Montag, 11. Dezember 2017

Neues von der Baustelle: Folge 3 – Hektische Eidechsenrettung wegen „bedauerlichem Fehler“

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Heddesheim, 22. November 2011. (red) Obwohl „Pfenning“ zugesichert hatte, den ├Âstlichen Teil des Baugebiets bis M├Ąrz 2012 nicht zu bearbeiten, wurde dort heute auf einem rund 350 Quadratmeter gro├čen Streifen Erde abgeschoben. In diesem Streifen ├╝berwintern Zauneidechsen. Der gr├╝ne Gemeinderat Kurt Klemm schlug Alarm, der Naturschutzbund (Nabu)-Eidechsenexperte Bernd Gremlica raste aus Mannheim heran und forderte den Baggerfahrer auf, weitere Arbeiten sofort zu unterlassen. Kurz darauf trafen auch der Gutachter Dirk Bernd (Lindenfels) sowie „Pfenning“-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger vor Ort ein.

Neues von der Baustelle

Neues von der Baustelle

Bernd Gremlica und Kurt Klemm sind sauer: „Der Baggerfahrer ist ja nur der Sch├╝tze Arsch, der macht nur, was man ihm auftr├Ągt“, kommentiert der Nabu-Eidechsenexperte Gremlica die Situation: Rund 350 Quadratmeter Eidechsen-Habitat sind platt gemacht.

Vor den beiden liegt ein gro├čer Streifen brauner Erde: „Wenn hier Eidechsen waren, sind sie jetzt platt“, sagt Kurt Klemm. Der Rest ist nicht zitabel.

Die beiden hatten im Gespr├Ąch mit dem Gutachter Dirk Bernd aus Lindenfels noch im September abgemacht, dass dieser seinen Auftraggeber „Pfenning“ anh├Ąlt, das ├Âstliche Gebiet bis einschlie├člich M├Ąrz 2012 nicht zu bearbeiten, um die dort gesichteten und dokumentierten Zauneidechsen schadlos ├╝berwintern zu lassen. Anfang April sollen die streng gesch├╝tzten Echsen eingefangen und dann an anderer Stelle ausgesetzt werden.

„Bedauerlicher Fehler“

Dirk Bernd best├Ątigte die Vereinbarung und sprach gegen├╝ber den Natursch├╝tzern von einem „bedauerlichen Fehler“. Er beriet sich kurz mit dem „Pfenning“-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger, der sich uns gegen├╝ber mehr als wortkarg gab und keine Stellung nehmen wollte.┬á„Immobilien-Chef“ Dietmar Wollnitz stritt wie zu erwarten zun├Ąchst jeden Fehler ab. Die beiden waren wohl wegen des drohenden ├ärgers ebenfalls schnell herbeigeeilt, passierten die Natursch├╝tzer und parkten ihre Autos aber „in sicherer Entfernung“ von Klemm und Gremlica.

Letztlich steht aber doch fest, dass vor Ort „Fakten geschaffen“ worden sind und die Erdarbeiten gegen die getroffene Vereinbarung versto├čen haben. Das wiederum ist nicht wirklich eine neue Erfahrung in Zusammenhang mit dem „Vorzeigeunternehmen“ „Pfenning“.

Immerhin: Der Nabu-Experte Bernd Gremlica und der Natursch├╝tzer Kurt Klemm haben bei weiteren Besch├Ądigungen mit einer Anzeige gedroht, das zeigte Wirkung. „Pfenning“ soll sich nun verpflichtet haben, zum Ausgleich des Schadens an anderer Stelle eine Ausgleichsfl├Ąche zu besorgen und zu bezahlen.

Schade nur, dass die Bagger- und Betonmentalit├Ąt der „Pfenning“-Leute sich heute wieder best├Ątigt hat. Der neue „Nachbar“ scheint fest entschlossen, keine Freundschaft mit dem Ort schlie├čen zu wollen, sondern sich wie gewohnt ├╝ber Vereinbarungen hinwegzusetzen und nur auf Druck zu reagieren.

