Mittwoch, 26. Juni 2019

Rita Weins: Als Künstlerin macht sie Druck

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Rita Weins ist Künstlerin. Aber keine abgehobene, sondern eine ganz praktische. Deswegen lässt sie andere auch an ihrer Kunst teilhaben und gibt Kurse. Die Teilnehmer nehmen am Ende ihre eigene Kunst mit nach Hause – zum Anziehen, zum Dekorieren – ganz praktisch eben.

Porträt: Hardy Prothmann

Rita Weins ist eine fröhliche Frau. Der Grund dafür ist ein einfacher: „Seit ich Kind bin, entdecke ich die Welt über das Handwerk und die Kunst. Wenn ich neue Stoffe oder Techniken entdecke, habe ich einfach Spaß daran, meine Ideen zu verwirklichen.“

„Sich selbst zu verwirklichen ist einfach wunderbar.“ Rita Weins

Sie sagt, ein bisschen sei das wie eine Sucht, diese Suche nach Verwirklichung. Aber eine ohne Nebenwirkungen. Außer der Freude, die sie sich und anderen damit bereitet.

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Rita Weins: Kunst bringt Freude. Bild: pro

Seit fünfzehn Jahren lebt Rita Weins in Heddesheim. Mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (18 und 16 Jahre alt). Der Sohn wird im Herbst das Haus verlassen, um eine Ausbildung zu starten – eine kreative.

Rita Weins hat auch früh angefangen, nicht nur auszuprobieren, sondern sich systematisch mit Kunst zu beschäftigen – aus beruflichen Gründen. Sie ist gelernte Hauswirtschaftsleiterin: „Ich habe damals Kurse in kreativem Gestalten gegeben und bin so zur Seidenmalerei gekommen. Seitdem hat mich das nicht mehr los gelassen.“

Die Autodidaktin malt am liebsten auf Wildseide: „Der Stoff fasziniert mich und die vielen Möglichkeiten, ihn zu bearbeiten, ob mit Radierungen, Druck oder Acryl.“

Ausstellung in Heddesheim

2004 hat sie in der Heddesheimer Bücherei ausgestellt: „Die Ausstellung hat mich in Heddesheim bekannt gemacht, dafür bin ich dem Bücherei-Team sehr dankbar.“

Mittlerweile kann sie sich über Aufträge nicht beklagen: „Ich habe als freischaffende Künstlerin zwei Standbeine. Das eine ist die Malerei. Meistens arbeite ich im Auftrag, der Kunde sagt mir also, was er sich vorstellt, wir besprechen das und dann geht es ans Werk.“

Für die Kunden keine allzu kostspielige Angelegenheit. Rita Weins Werke kosten je nach Größe und Material 300-700 Euro. In Waldmichelbach hat sie im „Casa mia“ einen Ausstellungsraum.

Als Kursleiterin macht Rita Weins ordentlich „Druck“.

Das zweite Standbein sind Kurse, die sie entweder zu Hause oder in Mannheim gibt: „Zu Hause ist die Zahl auf drei bis vier Teilnehmer begrenzt. In Mannheim gebe ich die Kurse im Kreativshop „Jeromin“. Da sind es dann bis zu acht Teilnehmer.“

Früher hat sie auch in der VHS Kurse gegeben: „Dort waren die Bedingungen für kreatives Arbeiten aber nicht ideal. Es dauert seine Zeit, bis die Teilnehmer „sich eingerichtet haben“ und einen Bezug zum Material haben.

Drei Stunden sind eine gute Zeit für die Einführung und manchmal braucht es auch länger.“ Ganz feste Zeiten sind deshalb ungeeignet für die kreative Arbeit. Auch die Zahl der Teilnehmer war zu groß: „Ich möchte schließlich auf jeden eingehen können und je mehr Teilnehmer es sind, umso weniger ist das möglich.“

buegel

Nach dem Drucken muss gebügelt werden, damit der Stoff entfärbt wird. Bild: pro

In den Kursen lernen die Teilnehmer den kreativen Umgang mit Druckstempeln: „Der Textildruck ist ein wunderbarer Einstieg in die Welt des kreativen Gestaltens“, sagt Rita Weins.

„Mir ist dabei wichtig, dass die Teilnehmer ihre eigenen Ideen finden und verwirklichen. Wenn Sie dann nach drei bis vier Stunden wieder nach Hause gehen, haben sie selbst gestaltete T-shirts, Tischdecken, Bezüge dabei, an denen sie sich freuen können. Das ist einfach Klasse, wenn die Menschen mit „ihrem“ eigenen „Stück“ nach Hause gehen.“

Während sie erzählt, strahlen ihre Augen und dann… muss sie es zeigen. Sie ist eben eine „praktische“.

Alte Techniken, antike Stempel

In ihrem Werkraum präsentiert sie teils antike indische Stempel, die aus Ebenholz gearbeitet sind – jeder für sich ein kleines Kunstwerk. „Die kosten natürlich mehr Geld, als die modernen Stempel aus Silikon“, sagt Rita Weins.

„Mit den Silikonstempeln kann man auch wunderbar arbeiten, die antiken Stücke sind natürlich aber einfach schöner und es gefällt mir, dass sie von der langen Geschichte der Druckkunst erzählen.“

antik

Antike indische Stempel sind selbst Kunstwerke. Bild: pro

Rund 50 Euro kostet eine Erstausstattung mit Stempeln, Entfärber und Stoffen. Rita Weins hat überwiegend Frauen in den Kursen: „Aber ich hatte auch schon reine Männerkurse. Viele der Teilnehmer wollen ihre Fähigkeiten erweitern, weil sie als Pädagogen oder Lehrer kreativ mit ihren Schülern arbeiten.“

So wie Rita Weins: „Besonders freue ich mich, wenn ich irgendwo eine „alte Technik ausgraben“ kann und sie selbst lerne.“

So wie ihr Faible für Filz. Den Stoff hat sie vor einigen Jahren für sich entdeckt und probiert seitdem eifrig das neue (alte) Material aus. Dabei entwickelt sie durchaus Forschergeist: „Filz ist als Kunstmaterial nicht mehr so bekannt, das reizt mich einfach.“

Bildergalerie

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.