Montag, 24. Juli 2017

Bürgermeisterwahl 2014

Der Unmuts-Kandidat Hans-Jörg Nordmeyer

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Heddesheim, 23. Januar 2014. (red) Aktualisiert. Hans-Jörg Nordmeyer (50) aus Heubach stellt sich als Vertreter der „Nein-Idee“ zur Bürgermeisterwahl in Heddesheim. Der selbstständige Gartengestalter ist Geschäftsführer der NGS greenwave GmbH, die Regenwasserfilter vertreibt. Kurios: Sollte der alleinerziehende Vater zwei Kinder gewählt werden, wird er das Amt nicht antreten.

Wie wir auf Nachfrage erfahren haben, hat Herr Nordmeyer seine Bewerbung für das Bürgermeisteramt an die Gemeinde geschickt. Mit der Gründung des Landesverbandes der „Nein!-Idee“ Baden Württemberg im November 2013 wurde wurde zeitgleich zum Landesvorsitzenden gewählt:

Wir verstehen uns als dauerhafte Opposition und streben weder Ämter noch Posten an. Im Falle einer Wahl zum Bürgermeister werde ich somit das Amt nicht annehmen, sondern vertrete lediglich die Wähler, die mit dem bestehenden Angebot nicht zufrieden sind.

Als Begründung führt der Kandidat folgendes Beispiel an:

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Hans-Jörg Nordmeyer tritt an, um „Nein-Stimmen“ eine Beteiligungsmöglichkeit zu geben. Foto: privat

Wenn im begrenzten Angebot eines Einkaufladens an allen Produkten das Mindesthalbarkeitsdatum abgelaufen ist, wird sich niemand zwingen lassen dort einzukaufen, so Nordmeyer. Bei einer politischen Wahl müsse man zwanghaft aus dem vorhandenem Angebot wählen, alternativ könne man nur zu Hause bleiben und müsse danach das akzeptieren, was vom Lieferservice serviert werde. Damit bekomme man nachträglich den Schwarzmorchel, fauligen Grünkohl und Matschtomaten auf der Pizza serviert. Das hat für ihn in dieser Betrachtung wenig mit Demokratie zu tun, sondern klingt eher nach der Methode „Vogel, friss oder stirb“.

Deutschlandweit nehme die Wahlbeteiligung ab, trotz massivem Webefeldzugs von Seiten der Großparteien.

Die „Nein Idee“ versteht sich also nicht als „Spaß-Partei“, sondern meint die auf den ersten Blick kurios anmutenden Haltung ernst. Sie bewerten jeden Nicht-Wähler als Verlust für das demokratische System und wollen durch das Einsammeln von Nein-Stimmen denen einen Kandidaten geben, die andere Kandidaten sonst nicht wählen würden.

Unser Engagement versucht nun die Etablierung der Möglichkeit das komplette Angebot ablehnen zu dürfen. Wir versuchen einen Platzhalter zu stellen und ein „Nein“ Kästchen auf jedem Wahlzettel zu positionieren. Ich selber kann aktuell bundesweit keiner Möglichkeit zustimmen, die Lobbyismus fördert, Politik für kapitalstarke Interessensgruppen bietet und würde gerne meinen Unmut über das herrschende Vorgehen unserer Politiker zum Ausdruck bringen.

Seit Jahrzehnten werde vom Abbau des Bürokratismus geredet und das Gegenteil sei der Fall, so Herr Nordmeyer. Entgegen allen Beteuerungen sei das deutsche Steuersystem jedes Jahr unübersichtlicher, bürokratischer und komplexer geworden.

Aktualisierung, 27. Januar 2014. Die Gemeinde hat den Eingang der Bewerbung bestätigt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • tommes

    Ohhhh mein Gott. So jemanden haben wir jetzt wirklich noch gebraucht. Auch wenn der Ansatz an sich einen gewissen Charme hat und Ausdruck des Protestes sein kann, brauchen wir in Heddesheim Lösungen. Probleme gibt es genug,die es anzupacken gilt. Verkehr, Finanzen, Kampf dem Filz, Zusammenbringung der entzweiten Bevölkerung, Ausblutung der Gemeinde was den Einzelhandel betrifft.etc.etc.

