Mittwoch, 26. September 2018

Gabi´s Kolumne: Was ist eine gute Ehefrau?

Print Friendly, PDF & Email


Gibt es das? Eine gute Ehefrau? Und ist es tatsächlich einfach, den Gatten glücklich zu machen? Fragen über Fragen, die Gabi beschäftigen.

Was ist eine gute Ehefrau …

…frage ich mich täglich aufs Neue. Meine Kollegin, zum Beispiel, betütelt ihren Göttergatten. Als er sich kürzlich das Bein brach, stellte sie überall in der Wohnungen Wasserflaschen und kleine Behältnisse mit Naschereien auf, damit der Arme während ihrer Arbeitszeit nie weit humpeln musste – ich gestehe, dieses Krankenschwester-Gen fehlt mir komplett.

Als ich mich kürzlich bei meiner Freundin über den unermüdlichen Arbeitseifer meines Mannes bitterlich beschwerte, dem sogar unser Urlaub zum Opfer fiel, tadelte sie mich mit den Worten: „Er macht das ja nicht nur für sich, da musst du ihn schon unterstützen. Ich musste für die Karriere meines Mannes auch schon auf einiges verzichten.“

Eine Freundin mit Zwillingen bekam verständlicherweise sehr wenig Schlaf in den ersten Jahren, bei ihr zu Besuch, erlebte ich, wie sie ihre Dreijährigen davon abhielt um 9 Uhr – sie war um 6 Uhr aufgestanden – den Vater zu wecken. „Papa hatte so eine anstrengende Woche, lasst ihn ausschlafen.
Ich schickte meine Kinder, als sie klein waren ins Schlafzimmer, damit sie ihren Vater aus dem Bett prügelten – und empfand dabei – ehrlich – Freude, wenn sie sich mit Gebrüll auf ihn stürzten.

„Du musst deinem Mann das Gefühl geben, dass du Verständnis für ihn hast und ihm natürlich eine gute Gesprächspartnerin sein… und lass dich niemals gehen, Männer wollen keine Frauen, die sich hängen lassen …“, riet mir eine gute Bekannte. „Man muss Männer bewundern, das brauchen sie für ihr Ego. Und Kritik solltest du die möglichst sparen.“

Okay, dann hatte ich wohl alles falsch verstanden und nahm mir vor in Zukunft alles besser zu machen.

Ich kochte ein fulminantes Mahl und wartete, hübsch gemacht, auf meinen Mann. Er kam, wie üblich, zu spät. Ich säuselte: „Mein armer Schatz, hattest du einen anstrengenden Tag, ich wärme gleich noch mal alles auf, setz’ dich nur schon hin, ich schenke dir ein Glas Wein ein.“

Sichtlich irritiert, gestand mir mein Gatte, dass er nach dem Abendessen noch mal an den Schreibtisch müsse. „Aber das macht doch gar nichts, dann bestell’ ich die Kinokarten wieder ab und bügle deine Hemden“, antwortete ich mit einem Lächeln.

„Du wolltest mit mir doch noch Mathe machen“, beschwert sich mein Sohn. „Aber Liebling, du hörst doch, dein Vater hat noch zu tun“, weise ich ihn zurecht.

Jetzt schauen mich auch die Kinder vollkommen verständnislos an.

Irgendwie gefalle ich mir in der Rolle ganz gut und fühle mich fast schon wie Mutter Theresa. „Lass nur den Teller stehen, ich mache das gerne für dich.“

„Was hast du heute denn Tolles gemacht?“, frage ich mit vollem Interesse. „Bestimmt war das sehr schwierig und du hast für alles fantastische Lösungen gefunden.“ Mein Mann strahlt.

So einfach ist es doch, einen Mann glücklich zu machen, denke ich.

Gute drei Stunden halte ich durch, kein kritisches Wort, nur Verständnis und Bewunderung.

Dann bricht es aus mir raus: „Kannst Du eigentlich mal deine Kaffeetassen aus dem Büro räumen und es nervt mich absolut, dass du nie pünktlich sein kannst und wenn du eh’ nie Zeit für mich hast, solltest du dir doch besser eine Haushälterin suchen als eine Ehefrau ….“

Upps, alle guten Vorsätze dahin.

Grinsend nimmt mich mein Mann in die Arme: „Gut, dass du wieder normal bist, ich habe mir schon Sorgen gemacht. Aber, wenn ich ehrlich bin, schön war’s schon, mal von dir verwöhnt und bewundert zu werden.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.