Mittwoch, 23. August 2017

Erstes Kunstfrühstück des Heddesheimer Kunstvereins - Dia-Vortrag zu Frida Kahlo

„Das dramatische Leben einer tollen Künstlerin“

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Heddesheim, 22. März 2012. (red/sap) Kunst- und kulinarischer Genuss passen gut zusammen, das konnte man am vergangenen Samstag, 17. März 2012, bei dem ersten Kunstfrühstück des Heddesheimer Kunstvereins feststellen. Mit der Heidelberger Kunsthistorikerin Yvonne Weber hatte man eine gute Wahl getroffen, sie hielt einen hervorragenden Dia-Vortrag zu dem spannenden Thema „Frida Kahlo“.

Von Sabine Prothmann

Veronika Drop, die Vorsitzende des Heddesheimer Kunstvereins, freut sich, dass das 1. Heddesheimer Kunstfrühstück so gut angenommen wird:

Wir sind ausverkauft.

Alle 30 Plätze in der kleinen Galerie im Alten Rathaus waren besetzt, einige Interessierte konnten keinen Platz mehr ergattern.

Die mexikanische Künstlerin „Frida Kahlo“ war Gegenstand des Dia-Vortrags von Yvonne Weber. Die Bilder dieser Künstlerin seien untrennbar mit ihrem Schicksal und ihrer Biografie verbunden, sagte die Kunsthistorikerin. Und erzählte anhand der großartigen Bilder und von Fotografien vom Leben dieser Ausnahmekünlerin und -frau.

Frida Kahlo wurde am 06. Juli 1907 in Mexiko geboren, doch die Mexikanerin mit Pforzheimer Wurzeln verlegte ihr Geburtsdatum kurzerhand auf den 07. Juli 1910, nicht aus Eitelkeit, sondern um „neugeboren zu sein mit dem Beginn der mexikanischen Revolution“, erzählt Weber.

Frida Kahlo hatte ein kurzes, aber bewegtes Leben:

„Es ist das dramatische Leben einer tollen Künstlerin.“

Mit sechs Jahren erkrankt sie an der Kinderlähmung, ein Bein bleibt dadurch entstellt und verkürzt, sie wird deswegen lange Röcke oder Hosen tragen.

Die Kunsthistorikerin Yvonne Weber bei dem Dia-Vortrag zu Frida Kahlo.

Mit 18 Jahren verunglückt sie schwer bei einem Busunfall, eine Metallstange bohrt sich durch ihren Unterleib. Monatelang liegt sie nahezu bewegungsunfähig in einem Ganzkörpergips im Bett. Niemand rechnet damit, dass sie wieder laufen können wird. In dieser Zeit verliert sie ihren Verlobten und somit ihre erste Liebe. Der Unfall, obwohl es ihr durch ihren eisernen Willen gelingt, wieder laufen zu lernen, wird ihr Leben prägen. Mehr als 25 Operationen muss sie sich unterziehen, es wir ihr verwehrt bleiben, ein Kind auszutragen. Schmerzen werden zum ständigen Wegbegleiter und am Ende ihres Lebens, mit 47 Jahren, wird sie sich kaum noch aus dem Bett bewegen können.

Aber der Unfall ist auch der Beginn ihres künstlerischen Wirkens. Ans Bett gefesselt, auf dem Rücken liegend, beginnt sie zu malen. Das erste Bild, ein Selbstportrait, malt sie, um ihren Verlobten Alejandro zurück zu gewinnen.

„Surreal sind meine Bilder nicht“

Selbstportraits werden auch ein Drittel ihrer Bilder ausmachen. Ihre Malerei ist der Volkskunst zugewandt, der Votivmalerei. Es finden sich immer wieder surreale Elemente, doch „surreal sind meine Bilder nicht“, soll Frida Kahlo gesagt haben, erzählt Yvonne Weber. Die kunsthistorische Einordnung ist nicht ganz einfach.

Frida ist eine von vier Schwestern, sie ist die dritte Tochter, und der engste Kontakt besteht zu Cristina, der jüngsten Schwester. Das Verhältnis zur Mutter ist nicht herzlich, gestillt wurde sie von einer indianischen Amme, was sie auch in einem Bild festhält. Den unbändigen Lebenswillen hat sie von ihrem Vater, der als Fotograf arbeitet und Epileptiker ist.

