Samstag, 25. M├Ąrz 2017

B├╝rgermeister Just blickt im Interview auf den B├╝rgerentscheid zur├╝ck

„Beide Positionen hatten durchaus gute Argumente“

gemeinschaftsschule abgewaehlt

Kein Bock auf Gemeinschaftsschule in Hirschberg.

Hirschberg, 24. September 2013. (red) Die Hirschberger B├╝rger/innen haben entschieden – die Karl-Drais-Haupt- und Werkrealschule wird nicht zur Gemeinschaftsschule weiterentwickelt. Die Gemeinde spart damit rund 1,7 Millionen Euro, die sonst h├Ątten ausgegeben werden m├╝ssen. Am Donnerstag trifft sich der Schulzweckverband der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg. Das Verh├Ąltnis ist belastet. Wir haben B├╝rgermeister Just zur Zukunft der Schule und der interkommunalen Zusammenarbeit befragt.Interview: Hardy Prothmann

buergerentscheid schule-130912- Hirschberg GMS Infoveranstaltung Manuel Just Jens Drescher2013 09 12 (Redaktion Rheinneckarblogs in Konflikt stehende Kopie 2013-09-13)

B├╝rgermeister Just (links) mit Schulleiter Drescher bei einer Infoveranstatlung vor dem B├╝rgerentscheid.

Herr Just, haben Sie die Eindeutigkeit der Entscheidung durch die B├╝rger/innen erwartet?

B├╝rgermeister Manuel Just: Naja, es ist zwar eindeutig, aber trotzdem kein gro├čer Abstand. Das Ergebnis zeigt meines Erachtens nochmals auf, wie schwierig die Entscheidung war und dass beide Seiten f├╝r Ihre Positionen durchaus gute Argumente hatten, die ├Ąu├čerst schwierig zu gewichten waren.

H├Ątten Sie einen anderen Ausgang erwartet, wenn die KDS in Gro├čsachsen statt in Leutershausen w├Ąre?

Just: Das ist schwer zu beantworten und sehr hypothetisch. Allerdings glaube ich, dass es dann wahrscheinlich noch deutlicher gewesen w├Ąre, da ich f├╝r das Wahlergebnis in Gro├čsachsen die Wahrnehmung habe, dass man sich leichter tat eventuell mittelfristig eine weiterf├╝hrende Schule zu verlieren, da man aus der eigenen Historie wei├č, dass im unmittelbaren Umfeld eine Vielzahl guter Schulstandorte ├╝ber den ├ľPNV leicht erreichbar sind. Unterstellt man diese Beobachtung umgekehrt, w├Ąre es wohl noch deutlicher gewesen. Aber dies kann auch eine subjektive Einsch├Ątzung sein. Alles in allem denke ich nicht, dass es eine „Ortsteilwahl“ war. Denn auch wenn in Leutershausen mehr mit Ja votierten, so sind 14 Stimmen ebenfalls kein deutlicher Abstand.

Wenn der B├╝rgerentscheid gescheitert w├Ąre – h├Ątte Sie dann in der kommenden Sitzung gegen die Weiterentwicklung gestimmt?

Just: F├╝r mich war klar, dass wir das Quorum erreichen. Insoweit ist auch diese Frage ebenfalls eine rein hypothetische und stellt sich f├╝r mich nicht.

Am Donnerstag kommt der Schulzweckverband zusammen und Hirschberg wird gegen die Weiterentwicklung stimmen. Wie geht es mit der Karl-Drais-Schule jetzt weiter?

Just: Auch wenn wir alle bef├╝rchten, dass Haupt- und Werkrealschulen eventuell keine langfristige Zukunft auf 8-10 Jahre haben k├Ânnten, f├╝hrt dies aktuell nicht zu einem Aufgeben der Schule. Die Landesregierung hat klar zu erkennen gegeben, dass sie keine Schulstandorte schlie├čen m├Âchte. Und solange das Schulgesetz die M├Âglichkeit gibt, sollten wir auch versuchen an der Schule festzuhalten. Ungeachtet dessen m├╝ssen wir uns ├╝berlegen, welche Sanierungsma├čnahmen in den kommenden Jahren anzugehen sind. Hier stehen wir im Wort und somit in der Pflicht. Daher wird es schon in den kommenden Wochen Gespr├Ąche mit dem Architekten geben. Es wird darum gehen sukzessive Ma├čnahmen anzugehen, um in den vielzitierten 5 bis sp├Ątestens 8 Jahren die Sanierung umgesetzt zu haben.

Planen Sie den Schulzweckverband aufzul├Âsen?

Just: Nein, meines Erachtens gibt es hierzu auch keinen Grund. Wir haben nach wie vor eine Haupt- und Werkrealschule, die eine gewisse Nachfrage erf├Ąhrt. Und solange dies so ist, das Schulgesetz die M├Âglichkeit einer Haupt- und Werkrealschule einr├Ąumt und ein qualitativ hochwertiger Lehrk├Ârper zur Verf├╝gung steht, wird es diesbez├╝glich von mir auch keinen Vorsto├č in diese Richtung geben. Ich darf nochmals betonen. Aus meiner Sicht haben wir ein Finanzierungsproblem in Anbetracht des Risikos, dass eine Gemeinschaftsschule vielleicht nicht die Nachfrage erf├Ąhrt, die wir f├╝r eine langfristige Stabilit├Ąt brauchen. Dass die geleistete Arbeit ├╝ber jeden Zweifel erhaben ist, ist und bleibt f├╝r mich absolut unbestritten!

Ab wann wird es voraussichtlich in Hirschberg keine weiterf├╝hrende Schule mehr geben?

Just: Wir alle bef├╝rchten ja mittelfristig das Aus f├╝r die Haupt- und Werkrealschulen. Ob das tats├Ąchlich so ist, bleibt abzuwarten.

Glauben Sie, dass das Thema bei der Kommunalwahl eine Rolle spielen wird?

Just: Grunds├Ątzlich ist dies nat├╝rlich nicht auszuschlie├čen. Allerdings sollte man diesbez├╝glich auch anerkennen, dass die B├╝rgerschaft – wenn auch knapp – eine klare Entscheidung herbeigef├╝hrt hat. Dies haben wir alle zu akzeptieren.

Nach dem Auftritt von Herrn Kessler hat man den Eindruck, dass das Band zwischen Hirschberg und Heddesheim zerschnitten ist. Wie beurteilen Sie das Verh├Ąltnis?

Just: Pers├Ânlich verstehe ich die Entt├Ąuschung meines Kollegen, sage aber auch, dass er mit der Einmischung in die Haushaltshoheit unserer Gemeinde eine – wohlgemerkt auch kollegiale – Grenze ├╝berschritten hat. Ungeachtet dessen hoffe ich selbstverst├Ąndlich, dass sich das Verh├Ąltnis der Gemeinden in den kommenden Wochen und Monaten wieder beruhigt, da wir an zu vielen Stellen gemeinsame Ber├╝hrungspunkte haben.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • jawiejetzt?

    Bravo Hirschberg!

    Euer ├╝berzogenes Hilfeleistungszentrum hat euch die Schule gekostet. F├╝r das zu gro├č geratene HLZ hat jeder B├╝rger – ungefragt – 817,32 ÔéČ aus seiner Steuertasche bezahlt, die Schule war euch 312,00 ÔéČ pro B├╝rger nicht wert.

    Schon interessant, da├č Leutershausen wo die Karl-Drais-Schule steht f├╝r die Gemeinschaftsschule eingetreten ist und Gro├čsachsen – nur mit Grundschule – die Gemeinschaftsschule verhindert hat.

    Gl├╝ckwunsch.