Montag, 22. Oktober 2018

BĂŒrgermeister Just blickt im Interview auf den BĂŒrgerentscheid zurĂŒck

„Beide Positionen hatten durchaus gute Argumente“

Print Friendly, PDF & Email
gemeinschaftsschule abgewaehlt

Kein Bock auf Gemeinschaftsschule in Hirschberg.

Hirschberg, 24. September 2013. (red) Die Hirschberger BĂŒrger/innen haben entschieden – die Karl-Drais-Haupt- und Werkrealschule wird nicht zur Gemeinschaftsschule weiterentwickelt. Die Gemeinde spart damit rund 1,7 Millionen Euro, die sonst hĂ€tten ausgegeben werden mĂŒssen. Am Donnerstag trifft sich der Schulzweckverband der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg. Das VerhĂ€ltnis ist belastet. Wir haben BĂŒrgermeister Just zur Zukunft der Schule und der interkommunalen Zusammenarbeit befragt.Interview: Hardy Prothmann

buergerentscheid schule-130912- Hirschberg GMS Infoveranstaltung Manuel Just Jens Drescher2013 09 12 (Redaktion Rheinneckarblogs in Konflikt stehende Kopie 2013-09-13)

BĂŒrgermeister Just (links) mit Schulleiter Drescher bei einer Infoveranstatlung vor dem BĂŒrgerentscheid.

Herr Just, haben Sie die Eindeutigkeit der Entscheidung durch die BĂŒrger/innen erwartet?

BĂŒrgermeister Manuel Just: Naja, es ist zwar eindeutig, aber trotzdem kein großer Abstand. Das Ergebnis zeigt meines Erachtens nochmals auf, wie schwierig die Entscheidung war und dass beide Seiten fĂŒr Ihre Positionen durchaus gute Argumente hatten, die Ă€ußerst schwierig zu gewichten waren.

HĂ€tten Sie einen anderen Ausgang erwartet, wenn die KDS in Großsachsen statt in Leutershausen wĂ€re?

Just: Das ist schwer zu beantworten und sehr hypothetisch. Allerdings glaube ich, dass es dann wahrscheinlich noch deutlicher gewesen wĂ€re, da ich fĂŒr das Wahlergebnis in Großsachsen die Wahrnehmung habe, dass man sich leichter tat eventuell mittelfristig eine weiterfĂŒhrende Schule zu verlieren, da man aus der eigenen Historie weiß, dass im unmittelbaren Umfeld eine Vielzahl guter Schulstandorte ĂŒber den ÖPNV leicht erreichbar sind. Unterstellt man diese Beobachtung umgekehrt, wĂ€re es wohl noch deutlicher gewesen. Aber dies kann auch eine subjektive EinschĂ€tzung sein. Alles in allem denke ich nicht, dass es eine „Ortsteilwahl“ war. Denn auch wenn in Leutershausen mehr mit Ja votierten, so sind 14 Stimmen ebenfalls kein deutlicher Abstand.

Wenn der BĂŒrgerentscheid gescheitert wĂ€re – hĂ€tte Sie dann in der kommenden Sitzung gegen die Weiterentwicklung gestimmt?

Just: FĂŒr mich war klar, dass wir das Quorum erreichen. Insoweit ist auch diese Frage ebenfalls eine rein hypothetische und stellt sich fĂŒr mich nicht.

Am Donnerstag kommt der Schulzweckverband zusammen und Hirschberg wird gegen die Weiterentwicklung stimmen. Wie geht es mit der Karl-Drais-Schule jetzt weiter?

Just: Auch wenn wir alle befĂŒrchten, dass Haupt- und Werkrealschulen eventuell keine langfristige Zukunft auf 8-10 Jahre haben könnten, fĂŒhrt dies aktuell nicht zu einem Aufgeben der Schule. Die Landesregierung hat klar zu erkennen gegeben, dass sie keine Schulstandorte schließen möchte. Und solange das Schulgesetz die Möglichkeit gibt, sollten wir auch versuchen an der Schule festzuhalten. Ungeachtet dessen mĂŒssen wir uns ĂŒberlegen, welche Sanierungsmaßnahmen in den kommenden Jahren anzugehen sind. Hier stehen wir im Wort und somit in der Pflicht. Daher wird es schon in den kommenden Wochen GesprĂ€che mit dem Architekten geben. Es wird darum gehen sukzessive Maßnahmen anzugehen, um in den vielzitierten 5 bis spĂ€testens 8 Jahren die Sanierung umgesetzt zu haben.

Planen Sie den Schulzweckverband aufzulösen?

Just: Nein, meines Erachtens gibt es hierzu auch keinen Grund. Wir haben nach wie vor eine Haupt- und Werkrealschule, die eine gewisse Nachfrage erfĂ€hrt. Und solange dies so ist, das Schulgesetz die Möglichkeit einer Haupt- und Werkrealschule einrĂ€umt und ein qualitativ hochwertiger Lehrkörper zur VerfĂŒgung steht, wird es diesbezĂŒglich von mir auch keinen Vorstoß in diese Richtung geben. Ich darf nochmals betonen. Aus meiner Sicht haben wir ein Finanzierungsproblem in Anbetracht des Risikos, dass eine Gemeinschaftsschule vielleicht nicht die Nachfrage erfĂ€hrt, die wir fĂŒr eine langfristige StabilitĂ€t brauchen. Dass die geleistete Arbeit ĂŒber jeden Zweifel erhaben ist, ist und bleibt fĂŒr mich absolut unbestritten!

Ab wann wird es voraussichtlich in Hirschberg keine weiterfĂŒhrende Schule mehr geben?

Just: Wir alle befĂŒrchten ja mittelfristig das Aus fĂŒr die Haupt- und Werkrealschulen. Ob das tatsĂ€chlich so ist, bleibt abzuwarten.

Glauben Sie, dass das Thema bei der Kommunalwahl eine Rolle spielen wird?

Just: GrundsĂ€tzlich ist dies natĂŒrlich nicht auszuschließen. Allerdings sollte man diesbezĂŒglich auch anerkennen, dass die BĂŒrgerschaft – wenn auch knapp – eine klare Entscheidung herbeigefĂŒhrt hat. Dies haben wir alle zu akzeptieren.

Nach dem Auftritt von Herrn Kessler hat man den Eindruck, dass das Band zwischen Hirschberg und Heddesheim zerschnitten ist. Wie beurteilen Sie das VerhÀltnis?

Just: Persönlich verstehe ich die EnttĂ€uschung meines Kollegen, sage aber auch, dass er mit der Einmischung in die Haushaltshoheit unserer Gemeinde eine – wohlgemerkt auch kollegiale – Grenze ĂŒberschritten hat. Ungeachtet dessen hoffe ich selbstverstĂ€ndlich, dass sich das VerhĂ€ltnis der Gemeinden in den kommenden Wochen und Monaten wieder beruhigt, da wir an zu vielen Stellen gemeinsame BerĂŒhrungspunkte haben.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.