Samstag, 20. Oktober 2018

Bürgermeisterwahl 2014

Der Unmuts-Kandidat Hans-Jörg Nordmeyer

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Heddesheim, 23. Januar 2014. (red) Aktualisiert. Hans-Jörg Nordmeyer (50) aus Heubach stellt sich als Vertreter der „Nein-Idee“ zur Bürgermeisterwahl in Heddesheim. Der selbstständige Gartengestalter ist Geschäftsführer der NGS greenwave GmbH, die Regenwasserfilter vertreibt. Kurios: Sollte der alleinerziehende Vater zwei Kinder gewählt werden, wird er das Amt nicht antreten.

Wie wir auf Nachfrage erfahren haben, hat Herr Nordmeyer seine Bewerbung für das Bürgermeisteramt an die Gemeinde geschickt. Mit der Gründung des Landesverbandes der „Nein!-Idee“ Baden Württemberg im November 2013 wurde wurde zeitgleich zum Landesvorsitzenden gewählt:

Wir verstehen uns als dauerhafte Opposition und streben weder Ämter noch Posten an. Im Falle einer Wahl zum Bürgermeister werde ich somit das Amt nicht annehmen, sondern vertrete lediglich die Wähler, die mit dem bestehenden Angebot nicht zufrieden sind.

Als Begründung führt der Kandidat folgendes Beispiel an:

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Hans-Jörg Nordmeyer tritt an, um „Nein-Stimmen“ eine Beteiligungsmöglichkeit zu geben. Foto: privat

Wenn im begrenzten Angebot eines Einkaufladens an allen Produkten das Mindesthalbarkeitsdatum abgelaufen ist, wird sich niemand zwingen lassen dort einzukaufen, so Nordmeyer. Bei einer politischen Wahl müsse man zwanghaft aus dem vorhandenem Angebot wählen, alternativ könne man nur zu Hause bleiben und müsse danach das akzeptieren, was vom Lieferservice serviert werde. Damit bekomme man nachträglich den Schwarzmorchel, fauligen Grünkohl und Matschtomaten auf der Pizza serviert. Das hat für ihn in dieser Betrachtung wenig mit Demokratie zu tun, sondern klingt eher nach der Methode „Vogel, friss oder stirb“.

Deutschlandweit nehme die Wahlbeteiligung ab, trotz massivem Webefeldzugs von Seiten der Großparteien.

Die „Nein Idee“ versteht sich also nicht als „Spaß-Partei“, sondern meint die auf den ersten Blick kurios anmutenden Haltung ernst. Sie bewerten jeden Nicht-Wähler als Verlust für das demokratische System und wollen durch das Einsammeln von Nein-Stimmen denen einen Kandidaten geben, die andere Kandidaten sonst nicht wählen würden.

Unser Engagement versucht nun die Etablierung der Möglichkeit das komplette Angebot ablehnen zu dürfen. Wir versuchen einen Platzhalter zu stellen und ein „Nein“ Kästchen auf jedem Wahlzettel zu positionieren. Ich selber kann aktuell bundesweit keiner Möglichkeit zustimmen, die Lobbyismus fördert, Politik für kapitalstarke Interessensgruppen bietet und würde gerne meinen Unmut über das herrschende Vorgehen unserer Politiker zum Ausdruck bringen.

Seit Jahrzehnten werde vom Abbau des Bürokratismus geredet und das Gegenteil sei der Fall, so Herr Nordmeyer. Entgegen allen Beteuerungen sei das deutsche Steuersystem jedes Jahr unübersichtlicher, bürokratischer und komplexer geworden.

Aktualisierung, 27. Januar 2014. Die Gemeinde hat den Eingang der Bewerbung bestätigt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.