast √ľberall zu finden. Die Unternehmerfamilie Schlecker steht stark in der Kritik. Auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp geht hart mit Anton Schlecker ins Gericht.

Gegen√ľber der „WirtschaftWoche“ √§usserte er, Schlecker habe das Geld, das er mithilfe seiner Besch√§ftigten verdient habe, f√ľr sich behalten. Weiter kritisierte er:

Hier werden diejenigen belohnt, die dem Größenwahn und der Gier frönen, während die Anständigen die Dummen sind.

Laut Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) soll nun eine sogenannte Planinsolvenz in die Tat umgesetzt werden. Dabei handelt es sich um ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. Das Unternehmen legt dem Insolvenzrichter dabei ein Sanierungskonzept vor, mit dem es entschuldet werden soll.

Die Familie Schlecker k√∂nnte so Eigent√ľmer der Kette bleiben. Wichtig dabei ist: Der Insolvenzverwalter √ľbernimmt nur die Aufsicht bei einem solchen Verfahren. Die Gesch√§ftsf√ľhrung bleibt weiter im Amt.

Danach w√ľrde auch die Gesch√§ftsf√ľhrung Pl√§ne vorlegen wie es mit Filialschlie√üungen, Stellenabbau und Kostensenkungen weitergeht, nicht der Insolvenzverwalter.

Auf der Facebook-Seite des Unternehmens kommentiert eine Nutzerin das angek√ľndigte Planinsolvenzverfahren wie folgt:

Das rettet unsere Arbeitsplätze auch nicht mehr. Danke Anton.

Laut Spiegel geht es aber nicht nur um die Arbeitspl√§tze, auch die Geh√§lter sind in Gefahr. Mit einer Planinsolvenz kann das Unternehmen auch die bestehenden Tarifvertr√§ge mit ver.di ausserplanm√§ssig k√ľndigen. Schlecker w√§re sonst bis Juni an einen Besch√§ftigungssicherungs-Tarifvertrag gebunden gewesen, der Entlassungen nicht m√∂glich macht.

Seit 2010 waren die Kinder von Firmengr√ľnder Anton Schlecker f√ľr eine Neuausrichtung des Unternehmens zust√§ndig.

Sie versprachen mehr Offenheit – umgesetzt wurde die aber nicht. Das zeigen solche versteckten Schachz√ľge im Insolvenzverfahren ebenso, wie der mangelhafte Umgang mit Presse und √Ėffentlichkeit.

Kundenn√§he und unternehmerische Verantwortung f√ľr die Mitarbeiter geht anders.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • gordongecko

    Man kann nur hoffen, dass sich f√ľr die vielen M√§rkte in kleinen Gemeinden eine L√∂sung oder ein Investor findet. Sonst sieht es vielerorts ganz bitter aus mit der Nahversorgung…

  • Klaus.E

    Hallo,

    nicht nur das, wen am ende nur Rosmann und DM auf dem Deutschen markt √ľbrig bleiben, entsteht ein Duopol und man k√∂nnte den Herstellern der Waren noch st√§rker die Preise diktieren.
    Die Folge w√§re in den Unternehmen f√ľr die Mitarbeiter weitere Lohneinbusen durch den Preisdruck.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Duopol

    ‚ÄěDuopolm√§rkte k√∂nnen von starkem Wettbewerb bis hin zu existenzbedrohenden Preiskriegen gekennzeichnet sein (beispielsweise im Fall der Chiphersteller Intel und AMD im Markt f√ľr Mikroprozessoren).[1] Andererseits kann es durch Kollusion der Anbieter dazu kommen, dass wichtige Wettbewerbsmechanismen ausgehebelt werden.‚Äú

    Gruß

    • Thomas Ott
      • Klaus.E

        Guten Tag Herr Ott,

        richtig da gibt es M√ľller noch, hatte ich nicht im Sinn. Ich glaube nicht das M√ľller mit seinen Umsatz in der Preisfindung eine Rolle spielen wird, sonder eher vom Preiskampf profitiert. Schlecker, DM, Rosmann liegen im Umsatz dicht zusammen.

        ps: Nat√ľrlich kann es auch nicht sein das ein Unternehmer Milliarden durch sein Unternehmen auf die Kante gelegt hat, nun sein Unternehmen auf Steuerzahlerkosten abwickelt, was angeblich laut Medien wen ich es richtig verfolgt habe auch nicht geschehen soll, da bin ich gespannt.

  • Mhm’er

    Das logische Ergebnis einer verfehlten Geschäftspolitik:
    – Den letzten Cent aus den Mitarbeitern quetschen.
    РSein Vermögen anhäufen (3,x Millarden!!!).
    РHoffen, daß der Kunde die negativen Pressemeldungen ignoriert.

    Dei B√ľrger h√∂rt aber mittlerweile ganz genau hin. Ich kaufe schon seit Jahren nicht mehr bei Schlecker ein. Solche raffgierigen Unternehmen (KIK, Tako usw.) sollte man auf keinen Fall unterst√ľtzen. Leider haben die Mitarbeiter das Risiko – die Bosse gehen Insolvent und sind fein raus. Die Belegschaft dagegen arbeitslos.

    Meiner Meinung nach ist das erst der Anfang. Parallelen sieht man bei LIDL, Penny, Aldi etc. Verk√§uferinnen m√ľssen Regale einr√§umen, an der Kasse sitzen, Pfandautomaten wieder in Betrieb setzen etc. und das teilweise bis 24 Uhr . Auch hier werden viele Mitarbeiter, gegen Dumpingl√∂hne, ausgenutzt.

    Aber, so will uns unser Wirtschaftsminister Rösler (seines Zeichens: Augenarzt und Humanmediziner!!!!) weiß machen: die Wirtschaft wächst!
    Nur: die gemeine Verkäuferin merkt komischerweise nichts davon.

    Schönes Wochenende
    Mhm’er

  • D. Weber

    Lt. Heute von Spiegel ver√∂ffentlichter Liste ist die Filiale Heddesheim NICHT betroffen von den Schlie√üungen. Freut mich f√ľr die Mitarbeiter und Kunden in der Gemeinde!