    • Neiner

      Ja, Heddesheim braucht vermutlich einen Bürgermeister. Und die NEIN-Idee braucht Unterstützer. Was liegt da näher, sich den Bürgern anzubieten, die es wollen, und auch bei Nichtgebrauch im Gegenzug um Unterstützung zu bitten? Erinnerung: Die NEIN-Idee will nicht nur in Heddesheim sondern auch in Europa und der Welt ihren Charme verbreiten.

    • Nordmeyer

      Hallo tommes,
      ja leider reicht das bei Euch nicht, Gott anzurufen. Lösungen werde ich euch Heddesheimer nicht anbieten, aber Ihr bekommt die Möglichkeit so lange zu Wählen bis der Gottgleiche auf eurem Wahlzettel erscheint.

  • heddesheimerin

    Völliger Blödsinn von Herrn Nordmeyer!

    Kritik an etablierten Parteien ist selbstverständlich legitim. Aber alle Parteien pauschal als nicht wählbar abzustrafen, ist Kindergarten. UND: Wer sich dann als Alternative zur Wahl stellt, sollte bitteschön auch alternative Konzepte anbieten. SO funktioniert Demokratie.

    Fazit: Wer Kritik an CDU, SPD und Co hat, darf die gern vorbringen – aber sollte schon ARGUMENTE haben!

  • hardyprothmann

    Guten Tag!

    Ganz so „blödsinnig“ ist das nicht. Wenn auf einem Wahlschein – und wir reden hier von Bürgermeisterwahlen, nicht von Kommunalwahlen – einer oder mehrere Kandidaten stehen, die man nicht wählen möchte, aber unbedingt von seinem Wahlrecht Gebrauch machen möchte, kann man den Stimmzettel nur ungültig machen oder nicht wählen, was wiederum keine echte Stimmabgabe ist und was auch nicht in die prozentuale Statistik einfließt.

    Kann man aber einen Kandidaten wählen, der nicht antreten will, ist das eine Möglichkeit. Eine andere wäre, generell einen Nein-Kasten zu setzen, für alle, die ihre Stimme abgeben möchten, aber eben nicht einem der Kandidaten.

  • DHergesell

    Es gibt im asiatischen Raum (ich glaube Indien) ein Wahlrecht, bei dem man entweder Parteien wählen kann, oder direkt mit Nein stimmt. Habe noch kein Argument gefunden, warum man diesen Zusatz hierzulande nicht einführen sollte.

  • Gerd Erwärmung

    Hallo heddesheimerin, wieso können SIe eigendlich definieren wie Politik funktioniert?

    Sind Sie etwas Besseres vielleicht sogar Göttliches?
    Ich habe echt kein Verständnis für so wenig Toleranz.
    Wer sagt denn, dass man NEIN! wählen muss!
    Es geht dem Nordmeyer doch nur um die Option auch NEIN! sagen zu dürfen.
    und
    Was gibt Ihnen das Recht ihm das zu verbieten?
    Ich glaube die repräsentative Demokratie hat zu so vielen unrepräsentaiven Entscheidungen geführt, dass man nicht mehr belegen muss, dass sie gescheitert ist.
    Nordmeyer geht es um Selbstbestimmung und nicht
    lemminghaftes Hinterherlaufen!
    und
    Jeder kann für sich ein anderes Konzept zu Glücklichwerden haben.
    Also liebe Heddesheimerin, Runter vom hohen Ross! und nicht nur Toleranz in
    allen Bereichen die Ihnen schmecken, sondern auch da wo es weh tut.
    Lieben Gruß
    Michael

