Samstag, 19. August 2017

Ein Bündnis für Qualität im Praktikum

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Weinheim/Bergstraße, 24. Mai 2011. (red/pm) Kommune, Wirtschaft und Schulen setzen in der Region Weinheim verbindliche Standards für Praktika in Kraft. In der Bildungsregion Weinheim gilt jetzt ein von Kommune, Wirtschaft und Schulen gemeinsam getragener „Qualitätsrahmen Praktikum“ für Werkrealschulen. In diesem praxisnahen Leitfaden stimmen sich die ausbildenden Betriebe und die Schulen auf verbindliche Qualitätsstandards für Praktika ab.

Information der Stadt Weinheim:

Bündnis für Qualität im Praktikum.

„Dabei werden Kriterien für die Vor- und Nachbereitung an den Schulen, sowie für die konkrete Umsetzung in den Betrieben festgelegt. Ein Bündnis, bestehend aus den Bildungsakteuren der Kommune, fünf Werkrealschulen im Bereich der Bildungsregion Weinheim, die IHK Rhein-Neckar, die HWK Rhein-Neckar-Odenwald, der Agentur für Arbeit Mannheim, des DGB sowie Vertretern des Staatlichen Schulamtes Mannheim, des Regierungspräsidiums Karlsruhe und der Stadt Weinheim setzten den „Qualitätsrahmen Praktikum“ am Montag (23. Mai) im Rahmen einer Fachtagung offiziell in Kraft.

Gleichzeitig wurde Bildungs- und Ausbildungsfachleuten der Region der „Qualitätsrahmen“ als 20-seitige gedruckte Broschüre vorgestellt. Entwickelt wurde das Projekt von der Kommunalen Koordinierungsstelle Ãœbergangsmanagement Schule-Beruf unter der Leitung von Dr. Susanne Felger.

Das gemeinsame Projekt hat das Ziel, durch klare Qualitätsleitlinien und Zielvereinbarungen deutlich mehr Schüler fit zu machen für eine Berufsausbildung. In allen Phasen des Praktikums-Managements sollen Schüler und Eltern miteinbezogen werden. Der „Qualitätsrahmen“ gibt konkrete Tipps und Hilfestellungen. Umgesetzt wird er an den Werkrealschulen in Weinheim, Hirschberg/Heddesheim, Schriesheim und Hemsbach.

In der Fachtagung, die den Start des „Qualitätsrahmens“ begleitete, wurde die Notwendigkeit für einen solchen Schritt deutlich: Einerseits wird auch in der Metropolregion Rhein-Neckar bereits ein Fachkräftemangel erkennbar, andererseits gibt es immer noch zu viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden. „Offenbar gibt es hier ein Passungsproblem“, wie es Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard in seiner Begrüßung zur Fachtagung ausdrückte. Der „Qualitätsrahmen“ soll es lösen helfen. Teilnehmer der Tagung im Alten Rathaus am Marktplatz waren auch Vertreter von Weinheimer Firmen.

Jürgen Mohrhardt von der IHK Rhein-Neckar berichtete, dass heute schon jedes dritte ausbildende Unternehmen Ausbildungsplätze aus Mangel an geeigneten Bewerbern unbesetzt lassen muss. 75 Prozent der Betriebe geben „mangelnde Ausbildungsreife“ als Grund an, 60 Prozent beklagen, dass die Jugendlichen zu unklare Vorstellungen von ihrem beruflichen Weg haben. Schon heute fehlen mehr als 300 000 Fachkräfte in Baden-Württemberg. Andererseits, so Gerhard Gölz vom Staatlichen Schulamt Mannheim, finden immer noch fast 40 Prozent der Hauptschüler nach der Schule keinen direkten Anschluss in eine Berufsausbildung.

OB Bernhard fasste zusammen: „Wir brauchen eine bessere Abstimmung zwischen Schulen, Unternehmen und der Schulpolitik der Länder darüber, wie Jugendliche auf Ausbildung und Beruf vorbereitet werden müssen, und wer dabei was tut, um alle optimal zu fördern.“ Der „Qualitätsrahmen“ sei auf diesem Weg eine wichtige Hilfestellung für alle Beteiligten. Er biete die Möglichkeit einer „win-win-Situation“ für Schule und Betriebe herzustellen und somit eine „neue Qualität und Intensität in der Zusammenarbeit“. Auch in Weinheim haben 60 Prozent von 250 befragten Unternehmen Fachkräftebedarf, 37 Prozent wollen diesen Mangel durch Ausbildung im eigenen Betrieb decken. Die Unternehmen, so ergänzte OB Bernhard, brauchen Jugendliche, die sich selbst organisieren, die lernen wollen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen.

Gerhard Gölz bekräftigte, dass ein gutes Praktikum die Chancen des Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz deutlich verbessere. Der gelernte Lehrer fordert: „Wir sollten mehr auf Kompetenzen achten und nicht nur auf Noten.“

Aus der Praxis heraus berichtete zum Beispiel Thomas Lammer, der Konrektor der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule, wie wichtig und zielführend gute Praktika sein können. In seiner Schule absolvieren Schüler in der achten Klasse ein ganzjähriges Praktikum, indem sie ein ganzes Jahr lang einen Tag im Betrieb sind. Ergebnis: Acht Schüler haben schon jetzt, noch vor der Abschlussprüfung, einen Ausbildungsplatz. Lammer: „Die Noten sind nicht mehr das Wichtigste, wenn der Chef den Jugendlichen über eine lange Zeit kennengelernt hat.“ Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule gilt bei ihrer Praktikumsarbeit als vorbildlich. Einige ihrer Ideen standen für den „Qualitätsrahmen“ Pate.

Jürgen Mohrhardt als Vertreter der Wirtschaft verwies auf das Thema Bildung als Standortfaktor: „Es ist wichtig, dass Kommunen und Unternehmen hier im Gleichklang arbeiten, denn im Zuge des demografischen Wandels müssen beide gemeinsam um Fachkräfte und um Einwohner kämpfen.“ Die Inkraftsetzung des Qualitätsrahmens, so Schulrat Gölz, sei der Anfang eines Prozesses, in dem die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben noch intensiver wird.“

Info: Der „Qualitätsrahmen Praktikum an Werkrealschulen“ steht auch auf www.weinheim.de und auf www.uebma-weinheim.de als download zur Verfügung.

Einen schönen Tag wünscht
Das weinheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Eva Brunner

    Ein super Vorstoß! Das sollten sich andere Gemeinden einmal zum Vorbild nehmen oder gleich bundesweite Regelungen geschaffen werden. Gut, dass sich Praktikanten inzwischen auch im Internet selbst helfen. z.B. auf den Seiten vom DGB oder auf privaten Studenteninitiativen wie http://www.prakti-test.de. Auch die Fair Company Initiative ist zu empfehlen! Langsam geht es aufwärts für Praktikanten 🙂