Dienstag, 12. Dezember 2017

Warum ich grün und rot wähle

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Hardy Prothmann ist Chefredakteur von Weinheimblog.de. Er macht sich echte Sorgen um Sulzbach, denn die Ereignisse verdichten sich. Foto: sap

Hardy Prothmann gibt als Chefredakteur eine Wahlempfehlung ab – sehr persönlich. Und mit der Aufforderung, sich einzubringen.

Rhein-Neckar, 22. September 2013. (pro) Das Ergebnis der Bundestagswahl soll knapp ausgehen. Keine Sorge. Mich hat niemand für meine Meinung bezahlt und mich hat auch kein Tengelmann gesponsort. Meine Meinung ist Ergebnis meiner Arbeit, meiner Erfahrungen, meiner Einstellung und vieler Einflüsse mehr. So geht es uns allen. Ich finde es wichtig, sich eine Meinung zu bilden. Den ohne Meinungen gibt es keine Demokratie.

Von Hardy Prothmann

Als politischer Beobachter blutet mir das Herz. Bürger/innen können sich in unserem Land beteiligen. Man kann frei und geheim wählen. Man kann sich außerhalb einer Wahl einbringen.

Deutschland ist ein Schlaraffenland der Freiheit. Warum sind die Menschen hier nicht freundlicher und zufriedener? Warum gibt es zu wenig offene Debatten? Warum wirken so viele Entscheidungen gemauschelt? Was unterscheidet uns von anderen?

Freiheit!

Da bin ich wieder bei der Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit. Es werden viele Prozesse ausgefochten. Die können Existenzen kosten – auch mich betrifft das, mit rund 18.000 Euro Rechtskosten in vier Jahren. Seit ich blogge und einen neuen Journalismus ausprobiere. Es gibt viele, die mich nicht leiden können und viele, die mich als Vorbild sehen. Ich schätze, dass keiner auf mich schießt. Das nicht Stadtviertel oder Landstriche zerbombt werden. Die Sicherheit in Deutschland ist ein hohes Gut.

Bittere Szenen gibt es trotzdem auch bei uns. Böse Gerüchte oder wie uns eine Nachricht heute Abend erreicht, Drohungen im politischen Kampf, weil jemand Flyer ausgelegt hat. Anzeigen gegen politische Propaganda. Immer härtere Diffamierungen. Bis an die Schmerzgrenze. Bis dahin, dass man sich fragt, wann knallt es?

Das ist bitter, unwürdig und gefährlich.

Ich schätze die CDU als einflussreichste Partei in Deutschland. Ich registriere ihre Macht und ihren Einfluss. Ebenso den der FDP.

Überzeugung vs. Opportunismus

Wenn ich „klug“ wäre, würde ich mein Fähnchen in den Wind hängen und „partizipieren“. Doch an was? Daran, dass immer weniger Menschen immer mehr verdienen?

Es geht mir nicht darum, wer was verdient. Die Neid-Debatten sind eklig. Es geht mir nur darum, dass der Staat hier funktioniert. Mit seiner Freiheit. Deutsche halten es für selbstverständlich, dass sie von A nach B gehen oder fahren können, sich frei bewegen können. Gute Leute – das ist selbst im EU-Ausland nicht selbstverständlich.

CDU und FDP mögen wirtschaftlich gut ihre Strippen ziehen. Aber die gesellschaftlichen Kosten sind zu hoch. Deutschland ist reich, aber unzufrieden. Deutschland ist anerkannt – ein anderes Wort ist gefürchtet.

Besondere Angst machen mir die Piraten. Das ist eine Ansammlung von tatsächlich gefährlichen Irrtümern sondergleichen. Auch das ist keine gute Entwicklugn – denn alle etablierten Parteien haben zu wenige Antworten auf das „Potenzial“ der Piraten. Und am rechten Rand auch nicht in Sachen AfD.

Die Linke fordert viele Dinge, die notwendig sind, beispielsweise einen Mindestlohn. Menschen müssen von Arbeit leben können. Als freier Journalist weiß ich, wovon ich rede. Eine Studie hat 2,86 Euro als Durchschnittsstundenlohn berechnet. Die Ware kann dann nur Billig-Journalismus ohne Qualität sein.

Es kann nicht angehen, dass man Teflon-Politik macht, an der alles abgleitet. Frau Merkel ist nicht mehr für uns Bürger/innen da, wenn sie erlaubt, dass wir ausgespäht werden. Dass sie nichts davon wissen will, macht die Lage nicht besser.

Schwere Wahl

Die SPD zeigt sich selbstzerstörerisch – insbesondere in der Person Steinbruch, Verzeihung, Brück. Trotzdem ist die SPD, mit der ich in der alltäglichen Arbeit größte Probleme habe, die einzige soziale Restpartei. Die Linke ist nicht regierungsfähig.

Die Grünen sind absolut anstrengend. Oft so erzkonservativ wie die CDU. Stur. Demagogisch. Einfach nur blöd. Diese „ich-bin-was-besseres-Haltung“ ist absolut ätzend. Trotzdem haben diese Menschen sehr viel bewirkt – so gut, dass alle anderen sich ihres Wirkens bemächtigt haben.

In meinem Wahlkreis Mannheim könnte ich auch Herrn Jüttner wählen. Professor und so und schon so lange dabei. Wichtig. Ausschüsse. Aber 72. Ich finde, Herr Jüttner sollte sich einmischen, aber als Rentner.

Frau Reinemund (FDP) kann ich aufgrund negativer Erfahrungen nicht wählen.

Herr Rebmann (SPD) schaltet Werbung bei uns. Das freut meine Kasse, hat aber sonst keinen Einfluss. Er bekommt eine Stimme, weil ich hoffe, dass die Sozialdemokratie wichtig bleibt. Die andere Stimme geht an die Grünen, weil die sehr viel mehr bewegt haben, als alle anderen Parteien.

Die Grünen und alle anderen Parteien haben übrigens keine Werbung bei uns geschaltet.

Ich gehe wählen, obwohl ich nicht wirklich überzeugt bin, gut vertreten zu sein. Aber ich will mit meiner Stimme klar machen, dass ich mich beteilige. Und je mehr das tun, umso mehr nimmt man diese Politiker in die Pflicht.

Beteiligung, also Wahl, ist Mitsprache

Ganz klar – nur wählen ist noch keine Demokratie. Und Wählen ist nicht Wählen. Wir haben Wahlen zum Bund, den Ländern, den Kommunen, in Vereinen. Wahlen sind wichtig. Ebenso die Kandidaten und die Inhalte.

Indem man sich beteiligt, erwirbt man Mitspracherecht. Und das ist gut so, für die Demokratie. Machen Sie Ihr Kreuz dahin, wo Sie es gut finden.

Ich gebe grün und rot meine Stimme und überlege noch, wer 1. und wer 2. wird. Würde ich woanders leben, würde ich mir dort alle Kandidaten anschauen und mein Stimme für CDU und FDP wären nicht ausgeschlossen.

Wählen ist nicht nur ein Kreuz machen. Wer wählt, trifft eine Wahl. Vor allem beim Bund eine sehr pauschale. Ich möchte persönlich nicht weitergerautet werden. Und ich finde den Stinkefinger unmöglich.

Ich bin persönlich davon überzeugt, dass jede Demokratie eine soziale Stabilität braucht. CDU und FDP stehen in meinen Augen mit ihrer Klientelpolitik dem entgegen. Deswegen wähle ich rot und grün.

Sollten sich C und F an ihre Werte erinnern, gebe ich ihnen in Zukunft gerne meine Stimme.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.