  • Gerd Erwärmung

    Tommes,Dich braucht wirklich niemand! Das ist Kindergartenniveau und dort noch weit unten!
    Also dann mal ne einfache Frage:
    Herr Nordmeyer will ein weiteres Recht für die Bürger bieten.
    Was spricht dagegen mehr Rechte zu haben?
    Weniger Rechte für die Bürger wollen nur Faschisten oder Diktatoren – bist Du einer oder findest Du solche Typen gut?
    Waren doch ein paar mehr Fragen.
    LG Michael

  • Neiner

    Hier kommt eins: Wenn das Nein von oben eingeführt ist (so wie in Indien oder der Ukraine), so wird damit auch der Einfluss des Nein rausberechnet: Die Ja-Sager machen hinterher wieder, was sie wollen. Die NEIN-Idee hingegen will nicht rechnen, sondern wirken. Und dazu braucht es Bürger und Unterstützer, nicht (noch mehr) Politiker.

  • Weiterdenker

    Werte NEIN!-Kritiker,

    Schon mal darüber nachgedacht, dass auch Herr Heinisch nur ein Mensch ist und, wie wir alle auch, ungewollte oder -gewünschte Lebensveränderungen erfahren kann? Nicht dass ich ihm das wünschen würde, ganz sicher nicht!
    Was, wenn Herr Heinisch vom Leben dazu gezwungen wäre, kurzfristig zurückzuziehen?
    Bis heute hat sich außer Herr Nordmeyer neben den Herren Heinisch und Kessler kein weiterer Mitbewerber eingefunden.
    Ohne das NEIN!- Angebot von Herrn Nordmeyer hätte dann kein Heddesheimer mehr die Möglichkeit, die evtl. nicht gewünschte Amtsfortführung des Herrn Kessler zu verhindern!

    So long

  • jawiejetzt?

    Ha, ha,

    wo war denn Herr Nordmeyer 2006, als seine Kandidatur Sinn gehabt hätte?

    Momentan gibt es drei Kandidaten, einen für die Beibehaltung des Systems Heddesheim, einen für den notwendigen Wechsel im System Heddesheim und einen um „Nein“ zu sagen.

    Aber wozu sagt man denn genau „Nein“
    wenn man Herrn Nordmeyer wählt?

    Nein zu Kessler?

    Nein zu Heinisch?

    Nein, ich will gar keinen Bürgermeister

    oder etwa

    Nein, ich will jetzt keinen Kaffee?

    Auch ein klar ausgedrücktes „Nein“ muß einen klaren Adressaten haben. Fehlt der, muß es heißen

    „Dagegen!“ und zwar gegen alles.

    Dann kann man aber nur wegbleiben von der Wahl. Also wie gehabt.

  • Nordmeyer

    Na da kann ich jetzt auch was dazu sagen geehrte/r jawiejetzt.

    2006 wählte ich noch brav die Grüne Partei und dachte die werden schon alles in meinem Sinne regeln. Pustekuchen falsch gedacht, denen geht es inzwischen nur um Pöstchen und Ämter und natürlich Stimmenfang. Es gibt zwar noch einzelne Personen die meinen Respekt verdienen, haben allerdings im Namen der Partei üble Suppen auszulöffeln.
    Unser „Nein“ bedeutet keinesfalls ein gegen Alles zu sein.
    Und wenn Sie gerade keinen Kaffee wollen, ist es Ihr verdammtes Recht „Nein“ zu sagen. Bedeutet es dann für Sie, das Sie nie wieder Kaffee trinken werden?
    Wenn ich mich nicht vertreten fühle, nehme ich mir das Recht heraus dazu „Nein“ zu sagen. Ich kann das jedoch jederzeit ändern.
    Das bedeutet ganz einfach „Nein“ zum aktuellen Angebot, oder „Ja“ ich hätte gerne eine Änderung.
    Ist das zu viel verlangt in einer Demokratie?
    Die „Nein Idee“ transportiert keine Werte und Ideologien.
    Wir wollen Ihnen keinerlei Lösungen aufdrängen in Ihrer aktuellen Situation.
    Wir ermöglichen ein Eingreifen und Mitgestalten für jeden Wähler, auch wenn er sich AKTUELL nicht vertreten fühlt.

