Freitag, 10. Juli 2020

Der Bürgermeister und seine drei Stellvertreterinnen

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Guten Tag!

Heddesheim, 23. Juli 2009. Der neue Gemeinderat ist verpflichtet, die Stellvertreterinnen des Bürgermeisters sind gewählt, Ausschüsse, Kommissionen und Beiräte besetzt.

Kommentar: Hardy Prothmann

Heddesheim muss sich auf harte fünf Jahre einstellen. Nicht nur, weil die Finanzen vielleicht klemmen und niemand jemals genau einen solch langen Zeitraum überblicken kann.

Hart wird die Arbeit im Gemeinderat. Dort sitzt eine betonierte CDU-Fraktion, die nur noch ein Ziel hat, nämlich sich durchzusetzen. Trotz oder wegen aller erlittenen Verluste.

Der FDP ergeht das nicht anders. Deren Fraktionschef Frank Hasselbring war zunächst nur um Postensicherung bemüht und schlug dann gestern „Ines Kemmet“ zur stellvertretenden Bürgermeisterin vor. Mehr als den eigenen Namen sollte man sich in einer zwei-Personen-Fraktion schon merken können.

dreifrauen

Der Bürgermeister und seine drei "Fraue". Das Bild wurde vor der Wahl  der drei "Stellvertreterinnen" gemacht und könnte ein Beleg sein, dass die drei "Fraue" schon wussten, warum sie sich mit ihrem "BM" ins Bild setzten. von links: Karin Hoffmeister-Bugla (2), Michael Kessler, Ursula Brechtel (1), "Ines" Ingrid Kemmet (3). Bild: hblog

„Ines“ alias „Ingrid“ lächelt sowas weg. Denn schließlich hat sie eine Blitzkarriere gemacht. Zur Erstkandidatur noch parteilos, nach der Wahl FDP-Mitglied, nach gescheiterten und dann erfolgreichen Fraktions-„Verhandlungen“ im Bauausschuss sitzend, ist sie nun auch stellvertretende Bürgermeisterin, wenn auch nur die dritte.

Was ist passiert? Es gab eine „konstituierende“ Sitzung, also eine, in der der neue Gemeinderat sich zusammenfindet, „verpflichtet“ wird und die Aufgabenteilung festlegt.

Traditionell werden die ersten drei stellvertretenden Bürgermeister nach der Stärke der Fraktionen bestellt.

Doch gestern war Schluss mit der Tradition – stattdessen wurde ein „Exempel“ statuiert.

Frau Ursula Brechtel (CDU) wurde vorgeschlagen und gewählt. Souverän mit 22 von 23 Stimmen. Das heißt, die 6 Grünen-Gemeinderäte haben die Tradition anerkannt und selbstverständlich ihre Stimmen gegeben. Die Enthaltung – wer wars? Der Bürgermeister? Der enthält sich oft auch traditionell seiner Stimme, weil er den Gemeinderat das unter sich ausmachen lässt.

Frau Brechtel grinst und sagt Danke und Vertrauen und nimmt die Wahl an.

Dann wird der Grüne Klaus Schuhmann vorgeschlagen. Aber auch die SPD schlägt vor: Karin Hoffmeister-Bugla.

Die Wahl entscheidet: Herr Schuhmann erhält sieben Stimmen, also sechs aus dem eigenen Lager plus eine Stimme. 16 Stimmen erhält Frau Hoffmeister-Bugla.

Jetzt ist zumindest klar, dass der Bürgermeister die Tradition nicht einhält, sondern mitwählt, schließlich gibt es 23 Stimmen.

Dann kommt es zur Wahl des 3. Stellvertreters. Wieder wird Klaus Schuhmann vorgeschlagen, aber auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Frank Hasselbring schlägt vor – seine einzige Fraktionskollegin „Ines“ Ingrid Kemmet.

Die Wahl erfolgt, die Stimmen ergeben ein fast klares Ergebnis: 14 Gemeinderäte stimmen für Frau Kemmet, 8 für Herrn Schuhmann und es gibt eine Enthaltung.

Damit ist Frau Kemmet gewählt, die wie auch Frau Hoffmeister-Bugla und zuvor Frau Brechtel ganz artig Danke und Vertrauen sagt und grinst.

Worüber eigentlich?

Ãœber dasselbe, über das alle Vertreter der SPD grinsen, bis auf eine Ausnahme?

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.