Mittwoch, 23. August 2017

„Der Künstler ist die Natur selbst, ich bin nur der Komponist“ – Ausstellung in der Kulturscheune

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Guten Tag!

Heddesheim, 22. November 2010. Die beiden Heddesheimer Künstler Roland Schmitt und Bernd Gerstner stellen noch bis 27. November ihre Werke 2003-2010 in der Viernheimer Kulturscheune aus.

Von Sabine Prothmann

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Roland Schmitt vor "Dynamik"

„Eigentlich sind wir drei Künstler“, sagt Roland Schmitt, „Bernd Gerstner, ich und wir zusammen.“ Noch bis zum kommenden Samstag, 27. November, ist die Ausstellung der beiden Heddesheimer Künstler in der Viernheimer Kulturscheune zu sehen.

Insgesamt 31 Bilder, Wandobjekte und Skulpturen zeigen das gemeinsame Schaffen aus den Jahren 2003-2010. Dabei verschmelzen Holz und Erdfarben ineinander.

„Wir sind beide 1957 in Heddesheim geboren, uns hat die gleiche Hebamme per Hausgeburt zur Welt gebracht, wir sind auf die gleiche Grundschule gegangen“, erzählt Schmitt schmunzelnd. Das sind Bonmots, die er gerne erzählt.

Danach trennten sich erstmal die Wege. Roland Schmitt machte eine Schreinerlehre und hat heute seine Werkstatt in Ladenburg. Er macht Möbel. Bernd Gerstner, gelernter Automechaniker, arbeitet heute in einer Verwaltung.

Beide sind Handwerker und so gehen sie auch mit den Materialien um, da wird das Holz bearbeitet und geölt bis jede Maserung zu erkennen ist. Die Farbe gemischt und aufgetragen. Die Materialien werden verbunden.

Zwischen 1990 und 1995 arbeiteten sie zusammen bei verschiedenen Kunstinitiativen in Heddesheim und beide gehören zu den Gründungsmitgliedern des 2006 gegründeten Heddesheimer Kunstvereins.

Die erste gemeinsame Ausstellung fand 2004 statt und die in Viernheim ist jetzt schon die sechste.

„Einer beginnt und gibt dann weiter“

Bernd Gerstner bei der Ausstellung "Verletzte Seelen" in Ladenburg.

Wie sieht der Schaffensprozess eines Kunstwerks aus, wenn zwei daran arbeiten. „Einer beginnt und gibt es dann weiter“, erklärt Roland Schmitt. Dieser Vorgang könne auch noch mehrmals wiederholt werden. Manchmal sei im Vorfeld eine Idee da, aber was wirklich dabei rauskommt, weiß man nicht. „Man ist manchmal überrascht, aber wir lassen und voll drauf ein.“

Auf die Frage: „Gibt es in der Kunst Vorbilder, haben andere Künstler schon so gearbeitet?“, antwortet Schmitt: „Picasso, glaube ich, er hat es zumindest mal probiert.“

„Der Künstler ist die Natur selbst, ich bin der Komponist und stelle die Natur um“, sagt Roland Schmitt von seinem Schaffen

Die Natur spielt zunächst die Hauptrolle in den Kunstwerken der beiden Heddesheimern. Bernd Gerstner malt nur mit Erdfarben, die er selbst ansetzt. Er sammelt von überall Erde, Ackerboden, Sand, Marmor aus Carrara. Die Bindemittel sind geheim, aber da wir auch schon mal Bier verwendet, verrät Schmitt. Er selbst arbeitet mit Holz.

Zwei der ausgestellten Bildobjekte sind für eine Ausstellung im Ladenburger Benzmuseum entstanden. Das Thema: Bewegung. In „Perpetuum Mobile“ wird die Bewegung von Zahnrädern durch das hervorstehende, gezackte Holz aufgenommen, in „Dynamik I-III“ dreht sich ein Rad fortlaufend über drei Bildträger. Holzstreben verbinden und trennen wie Speichen das gemalte Bild. Die Bewegung wird greifbar. „Das ist im Moment mein Lieblingsbild – alles kommt von Innen“, sagt Schmitt.

Sieben Bilder zeigen Sternbilder. Mit wenigen Strichen hat Gerstner, das gemalt, was der Betrachter braucht, um sie „Sternenhimmel“ zu erkennen. Schmitt hat mit seinen Holzelementen auch hier wieder reliefartig die Akzente gesetzt.

„Ein eigenes Atelier wäre ein Traum“

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Skulpturen wie aus einem Guss.

Drei Skulpturen sind für die aktuelle Ausstellung in der Viernheimer Kulturscheune neu entstanden. Es sind Holzskulpturen, die in der modernen Architektur der alten Scheune wunderbar zu Geltung kommen. Der Schreiner Schmitt hat das Holz bearbeitet, poliert, geölt, der Maler Gerstner hat diesmal die Akzente gesetzt, die Natur aufgenommen und verfremdet. Es wie aus einem Guss und doch hat jede Skulptur ihre zwei Seiten.

„Ein eigenes Atelier wäre ein Traum“, sagt Schmitt. Doch zunächst ist er schon wieder dabei die nächsten Ausstellungen vorzubereiten, eine eigene und eine für die „drei Künstler“.

Ort: Kulturscheune Viernheim, Satonévriplatz 1, Viernheim
Öffnungszeiten
: Dienstag 10.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 14.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 13.00 Uhr und 15.00 bis 19.00 Uhr , Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Samstag 10.00 bis 12.00 Uhr.

Viel Freude bei den Bildern.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.