    Sie dürfen aber auch gerne wegbleiben von der Wahl, wir werden bestimmt niemanden ermuntern „Nein“ zu wählen.

    Mit freundlichem Gruß, Hans-Jörg Nordmeyer

  • Nordmeyer

    Danke für Ihre Einschätzung,
    bedeutet für Sie meine Kandidatur das alle Parteien abgestraft werden?
    Wenn inzwischen fast die hälfte der Leute nicht mehr zu einer Wahl gehen dann wird das Gründe haben.
    Wenn in Deutschland 70% der Bevölkerung gegen Atomkraft sind, und ein Herr Öttinger in Brüssel die Europäische Atomoffensive verkündet dann muß ich die Funktion unserer „Demokratie“ anzweifeln.
    Wenn bei Wind unsere Windräder stillstehen und die Kohlekraftwerke auf Volllast laufen, hat irgendwer etwas nicht richtig gemacht. Der kleine Verbraucher darf den Windenergieausfall voll bezahlen und die Überproduktion der Kohlekraft noch dazu. Wenn ein Land den Klimaapostel raushängt und selbst auf Braunkohle setzt, dann wird diese Regierung für mich unglaubwürdig.
    Wer nur etwas genauer hinschaut wird vieler Fehlentwicklungen fündig.

    Sie werden mich nicht dazu bringen Still zu halten, auch wenn ich die Lösungen nicht habe. Ich werde auch weiterhin dafür kämpfen das jeder Wähler das vorhandene Angebot ablehnen kann. Wenn Sie mir hinter jeden Wahlvorschlag ein „Ja“ und ein „Nein“ Kästchen zaubern, werde ich nicht mehr in Erscheinung treten.

    Ich lade Sie ein, in unserer Gruppe mitzuarbeiten und über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Sie dürfen aber auch jederzeit, getreu unserem Motto, „Nein“ zu diesem Angebot sagen.

    Mit freundlichem Gruß, Hans-Jörg Nordmeyer

  • jawiejetzt?

    Hallo Herr Nordmeyer, schön von Ihnen zu hören. Werden wir Sie auch sehen?
    Es ist Ihnen aber schon klar, daß es einen Wahlsieger geben wird und daß dieser auch alle vertreten wird, die den Gegner, Nein oder gar nicht gwählt haben?
    Man kann sich ausrechnen, was man bekommt je nachdem was man wählt. Aber was bekommt man wenn man Nein wählt?

    Und wenn Sie die Wahl gewinnen, was bekommt man dann? Die Widerholung des Dramas?
    Ich denke bei dieser Wahl geht es um viel, hier einfach Nein zu sagen reicht bei weitem nicht.

    • Nordmeyer

      Hallo jawiejetzt?
      ich denke schon das Sie mich zu sehen bekommen, aber ich bezweifle das es Ihnen weiterhilft. Wie in dem vorangegangenen Beitrag von tommes bereits beantwortet, ich werde niemandem eine Lösung präsentieren und Gott um Hilfe rufen wird euch in Heddesheim auch nicht helfen.

      Mit meiner Kandidatur könnt Ihr in Heddesheim allerdings solange Neuwahlen erzwingen bis euch der Messias auf dem Wahlzettel erscheint.
      Wenn Ihr einen der anderen Kandidaten für geeignet haltet, wünsche ich euch trotzdem Glück und Wohlstand bis zum Ende aller Tage.
      Sollte Ihnen persönlich nun mein Angebot nicht zusagen, bitte ich Sie trotzdem, anderen Bürgern das Recht zuzugestehen, ein „Nein“ zu bestehenden Angeboten zu äußern.
      Für mich ist das ein elementares Grundrecht, und nur mit dem Bewusstsein „Nein, das will ich nicht“ ermöglicht sich das finden eines „neuen“ Gedanken.

      Mit freundlichem Gruß, Hans-Jörg Nordmeyer