Freitag, 18. August 2017

Kleinböck (SPD) und Sckerl (Grüne) kritisieren gemeinsame Werkrealschule

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Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 23. Februar 2010. Heute entscheidet der Hirschberger Gemeinderat in öffentlicher Sitzung über einen „modifizierten“ Antrag für eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Hirschberg und Heddesheim.

Wir haben gestern eine Rundmail an alle Fraktionen in Hirschberg und Heddesheim geschickt und um Beantwortung bis heute 14:00 Uhr gebeten.

Außerdem wurden die Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Sckerl (Grüne), Gerhard Kleinböck (SPD) sowie Dr. Birgit Arnold (FDP) angeschrieben.

Geantwortet haben Sckerl und Kleinböck.

  1. Der ursprüngliche Antrag wollte die Schüler vor Ort bis zur Klasse 9 unterrichten. Wie beurteilen Sie einen Antrag, bei dem dies ab Klasse 8 nicht mehr der Fall ist?
  2. Wie werden die Schulstandorte aus Ihrer Sicht durch den neuen Antrag gestärkt?
  3. Was sind aus Ihrer Sicht die Vor-/Nachteile einer Werkrealschule?

Antwort Gerhard Kleinböck (SPD)

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Gerhard Kleinböck. Bild: SPD

1. Das jüngste Gutachten zur Schulentwicklung in B-W zeigt deutlich, dass die WRS das Hauptschulsterben nicht verhindern wird! Die WRS macht eigentlich das 3-gliedrige Schulsystem -kurzfristig- zu einem 4-gliedrigen System. Dass dieses System ausgedient hat, hat sich mittlerweile auch bei Anhängern der Regierungskoalition herumgesprochen.

2. Ich habe dazu in verschiedenen Veranstaltungen deutlich gemacht, wie das Schulsterben in den nächsten Jahren aussehen wird, wenn an der neuen 3-Gliedrigkeit festgehalten wird.

3. Was die konkrete Situation mit Heddesheim-Hirschberg betrifft bleibt zu hoffen, dass keine Gemeinde Investitionen für die neue WRS tätigen wird! Das wären ganz sicher Fehlinvestitionen! Ich selbst sehe keine Zukunft für die HS oder die WRS, wie sie jetzt vom KM geplant ist.
Ãœbrigens: Es gibt wohl Beispiele dafür, dass an anderen Standorten die gemeinsame 10.Klasse genehmigt wurde – warum das im Fall Heddesheim-Hirschberg abgelehnt wurde, kann ich nicht sagen.

Antwort Uli Sckerl (Grüne)

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Uli Sckerl. Bild: GAL

1. Das neue so genannte Rotationsmodell einer Werkrealschule für Hirschberg und Heddesheim verdeutlicht meiner Meinung nach den bürokratischen Unsinn, zu dem eine halsstarrige Kultusbürokratie die Gemeinden jetzt zwingen will. Die vermeintlich pragmatische Schullösung für die beiden Nachbargemeinden ist dabei lediglich ein von der Staatlichen Schulaufsicht erzwungenes jährliches „Klassen-Wechsel-Modell“ ab dem 8. Schuljahr.
In einer ersten Bewertung muss dies als herber Rückschlag für die beiden Gemeinden gesehen werden. Da gibt es nichts zu beschönigen. Das von Staatssekretär Wacker bisher behauptete pädagogische Konzept entschwindet immer mehr in nebulöse Sphären.

2. Offensichtlich ist, dass es bei der neuen Lösung in erster Linie um Gesichtswahrung geht. Hauptsache, es passt irgendwie in das verkorkste Schulgesetz. Hauptmotiv war allem Anschein nach das Bestreben, Ausnahmegenehmigungen um Teufel komm raus zu verhindern. Das Wohl der Schüler steht bei solchen Ãœberlegungen nicht im Mittelpunkt, im Gegenteil. Außerdem wird somit auch viel zu wenig Rücksicht auf die Arbeitsfähigkeit einer Schule genommen. Ein weiterer Kritikpunkt aus meiner Sicht ist die Kostenfrage. Die Gemeindekassen werden in einer sowieso schon schwierigen Kassenlage weiter strapaziert, da künftig kommunale Kosten für Schülerbeförderung hinzu kommen.

3. Dabei kann das Modell Werkrealschule schon zahlenmäßig nur überleben, wenn in den nächsten 10 Jahren jährlich 20 Prozent der Grundschüler in beiden Gemeinden auf die WRS wechseln würden. Dass dies wenig realistisch ist, kann man leicht erkennen. Deswegen befürchte ich, dass mit solchen Scheinlösungen wie dem Rotationsmodell das Ende von Schulstandorten an der Bergstraße schneller kommt als es kommunal Verantwortliche heute wahrhaben wollen.
Für mich gibt es deswegen keine Alternative zu neuen Verbundschulen mit dem Ziel des gemeinsamen längeren Lernens. Ich werde auch weiterhin dafür eintreten, dass Kommunen als Schulträger derartige alternative Schulformen durchführen können.

Weitere Artikel: Werkrealschule

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Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.