Noch vor ihrem Unfall, mit 15 Jahren, besucht sie eine Schulvorbereitung für die Universität. Hier lernt sie den berühmten Maler Diego Rivera kennen, der in ihrer Schule ein Fresko malt. Er ist hässlich und 20 Jahre älter, die Leute werden später über das Paar sagen, „die Taube und die Kröte“, aber die 17-Jährige Frida beschließt:

Ich werde ein Kind mit Diego haben.

Diego Rivera führt die junge Frida in Künstlerkreise ein. Sie heiraten, als sie 22 Jahre ist. Er ist 43 Jahre alt, das ist 1926. Sie versprechen sich keine Treue, aber Loyalität. Und Frida profitiert, zumindest künstlerisch, von dieser Ehe.

1930 ist sie schwanger. Als Folge des Unfalls verliert sie dieses Kind. Weitere Fehlgeburten werden folgen. Diego Rivera und Frida verlassen die Kommunistische Partei, im selben Jahr gehen sie nach Amerika, wo Diego eine Auftragsarbeit für die Ford-Werke in Detroit verwirklichen soll.

Die Bilder zeugen von der Lebensgeschichte

Frida Kahlo wird sich nie in Amerika wohlfühlen. Sie ist wieder schwanger und wieder verliert sie das Kind. Ein eindrucksvolles Gemälde zeugt von diesem traumatischen Erlebnis. Yvonne Weber sagt:

Man kann ihre Bilder nicht ohne die Lebensgeschichte betrachten.

Die beiden Welten, Süd- und Nordamerika, verarbeitet sie in Bildern. Es ist augenfällig, welcher Welt sie den Vorzug gibt.

Frida und Diego kehren nach Mexiko zurück. Sie sind sich gegenseitig untreu. Doch dann erwischt Frida ihn mit ihrer Schwester Cristina und damit wird die Loyalität zerstört und sie verlässt ihn.

In Folge hat sie Affären mit einem Bildhauer, mit einem Fotografen, mit Trotzkin, mit Frauen. 1939 holt André Breton Frida Kahlo zu einer surrealistischen Ausstellung nach Paris.

Im selben Jahr will sich Diego die Scheidung. Frida schneidet sich die Haare ab, das, was er immer an ihr geliebt hat – auch das verewigt sie in einem Bild. Es geht ihr sehr schlecht.

Doch kein Jahr später heiratet sie Diego erneut. Sie schließen einen Vertrag, es gibt keinen Sex mehr unter den Eheleuten.

1943 bekommt Frida Kahlo einen Lehrstuhl an der Kunsthochschule. Es geht ihr körperlich immer miserabler, sie liegt immer wieder im Gipskorsett, sie ist inzwischen wieder in ihr Geburtshaus, ins „Blaue Haus“, gezogen. Diego folgt. Ihre Schmerzen werden immer bohrender und sie kann kaum noch das Bett verlassen. Ihre Vorlesungen hält sie zuhause. Sie muss immer wieder operiert werden. In ihrer Malerei taucht ein neues Genre auf: Stillleben.

1946 erhält sie den Nationalpreis für das Bild „Moses“ und 1953 hat sie ihre erste Einzelausstellung in Mexiko. Sie wird in ihrem Bett zur Ausstellung gebracht. Im selben Jahr wird ihr rechter Fuß amputiert.

1954 stirbt sie in Folge einer Lungenentzündung.

Gelungener Auftakt – Appetit auf mehr

Es ist keine leichte Kost, was Yvonne Weber, beim 1. Heddesheimer Kunstfrühstück präsentiert. Aber sie macht es locker und dabei eindringlich und versöhnlich. In ihrem Dia-Vortrag zeigt sie anschaulich das Werk und das Leben dieser außergewöhnlichen Künstlerin und Frau.

Die 30 Besucher sind begeistert. Die Veranstaltung hat Appetit auf mehr gemacht, auf mehr Frühstück und auf mehr Kunst. Gerne beim nächsten Mal auch mit einer gemeinsamen Gesprächsrunde.

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