Kurt Gremlica und Kurt Klemm haben durch ihre beherzte Reaktion einen schlimmeren Eingriff verhindert. Hinter ihnen liegt das platt gemachte Eidechsen-Habitat.

 

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • gordongecko

    .. ├╝ber dem gesamten Projekt liegt einfach ein Fluch. Zum Gl├╝ck hat Herr Klemm – mal wieder – schnell und unb├╝rokratisch eingegriffen.

  • Heddesheimer

    Hallo,

    von was sprach Frau Wanecke in ihren Gutachten mal, da drau├čen ist doch nichts au├čer ein Paar Feldhasen und Schmetterlinge.

    Naja Kaufen wir halt Gel├Ąnde ist ja g├╝nstig in Heddesheim und der n├Ąchste reibt sich die H├Ąnde.

  • wengenroth

    Der Vorfall mag eine Kleinigkeit sein, zeigt aber was f├╝r einen r├╝cksichtslosen Plattmach-Konzern wir in Heddesheim bekommen. Das schlimmste ist zu bef├╝rchten, z. b. in Sachen Verkehr etc.

    • Heddesheimer

      Hallo,

      ich empfinde das nicht als Kleinigkeit, auf der Infoveranstaltung (IFOK) war keine rede von streng gesch├╝tzten Echsen, nun sind welche da wen nun auch nicht mehr.

      Mir kam es schon merkw├╝rdig vor als ich bei einem Spaziergang das angelegt Biotop in diesen bereich gesehen habe, mit Sandfl├Ąche, welches sich f├╝r Echsen eignet.

      Also d├╝rfte die Echsen bekannt gewesen sein und nun teilweise oder ganz in diesen Bereich ausgerottet sein.

  • D. Weber

    Ich m├Âchte wetten, das ist erst der Anfang der R├╝cksichtslosigkeit. W├Ąre Pfenning wirklich ein „netter Nachbar“ w├╝rde man z. b. viel offener kommunizieren mit uns Heddesheimern. Die aktuelle Info auf http://www.pro-heddesheim.de ist ├╝ber 2 Jahre alt! – Mauschelei statt Transparenz, warum erinnert diese Strategie von Pfenning nur an den ├Ârtlichen Gr├ÂBaz??

  • jawiejetzt?

    Hallo,

    ein bedauerlicher Fehler? Wer’s glaubt….

    Da kann sich wieder einer freuen ├╝ber die Zeichen der Baut├Ątigkeit.

    „Seit Anfang der Woche bewegt sich etwas auf dem „Pfenning“-Gel├Ąnde im Heddesheimer Gewerbegebiet. Auch gestern grub ein Bagger in der Erde. „Sie werden jeden Tag mehr sehen, es wird nun relativ schnell kr├Ąftig gebaut werden“, sagte B├╝rgermeister Michael Kessler am Donnerstagabend im Gemeinderat.“ schrieb der MM.

    Das kommt dann dabei raus. Schnell und kr├Ąftig aber ohne Sinn und vor allem Verstand.
    Wer hat da geglaubt, es w├╝rde auf ein paar l├Ącherliche Eidechsen R├╝cksicht genommen?
    Bedauerlicher Fehler… Versehen…???

    Bestimmt nicht.

    Na dann… gute Nacht.

  • Grazy

    Tachchen,

    naa das einzige das die Herrn wohl wirklich „Bedauern“ ist das sie dabei Erwischt worden sind.

    Man kann nur Leuten wie Hr.Klemm danken das sie aufpassen.

    Sch├Ânen Tag noch auch wenn,s Heut richtig mies drau├čen iss

  • Laura

    Dieser Fall ist symptomatisch – Hauptsache, die Bauunternehmen sind besch├Ąftigt und die teuren Maschinen k├Ânnen zum Einsatz kommen. Wen k├╝mmert┬┤s, wenn dabei Tiere platt gemacht werden, stehen ja nicht einmal auf der Roten Liste. Dank an Herrn Klemm, der noch Schlimmeres verhindern konnte.